Die Sprache ist der Mittelpunkt des menschlichen Lebens und verleiht diesem Sinn und Ziel. Durch die Sprache ist der Mensch dazu in der Lage zu kommunizieren, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten und somit eine Verbindung zur Welt aufzubauen. Demnach ist Sprache ein Kommunikationssystem, das von Menschen genutzt wird, um sich etwas mitteilen zu können. Diese übergeordnete Bedeutung von Sprache und deren Erwerb ist Teil der Spracherwerbsforschung, deren Fokus auf der Frage liegt, wie es Kindern gelingt, den komplexen Erwerb von Sprache zu bewältigen. Hierbei ist besonders der Spracherwerb von Kindern im Fokus der Forschung, der sich in verschiedene Themenbereiche unterteilt. Die unterschiedlichen Gesichtspunkte sollen in dieser Arbeit genauer untersucht werden. Dabei spielen die einzelnen Entwicklungsschritte im Verlauf des Spracherwerbs eine entscheidende Rolle, die sich charakteristisch einordnen lassen und in unterschiedliche zeitliche Abschnitte gliedern lassen. Diese Abschnitte sind individuell auf jedes Kind anzupassen, da der Spracherwerb von jedem Kind unterschiedlich bewältigt wird. Jedoch lassen sich in der Literatur viele zeitliche Angaben finden, die einen zeitlichen Rahmen spannen, um eine Kategorisierung vorzunehmen. Diese zeitlich variierenden Angaben werden durch unterschiedliche Studien und Forschungen präzisiert, wodurch es möglich geworden ist, Aussagen zu treffen und Altersangaben zu machen. Die Altersangaben sind besonders wichtig für praktische Untersuchungen, da dadurch eine allgemeine Kategorisierung vorgenommen werden kann, welche jedoch nicht in jedem Fall als allgemein gültig zu betrachten ist. Der individuelle Hintergrund des Kindes muss in jedem Fall mit einbezogen werden. Auch im Rahmen dieser Arbeit liegt ein Fokus auf der bereits vorhandenen Literatur, um einen Vergleich mit den vorliegenden Ergebnissen vorzunehmen. Die Arbeit setzt sich demnach zum Ziel, zunächst einen theoretischen Überblick über den Verlauf des Spracherwerbs zu geben, um darauf abbauend einen praktischen Forschungsteil mit einem zweijährigen Kind durchzuführen. Der Fokus liegt hierbei auf der Erläuterung des theoretischen Teils anhand der Einzelfallforschung. Daraus resultierend sollen Aussagen über den Sprachstand des Probanden getroffen werden, die wissenschaftlich fundiert sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Phasen des Spracherwerbs
2.1 Lauterwerb
2.1.1 Der kompetente Säugling
2.1.2 Die Entwicklung des Sprechapparats
2.1.3 Vorsprachliche Phase
2.2 Entwicklung des phonologischen Systems
2.3 Wortschatzerwerb
2.3.1 Nichtsprachliche Mittel der Referenz und Vorformen des Benennens
2.3.2 Erwerb der ersten 50 Wörter
2.3.3 Vokabularspurt
2.3.4 Der frühe produktive Wortschatz
2.3.5 Bevorzugte Wortklassen im Verlauf
2.4 Syntaxerwerb
2.4.1 Einwortäußerungen
2.4.2 Zweiwortäußerungen
2.4.3 Drei- und Mehrwortäußerungen
2.4.4 Komplexe Syntax
3. Praxisbezug: Empirische Forschung mithilfe einer Fallstudie
3.1 Fragestellungen
3.2 Rahmenbedingungen
3.3 Beschreibung und Einschätzung des Probanden
3.4 Materialien
3.5 Methoden zur Datenerhebung
3.5.1 Beobachtungsverfahren Off-line: Videoaufnahmen
3.5.2 Beobachtungsverfahren Off-line: Tagebuchstudien
3.5.3 Befragungsverfahren: FRAKIS – Elternfragebogen
4. Darstellung der Ergebnisse
4.1 Tagebuchaufzeichnungen
4.2.Wortschatzzuwachs und Wortarten (Videoaufnahmen und FRAKIS)
4.3 Bevorzugte Inhalte im Lexikon
4.4 Wortschatzspurt
4.5 Phonologische Entwicklung
5. Auswertung der Ergebnisse
5.1 Wortschatzzuwachs und Wortarten
5.2 Bevorzugte Inhalte im Lexikon
5.3 Wortschatzspurt
5.4 Tagebuchaufzeichnungen
5.5 Phonologische Entwicklung
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Verlauf des Spracherwerbs bei Kleinkindern unter besonderer Berücksichtigung der Entwicklung von Wortschatz und Aussprache. Das primäre Ziel ist es, anhand einer qualitativen Einzelfallstudie eines zweijährigen Kindes theoretische Erkenntnisse des Spracherwerbs in der Praxis zu validieren und individuelle Entwicklungsverläufe zu dokumentieren.
