Das Schulbuch im Geschichtsunterricht. Eine Schulbuchanalyse


Hausarbeit, 2011

14 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung - Relevanz des Themas, eigener Zugang, ausgewählte Analysekategorien

2 Die didaktische Theorie

3 Die Schulbuchanalyse
3.1 Das Schulbuch „Expedition Geschichte“
3.2 Das Schulbuch „Zeiten und Menschen“
3.3 Das Schulbuch „Durchblick“

4 Fazit - Ein Lernfortschritt?

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung - Relevanz des Themas, eigener Zugang, ausgewählte Analysekategorien

Das Schulbuch ist im Geschichtsunterricht seit jeher ein etabliertes, jedoch in der Fachdidaktik auch stark diskutiertes Lernmedium. Die zahlreichen didaktischen Analysen von Schulbüchern zeichnen hierbei, so die Geschichtsdidaktik, ein katastrophales Bild. „Schulbücher werden […] nicht verstanden […]. Schulbücher ‚erzählen‘ nicht […]. Schulbücher weisen nur verhältnismäßig wenige Gegenwartsbezüge auf.“ (v. Borries 2006: S. 43). Und dies ist nur ein Abriss an Kritiken, die dem Schulbuch zur Last gelegt werden.

Angesichts einer derartig negativen Bewertung von Schulbüchern in der Bundesrepublik, sowie der nach wie vor weit verbreiteten Nutzung von Schulbüchern im Geschichtsunterricht, stellen sich anhand dieser Befunde für mich die Fragen, welche Ansprüche ein Schulbuch erfüllen muss, wenn es als „gutes Geschichtsbuch“ gelten soll und ob die Kritik der Geschichtsdidaktiker an den zur Zeit auf dem Markt vorhandenen Schulbüchern berechtigt ist. Wie sehen die Missstände heutzutage konkret aus? Welches Bild eröffnet sich bei einer konkreten Schulbuchanalyse? Mit diesen Fragen soll sich diese Arbeit inhaltlich auseinandersetzen. Durch die im Folgenden angeführte Analyse dreier verschiedener Schulbücher soll untersucht werden, inwieweit diese didaktisch gewinnbringend oder mangelhaft sind. Hierzu werden vor allem die Überlegungen aus dem „Konzept eines idealen Schulbuches“ von Bodo von Borries, sowie die Theorien der Geschichtsdidaktiker Jörn Rüsen und Hans-Jürgen Pandel zur Analyse der Schulbücher herangezogen.

In einem ersten Analyseschritt wird das Schulbuch „Expedition Geschichte“ des Jahres 2003 aus dem Verlag Diesterweg genauer in Hinblick auf seine didaktische Konzeption geprüft. Im Vergleich wird sich dann die Analyse von zwei weiteren Schulbüchern, namentlich das Geschichtsbuch „Zeiten und Menschen 4“, sowie „Durchblick“, anschließen. Auch diese sollen dahingehend untersucht werden, inwieweit die genannten Theorien und didaktischen Kriterien bei den Schulbüchern greifen, was bereits verarbeitet wurde und wo noch Verbesserungsbedarf besteht. Den Abschluss der Arbeit bildet dann ein zusammenfassendes Fazit, in dem die drei genannten Geschichtsbücher noch einmal in ihren Kernaspekten einander gegenübergestellt werden.

2 Die didaktische Theorie

Wie in der Einleitung bereits vorgestellt, werden für die Analyse der vorliegenden Geschichtsbücher vor allem die Theorien von Jörn Rüsen, Hans-Jürgen Pandel und die von Bodo von Borries als Grundlagen herangezogen.

