Klare und deutliche gesellschaftliche Vorschriften für das Handeln verlieren immer mehr an Bedeutung. Die gesellschaftlichen Strukturen sind offener, der normative Druck auf den einzelnen Menschen ist geringer geworden. In dieser wachsenden Freiheit wird es für den einzelnen Menschen immer schwieriger zwischen „guten“ und „schlechten“ Handlungen zu unterscheiden, da explizite Sinn und Werte in der Gesellschaft nicht mehr klar und eindeutig vorgeschrieben sind. Der Mensch muss daher fast absolut alleine über seine Handlungen und Entscheidungen urteilen. Damit trägt er ein sehr hohes Maß an Eigenverantwortung. Eine Auseinandersetzung mit der Verantwortungsethik ist also unerlässlich.
1919 unterschied zum ersten Mal Max Weber die Begriffe Gesinnung- und Verantwortungsethik. Parallel zur Gesinnungsethik prägte sich auch zu Anfang dieses Jahrhunderts der Begriff der Erfolgsethik. Allerdings sind weder gesinnungs- noch erfolgsethische Systeme in der Lage mit den Bedeutungsverlust einzelner umzugehen, so dass das Zusammenleben in multikulturellen Gesellschaften geregelt werden könnte.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffsklärung: Verantwortung
2.1 Die Herkunft des Verantwortungsbegriffs
2.2 Verantwortung als ethisches Prinzip
3 Die verschiedenen Ethiksysteme
3.1 Gesinnungsethik
3.2 Erfolgsethik
3.3 Verantwortungsethik
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Notwendigkeit einer Verantwortungsethik im pädagogischen Kontext angesichts des Bedeutungsverlustes traditioneller sinnvermittelnder Instanzen in der modernen Gesellschaft. Ziel ist es, durch die Analyse unterschiedlicher Ethiksysteme aufzuzeigen, dass nur die Verantwortungsethik dem Einzelnen die notwendige Orientierung zur Bewältigung heutiger Herausforderungen bieten kann.
- Historische Herleitung des Verantwortungsbegriffs
- Ethische Prinzipien und Bedingungen der Verantwortungszuschreibung
- Vergleichende Analyse von Gesinnungs-, Erfolgs- und Verantwortungsethik
- Die Rolle der Pädagogik bei der Förderung von Kommunikations- und Handlungsfähigkeit
- Vermittlung von Sinn- und Wertfragen in multikulturellen Gesellschaften
Auszug aus dem Buch
2.2. Verantwortung als ethisches Prinzip
Die Betrachtung des Wortes „Verantwortung“ zeigt, dass die Vorsilbe „Ver“ den Wortbestandteil „Antwort“ verstärkt. Sie bedeutet über eine einfache Antwort hinaus bin ich als Subjekt gefragt und zur Antwort gefordert. Verantwortliches Handeln ist ein über die reine Pflicht hinausgehendes Handeln (vgl. D.-J. LÖWISCH 1995, S. 19).
Verantwortung ist damit die ethische Grundhaltung, aus der heraus der einzelne Mensch als moralisches Subjekt und freies vernünftiges Wesen sein Handeln und Verhalten selbstständig bestimmt und über es entscheidet, es überprüft und kritisiert, auf seinen Wert und Sinn hin bedenkt und festlegt. Verantwortung ist also die Bereitschaft und die Fähigkeit zur Rechenschaftsablegung von Menschen als freie vernünftige Wesen und moralische Subjekte für Handeln und Verhalten vor einer Rechenschaft fordernden Instanz (vgl. ebd.).
Der Begriff der Verantwortung beschreibt insgesamt ein vielschichtiges Phänomen. Die Verantwortung spielt sich in drei Stufen ab:
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Darstellung der gesellschaftlichen Orientierungsschwierigkeiten am Ausgang der Moderne und die daraus resultierende Notwendigkeit einer Auseinandersetzung mit der Verantwortungsethik.
2 Begriffsklärung: Verantwortung: Historische Herleitung des Begriffs sowie Definition von Verantwortung als ethisches Prinzip inklusive der Bedingungen für die Verantwortungszuschreibung.
3 Die verschiedenen Ethiksysteme: Gegenüberstellung und kritische Bewertung der Gesinnungsethik, der Erfolgsethik und der Verantwortungsethik hinsichtlich ihrer Tauglichkeit für moderne Sinn- und Wertfragen.
4 Fazit: Zusammenfassende Begründung, warum die Pädagogik die Verantwortungsethik als unverzichtbares Instrument zur Stärkung der Offenheit und Kommunikationsfähigkeit des Einzelnen in die Bildung integrieren muss.
Schlüsselwörter
Verantwortungsethik, Pädagogische Ethik, Gesinnungsethik, Erfolgsethik, Handlungsfreiheit, Zurechnungsfähigkeit, Verantwortungsdiskurs, Sinnverlust, Wertpluralismus, Kommunikation, Moral, Erziehung, Moderne, Handlungsverantwortung, Instanzen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der pädagogischen Ethik und argumentiert, dass angesichts gesellschaftlicher Umbrüche die Verantwortungsethik die geeignetste Form ist, um Individuen bei der Bewältigung von Sinn- und Wertfragen zu unterstützen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind die Herkunft des Verantwortungsbegriffs, die Analyse verschiedener ethischer Systeme sowie die Anforderungen an Erziehung und Bildung in einer modernen, pluralistischen Gesellschaft.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt danach, wie die Pädagogik dem Individuum helfen kann, sich in einer Zeit des Bedeutungsverlustes sinnvermittelnder Instanzen zu orientieren, und warum hierbei die Verantwortungsethik eine zentrale Rolle spielt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretisch-analytische Methode, bei der Begriffe wie Verantwortung und verschiedene Ethiksysteme (Gesinnungs-, Erfolgs-, Verantwortungsethik) anhand philosophischer und pädagogischer Fachliteratur definiert und kritisch reflektiert werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine präzise Begriffsklärung, eine vergleichende Darstellung der Gesinnungs-, Erfolgs- und Verantwortungsethik sowie eine Untersuchung der Bedingungen für erfolgreiche Verantwortungspraxis.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Verantwortungsethik, Kommunikation, Handlungsfreiheit, Zurechnungsfähigkeit, ethische Diskurse und pädagogische Verantwortung sind die prägenden Begriffe.
Wie unterscheidet sich die Verantwortungsethik von der Gesinnungsethik?
Während die Gesinnungsethik starr an Normen festhält und Folgen ignoriert, setzt die Verantwortungsethik auf kritische Kommunikation, das Bedenken von Handlungsfolgen und das Abwägen in einem diskursiven Prozess.
Warum spielt Kommunikation für die Verantwortungsethik eine so wichtige Rolle?
Kommunikation ist für die Verantwortungsethik zentral, da sie als "kommunikative Ethik" den Einzelnen dazu befähigt, Handlungspläne mit anderen zu koordinieren und sich in realen Diskursen über Geltungsansprüche zu verständigen.
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- Maria Priebst (Author), 2005, Über die Notwendigkeit einer Verantwortungsethik in der Pädagogik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/44406