Diese Hausarbeit hat die zwiespältige Mensch-Tier-Beziehung zum Thema. Im Mittelpunkt steht die Beantwortung der Frage danach, ob die Art und Weise wie der Mensch mit seinen nichtmenschlichen Mitlebewesen umgeht, aus moralphilosophischer Sicht zu rechtfertigen ist. Das paradoxe Verhältnis des Menschen zum Tier, das in Form der beiden Extremszenarien Tierliebe und Tierausbeutung zum Ausdruck kommt, soll somit einer ethischen Bewertung unterzogen werden. Im Rahmen dessen, dienen neben dem Prinzip der Moral auch ethische Paradigmen, wie z.B. der Utilitarismus, als Wertungsinstrumente. Insoweit soll eine mögliche Rechtfertigung grundsätzlich an den Leitbegriffen Dürfen und Sollen gemessen werden, um so letztlich eine Antwort auf die Frage zu geben, ob Tieren ähnliche moralische Rechte zustehen sollten wie dem Menschen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Geschichtlicher Abriss
2.1 Mensch-Tier-Beziehung aus christlich-jüdischer Sicht
2.2 Mensch-Tier-Beziehung aus kulturgeschichtlicher Sicht
3. Begriff der Tierethik
4. Die moralische Bewertung des menschlichen Umgangs mit dem Tier
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die zwiespältige Mensch-Tier-Beziehung und geht der zentralen moralphilosophischen Frage nach, ob der gegenwärtige Umgang des Menschen mit nicht-menschlichen Lebewesen gerechtfertigt ist und ob Tieren ähnliche moralische Rechte zugestanden werden sollten.
- Historische Entwicklung der Mensch-Tier-Beziehung in der westlichen Kultur
- Einfluss christlich-jüdischer und antiker Denktraditionen auf das Tierbild
- Gegenüberstellung der Positionen von Immanuel Kant und Jeremy Bentham
- Bedeutung der Evolutionstheorie für das Verständnis der Mensch-Tier-Verwandtschaft
- Kritik am Speziesismus und Plädoyer für eine pathozentrische Ethik
Auszug aus dem Buch
2. Geschichtlicher Abriss
Tiere sind unzweifelhaft ein fester und auch wichiger Bestandteil unserer westlichen Gesellschaft. Sich dem Kontakt zu ihnen gänzlich zu entziehen, dürfte äußerst schwer fallen, angesichts ihrer scheinbar allgegenwärtigen Präsens. Der Mensch begegnet ihnen auf denkbar unterschiedlichster Art und Weise. Sei es als Gefährten und Spielkameraden, als bewundernswerte exotische Wesen in Zoos und Zirkusen, als treue Helfer in der Arbeitswelt, als Rohstofflieferanten für Kleidung und Schuhe, als Objekte zum Zwecke der medizinischen Forschung, auf dem Speiseplan als Nahrung oder gar als Gottheiten und heilige Wesen, denen man höhere Kräfte zuschreibt.
Bereits eine solche grobe Aufzählung gibt deutlich zu erkennen, wie vielgestaltig, aber auch zutiefst zwiespältig das Verhältnis des Menschen zum Tier ist. Ein Mensch, der sich liebevoll um sein eigenes Kaninchen kümmert und genüßlich das Kaninchen aus der Metzgerei verspeist, ist also keineswegs ein undenkbares Szenario. Eben diese gravierende Widersprüchlichkeit im Umgang mit Tieren ist es, die grundlegende ethische und gesellschaftliche Wertvorstellungen berührt und den Menschen dazu bewegt, sich Gedanken über das eigene Selbstverständnis zu machen.
Allerdings reicht es nicht aus, moralische Überlegungen alleine in Bezug auf gegenwartskulturelle Ausprägungen anzustellen, da man sich ansonsten lediglich der so genannten Spitze des Eisberges zuwenden würde, ohne dabei die geschichtskulturellen Aspekte zu berücksichtigen. Der Blick in die eigene Geschichte, die Rekonstruktion der vielfältigen Wandlungen des Verhältnisses von Mensch und Tier zeigt, wie und warum sich im Westen die Mensch-Tier-Beziehung von Anfang an überwiegend anthropozentrisch, also „prekär“ entwickelt hat. Fest steht, dass kein Tier von Natur aus funktional, geboren zum Schlachten, Verjagen, Verfolgen, Vergiften, Liebkosen, Dressieren, Gruseln, oder Bestaunen ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Mensch-Tier-Beziehung ein, stellt die ethische Grundfrage nach moralischen Rechten für Tiere und benennt wichtige Bezugspunkte wie den Utilitarismus und die Theorien von Peter Singer.
