Gegenwärtig kursieren zahlreiche Synonyme und Akronyme zur Beschreibung begrenzt tolerierter Verhaltensweisen im Kindes- und Jugendalter. Individuen, die der genormten Vorstellung eines sozial angepassten Kindes nicht entsprechen und eine Belastung für ihre Umgebung darstellen, werden schnell als hyperaktiv, aggressiv oder verhaltensauffällig tituliert. Bezeichnungen wie ADS oder MCD gehören bereits zum schulischen und gesellschaftlichen alltäglichen Repertoire.
Innerhalb dieser Auseinandersetzung wird versucht, Vorurteile im Bezug auf Kinder mit Hyperaktivitäts- und/oder Aufmerksamkeitsproblemen aus dem Weg zu räumen, ferner ein Verständnis für ihr Verhalten zu entwickeln und einen möglichen, geregelten Umgang speziell im schulischen Umfeld aufzuzeigen.
Aus erziehungswissenschaftlicher Sicht bedarf es neben einer psychologisch-therapeutischen Begleitung auch in der Schule pädagogisch-didaktisch professionellen Wissens, um den betroffenen Schülern eine bestmögliche Entfaltung ihrer Fähigkeiten zu gewährleisten. Die häufige Reaktion mit Abstoßung und Isolation führt langfristig wohl nicht zu erwünschten Erfolgen. Emotionale Zuwendung, Verständnis und Zeit sind Faktoren die extrem wichtig sind und oft anstelle von Tadel und Umlenkungsversuchen zu kurz geraten.
Diese Auseinandersetzung hat zum Ziel, für Eltern, PädagogInnen sowie Betroffene eine Hilfestellung beziehungsweise einen Leitfaden darzustellen. Neben beschriebenen theoretischen Ausführungen und Begründungsfiguren sollen konkrete praxisnahe Elemente Ordnung in teilweise vorherrschende Verwirrung bringen.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. BEZEICHNUNGEN UND BEGRIFFE
2.1. ADS
2.1.1. Aufmerksamkeitsstörung
2.2. ADHS / ADHD
2.2.1. Hyperaktivität und hyperkinetische Verhaltensstörung
2.2.2. Impulsivität
3. DIAGNOSE UND VERSTÄNDNIS ALS WICHTIGE VORAUSSETZUNG
3.1. Schwierigkeiten bei der Reizverarbeitung als organische Ursache
3.2. Symptomkriterien und Diagnoseverfahren
4. VERHALTENSMUSTER UND ERSCHEINUNGSFORMEN BEI ADS BZW. ADHS
4.1. Entwicklungsverlauf – ADS bzw. ADHS als lebenslängliches Syndrom
4.1.1 Säuglingsalter
4.1.2 Kleinkindalter
4.1.3 Schulkindalter
4.1.4 Jugendlichenalter
4.1.5 Erwachsenenalter
4.2. Zusammenhang mit dem schulischen Alltag und Unterricht
4.2.1 Komorbide Störungen
4.2.2 Risikofaktoren und protektive Faktoren
5. UMGANG ALS PÄDAGOGISCHE HERAUSFORDERUNG IM SCHULISCHEN ALLTAG UND UNTERRICHT
5.1. Wichtige Voraussetzungen zur Integration in der Klasse
5.1.1. Information und Aufklärungsbedarf
5.1.2. Zusammenarbeit und Austausch der Bezugspersonen
5.2. Beachtendes im Umgang mit dem Schulkind
5.2.1 Selbstauseinandersetzung und Aufbau eines positiven Selbstwerts
5.2.2. Bedeutung von klaren Anweisungen und Erinnerungen
5.2.3. Räumliche Gegebenheiten sind von Bedeutung
5.3. Fördermöglichkeiten im schulischen Unterricht
5.3.1. Sozialverhalten
5.3.2. Regelbewusstsein
5.3.3. Konzentrationsfähigkeit und Gedächtnisfähigkeit
5.3.4. Selbständigkeit
5.4. Der Einsatz von Verstärkerplänen und Punkteplänen
6. EINGE GRENZEN UND SCHWIERIGKEITEN IM SCHULISCHEN ALLTAG UND UNTERRICHT
6.1. Sonderstellung von ADS- oder ADHS– Kindern
6.2. Mögliche Überforderung
6.3. Erleichterung im Umgang durch den Einsatz von Psychopharmaka?
7. ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit zielt darauf ab, Vorurteile gegenüber Kindern mit Hyperaktivitäts- und Aufmerksamkeitsproblemen abzubauen, ein tieferes Verständnis für deren Verhaltensweisen zu entwickeln und pädagogisch fundierte Strategien für einen erfolgreichen Umgang im schulischen Alltag aufzuzeigen.
