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Radiotheorien der Weimarer Zeit. Bertolt Brechts Radiotheorie und -praxis

Title: Radiotheorien der Weimarer Zeit. Bertolt Brechts Radiotheorie und -praxis

Term Paper (Advanced seminar) , 2000 , 32 Pages , Grade: sehr gut (1)

Autor:in: Yvonne Drosihn (Author)

Communications - Media History
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Summary Excerpt Details

Die vorliegende Arbeit - im Rahmen des Hauptseminars Einzelmedientheorien in ihrer geschichtlichen Entwicklung - stellt eine Auseinandersetzung mit der Radiotheorie Bertolt Brechts dar.

Als „Medienprotagonist“ und „Medienexperimentator“ wird Brecht in der Sekundärliteratur betitelt. Wenn einerseits von seinen „konsequente(n) rundfunktheoretische(n) Überlegungen, die bis heute noch nicht eingelöst werden konnten“ die Rede ist, es an anderer Stelle heißt, das „Brechtsche Konzept [...] lässt sich nur noch kritisch begreifen: technisch wie ästhetisch sind seine Widersprüche beträchtlich“ , spricht dies wohl schon für dessen enorme Diskursivität. Es wirft aber auch die Fragen auf, wo genau die Widersprüche liegen, warum dieses Konzept nicht aufgegangen ist.

Die Frage der Aktualität der Ideen Brechts innerhalb der heutigen Rundfunk- und Hörspieldiskussion wird in dieser Ausarbeitung zwar auch tangiert werden, soll jedoch gegenüber der Aufdeckung der inhärenten Widersprüche, auf der hier der Schwerpunkt liegt, zurücktreten. Es wird zunächst nötig sein, die Rundfunksituation der Weimarer Republik, aus der heraus die Brechtschen Überlegungen ent-standen sind, zu erläutern, sowie den Standort, den diese innerhalb der Rundfunkdiskussion jener Jahre einnehmen.
Für eine umfassende historische Darstellung der Entwicklung der Brechtschen Radiotheorie, wie sie beispielsweise Peter Groth und Manfred Voigts oder Dieter Wöhrle geben, bietet diese Arbeit keinen Raum. Es soll jedoch unter 2. versucht werden, verschiedene Systematisierungsversuche zusammen-zufassen und wichtige Aspekte der Radiotheorie herauszugreifen. Eine entsprechende Rolle wird da-bei dem radiopraktischen Versuch „Der Flug der Lindberghs“ zukommen.
Sodann sollen die wichtigsten Kritikpunkte unter 3. zusammengetragen werden. Neben der Auflis-tung der Schwachstellen der Brechtschen Überlegungen soll aber dennoch deren spezifisches Ver-dienst deutlich gemacht werden..

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Rundfunk in der Weimarer Republik

1.1 Organisationsstruktur: Entwicklung und Tendenzen

1.2 Verhältnis der Schriftsteller zum Rundfunk

1.2.1 Standort Brechts

2. Brechts Radiotheorie und -praxis (1927-1932)

2.1 Rundfunktheoretische Texte Brechts

2.2 Radiopraxis: Das Radioexperiment „Der Flug der Lindberghs“

3. Kritikpunkte - Positionen der Forschung

4. Ausblick: Anknüpfungsversuche

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit der Radiotheorie und -praxis Bertolt Brechts während der Weimarer Republik auseinander. Das primäre Ziel ist es, die spezifischen Widersprüche in Brechts Konzepten aufzudecken, zu untersuchen, warum dieses Konzept historisch nicht in der gewünschten Form aufging, und gleichzeitig dessen bleibenden Beitrag zur medienästhetischen Diskussion herauszuarbeiten.

  • Die Rundfunksituation und Organisationsstruktur in der Weimarer Republik
  • Brechts theoretische Reflexionen zum Rundfunk als Distributions- versus Kommunikationsapparat
  • Die praktische Umsetzung im Radioexperiment „Der Flug der Lindberghs“
  • Kritische Einordnung der Forschungspositionen zur Brechtschen Radiotheorie
  • Anknüpfungspunkte im Neuen Hörspiel und in aktuellen Medientheorien

Auszug aus dem Buch

Radiopraxis: Das Radioexperiment „Der Flug der Lindberghs“

Dieser praktische Versuch Brechts mit den Möglichkeiten des Radios ist nun gleichzeitig der Versuch, dem Medium, in dem und für das er schreibt, Rechnung zu tragen. Das Kommunikationsgeschehen von Radio und Hörer soll durch dieses `Radioexperiment´ verdeutlicht werden.

Eine wirkliche Kommunikation zwischen dem Sender und einer massenhaften Hörerschaft ist durch die wesentliche Trennung in Produzenten und Rezipienten ausgeschlossen: der Künstler wird zum Lieferanten, der Hörer zum Konsumenten degradiert. Diese spezifische Trennung von Kunstproduktion und -rezeption arbeitet Brecht insbesondere in seinen Texten zum Thema Rundfunk auf (vgl. 2.1) und entwickelt nunmehr eine Kunst für Produzenten, die diese Vermitteltheit zeigen und auflösen helfen soll.

