Bibliotheken als "Dritter Ort". Die Stadtbibliothek Mülheim an der Ruhr

Was ist der sogenannte "Dritte Ort" und erfüllt die Bibliothek die Kriterien dazu?


Hausarbeit, 2018

18 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition „Dritter Ort”

3. Kritik an der Anwendung des Terminus „Dritter Ort” in Bezug auf Bibliotheken

4. Australische Bibliotheken als positives Beispiel für Bibliotheken als „Dritter Ort”

5. Die Stadtbibliothek Mülheim an der Ruhr als „Dritter Ort”

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

Zusammenfassung

Die vorliegende Hausarbeit beleuchtet die aktuelle Situation der Stadtbibliothek Mülheim in Bezug auf einen dritten Ort. Dabei wird mithilfe der Auswertung von Literatur zuerst definiert, was einen dritten Ort ausmacht. Im Anschluss wird der Terminus kritisch behandelt und ausgeführt, warum er nicht weit genug geht in seiner eigentlichen Bedeutung. Als Beispiel einer gelungenen Etablierung von Bibliotheken als dritter Ort wird die Entwicklung in Australien herangezogen. Anschließend wird die Stadtbibliothek Mülheim betrachtet und die Bibliotheksleiterin Claudia vom Felde mittels eines Interviews befragt. Zum Schluss wird das Fazit gezogen, dass die Mülheimer Stadtbibliothek auf einem guten Weg ist sich dauerhaft als dritter Ort zu etablieren.

Third Place, Dritter Ort, Stadtbibliothek, öffentliche Bibliothek, Zukunft, Vision, Ausblick, Library, Interview

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Australian Public Libraries Statistical Report 2007-2008

Abbildung 2: DBS, Gesamtauswertung 2007

Abbildung 3: Veranstaltungsraum im 3. OG

Abbildung 4: Ricks Café im EG

1. Einleitung

Ziel dieser Hausarbeit ist die Klärung der Frage, ob und inwieweit die Stadtbibliothek Mülheim an der Ruhr als „Dritter Ort” bezeichnet werden kann oder welche Maßnahmen ergriffen werden müssten, um sie zu einem solchen zu machen. Zu Beginn werde ich mich mit der Definition von „Dritten Orten” im Allgemeinen beschäftigen. Im Folgenden steht die Problematik dieser Definition und ihrer Anwendung im Fokus. Im Anschluss betrachte ich, wie sich Bibliotheken in Australien den Besuchern präsentieren und wie sich ihre Denkweise im Laufe der Zeit verändert hat. Danach beleuchte ich die aktuelle Situation der Stadtbibliothek Mülheim an der Ruhr und stelle durch ein Interview mit der Bibliotheksleiterin fest, welche Pläne es für die Weiterentwicklung gibt. Schließlich werde ich alle Aspekte gemeinsam betrachten und ein Resümée ziehen. Für eine bessere Lesbarkeit wird das generische Maskulinum benutzt.

2. Definition „Dritter Ort”

Ray Oldenburg, ein amerikanischer Soziologe, prägte in den 1990er-Jahren den Begriff des „Third Place”. Der „First Place” ist das eigene Zuhause, der „Second Place” ist der Arbeitsplatz oder die Schule, der Ort an dem Menschen die meiste Zeit des Tages verbringen. „Third Places” sind Orte des gesellschaftlichen Lebens und der kreativen Interaktion zwischen dem ersten und dem zweiten Ort. Ein „Dritter Ort” wird durch folgende Eigenschaften charakterisiert:

- es ist keine Mitgliedschaft notwendig, der Zugang ist frei oder kostengünstig
- Essen und Trinken sind nicht zwingend erforderlich, aber wichtig
- der Ort ist gut erreichbar und leicht zugänglich
- die Besucher finden sich regelmäßig ein
- der Ort ist einladend und komfortabel (Pete Myers 2012)

Die Wissenschaftler Kröger und Quandt haben ähnliche acht Charakteristika gefunden, mit denen sie „Dritte Orte” beschreiben:

