Richard Wagner gilt als einer der bedeutendsten deutschen Komponisten des 19. Jahrhunderts. Allerdings entwarf er nicht nur berühmte ‚Musikdramen’, sondern war auch literarisch tätig. Er verfasste eine Vielzahl von Schriften, die sich mit aktuellen ästhetischen, politischen und gesellschaftlichen Themen seiner Zeit beschäftigten. Eine davon soll in dieser Arbeit auf ihr ästhetisches Konzept der deutschen Kultur untersucht werden. Dabei handelt es sich um die Aufsatzsammlung „Deutsche Kunst und Deutsche Politik“, die in den Jahren 1867 und 1868 entstand.
Wagner entwickelt darin seine Vorstellungen von einer Erneuerung der deutschen Kultur. In Abgrenzung von den ‚romanischen’ Einflüssen auf die deutsche Kunst will Wagner den ‚deutschen Geist’ in Gestalt seines ‚Musikdramas’ zur Geltung bringen. Dadurch soll der deutschen Kultur wieder eine herausragende Rolle in Europa zukommen. Dieses Konzept einer Erneuerung der deutschen Kunst in „Deutsche Kunst und Deutsche Politik“ soll in dieser Arbeit herausgearbeitet werden. Dabei soll umrissen werden, welche Elemente dieses Konzept enthielt und wie Wagner sich seine Umsetzung vorstellte.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Wagners Reflexionen zur „Deutschen Politik“
III. „Deutsche Kunst“ bei Wagner
IV. Anpassung und Adaption der kulturästhetischen Vorstellungen Wagners
1. Die Anpassung von Wagners Vorstellungen in seiner Beethovenschrift
2. Nietzsches Adaption von Wagner Konzept in der „Geburt der Tragödie“
V. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Richard Wagners ästhetisches Konzept einer Erneuerung der deutschen Kultur, wie es in seiner Aufsatzsammlung „Deutsche Kunst und Deutsche Politik“ entworfen wurde, und analysiert dessen Modifizierung in Wagners späterer „Beethovenschrift“ sowie in Friedrich Nietzsches „Geburt der Tragödie“ vor dem Hintergrund der zeitgenössischen politischen Entwicklungen.
- Analyse des kulturästhetischen Konzepts Wagners in den Jahren 1867/68
- Wagners politische Reaktionen auf die Reichsgründung und den preußischen Aufstieg
- Die Dichotomie zwischen „deutschem Geist“ und „französischer Civilisation“
- Die konzeptionelle Weiterentwicklung bei Wagner und die Übernahme durch Nietzsche
Auszug aus dem Buch
III. „Deutsche Kunst“ bei Wagner
In seiner Schrift rekurriert Wagner an vielen Stellen auf den Gegensatz von „deutsche[m] Geiste“ und „französische[r] Civilisation“.12 Für Wagner stand der politische Einfluss, den Frankreich lange Zeit in Europa besaß, im Kontrast zu seiner kulturellen Leistungsfähigkeit. Der „deutsche Geist“ hingegen habe trotz der politischen Zersplitterung des Landes große Kunstwerke schaffen können. Den Künstlern deutscher Sprache – im Besonderen Goethe, Schiller, Mozart und Beethoven – sei es zu verdanken, dass „das griechische Ideal“ in Europa wieder erreicht werden konnte.13 Wagner geht es also um die Wiederherstellung alter hellenischer Kunst.
Die Deutschen seien diejenigen, die Europas Kultur erneuern könnten. Zuvor aber müssten sie den Einfluss der ‚dekadenten’ französischen „Civilisation“ überwinden. Dann erst könne Europa die Früchte des „deutschen Geistes“ genießen. Die deutsche „Innigkeit und Reinheit“ sei auch den Franzosen bekannt.14 Sie ermögliche es dem deutschen Künstler, auf die Regelhaftigkeit der französischen Dichtkunst zu verzichten. Hier erscheint wieder das Grundmotiv der ganzen Schrift: Der lediglich zur Nachahmung und zur Adaption fähigen französischen „Civilisation“ wird die deutsche „Innigkeit“ entgegengestellt.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung erläutert die Relevanz von Wagners Schriften für das Verständnis seines ästhetischen Konzepts und steckt den Untersuchungsrahmen von 1867 bis 1871 ab.
II. Wagners Reflexionen zur „Deutschen Politik“: Dieses Kapitel analysiert Wagners politischen Sinneswandel hin zur Unterstützung der preußischen Einigungspolitik und seine damit verbundene Aufwertung des preußischen Staates.
III. „Deutsche Kunst“ bei Wagner: Das Kapitel untersucht Wagners ästhetische Grundannahmen, insbesondere die Ablehnung der französischen „Civilisation“ zugunsten einer vermeintlich überlegenen deutschen „Innigkeit“.
IV. Anpassung und Adaption der kulturästhetischen Vorstellungen Wagners: Hier wird beleuchtet, wie Wagner seine Konzepte 1870 an das Zeitgeschehen anpasste und wie Friedrich Nietzsche diese in seinem Werk rezipierte.
V. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt die enge Verflechtung von Wagners Ästhetik mit der zeitgenössischen Politik sowie die Kontinuität dieser Ideen in Nietzsches Frühwerk.
Schlüsselwörter
Richard Wagner, Friedrich Nietzsche, Deutsche Kunst, Deutsche Politik, deutscher Geist, französische Civilisation, Musikdrama, Reichsgründung, Kulturkritik, Ästhetik, Beethoven, Gesamtkunstwerk, Nationalidentität, Schopenhauer, Kulturtheorie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert Richard Wagners ästhetische Vorstellungen zur Erneuerung der deutschen Kultur in seinen Schriften zwischen 1867 und 1871.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Spannungsfeld zwischen Kunst und Politik, die Abgrenzung zum französischen kulturellen Einfluss und die Entwicklung nationaler Identität.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Elemente von Wagners ästhetischem Konzept sowie deren Modifizierung durch Wagner selbst und Friedrich Nietzsche in den Jahren der deutschen Reichsgründung aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche und ideengeschichtliche Analyse der Quellentexte unter Einbeziehung relevanter Forschungsliteratur vorgenommen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet Wagners politische Ansichten, seine ästhetische Theorie in „Deutsche Kunst und Deutsche Politik“ sowie deren Adaption in der „Beethovenschrift“ und Nietzsches „Geburt der Tragödie“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie deutsches Wesen, Musikdrama, Zivilisationskritik, preußische Führung und ästhetische Erneuerung charakterisieren.
Wie bewertet Wagner den preußischen Sieg von 1866?
Wagner begrüßt den Sieg Preußens und sieht darin eine Chance für die deutsche Einigung sowie für die Etablierung einer starken Führungsmacht, von der er sich eine Förderung der deutschen Kunst erhofft.
Welche Rolle spielt Frankreich in Wagners Denken?
Frankreich verkörpert für Wagner die „dekadente Civilisation“, deren Einfluss überwunden werden muss, um den „deutschen Geist“ zur Entfaltung zu bringen.
Warum rezipiert Nietzsche Wagners Ansätze?
Nietzsche sieht in Wagners Musikdrama eine Wiedergeburt des „dionysischen Geistes“ und den „deutschen Mythus“, was er als notwendigen Schritt zur kulturellen Erneuerung wertet.
- Arbeit zitieren
- Daniel Scholaster (Autor:in), 2014, Richard Wagners ästhetisches Konzept einer Erneuerung der deutschen Kultur in seiner Schrift "Deutsche Kunst und Deutsche Politik", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/443780