Bei Ersterem folgt die Analyse vor allem den „Gesichtspunkten der unterrichtspraktischen Brauchbarkeit“, den Regeln zur „Brauchbarkeit zur historischen Wahrnehmung“, den Regeln zur „Brauchbarkeit zur historischen Deutung“, sowie den Kriterien für die „Brauchbarkeit zur historischen Orientierung“ (allesamt: Rüsen 1994: S. 242-248.). Ersteres zeichne sich durch folgende Eigenschaften aus: „1. ein formal klarer Aufbau, 2. eine deutliche didaktische Strukturierung, 3. ein wirksamer Schülerbezug und 4. ein praktischer Unterrichtsbezug“ (ebd.). Die historische Wahrnehmung ist hingegen mit anderen Faktoren innerhalb des Schulbuches verknüpft: „1. [mit] der Art, wie die Materialien präsentiert werden, 2. [mit] der Mehrdimensionalität […] und 3. [mit] der Multiperspektivität“ (ebd). Die historische Deutung ist nur dann als korrekt gewährleistet, wenn die Schulbücher nach Rüsen folgende Kriterien berücksichtigen: „1. [sie müssen] den fachlichen Standards der Geschichtswissenschaft entsprechen, 2. […] mit ihnen müssen methodische Fähigkeiten eingeübt werden [und] 3. [sie müssen] Prozeßhaftigkeit und Perspektivität von Geschichte [vermitteln]“ (ebd.). Der letzte Aspekt, die historische Orientierung, bezieht sich abschließend auf die Gegenwartsbezüge, die in Geschichtsbüchern enthalten sein sollen.

Pandel fordert darüber hinaus von einem Schulbuch, dass es „Geschichte erzähl[t], Leitlinien ausweis[t] [und] Kohärenzen bekenn[t]“ (Pandel: 2006: S. 34), sowie dass das Schulbuch in seiner Strukturierung der Lerninhalte nicht einer „Chaostheorie“ (ebd.) folgt. V. Borries ergänzt dies noch mit der Forderung nach einer konsequenten Förderung und Forderung von fachspezifischen Fähigkeiten, Fertigkeiten und notwendigen Sach- und Methodenkompetenzen durch die Schulbücher (vgl. v. Borries 2006: S. 43).

3 Die Schulbuchanalyse

3.1 Das Schulbuch „Expedition Geschichte“

Das Schulbuch „Expedition Geschichte“ erschien erstmalig 2003 im Verlag Moritz Diesterweg. Unter dem Zusatz „G3“ verbirgt sich der Schwerpunkt des Buches: „von der Entstehung des Deutschen Kaiserreiches bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges“. Das Buch ist hierbei in sechs Kapitel unterteilt, die verschiedene Themen in zeitlich- chronologischer Reihenfolge abarbeiten („Reichseinigung und Deutsches Kaiserreich“ bis „Zweiter Weltkrieg und Völkermord“). Die einzelnen Kapitel enthalten eine Vielzahl unterschiedlicher Texte zum jeweiligen Themenschwerpunkt und differieren hierbei in Angebote zur „Arbeit mit schriftlichen Quellen“, „Methodenschulung“ und jeweils einer „Doppelseite zur Kulturgeschichte“ am Ende eines jeden Kapitels.

Der Aufbau des Geschichtsbuches ist wie folgt: Jedes Kapitel (z.B. ,,1. Reichseinigung und Deutsches Kaiserreich”, S. 2-46) beinhaltet mehrere Unterkapitel (z.B. ,,1.2 Deutschland wird geeint: Vom Zollverein zum Norddeutschen Bund“, S. 5). Diese Unterkapitel werden wiederum mit einzelnen Seiten gefüllt, die mit erzählenden Texten, Schrift- und Bildquellen (Gemälde, Plakate, Karten, Karikaturen etc.), sowie Arbeitsaufgaben angereichert werden. Textquellen werden mit dem Buchstaben “Q” bezeichnet, während Arbeitsaufgaben durch den Buchstaben “A” ausgewiesen werden. Die Quellennummer bzw. die Aufgabennummer richtet sich hierbei immer nach dem vorausgegangenen Unterkapitel. Historische Bilder, Karikaturen etc. gelten hierbei nicht als Quelle.

Schaut man sich das Geschichtsbuch nun einmal in Hinblick auf seine didaktische Ausarbeitung an, so lässt sich zunächst erkennen, dass die Auswahl an Arbeitsmöglichkeiten, die von dem Schüler mit dem Buch geleistet werden können, sehr umfangreich ausfällt. Er/Sie hat die Möglichkeit, sich durch einen erzählenden Text in das Thema hineinzuarbeiten und die Kenntnisse, welche er/sie daraufhin gewonnen hat, durch die Bearbeitung von Quellen etc. einzuüben, da die Inhalte der Narration zumeist anhand der Quellen direkt wieder aufgegriffen werden.