- Neutralität: Die Nutzer eines „Dritten Ortes” haben keine Verpflichtung, sich an diesem Ort aufzuhalten. Sie kommen und gehen wie sie möchten.
- Ein ebnender Raum: alle, die sich hier aufhalten, sind gleich. Der soziale Status spielt keine Rolle.
- Konversation ist die Hauptaktivität: spielerische und freundliche Konversation stehen im Fokus, müssen aber nicht die einzige Aktivität bleiben. Der Umgangston ist unbeschwert und humorvoll.
- Zugang und Ausstattung/Lage: „Dritte Orte” sind offen und einfach zu erreichen. Außerdem sind sie so ausgestattet, dass alle Bedürfnisse der Besucher gedeckt werden.
- Stammkunden: „Dritte Orte” haben eine große Anzahl an Stammkunden, die dem Raum ihren Charakter und die Stimmung verleihen. Stammkunden ziehen auch Neukunden an und dienen dazu, dass sich diese willkommen und aufgehoben fühlen.
- geringe Selbstdarstellung: Das Innere ist ohne Extravaganz ausgestattet und lässt ein heimisches Gefühl aufkommen. Dritte Orte sind niemals prunkhaft und akzeptieren jedes Individuum.
- Die Stimmung ist spielerisch: sowohl geistreiche als auch triviale Gespräche werden wertgeschätzt.
- Ein Zuhause außerhalb des Zuhauses: Benutzer eines „Dritten Ortes” haben oft dasselbe warme Zugehörigkeitsgefühl wie sie es in ihrem eigenen Zuhause haben. Sie empfinden, dass etwas von ihnen selbst an diesem Ort ist und erlangen spirituelle Regeneration indem sie Zeit dort verbringen. (Quandt/Kröger 2013)

3. Kritik an der Anwendung des Terminus „Dritte Ort” in Bezug auf Bibliotheken

In ihrem Artikel „Ein komplexes Ganzes” erläutert Corinna Haas sehr anschaulich, weshalb die Definition von Ray Oldenburg sich nicht eins zu eins auf eine Bibliothek übertragen lässt und weshalb Bibliotheken daher auch nicht per se als „Dritte Orte” verstanden werden sollten:
Das Modell des „Dritten Ortes” basiert auf der Annahme, dass es räumlich getrennte Gebiete für Erfahrungen gibt. Am „Dritten Ort” ist Konversation die Hauptaktivität, die Stammgäste hauchen dem Ort Leben ein und es herrscht eine ausgelassene Stimmung. Diese Beschreibung hat auf den ersten Blick nur sehr wenig mit Bibliotheken zu tun. Die Übertragung der Definition Oldenburgs auf Bibliotheken funktioniert nicht einwandfrei. Festzuhalten ist, dass Bibliotheken eine große gesellschaftliche Rolle spielen durch die intensive Nutzung der physischen Räume. Finanzkrisen und die Digitalisierung haben unter anderem dazu beigetragen. Die Aussagekraft des Begriffes „Dritter Ort” ist für die Beschreibung und die Planung von Bibliotheken allerdings gering, da er sich mit anderen Begriffen wie „Meeting Place” oder „gesellschaftlicher Ort” überschneidet. Ein „Dritter Ort” kann in ihren Augen allenfalls eine Teilfunktion der Bibliotheksräume darstellen, da er der Komplexität von Bibliotheken nicht gerecht wird. Eine große Nutzergruppe stellen zum Beispiel die sogenannten „Internauten” dar: Schüler oder Studierende nutzen die Bibliothek als Lernort und für ausgedehnte, tägliche Aufenthalte. Gemeinsames Kennzeichen der Internauten ist, dass sie zwischen studienbezogenen und privaten Anwendungen bzw. Recherchen keine Grenze ziehen. Statt am bibliothekseigenen Internet-PC nur für das Studium zu recherchieren, nutzen sie mehrere Browserfenster simultan: Wikipedia für die Hausarbeit, die Website des Reiseanbieters für den nächsten Urlaub und das Veranstaltungsprogramm der Stadt für den Abend. Studienbezogenes und soziales Leben finden gleichermaßen an einem Ort statt. Die Bibliothek des 21. Jahrhunderts ist nicht nur ein „Dritter Ort”, sondern eine Kombination aus Oldenburgs erstem und zweiten Ort und stellt einen Platz zum Arbeiten, zur Freizeitbetätigung und Lernen mit einem Zuhause-Gefühl dar. Nach Meinung von Haas sollten Bibliotheken daher differenziert betrachtet werden und nicht nur unter dem Begriff des „Dritten Ortes”. (Haas 2015)

4. Australische Bibliotheken als positives Beispiel für Bibliotheken als dritte Orte

Im Artikel „Libraries with Lattes: The New Third Place” stellt Cathryn Harris anhand australischer öffentlicher Bibliotheken dar, wie die Etablierung gelingen kann. Zum Hintergrund: in Abbildung 1 ist ersichtlich, dass australische Bibliotheken im Jahr 2007 über 111 Millionen Besucher hatten:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Australian Public Libraries Statistical Report 2007-2008

Die Bevölkerungszahl in Australien lag laut Worldbank.org zu diesem Zeitpunkt bei 20 Millionen (vgl. Worldbank: Population of Australia).