2. Geschichtlicher Abriss: Dieses Kapitel zeichnet die historische Entwicklung des Mensch-Tier-Verhältnisses von religiösen Schöpfungstheorien bis zur antiken Philosophie und dem rationalistischen Denken der Moderne nach.
3. Begriff der Tierethik: Hier wird der Begriff Ethik definiert und die Entwicklung der Tierethik als Spezialethik innerhalb der Bioethik erläutert, wobei insbesondere Kant und Bentham als gegensätzliche Denker eingeführt werden.
4. Die moralische Bewertung des menschlichen Umgangs mit dem Tier: Dieses Kapitel kritisiert die Grenzziehung zwischen Mensch und Tier mittels biologischer Erkenntnisse (Darwin) und plädiert für eine pathozentrische Ethik, die das Leid als moralisches Kriterium in den Vordergrund stellt.
Schlüsselwörter
Tierethik, Mensch-Tier-Beziehung, Anthropozentrismus, Pathozentrismus, Speziesismus, Moral, Leidensfähigkeit, Utilitarismus, Pflichtethik, Evolutionstheorie, Schöpfungstheorie, Tierrechte, Tierausbeutung, Vernunft, Leidminderung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der moralischen Rechtfertigung des menschlichen Umgangs mit Tieren und untersucht die historischen sowie philosophischen Hintergründe für die zwiespältige Mensch-Tier-Beziehung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die religiöse und kulturgeschichtliche Prägung des Tierbildes, die ethischen Theorien zur moralischen Berücksichtigung von Tieren sowie die wissenschaftliche Perspektive auf die Ähnlichkeit zwischen Mensch und Tier.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu untersuchen, ob Tieren ähnliche moralische Rechte zustehen sollten wie dem Menschen und inwiefern der aktuelle, oft ausbeuterische Umgang moralisch zu rechtfertigen ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit verwendet eine philosophische und ethikwissenschaftliche Methodik, bei der zentrale Positionen der Moralphilosophie analysiert, gegeneinander abgewogen und mit Erkenntnissen der Biologie und Geschichte in Bezug gesetzt werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse der Mensch-Tier-Beziehung, eine definitorische Herleitung der Tierethik sowie eine moralphilosophische Bewertung, die Kant und Bentham gegenüberstellt und durch evolutionstheoretische Erkenntnisse ergänzt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Besonders prägend sind Begriffe wie Tierethik, Speziesismus, Anthropozentrismus, Pathozentrismus, Leid, Vernunft und moralische Rechte.
Wie unterscheidet sich Kants Ansatz von dem Benthams?
Kant vertritt einen anthropozentrischen Ansatz, der moralische Pflichten an die Vernunft bindet, während Bentham das Pathozentrismus-Prinzip einführt und die Fähigkeit zu leiden als entscheidendes Kriterium für moralische Berücksichtigung definiert.
Welche Rolle spielt die Evolutionstheorie für die Argumentation?
Die Evolutionstheorie nach Darwin liefert den empirischen Beleg für die enge Verwandtschaft zwischen Mensch und Tier, was die in der Philosophie traditionell gezogene unüberwindbare Trennungslinie infrage stellt.
Warum hält der Autor die „Tierliebe“ für widersprüchlich?
Der Autor argumentiert, dass moderne Tierliebe oft auf einen begrenzten Zirkel bevorzugter Arten beschränkt bleibt, während gleichzeitig Massentierhaltung und systematische Ausbeutung anderer Tiere hingenommen werden.
Was fordert der Autor als oberstes Ziel für die Zukunft?
Es wird eine Abkehr von der anthropozentrischen Sichtweise hin zu einer auf Mitgefühl und Respekt beruhenden „Verständnisgemeinschaft allen Lebens“ gefordert, in der auch Tiere als Träger moralischer Rechte anerkannt werden.
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- Slaviša Bulatović (Autor), 2014, Grundprobleme der Tierethik, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/444782