Positiv ist an dem Geschichtsbuch “Expedition Geschichte” zu bewerten, dass es in diesem Punkt vor allem die Methodenkompetenz schult. So enthält jedes Kapitel zwischen zwei bis vier Methodeneinheiten, in denen Schülern erläutert wird, wie sie z.B. mit Karten (S. 4), schriftlichen Quellen (S. 9) oder historischen Bildern (S. 12) umzugehen haben. Des Weiteren ist positiv hervorzuheben, dass in diesem Rahmen auch eine Medienreflexion stattfindet. Die Schüler/innen werden dazu angehalten sich genauer mit historischer Fotographie als konstruierte Wahrheit auseinanderzusetzen (S. 108), genauso wie sie angeleitet werden, historische Filme richtig zu nutzen, zu interpretieren und zu kritisieren (S. 146).

Zuweilen als didaktisch sinnvoll lassen sich die Arbeitsaufgaben bewerten. Sie leiten einerseits zum eigenständigen Denken an (“Was verstehst du unter Zivilcourage?”, S. 161, A3) oder berücksichtigen in einigen Fällen Aspekte der Handlungsorientierung (“Versetze dich in die Rolle eines Abgeordneten”, S. 160, A6). Auffällig ist allerdings, dass die Aufgaben zum Teil nicht den aktuellen Stand der fachdidaktischen Theorie aufgreifen. So findet sich z.B. ein einigermaßen hohes Maß an Reproduktionsaufgaben (“Nenne Gründe für Japans Aufstieg zur Großmacht”, S. 60, A3). Zudem kommt das Schulbuch in weiten Teilen nicht über eine deutliche Quellenorientierung hinaus, bei der die Schüler immer wieder Quelleninhalte erlesen, interpretieren und bewerten sollen. (vgl. hierzu: Schneider 1994, S. 77-78 und S. 84-85). Die jeweils pro Kapitel enthaltenen Unterkapitel zur “Kulturgeschichte” können hingegen als positiv angesehen werden, da hier auch Randthemen, wie z.B. die Gleichschaltung der Kunst im Nationalsozialismus (S. 190) behandelt werden. Hier ließe sich allerdings erstens kritisieren, dass es sich immer nur um Kulturgeschichte handelt und zweitens, dass der Platz, der diesen Kapiteln eingeräumt wird, meist auf ein bis zwei Seiten beschränkt wird.

In Bezug auf die Theorien Rüsens, Pandels, und v. Borries‘ lassen sich aber auch negative Aspekte bei der Analyse des Geschichtsbuches nachweisen. Viele Seiten wirken durch die Vielzahl an Text- und Bildquellen sowie den zugehörigen Narrationen überladen. Der Schüler kann sehr leicht die Orientierung innerhalb des Buches verlieren und es besteht die Gefahr der Überforderung, da jedes Unterkapitel (mit ca. ein bis vier Seiten Umfang) alleine mindestens 3 Arbeitsaufgaben und 4 Bild- oder Textquellen enthält.

Zudem werden nur im geringen Maße Gegenwarts- bzw. Zukunftsbezüge hergestellt, da das Geschichtsbuch sich z.B. in seinen Aufgabenstellungen lediglich auf die Beschreibung, Analyse und Bewertung vergangener Ereignisse und Quellen beschränkt,

ohne in irgendeiner Form Bezug auf die Gegenwart herzustellen. Exemplarisch hierfür lässt sich z. B. das Kapitel fünf “Nationalsozialismus” (S. 154-190) nennen. Innerhalb von 36 Seiten werden lediglich dreieinhalb Seiten dem Thema “Rechtsradikalismus heute” gewidmet. Eine differenzierte Betrachtung bzw. gar ein Bezug zur eigenen Lebenswelt der Schulkinder wird hierdurch in keinster Weise angeregt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Das Schulbuch im Geschichtsunterricht. Eine Schulbuchanalyse
Hochschule
Universität Hamburg  (Fakultät für Erziehungswissenschaften)
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
14
Katalognummer
V444126
ISBN (eBook)
9783668812659
ISBN (Buch)
9783668812666
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Erziehungswissenschaften, Schulbuch, Unterricht
Arbeit zitieren
Christian Appel (Autor), 2011, Das Schulbuch im Geschichtsunterricht. Eine Schulbuchanalyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/444126

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