Im Vergleich dazu hatte Deutschland gemäß der Deutschen Bibliotheksstatistik 122 Millionen Besucher bei einer Bevölkerungszahl von ca. 82 Millionen (vgl. DBS Berichtsjahr 2007 und Worldbank: Population of Germany):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: DBS, Gesamtauswertung 2007

Umgerechnet bedeutet dies, dass durchschnittlich jeder Besucher Australiens 9 Mal eine Bibliothek besucht hat, wohingegen es in Deutschland nur 1,5 Besuche pro Einwohner waren. Bibliotheken in Australien scheinen eine entsprechend gute Aufenthaltsqualität zu bieten. Kate Meyrick vom Australian Horney Institute sagte auf einer Konferenz 2007, dass die Schlüsselkomponente eines „Dritten Ortes” das Angebot an Speisen und Getränken, insbesondere Kaffee wäre. Sie geht noch weiter und listet zehn Dinge auf, die eine Bibliothek umsetzen sollte, um sich dauerhaft als „Dritten Ort” zu etablieren. Unter anderem nennt sie hier die Erschaffung einer Marke/Brand, sowie das geplante und zufällige Treffen von Individuen zu ermöglichen und nicht alle Visionen direkt abzublocken, weil kein Geld da wäre. Wenn das alles nicht geht: „(...) make sure you have the best coffee in town”. (vgl. Harris 2007) In vielen australischen Bibliotheken wurde dies bereits umgesetzt:

Erfrischungen sind ein integraler Bestandteil bei dem Erlebnis Bücher durchzuschauen und um sich an einem Ort länger aufzuhalten.

Der politische Wissenschaftler Robert Putnam schreibt, dass soziale Interaktion Gemeinschaften begründet. Sie ermöglicht Menschen miteinander in Verbindung zu treten und soziale Netzwerke zu bilden. In seinem Buch „Bowling alone” beweist er anhand von 500.000 Interviews, dass Individuen heutzutage zu weniger festen Organisationen gehören, ihre Nachbarn weniger gut kennen, Freunde weniger oft treffen und sich oft auch von ihren Familien distanzieren. (Putnam 2000) Bibliotheken können an dieser Stelle eine wichtige Rolle übernehmen, indem sie Menschen zusammenbringen und Interaktion fördern.

In dem Bericht „Libraries / building / communities” von 2005 wird hervorgehoben, dass öffentliche Bibliotheken als extrem wichtige kulturelle, wirtschaftliche und auch soziale Institutionen wahrgenommen werden. Ihre Rolle ist das Sammeln und Aufbewahren von Informationen, aber auch das zur Verfügung stellen eines komfortablen und einladenden Platzes, an dem Menschen lesen, lernen und Kontakte miteinander knüpfen können.

Dr. Lesley McTurk, Generaldirektor des Stadtrates in Christchurch, Neuseeland, sagt, dass Bibliotheken nicht länger Orte sind, an denen man ruhig sein muss. Heutige Bibliotheken seien belebte Informationszentren, deren Fokus auf dem Kunden liege und darauf, den Menschen einen Platz zu bieten, an dem sie sich mit Freunden auf einen Kaffee treffen, das Internet benutzen und natürlich auch den neuesten Thriller finden können. Die Vorteile dieser Entwicklung seien die Investition in diese Art der öffentlichen Einrichtung wert. In Zukunft erwartet er noch mehr Innovation in der Art und Weise, wie Bibliotheken zur Schaffung von integrativen Gemeinschaften beitragen und Zentren für lebenslanges Lernen, Spaß und Kreativität sind. (Moen 2006)

Es ist die Kombination aus der Bereitstellung von Medien, Datenbanken, Computerzugang und Gemeinschaftsprogrammen, die dazu beitragen, soziales und gesellschaftliches Engagement zu fördern. (Bourke 2007) Die dritten Orte und die Bedeutung des informellen Lebens sind seit Jahrhunderten ein wesentlicher Bestandteil großer Zivilisationen. Die Gasthäuser und Saloons veränderten zum Beispiel auch die koloniale Gesellschaft in der amerikanischen Kultur. Später wurden Drugstores, Wirtshäuser und Kirchen die sozialen Anker des Gemeinschaftslebens.

