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Diderots Ausgangspunkt für seine Neuauslegung der "Imitatio Naturae". Ein Musterbeispiel seiner Theorie?

Title: Diderots Ausgangspunkt für seine Neuauslegung der "Imitatio Naturae". Ein Musterbeispiel seiner Theorie?

Term Paper , 2017 , 11 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Anonym (Author)

French Studies - Literature
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Denis Diderots Genie ist „immer nur dialektisch zu begreifen“, weswegen sich seine philosophischen und literarischen Werke – geprägt von seiner Neigung zu Heuristik und Paradoxie – nur schwer auf eindeutige Denkschemata festlegen lassen. Er gilt als wesentlicher Repräsentant des siècle des Lumières und erlangt zunächst durch seine maßgebliche Mitarbeit an der Enyclopédie, ou dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des mètiers Berühmtheit.

Umso auffälliger – und gleichzeitig auch interessanter – ist sein konsekutiver Misserfolg mit seinem im Jahr 1757 verfassten Bühnenstück Le Fils Naturel. Das Werk fällt nicht nur kläglich beim Publikum durch, sondern erntet auch den Sarkasmus der zeitgenössischen Literaturkritiker. Vor allem das Herzstück seines Werkes – eine neue Auslegung von Natürlichkeit – trifft auf Unverständnis und wird als belanglose Darstellung der Realität interpretiert, die in den Worten von Goethe „den Schein solange verwirklicht, bis endlich nur ein gemeines Wirkliche übrig bleibt.“ Ferner beeinflusst durch die abwertende Kritik von Eloesser bleibt das Werk bis ins 20. Jahrhundert weitestgehend ungeachtet und wird als missglückter Vorläufer des Realismus abgefertigt.

Erst neuere Forschungsansätze beziehen den Kontext zu Diderots Entretiens avec Dorval gewinnbringend ein und verstehen den Fils Naturel letztendlich als das was er ist – ein Versuch, eine neue, komplexe Dramaturgie exemplarisch auf der Bühne umzusetzen. Gemäß dieser Perspektive soll im Rahmen der Hausarbeit in einem ersten Schritt auf Diderots theoretischen Ausgangspunkt für sein modernes Drama – nämlich eine neue Auslegung der imitatio naturae – eingegangen werden. In einem zweiten Schritt sollen ausgewählte Programmpunkte der Entretiens avec Dorval vorgestellt und in Bezug auf ihre Widersprüche zu Le Fils Naturel diskutiert werden. In einem Fazit soll schließlich die Frage beantwortet werden, ob und inwiefern das Bühnenstück als Musterbeispiel für die ihm zugedachte Theorie verstanden werden kann und ferner sein Einfluss auf die Entwicklung der Literaturgeschichte in Frankreich kurz angeschnitten werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Rezeptionshaltung gegenüber Diderots Le Fils Naturel

2 Ausgangspunkt von Diderots neuer Dramaturgie

3 Diskrepanzen zwischen Le Fils Naturel und L’Entretiens avec Dorval und mögliche Lösungsansätze

3.1 Überblick

3.2 Thematik

3.3 Charaktere

3.3.1 conditions

3.3.2 mittlerer Charakter

3.3.3 pathétique de situation

3.4 Tableau

4 Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das dialektische Verhältnis zwischen Diderots Bühnenstück "Le Fils Naturel" und seinen theoretischen Reflexionen in den "Entretiens avec Dorval", um zu klären, inwiefern das Stück als praktisches Musterbeispiel seiner neuen Dramaturgie und der damit verbundenen Auslegung der "imitatio naturae" verstanden werden kann.

  • Analyse der theoretischen Grundlagen von Diderots neuer Dramaturgie.
  • Untersuchung der inhaltlichen und dramaturgischen Diskrepanzen zwischen Theorie und Praxis.
  • Erörterung von Diderots neuem Verständnis von Charakteren und Pathos.
  • Bewertung der Rolle des "Tableau" anstelle klassischer Theatereffekte.
  • Reflektion über die literaturgeschichtliche Wirkung und den Einfluss auf die Entwicklung des modernen Romans.