- Theoretische Grundlagen des Spracherwerbs (Laut-, Wortschatz- und Syntaxerwerb)
- Empirische Fallstudie zur Wortschatzentwicklung über neun Monate
- Methoden der Datenerhebung (Videoanalyse, Tagebuchstudien, FRAKIS-Elternfragebogen)
- Analyse von Wortartpräferenzen und semantischen Feldern
- Untersuchung phonologischer Prozesse und Vereinfachungsstrategien
Auszug aus dem Buch
2.1.2 Die Entwicklung des Sprechapparats
Die frühkindliche Wahrnehmung von signifikanten Lautmerkmalen und deren großes Spektrum stehen in einem Kontrast zur Produktion von Lauten. Das ist von Geburt an zur Lautrezeption fähig, jedoch nicht zur Lautproduktion. Bedingt ist dies durch biologische Gründe, da ein leistungsfähiger Artikulationsapparat erst entwickelt werden muss. Das Sprechen ist ein feinmotorischer Prozess, der zu den komplexesten und kompliziertesten Bewegungsmustern des Menschen gehört.
An ihm sind verschiedene Körperorgane wie Zunge, Lippen, Kehlkopf, Zähne sowie Vorder- und Hintergaumen beteiligt. Der Mund-, Rachen- und Nasenraum bildet hierbei den Artikulationstrakt. Diese Körperregionen unterscheiden den Menschen deutlich vom Affen (vgl. Andresen 2005: 20), jedoch ist der Sprechapparat eines Säuglings zunächst mit eines Affen vergleichbar (vgl. Bergmann & Pauly & Stricker 2010: 34).
Für die Produktion von Lauten sind einige anatomische Voraussetzungen notwendig, die sich im Laufe der Zeit entwickeln. Der Kehlkopf eines Neugeborenen sitzt sehr hoch im Rachen, da so die Nahrungsaufnahme leichter für den Säugling ist. Somit ist es dem Säugling möglich, gleichzeitig zu atmen und zu schlucken, jedoch ist dadurch die Schallerzeugung stark eingeschränkt. Im Zeitraum zwischen dem zweiten und sechsten Lebensmonat strukturiert um.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einführung erläutert die Bedeutung der Sprache als menschliches Kommunikationssystem und definiert das Ziel der Arbeit, den Spracherwerb theoretisch herzuleiten und empirisch anhand einer Fallstudie zu untersuchen.
2. Phasen des Spracherwerbs: Dieses Kapitel liefert einen umfassenden theoretischen Überblick über die Meilensteine der Sprachentwicklung, unterteilt in Lauterwerb, phonologische Systembildung, Wortschatz- und Syntaxerwerb.
3. Praxisbezug: Empirische Forschung mithilfe einer Fallstudie: Hier wird das methodische Design der Arbeit vorgestellt, inklusive der Fragestellungen, der Beschreibung des Probanden und der angewandten Erhebungsmethoden wie Videoaufnahmen und Fragebögen.
4. Darstellung der Ergebnisse: Dieser Abschnitt dokumentiert die gesammelten Daten des Probanden, insbesondere bezüglich der Wortschatzentwicklung, der Wortartverteilung und beobachteter phonologischer Prozesse.
5. Auswertung der Ergebnisse: In diesem Kapitel werden die erhobenen Daten analysiert und mit den theoretischen Modellen aus dem zweiten Kapitel in Bezug gesetzt.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse der Arbeit zusammen und überprüft, inwieweit die theoretischen Thesen durch die empirischen Befunde der Fallstudie gestützt oder widerlegt wurden.
Schlüsselwörter
Spracherwerb, Wortschatzspurt, Kindersprache, Artikulation, Phonologie, Fallstudie, Late Talker, Wortartenerwerb, FRAKIS, Sprachentwicklung, Vokabular, Einzelfallstudie, Syntaxerwerb, Semantik, Sprache.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der frühkindlichen Sprachentwicklung und beleuchtet detailliert, wie Kinder Lautsysteme, Wortschatz und grammatikalische Strukturen erwerben.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die theoretischen Phasen des Spracherwerbs (Laut, Wort, Satz) sowie die empirische Untersuchung eines zweijährigen Kindes über einen Zeitraum von neun Monaten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, theoretische Erkenntnisse des Spracherwerbs durch eine qualitative Fallstudie in der Praxis zu prüfen und individuelle Sprachverläufe wissenschaftlich fundiert zu dokumentieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt ein trianguliertes Verfahren bestehend aus Videoanalysen, fortlaufenden Tagebuchaufzeichnungen und standardisierten Elternfragebögen (FRAKIS).
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen erarbeitet, gefolgt von einer detaillierten empirischen Analyse, die sowohl den Wortschatzzuwachs als auch phonologische Prozesse des Kindes darstellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Spracherwerb, Wortschatzspurt, Kindersprache, Phonologie, Fallstudie und Late Talker.
Was ist ein „Vokabularspurt“?
Ein Vokabularspurt bezeichnet eine Phase der Sprachentwicklung, in der Kinder ein besonders schnelles, sprunghaftes Wachstum ihres aktiven Wortschatzes zeigen, meist nach Erreichen einer gewissen Basis-Wortzahl.
Wie unterscheidet sich das Kind in der Studie von anderen Kindern?
Der Proband zeigt zu Beginn der Studie einen verzögerten Start, lässt sich jedoch als „Aufholer“ einordnen, dessen Sprachentwicklung im weiteren Verlauf den normativen Modellen folgt.
- Citar trabajo
- Valerie Schröder (Autor), 2017, Der Verlauf des Spracherwerbs unter besonderer Berücksichtigung des Wortschatzes und der Aussprache. Eine qualitative Untersuchung am Beispiel eines zweijährigen Kindes, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/443947