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"Beten, Läuten, Brennen". Die Hexenverfolgungen im Herzogtum Luxemburg 1450-1692

Title: "Beten, Läuten, Brennen". Die Hexenverfolgungen im Herzogtum Luxemburg 1450-1692

Bachelor Thesis , 2018 , 43 Pages , Grade: 2,3

Autor:in: Pit Braun (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
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Summary Excerpt Details

Der Anspruch dieser Arbeit soll es nun sein, diese Forschungen zu sammeln und spezifisch auf den genannten Raum hin zu analysieren und zusammenzufassen.
Außerdem ist das Gebiet auf Grund seiner besonderen Lage zwischen Reich und Frankreich insofern interessant, als dass das Herzogtum hier als Schnittstelle zwischen den beiden Großreichen fungierte. Die gegensätzlichen Ansätze in Verwaltung und Gerichtsbarkeit trafen in Luxemburg zusammen, da es hier sowohl eine deutschsprachige, wie auch eine frankophone Einflusssphäre gab: das quartier allemand und das quartier wallon. Diese Unterteilung war dabei eher auf kulturelle Ursachen zurückzuführen. Auch wenn die Sprachgrenze nicht parallel zu den Grenzen der quartiers verlief, findet man Anhaltspunkte dafür, dass sich der deutschsprachige Teil kulturell eher mit dem HRR identifizierte, während das quartier wallon sich eher Richtung Burgund und Frankreich hingezogen fühlte. Für diese Arbeit ist diese Unterteilung insofern relevant, als dass auch der religiöse Einfluss unterschiedlich war. Durch die Abwesenheit eines eigenen Bistums in Luxemburg, orientierte man sich im quartier wallon in Richtung Lüttich und Metz, während das quartier allemand stark vom Erzbistum Trier beeinflusst wurde. Innerhalb des Herzogtums gab es sehr zersplitterte Territorien und Kleinstherrschaften mit Hochgerichten, die für die Hexenverfolgungen im Herzogtum von zentraler Bedeutung sind.
Aus diesen beiden Punkten lassen sich nun folgende Forschungsfragen für diese Arbeit herleiten:
1. Welche rechtlichen Grundlagen gab es für die Hexenverfolgungen und hatten diese Einfluss auf die Ausmaße und Ursachen der Hexenverfolgungen in Europa und Luxemburg?
2. Wie lassen sich die relativ hohen Opferzahlen für das Herzogtum Luxemburg erklären und lassen sich auch innerhalb des Herzogtums Unterschiede in der Struktur und Intensität der Hexenverfolgungen feststellen?
3. Gab es räumliche und zeitliche Höhepunkte der Verfolgung?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1. Quellenlage und Forschungsstand

1.2. Eingrenzung des Themas und Forschungsfragen

1.3. Aufbau und Methodik

2. Von Schadenszauber und Teufelsbuhlschaft- Die Hexe

2.1. Der Schadenszauber

2.2. Die Teufelsbuhlschaft

2.3. Hexenflug und Hexensabbat

3. Vorurteile und Fehlinformation

3.1. „Die“ Hexe – Geschlecht, äußere Erscheinung, soziale Herkunft

3.2. Die Kirche und Inquisition als Initiator der Hexenverfolgungen?

3.3. Vom Hexenwahn zur konkreten Hexenverfolgung- Opferzahlen und territoriale Differenzen

4. Ursachen der Hexenverfolgung

4.1. Verwaltung und Gerichtsbarkeit- ein Vergleich zwischen Frankreich, dem Reich und dem Herzogtum Luxemburg

4.2. Die kleine Eiszeit

5. Zwischenfazit Teil I

6. Der Untersuchungsraum: Das Herzogtum Luxemburg

6.1. Luxemburg als Teil der spanischen Niederlande- Verwaltung und Gerichtsbarkeit

6.2. Das luxemburgische Territorium

7. Die Hexenverfolgungen in Luxemburg

7.1. Das quartier allemand

7.2. Das quartier wallon

7.3. Differenzen und Gemeinsamkeiten

8. Gesamtbild der Hexenverfolgungen im Herzogtum

9. Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit verfolgt das Ziel, einen umfassenden Überblick über die Hexenverfolgungen im Herzogtum Luxemburg zwischen 1450 und 1692 zu erstellen und die bisher vorliegenden Detailstudien zu einer vergleichenden Analyse zusammenzuführen. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, welche rechtlichen Grundlagen und Verwaltungsstrukturen die Intensität der Verfolgung beeinflussten und warum es im Herzogtum zu vergleichsweise hohen Opferzahlen kam.

