Das Einfrieren einzelner Organismen oder Organe des menschlichen Körpers, um zu einem späteren Zeitpunkt davon Gebrauch zu machen, dürfte allgemein bekannt sein. Wie sieht es jedoch mit dem Einfrieren von Eizellen aus? Wäre es möglich, diese für eine Zeit lang „zurückzulegen“, sie zu wiederbeleben und später schwanger zu werden, auch wenn die biologische Uhr der Frau dies eigentlich nicht mehr zuließe?
In dieser Facharbeit zum Thema „Social freezing“ werde ich mich mit der Frage auseinandersetzen, welche Rolle das Verfahren in der heutigen Zeit spielt. Dazu werde ich die Methode des Einfrierens von Eizellen zunächst erläutern und sowohl die für als auch gegen das Verfahren sprechenden Aspekte darstellen. Anhand des aktuellen Forschungsstandes, der rechtlichen Regulierung und verschiedener Standpunkte werde ich außerdem
unter Berücksichtigung der Situation des Kindes die Frage aufgreifen, ob „social freezing“ ethisch vertretbar ist.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Was ist „social freezing“?
2.1 Medizinisch-Technisches Verfahren
2.2 Geschichte der Kryokonservierung
3 Für und wider „social freezing“
3.1 Gründe für das Einfrieren von Eizellen/Vorteile von „social freezing“
3.2 Gründe wider das Einfrieren von Eizellen/Nachteile von „social freezing“
4 Kindeswohl
5 Rechtliche Regelungen
6 Ethische Debatte
6.1 Sichtweise Jugendlicher
6.2 Sichtweise Ärzte
6.3 Angebot von Apple und Facebook
6.3.1 Sichtweise Jugendlicher
6.3.2 Sichtweise der Kirche
7 Erfahrungen
8 Alternativen
9 Zukunftsperspektiven
10 Fazit
10.1 Stellungnahme
10.2 Reflexion
Zielsetzung & Themen der Facharbeit
Die Facharbeit setzt sich kritisch mit dem als „Social Freezing“ bezeichneten Verfahren der Kryokonservierung unbefruchteter Eizellen auseinander. Ziel ist es, die medizinischen Grundlagen, die ethischen Implikationen, die rechtliche Situation sowie die gesellschaftliche Akzeptanz des Verfahrens unter Berücksichtigung verschiedener Perspektiven zu untersuchen und zu bewerten.
- Medizinisch-technische Grundlagen der Eizell-Kryokonservierung
- Ethische Debatte und gesellschaftliche Standpunkte (Ärzte, Jugendliche, Kirche)
- Auswirkungen auf das Kindeswohl und mögliche Langzeitfolgen
- Rechtliche Rahmenbedingungen und gesetzliche Lücken in Deutschland
- Analyse der Firmenangebote (Apple/Facebook) zur Übernahme der Kosten
Auszug aus dem Buch
2.1 Medizinisch-Technisches Verfahren
Bevor der Frau Eizellen entnommen werden können, muss diese für sieben bis zwölf Tage Hormone zu sich nehmen, welche dafür sorgen, dass das Eizellwachstum stimuliert wird und somit möglichst viele fruchtbare Eizellen vor der Entnahme heranreifen. Durch diese Hormonbehandlung und die Entnahme von mindestens 25 Eizellen wird eine höhere Erfolgschance für die Schwangerschaft erzielt.
Für die Kryokonservierung von Eizellen gibt es zwei verschiedene Möglichkeiten: das langsame Gefrierverfahren und die Vitrifikation. Bei beiden besteht ein Risiko, dass Gefrierschäden an der Zelle auftreten, welche durch das Herunterkühlen auf -196°C in flüssigem Stickstoff entstehen und zum Zelltod führen können. Mithilfe sogenannter Kryoprotektiva3 können diese durch Eiskristallbildung verursachten Schäden jedoch minimiert oder sogar komplett verhindert werden. Diese Kryoprotektiva können in die Zelle eindringen und Schäden von innen verhindern oder aber von außen der Zelle Wasser entziehen und somit die Ausbildung von Kristallen vermeiden4.
Bei der Anwendung des langsamen Gefrierverfahrens werden die Zellen allmählich in einem Einfrierautomaten heruntergekühlt und gleichzeitig wird ihnen durch Kryoprotektiva Wasser entzogen. Bei der Vitrifikation werden die Zellen durch Schockfrosten sekundenschnell in einen glasähnlichen Zustand versetzt. Dabei wird durch das besonders schnelle Einfrieren, den Wasserentzug durch Kryoprotektiva und das genauso schnelle Auftauen die Eiskristallbildung verringert.
Aufgrund der größeren Erfolgschance der Vitrifikation (2%iges Verlustrisiko der Eizellen), gilt dieses Verfahren gegenüber dem langsamen Gefrierverfahren (30%iges Verlustrisiko der Eizellen) als sicherere Methode5.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung definiert das Thema des Einfrierens von Eizellen und stellt die Forschungsfrage nach der Rolle und ethischen Vertretbarkeit dieses Verfahrens in der modernen Gesellschaft.