Im Laufe der Jahre wurde die örtliche Bibliothek zu einer weiteren wichtigen Institution der lokalen Gemeinschaften, die als „Dritter Ort” diente. (Lawson 2004)

Oldenburg legt nahe, dass die Attraktivität eines dritten Platzes nicht unbedingt abhängig ist von der Anzahl der Plätze, der Vielfalt der angebotenen Speisen und Getränke, der Parkplatzverfügbarkeit, der Preise oder anderem, was die Geschäftsführung zur Verfügung stellt. Es ist das, was andere Benutzer oder Kunden mitbringen, was die Menschen zu einem „Dritten Ort” lockt. Laut Oldenburg ist ein großes Gebäude nur ein Gebäude und ein Platz ist nur ein Platz, es sei denn, die Menschen haben das Recht, es zu einem Lebensraum zu machen. Diese Menschen sind die Stammgäste, die dem Ort seinen Charakter geben und den Ton, die Stimmung und das Verhalten anderer bestimmen. (Oldenburg 1999)

Um die richtigen Bibliotheksräume und -orte zu schaffen, schlug die Westaustralische Bibliotheksleiterin Rebecca Moore auf einer Konferenz im Jahr 2006 vor, dass Bibliotheken mit anderen Einrichtungen zusammengelegt werden sollten. Dies kann zum Beispiel geschehen durch die Lokalisierung der Bibliothek in der Nähe eines Buchladens, eines Cafés, einer Kunstgalerie, eines Museums oder einer Kinderbetreuung usw. Bibliotheken sollten als Drehscheibe der Gemeinschaft gesehen werden und mit einer alternden Bevölkerung und einer wachsenden Anzahl von Menschen, die allein leben, wird dieses Konzept immer wichtiger werden. (Moore 2006)

Forschungen, die in einer südaustralischen öffentlichen Bibliothek durchgeführt wurden, weisen darauf hin, dass viele Benutzer die Bibliothek für einen großartigen und guten Ort halten. Sie schätzen die ruhige und entspannende Atmosphäre in der Bibliothek, um dort Zeit zu verbringen. Die Tatsache, dass sie einfach da ist, erscheint vielen sehr wichtig, während andere die Geräumigkeit und die Wärme schätzen. Manche beschreiben die Bibliothek als einen Treffpunkt und einen sicheren Hafen: einladend und offen für alle, die ihn besuchen möchten. (Hillenbrand 2005)

Harris schreibt, dass Bibliotheken von Buchhandlungen lernen können: Die Bereitschaft, einen Community-Center-Ansatz zu verfolgen, hat den Umsatz in Buchhandlungen dramatisch erhöht. Cafés sind heute sehr wichtige Bestandteile vieler Einzelhandelszentren und in den großen Buchhandlungen äußerst erfolgreich. Die Buchläden von „Maids of Us” mussten sich ändern, um zu überleben. Vor 10 Jahren war Essen und Trinken tabu. Es gab begrenzten Platz zum Sitzen und Herumlungern wurde nicht gerne gesehen. Überlebende Buchhandlungen haben inzwischen ihre „kein Essen”-Schilder durch Cafés ersetzt und die Stellfläche vergrößert, um bequeme Stühle, Lern- und Informationstische zu ermöglichen. (Trelease 2001)

Bibliotheken können sich davon inspirieren lassen: Sie könnten viel einladender werden, indem sie Kaffee und andere Getränke anbieten, unterhaltende Programme bieten und die Benutzer damit zum Bleiben animieren. (Dempsey 2004).

Jahrzehntelang wurde davon abgeraten, in Bibliotheken Essen oder Trinken zu erlauben. Dies scheint auf Bedenken wegen Verschüttens, der Reinigung und Insektenbefall zurückzuführen zu sein. (Pierce 1997) Die Realität ist jedoch, dass Essen und Trinken in einer Bibliothek immer schon passiert ist, wenn auch im Geheimen. Diese Verbote und der mögliche Konflikt bei Nichtbeachtung haben möglicherweise zu Unbehagen der Benutzer geführt. Die meisten negativen Aussagen über diesen angedachten Wandel , das Essen und Trinken zu legitimieren, stammen von Bibliotheksangestellten, die der Meinung sind, dass eine Bibliothek nur Bibliotheksressourcen zur Verfügung stellen und keine Getränke oder Speisen im Angebot haben sollte. Ebenso scheint die Meinung vorzuherrschen, dass Bibliotheken in Konkurrenz mit kommerziellen Plätzen treten müssten und der Angst vor benutzten Einweg-Kaffeebechern in den Regalen. Nichtsdestotrotz werden Cafés jedoch zu einem integralen Bestandteil des Bibliothekdesigns. Die größte Herausforderung für Bibliotheken sind Geschäfte wie McDonalds oder Starbucks. Diese Läden wollen „Dritter Ort” für Konsumenten werden - nach der Arbeit und vor dem nach Haus gehen. Bibliotheken sind perfekt positioniert, um der Nächste „Dritte Platz” zu werden, aber die Herausforderung besteht darin, ohne Konsummöglichkeit eine Atmosphäre zu schaffen, damit Menschen gerne wiederkehren. Um dies zu tun, müssen Bibliotheksleiter sich in der lokalen Gemeinschaft gut vermarkten und auch die Bibliothek an sich vermarkten. Cafés tragen dazu bei, diese Räume zu schaffen, indem sie freundlich gestaltete Umgebungen schaffen und gleichzeitig einen Beitrag zum Aufbau von Kontakten leisten. (Harris 2007)