Das Stück "Der Lindberghflug" hat die Vermittlung selbst zum Inhalt: die dem "Apparat Radio" immanente Trennung wird den Zuschauern im Versuchsaufbau vorgeführt. Brecht thematisiert, angeregt durch die spektakuläre Atlantiküberquerung des Amerikaners Charles Lindbergh 1927, die Bezwingung der Natur durch die kollektive Arbeit von Menschen, die ein Flugzeug zu bauen in der Lage sind - die Pioniertat Lindberghs ist quasi ein gemeinschaftliches Produkt. Die Leistung, nicht die Person, steht im Vordergrund: dem Hörer soll klargemacht werden, dass ein Kollektiv von Menschen die Welt verbessern und verändern kann. (Um eine Heroisierung der einzelnen Person zu verhindern erfolgte denn auch die spätere Umbenennung in "Der Ozeanflug".)

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung umreißt die Auseinandersetzung mit Bertolt Brechts Radiotheorie und stellt den Anspruch, inhärente Widersprüche in seinem Medienkonzept offenzulegen.

1. Rundfunk in der Weimarer Republik: Dieses Kapitel erläutert die politische und organisatorische Situation des Rundfunks in der Weimarer Republik sowie die ambivalente Haltung der zeitgenössischen Schriftsteller gegenüber dem neuen Medium.

2. Brechts Radiotheorie und -praxis (1927-1932): Hier werden Brechts zentrale Texte zur Radiotheorie analysiert und sein praktischer Versuch des Radiolehrstücks „Der Flug der Lindberghs“ auf seine pädagogische Intention hin untersucht.

3. Kritikpunkte - Positionen der Forschung: Das Kapitel trägt die zentralen Kritikpunkte der Forschung an Brechts Radioreflexionen zusammen, insbesondere hinsichtlich ihrer Utopiehaftigkeit und der Fehleinschätzung des Publikums.

4. Ausblick: Anknüpfungsversuche: Hier wird die Bedeutung von Brechts Ideen für spätere medientheoretische Ansätze sowie für das Neue Hörspiel und das Original-Ton-Verfahren diskutiert.

5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Brechts Konzept zwar geschichtlich scheiterte, aber als sperrige Herausforderung für die medientheoretische Debatte und als Plädoyer für einen emanzipatorischen Mediengebrauch Bestand hat.

Schlüsselwörter

Bertolt Brecht, Radiotheorie, Weimarer Republik, Kommunikationsapparat, Hörspiel, Der Flug der Lindberghs, Neue Sachlichkeit, Materialästhetik, Medienkritik, Rundfunkzensur, Aktivierung des Hörers, Emanzipatorischer Mediengebrauch, Massenkultur, Ideologiekritik

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit den theoretischen Überlegungen und der praktischen Radioarbeit Bertolt Brechts in den Jahren 1927 bis 1932 und untersucht dessen Kritik am damaligen Rundfunksystem.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die organisatorische Struktur des Weimarer Rundfunks, Brechts Forderung nach Umfunktionierung des Rundfunks vom Distributions- zum Kommunikationsapparat und die Analyse seines Radioexperiments „Der Flug der Lindberghs“.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, die Widersprüche in Brechts Rundfunkkonzept aufzudecken, sein Scheitern in der damaligen historischen Situation zu erklären und seine bleibende Relevanz als Impulsgeber für die Medienkritik zu bewerten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die verschiedene Forschungspositionen zu Brechts Medienästhetik zusammenführt und diese kritisch gegenüberstellt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert detailliert die theoretischen Texte Brechts, sein Radiolehrstück als praktischen Versuch der Hörerdeaktivierung und der gleichzeitigen Aktivierung zum Produzenten sowie die Kritik der Forschung an diesen Ansätzen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Brecht, Radiotheorie, Kommunikationsapparat, Ideologiekritik, Umfunktionierung und Emanzipatorischer Mediengebrauch charakterisiert.

Warum scheiterte Brechts Konzept laut der Forschung?

Die Forschung kritisiert, dass Brecht die gesellschaftlichen Bedingungen der Weimarer Republik ignorierte, eine zu idealistische Vorstellung von der Aktivierbarkeit der Hörer hatte und die manipulative Macht der Massenmedien unterschätzte.

Welche Bedeutung hat das „Radiolehrstück“ im Kontext der Arbeit?

Das Radiolehrstück dient als konkretes Beispiel für Brechts Versuch, die Trennung zwischen Produzent und Rezipient aufzuheben, scheiterte jedoch in der Praxis an der unzureichenden technischen und gesellschaftlichen Einbettung.

Was bedeutet der Begriff „Distributionsapparat“ bei Brecht?

Brecht bezeichnet den Rundfunk seiner Zeit als Distributionsapparat, weil er als Ein-Weg-Medium konzipiert war, das Inhalte passiv an die Hörer verteilte, anstatt einen wechselseitigen Austausch zu ermöglichen.

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Details

Title
Radiotheorien der Weimarer Zeit. Bertolt Brechts Radiotheorie und -praxis
College
Martin Luther University  (Institut für Medien- und Kommunikationswissenschaften)
Course
Einzelmedientheorien in ihrer geschichtlichen Entwicklung: Film, Radio und Fernsehen
Grade
sehr gut (1)
Author
Yvonne Drosihn (Author)
Publication Year
2000
Pages
32
Catalog Number
V44381
ISBN (eBook)
9783638419956
ISBN (Book)
9783638730259
Language
German
Tags
Frühe Radiotheorien Weimarer Zeit Bertolt Brechts Radiotheorie Einzelmedientheorien Entwicklung Film Radio Fernsehen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Yvonne Drosihn (Author), 2000, Radiotheorien der Weimarer Zeit. Bertolt Brechts Radiotheorie und -praxis, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/44381
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