  • Regionale Unterschiede der Hexenverfolgung im quartier allemand und quartier wallon.
  • Einfluss von Verwaltungsstrukturen, Kleinherrschaften und Hochgerichtsbarkeit auf das Prozessgeschehen.
  • Die Rolle der "Kleinen Eiszeit" als sozio-ökonomischer Faktor für Verfolgungswellen.
  • Kritische Analyse der Rolle von Kirche, Inquisition und rechtlicher Normierung (z.B. Carolina).
  • Vergleichende Untersuchung der Geschlechterverteilung unter den Opfern.

Auszug aus dem Buch

Der Schadenszauber

Eines der wesentlichsten Elemente, das einer vermeintlichen Hexe zugeschrieben wurde, war der sogenannte Schadenszauber. Er veranlasste die Menschen dazu, die Hexe als böse Gestalt zu betrachten, der es darum ging, den Menschen durch ihre Magie zu schaden. Die Gebrüder Grimm bieten in ihrem 1854 erschienen Wörterbuch eine umfassende Beschreibung, die bereits die wichtigsten Elemente der heutigen Auffassung von Hexen beinhalten. Hier heißt es:

[...] so dasz hexe den sinn verschmitztes weib hätte; andere deuten sie mit bezug auf hag als waldweib. [...] die assimilierte form hähtesse nach dem bekannten gesetze zu erwarten gewesen sein. ags. -tesse, ahd. zussa in dem zu erklärenden worte dürfte zusammenhangen mit ags. tesu, teosu damnum, interitus, contentio, praejudicium, verderben, tesvian in nachtheil setzen, schädigen, verderben (Leo ags. glossar 142), der erste theil ist hag in der bedeutung landgut, feld und flur (vergl. oben sp. 138 und ags. haga gehegtes feld, garten, vorwerk). die hexe ist demnach die das landgut, feld und flur schädigende. [...] wie im uralten volksglauben die hexe stets nur als eine person erscheint, die durch übernatürliche mittel das besitzthum der nachbarn und einwohner eines bezirks schädigt, und namentlich ihre zerstörende thätigkeit auf korn und wein, auf das vieh, seine weide und seine mast, die eicheln (vergl. Grimm deutsche sagen no. 251) richtet.

Nach heutigem Stand war eine „Hexe“ ein Wesen, welches in einer Gruppe, der Hexensekte, mit Hilfe des Schadenzaubers und des Teufels die Ordnung der christlichen Welt vernichten wollte.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung umreißt die historische Relevanz der Hexenverfolgungen in der frühen Neuzeit und definiert den Fokus der Arbeit auf das Herzogtum Luxemburg unter Berücksichtigung der bestehenden Quellenlage.

2. Von Schadenszauber und Teufelsbuhlschaft- Die Hexe: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Hexe durch zeitgenössische Quellen wie den Hexenhammer und erläutert die zentrale Bedeutung von Schadenszauber und Teufelspakt für die Verfolgungslogik.

3. Vorurteile und Fehlinformation: Hier werden gängige Mythen über Geschlechterrollen und die vermeintliche Alleinschuld der Kirche hinterfragt, wobei die soziale Herkunft der Opfer und die Realität der Gerichtspraxis beleuchtet werden.

4. Ursachen der Hexenverfolgung: Das Kapitel analysiert den Zusammenhang zwischen Verwaltungsstrukturen, den Auswirkungen der "Kleinen Eiszeit" und der unterschiedlichen Intensität von Hexenprozessen im Vergleich verschiedener Territorien.

5. Zwischenfazit Teil I: Eine zusammenfassende Bewertung der theoretischen Grundlagen, die zeigt, dass die Verfolgungen ein schichtenübergreifendes Phänomen unter Mitwirkung zahlreicher gesellschaftlicher Akteure waren.