Auszug aus dem Buch

3.3.1 conditions

Diderot verwirft in seiner Poetik das riducule der klassischen Komödie, da sie den Zuschauer zum ungleichen Helden distanziert, d.h. ihn als überlegenen, unbeteiligten Dritten über die imaginäre Rolle lachen lässt, sich deren Komik jedoch nicht selbst bewusst ist und sich daher auch nicht betroffen fühlt (vgl. Schröder 1961, S.388). In seinem Fils Naturel versucht er diese Distanz aufzuheben, indem die Charaktere anhand ihres Lebenszustands dargestellt werden. Denn, nur wenn sich der Zuschauer in einer lebenswahren oder sogar der eigenen condition wiederfindet, so folgert Diderot, kann er sich auch identifizieren: « Pour peu que le caractère fût chargé, un spectateur pouvait se dire à lui-même, ce n’est pas moi. Mais il ne peut se cacher que l’état qu’on joue devant lui, ne soit le sien; il ne peut méconnaître ses devoirs. Il faut absolument qu’il s’applique ce qu’il entend. » (Frères Garnier 1959, S.153) Während die Verfasser des bürgerlichen Trauerspiels in England den Konflikt eines bestimmten Standes thematisierten, wendet sich Diderot in dem Bühnenstück dem Allgemeinsten der gesellschaftlichen Verhältnissen, den conditions des Familienverbandes zu (vgl. Schröder 1961, S.403). In seinem genre sérieux, das er bewusst zwischen den Extremen der Tragödie und Komödie positioniert, widmet er sich einer ernsthaften Behandlung zwischen gewöhnlichen Personen und durchbricht somit die Schranken der klassischen Stiltrennung.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Rezeptionshaltung gegenüber Diderots Le Fils Naturel: Einleitend wird der konsekutive Misserfolg des Stücks bei der zeitgenössischen Kritik sowie die neuere, positivere Forschungsdebatte skizziert, die den "Fils Naturel" als Versuch einer komplexen neuen Dramaturgie begreift.

2 Ausgangspunkt von Diderots neuer Dramaturgie: Dieses Kapitel erläutert Diderots Kritik an der klassischen "imitatio naturae" und seinen Wunsch, durch eine "manière la plus naturelle" eine Brücke zwischen den Anforderungen der Bühne und der Wirklichkeit des Lebens zu schlagen.

3 Diskrepanzen zwischen Le Fils Naturel und L’Entretiens avec Dorval und mögliche Lösungsansätze: Hier erfolgt eine tiefgreifende Analyse der Widersprüche zwischen dem theoretischen Programm und der tatsächlichen Umsetzung, wobei Themen, Charakterkonzepte und ästhetische Mittel wie das "Tableau" untersucht werden.

4 Fazit: Das Fazit resümiert die Analyse und ordnet das Stück in den literaturgeschichtlichen Kontext ein, wobei dargelegt wird, dass Diderots Anliegen einer akkuraten Darstellung der Wirklichkeit letztlich eher im Roman des 19. Jahrhunderts Erfüllung findet als im Drama.

Schlüsselwörter

Denis Diderot, Le Fils Naturel, Entretiens avec Dorval, Dramaturgie, imitatio naturae, genre sérieux, Aufklärung, pathétique de situation, Tableau, conditions, Mittlerer Charakter, Literaturgeschichte, Theatertheorie, Realismus, Wahrscheinlichkeit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit dem Bühnenstück "Le Fils Naturel" von Denis Diderot und analysiert, wie dessen theoretische Ansätze aus den "Entretiens avec Dorval" darin umgesetzt wurden.

Welches ist das zentrale Thema oder die Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage ist, ob und inwiefern das Bühnenstück als Musterbeispiel für die von Diderot postulierte Theorie verstanden werden kann, trotz der offensichtlichen Widersprüche.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die Diderots theoretische Schriften mit dem dramatischen Text vergleicht und durch Einbeziehung von Sekundärliteratur kontextualisiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Thematik, Charakterdarstellung (conditions, mittlerer Charakter, Pathos) sowie die Rolle der Schlussszene als "Tableau".

Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?

Besonders die Begriffe "imitatio naturae", "genre sérieux", die moralische Funktion des Theaters und die Abkehr von klassischen Konventionen stehen im Mittelpunkt.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Neben Diderot und seinem Werk sind Begriffe wie Dramaturgie, Wahrscheinlichkeit, Aufklärung und die Transformation des Dramas hin zum modernen Roman maßgeblich.

Wie unterscheidet Diderot in seinem Stück zwischen dem Naturwahren und dem Kunstwahren?

Diderot versucht das "Naturwahre" durch die Darstellung des Alltäglichen und der "conditions" zu erreichen, während er das "Kunstwahre" als eine ästhetische Reflexion der Realität versteht, die über die bloße Nachahmung hinausgeht.

Warum spielt das "Tableau" eine so wichtige Rolle im Vergleich zum "coup de théâtre"?

Diderot lehnt den zufälligen, äußeren "coup de théâtre" ab und ersetzt ihn durch das "Tableau", da dieses die innere Wandlung der Figuren und ihre moralische Einsicht stärker betont und so eine tiefergehende Wirkung auf das Publikum entfaltet.

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Details

Title
Diderots Ausgangspunkt für seine Neuauslegung der "Imitatio Naturae". Ein Musterbeispiel seiner Theorie?
College
LMU Munich
Grade
1,3
Author
Anonym (Author)
Publication Year
2017
Pages
11
Catalog Number
V444199
ISBN (eBook)
9783668816237
ISBN (Book)
9783668816244
Language
German
Tags
französische Aufklärung Siècle des Lumières Diderot Le Fils Naturel
Product Safety
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Anonym (Author), 2017, Diderots Ausgangspunkt für seine Neuauslegung der "Imitatio Naturae". Ein Musterbeispiel seiner Theorie?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/444199
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