2 Was ist „social freezing“?: Dieses Kapitel erläutert den Begriff der Kryokonservierung unbefruchteter Eizellen sowie das medizinisch-technische Verfahren und dessen geschichtliche Entwicklung.
3 Für und wider „social freezing“: Es werden die verschiedenen Pro- und Contra-Argumente dargestellt, darunter Karriereplanung und medizinische Gründe auf der einen sowie hohe Kosten und medizinische Risiken auf der anderen Seite.
4 Kindeswohl: Dieses Kapitel diskutiert die Auswirkungen des Alters der Eltern auf das Kindeswohl sowie potenzielle psychische und physische Aspekte einer späten Elternschaft.
5 Rechtliche Regelungen: Hier wird der derzeitige Stand des Embryonenschutzgesetzes analysiert und der Bedarf nach rechtlichen Regelungen durch Umfragen bei Reproduktionsmedizinern verdeutlicht.
6 Ethische Debatte: Die ethische Perspektive wird anhand der Sichtweisen von Jugendlichen, Medizinern und kirchlichen Vertretern sowie durch das Angebot von US-Konzernen wie Apple und Facebook beleuchtet.
7 Erfahrungen: Dieses Kapitel berichtet von persönlichen Erfahrungen betroffener Frauen und stellt sowohl erfolgreiche als auch erfolglose Anwendungsbeispiele gegenüber.
8 Alternativen: Hier werden alternative Möglichkeiten wie die Eizellspende im Ausland oder die Samenspende für Frauen mit Kinderwunsch diskutiert.
9 Zukunftsperspektiven: Das Kapitel befasst sich mit der prognostizierten Entwicklung von „Social Freezing“ als steigender Trend und den damit verbundenen gesellschaftlichen sowie wirtschaftlichen Implikationen.
10 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und beinhaltet die persönliche Stellungnahme der Autorin sowie eine Reflexion über den Arbeitsprozess.
Schlüsselwörter
Social Freezing, Kryokonservierung, Eizellen, Fruchtbarkeit, Ethik, Medizin, Kinderwunsch, Schwangerschaft, Embryonenschutzgesetz, Vitrifikation, Familienplanung, Reproduktionsmedizin, Karriere, Elternschaft, Gesellschaftliche Phänomene.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Facharbeit beschäftigt sich mit dem als „Social Freezing“ bekannten Verfahren, bei dem Frauen ihre unbefruchteten Eizellen einfrieren lassen, um sie zu einem späteren Zeitpunkt für eine Schwangerschaft nutzen zu können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die medizinische Durchführung (langsames Gefrieren vs. Vitrifikation), die ethische Vertretbarkeit, rechtliche Regelungen in Deutschland und die soziologischen Aspekte der späten Elternschaft.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die umfassende Beleuchtung der Vor- und Nachteile sowie die kritische Prüfung der Frage, ob das Verfahren unter Berücksichtigung ethischer und kindbezogener Aspekte befürwortet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse bestehender wissenschaftlicher Quellen (Doktorarbeiten, Artikel) sowie auf eine selbst durchgeführte Umfrage unter Jugendlichen zur persönlichen Einstellung gegenüber dem Verfahren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der technischen Grundlagen, eine Abwägung von Argumenten, die Auseinandersetzung mit rechtlichen Rahmenbedingungen und eine breit gefächerte ethische Diskussion, die verschiedene gesellschaftliche Akteure miteinbezieht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Social Freezing, Kryokonservierung, Fruchtbarkeitserhalt, ethische Debatte, gesellschaftlicher Wandel, Familienplanung und reproduktive Selbstbestimmung.
Wie stehen Jugendliche zu dem Verfahren?
Die Umfrage unter Jugendlichen ergab ein überwiegend kritisches Bild; viele sehen in dem Verfahren einen Eingriff in die Natur, auch wenn das Interesse an der Thematik generell vorhanden ist.
Wie bewerten Mediziner „Social Freezing“?
Die Mehrheit der befragten Reproduktionsmediziner steht dem Verfahren positiv gegenüber und sieht darin eine Möglichkeit zur Gleichberechtigung von Mann und Frau bei der Familienplanung.
Warum kritisieren kirchliche Vertreter das Angebot von Apple und Facebook?
Die Kritik basiert darauf, dass der wirtschaftliche Nutzen und die Erhaltung der Arbeitskraft über das Wohl der Frauen gestellt werden und das Verfahren als „Geschäftsmodell“ betrachtet wird, das der Natur widerspricht.
Welche Rolle spielt die Vitrifikation für den Erfolg des Verfahrens?
Die Vitrifikation gilt im Vergleich zum langsamen Gefrierverfahren als sicherere Methode mit einem deutlich geringeren Verlustrisiko der Eizellen, was zu ihrer Etablierung in der klinischen Praxis beigetragen hat.
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- Rica Schulz (Autor), 2017, "Social Freezing". Das Einfrieren von Eizellen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/444289