- Theoretische Grundlagen und Begriffsbestimmungen zu ADS und ADHS
- Entwicklungsverlauf und Symptomatik über verschiedene Lebensphasen hinweg
- Pädagogische Interventions- und Fördermöglichkeiten im Unterricht
- Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen Lehrkräften, Eltern und Bezugspersonen
- Herausforderungen und Grenzen im schulischen Kontext
Auszug aus dem Buch
5.2.3 Räumliche Gegebenheiten sind von Bedeutung
Zielführend im schulischen Unterricht ist es, jedwede Ablenkungsquellen für ein ADS oder ADHS-Kind zu vermeiden bzw. reduzieren. Visuelle Reize zwischen Kind und Lehrkraft sollten nach Aust-Claus & Hammer (vgl. 2000, S. 225) möglichst entfernt werden, Dekorationen oder Mobiles ziehen die Aufmerksamkeit auf sich und bilden einen Störfaktor.
Die Wahl des Sitzplatzes sollte mit Bedacht getroffen werden, die Nähe eines Papierkorbes, der Türe oder eines Fensters ist ungeeignet. Ein Platz möglichst weit vorne im Klassenzimmer kommt Kindern mit ADS oder ADHS entgegen, einerseits werden Ablenkungsmöglichkeiten durch Mitschüler eingeschränkt und andererseits verhindert die Herstellung des ständigen Blick- und Körperkontaktes mit der Lehrkraft das Abfallen der Aufmerksamkeit und Versinken in Tagträume (vgl. Spallek 2005, S. 195; Aust-Claus & Hammer 2000, S. 225).
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Darstellung der gesellschaftlichen Herausforderungen bei der Integration von auffälligen Kindern und Skizzierung des Ziels, pädagogisches Wissen für den Schulalltag zu vermitteln.
2. BEZEICHNUNGEN UND BEGRIFFE: Klärung der uneinheitlichen Begrifflichkeiten wie ADS, ADHS und hyperkinetisches Syndrom in der Fachliteratur.
3. DIAGNOSE UND VERSTÄNDNIS ALS WICHTIGE VORAUSSETZUNG: Erörterung der schwierigen Ursachenforschung und der Bedeutung diagnostischer Standards wie DSM und ICD.
4. VERHALTENSMUSTER UND ERSCHEINUNGSFORMEN BEI ADS BZW. ADHS: Beschreibung der Symptomentwicklung vom Säuglings- bis zum Erwachsenenalter sowie der Komorbiditäten.
5. UMGANG ALS PÄDAGOGISCHE HERAUSFORDERUNG IM SCHULISCHEN ALLTAG UND UNTERRICHT: Konkrete Handlungsempfehlungen zur Unterrichtsgestaltung, Förderung und Zusammenarbeit aller Beteiligten.
6. EINGE GRENZEN UND SCHWIERIGKEITEN IM SCHULISCHEN ALLTAG UND UNTERRICHT: Kritische Auseinandersetzung mit Stigmatisierung, Überforderung und dem kontroversen Einsatz von Psychopharmaka.
7. ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK: Resümee zur Relevanz einer wertschätzenden pädagogischen Haltung und der Notwendigkeit individueller Unterstützung.
Schlüsselwörter
ADS, ADHS, Aufmerksamkeitsstörung, Hyperaktivität, Impulsivität, Pädagogik, Schulintegration, Fördermaßnahmen, Verhaltensauffälligkeit, Psychopharmaka, Lernstörung, Konzentrationsfähigkeit, Selbstregulation, Eltern-Lehrer-Kooperation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der pädagogischen Unterstützung und Integration von Kindern mit ADS bzw. ADHS im schulischen Kontext.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Definition des Störungsbildes, die Symptomatik in verschiedenen Altersstufen sowie praktische pädagogische Ansätze zur Förderung im Unterricht.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Hauptziel ist es, Vorurteile abzubauen und Lehrkräften fundierte Strategien für den Umgang mit betroffenen Schülern an die Hand zu geben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und dem Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die pädagogische Praxis.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Erläuterungen zu den Ursachen und dem Verlauf des Syndroms sowie einen praxisorientierten Teil zur Schulintegration.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem ADS/ADHS, Schulintegration, pädagogische Herausforderungen, Förderstrategien und Verhaltenssteuerung.
Warum ist ein strukturierter Tagesablauf so wichtig für diese Kinder?
Ein strukturierter Ablauf hilft Kindern mit ADS/ADHS, dem inneren Chaos zu begegnen, Sicherheit zu gewinnen und Routinen zu entwickeln, um besser mit schulischen Anforderungen umzugehen.
Wie kritisch ist der Einsatz von Psychopharmaka in der Schule zu sehen?
Die Arbeit beschreibt den Einsatz als kontrovers und warnt vor einem vorschnellen oder leichten Gebrauch, da alleinige Medikation ohne begleitende pädagogische Förderung oft nicht ausreicht.
- Quote paper
- Eva Wittmann (Author), 2005, ADS/ADHS. Ungezogen oder einfach nur unerkannt? Möglicher Umgang im schulischen Alltag und Unterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/44435