5. Die Stadtbibliothek Mülheim an der Ruhr als „Dritter Ort”

Die Stadtbibliothek Mülheim an der Ruhr liegt zentral in der Innenstadt, unweit des städtischen Kunstmuseums. Seit 2009 befindet sie sich in einem Neubau, in dem viel Wert auf Großzügigkeit der Räume, Licht und Offenheit gelegt wurde. Die dritte und oberste Etage ist allein den Veranstaltungen vorbehalten. In Abbildung 1 sieht man, dass der Raum auch für Ausstellungen genutzt wird. Im Erdgeschoss des Hauses befindet sich ein Café, das allerdings nicht von der Bibliothek betrieben selbst wird (siehe Abb. 2). Essen und Trinken sind ansonsten innerhalb der Räumlichkeiten der Bibliothek verboten.

Abb. 3: Veranstaltungsraum im 3. OG, Abb. 4: Ricks Café im EG, Tripadvisor 2016 Rüdiger A. Tiede 2016

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Claudia vom Felde, Bibliotheksleiterin in Mülheim an der Ruhr, sagt:

„Meine Definition von „Dritter Ort” ist tatsächlich klassisch: es ist der Ort, der neben der Wohnung und dem Arbeitsplatz, Studienplatz oder der Schule genutzt wird. (...) Wichtig ist, der Zugang ist leicht und kostenlos, gut erreichbar, auch barrierefrei. Mit möglichst viel Öffnungszeit und an möglichst vielen Wochentagen. Die Hausregeln dürfen nicht einengen, die Besucher können sich frei bewegen, Angebote oder auch nur den Raum nutzen. In Mülheim ist dies erstmals für die Zentrale mit dem MedienHaus versucht worden, so umzusetzen. (...)”

Die Besucherzahlen und die gemessene Aufenthaltsdauer sprechen dafür, dass die Stadtbibliothek in Mülheim bereits als „Dritter Ort” wahrgenommen und genutzt wird. Auf die Frage, wo sie in Mülheim Handlungsbedarf sieht, antwortet sie: „(...) es ist uns bisher nicht gelungen, alle Bevölkerungsschichten oder Altersgruppen zu erreichen. Ein Angebot für Jugendliche gibt es praktisch nicht. Berufstätige in den Altersgruppen zwischen Ende 20 und Mitte 50 fehlen. Alle Unterstützer der Bibliothek in Politik, Verwaltung oder auch aus der Wirtschaft sind selbst nicht Nutzer der Bibliothek. Es wäre tatsächlich ein Ziel und auch ein Wunsch von mir, breiter aufgestellt zu sein, was die NutzerInnen der Bibliothek betrifft und Ideen zu entwickeln, wie dies gelingen kann. Eine Kampagne dazu ist in Planung.”

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Bibliotheken als "Dritter Ort". Die Stadtbibliothek Mülheim an der Ruhr
Untertitel
Was ist der sogenannte "Dritte Ort" und erfüllt die Bibliothek die Kriterien dazu?
Hochschule
Hochschule Hannover
Note
1,7
Autor
Jahr
2018
Seiten
18
Katalognummer
V444497
ISBN (eBook)
9783668818040
ISBN (Buch)
9783668818057
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Third Place, Dritter Ort, Stadtbibliothek, öffentliche Bibliothek, Zukunft, Vision, Ausblick, Library, Interview
Arbeit zitieren
Isabelle Sawatzki (Autor:in), 2018, Bibliotheken als "Dritter Ort". Die Stadtbibliothek Mülheim an der Ruhr, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/444497

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Titel: Bibliotheken als "Dritter Ort". Die Stadtbibliothek Mülheim an der Ruhr



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