6. Der Untersuchungsraum: Das Herzogtum Luxemburg: Dieser Abschnitt beschreibt die komplexe territoriale und administrative Struktur des Herzogtums und deren Bedeutung für die justizielle Praxis im Untersuchungsraum.

7. Die Hexenverfolgungen in Luxemburg: Eine detaillierte chronologische Aufarbeitung der Prozesswellen im quartier allemand und quartier wallon sowie eine Gegenüberstellung der regionalen Unterschiede.

8. Gesamtbild der Hexenverfolgungen im Herzogtum: Die Zusammenfassung der Erkenntnisse über den Zeitraum von 1455 bis 1692 verdeutlicht die Hochphasen der Verfolgung und deren Ausklang durch veränderte politische Rahmenbedingungen.

9. Fazit: Das Fazit resümiert die Ursachen der hohen Opferzahlen im Herzogtum Luxemburg und stellt die Bedeutung der territorialen Zersplitterung und der unzureichenden zentralen Kontrolle heraus.

Schlüsselwörter

Hexenverfolgung, Herzogtum Luxemburg, Schadenszauber, Teufelsbuhlschaft, frühe Neuzeit, Hexenprozesse, Hexenhammer, Kleinherrschaften, Verwaltungsstruktur, Kleine Eiszeit, quartier allemand, quartier wallon, Rechtsgeschichte, Hexensabbat, Opferzahlen.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Geschichte und die Hintergründe der Hexenverfolgungen im Herzogtum Luxemburg zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Mittelpunkt stehen die rechtlichen Grundlagen der Prozesse, der Einfluss von klimatischen Krisen sowie die Rolle der komplexen Verwaltungsstrukturen des Herzogtums bei der Durchführung der Verfolgungen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Hauptziel ist es, einen Überblick über die Hexenverfolgungen in Luxemburg zu geben, die verstreuten Forschungsergebnisse zu bündeln und das Phänomen anhand der regionalen Teilung in quartier allemand und quartier wallon vergleichend zu analysieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine komparative Analyse von historischen Sekundärquellen, Prozessdaten und administrativen Dokumenten, um regionale Unterschiede in der Intensität der Hexenverfolgung aufzuzeigen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Erörterung des Hexenbegriffs sowie eine detaillierte regionale Aufarbeitung der Hexenprozesse im luxemburgischen Untersuchungsraum.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Hexenverfolgung, Herzogtum Luxemburg, Schadenszauber, Verwaltungsstrukturen, Rechtsgeschichte und das vergleichende Modell zwischen den beiden quartiers.

Warum war das Herzogtum Luxemburg besonders stark betroffen?

Aufgrund der extremen territorialen Zersplitterung, der Machtinteressen der Kleinherrschaften und des unzureichenden Durchgriffs zentraler Ordonnanzen konnten lokale Instanzen Hexenprozesse weitgehend unkontrolliert durchführen.

Welche Rolle spielt der Vergleich zwischen quartier allemand und quartier wallon?

Der Vergleich verdeutlicht signifikante Unterschiede in der Opferzahl, der Geschlechterverteilung und der religiösen Beeinflussung (Erzbistum Trier vs. Bistum Lüttich), was maßgeblich zum Verständnis der unterschiedlichen Intensität der Verfolgungen beiträgt.

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Details

Title
"Beten, Läuten, Brennen". Die Hexenverfolgungen im Herzogtum Luxemburg 1450-1692
College
University of Luxembourg
Grade
2,3
Author
Pit Braun (Author)
Publication Year
2018
Pages
43
Catalog Number
V444281
ISBN (eBook)
9783668815209
ISBN (Book)
9783668815216
Language
German
Tags
Luxemburg Hexen Hexenverfolgungen Frühe Neuzeit Herzogtum Dreißigjähriger Krieg Teufelsbuhlschaft Gender Europa Frankreich Heiliges Römisches Reich
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Pit Braun (Author), 2018, "Beten, Läuten, Brennen". Die Hexenverfolgungen im Herzogtum Luxemburg 1450-1692, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/444281
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