Die Branche der Wirtschaftsprüfer muss sich gegenwärtig diversen Herausforderungen stellen. Hierzu zählen nicht nur die voranschreitende Digitalisierung und die Globalisierung. Auch durch Bilanzskandale sowie Finanz- und Wirtschaftskrisen stand sie in der Kritik der Öffentlichkeit.
Aufgrund von Wachstum und steigender Komplexität ist eine Vollprüfung aller rechnungslegungsrelevanten Informationen jedoch kaum mehr umzusetzen. Immer häufiger greifen Abschlussprüfer deshalb zur risikoorientierten Jahresabschlussprüfung.
In seiner Publikation erklärt Ali Ercan, wie genau eine risikoorientierte Jahresabschlussprüfung funktioniert und worauf Prüfer achten sollten. Die Kernelemente des risikoorientierten Prüfungsansatzes sind die Prüfungsplanung, Prüfungsstrategie, das Prüfungsprogramm sowie die Prüfungsdurchführung. Ercan beschreibt die einzelnen Schritte detailliert und praxisnah.
Aus dem Inhalt:
- Principal-Agency-Problem;
- Prüfungsrisiko;
- Fehlerwesentlichkeit;
- Prüfungshandlungen;
- Bilanz;
- IKS-Prüfung
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
1.1 Problemstellung
1.2 Aufbau der Arbeit
2 Grundlagen der Jahresabschlussprüfung
2.1 Zielsetzung und Nutzen der Jahresabschlussprüfung
2.2 Prüfungssubjekt
2.3 Prüfungsobjekt
3 Konzept des risikoorientierten Prüfungsprozesses
3.1 Zielgrößen im Prüfungsprozess
3.2 Prüfungsrisiko und seine Bestandteile
3.2.1 Fehlerrisiko
3.2.1.1 Inhärentes Risiko
3.2.1.2 Kontrollrisiko
3.2.2 Entdeckungsrisiko
3.3 Prüfungsrisikomodell
3.4 Wasserhahn-Sieb-Analogie
3.5 Fehlerwesentlichkeit und Wesentlichkeitsebenen
4 Vier-Phasen der risikoorientierten Jahresabschlussprüfung
4.1 Auswahl, Bestellung und Abberufung des Abschlussprüfers
4.2 Prüfungsplanung, Prüfungsstrategie und Prüfungsprogramm
4.3 Analyse der unternehmerischen Kontrollen
4.3.1 Internes Kontrollsystem (IKS)
4.3.2 Systemprüfung
4.3.2.1 Aufbauprüfung
4.3.2.2 Funktionsprüfung
4.4 Aussagebezogene Prüfungshandlungen
4.4.1 Analytische Prüfungshandlungen
4.4.2 Einzelfallprüfungen
5 Zusammenfassende Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, den risikoorientierten Prüfungsansatz bei der Jahresabschlussprüfung umfassend darzustellen. Im Zentrum steht die Untersuchung, wie Prüfer durch die Analyse unternehmensindividueller Gegebenheiten und Risiken ein effizientes und wirksames Prüfprogramm entwickeln können, um mit hinreichender Sicherheit ein Urteil über die Ordnungsmäßigkeit des Jahresabschlusses abzugeben.
- Grundlagen und Funktionen der Jahresabschlussprüfung
- Struktur und Funktionsweise des risikoorientierten Prüfungsprozesses
- Analyse und Bewertung von Fehlerrisiken und internen Kontrollsystemen
- Methodik der Prüfungsplanung, Strategieentwicklung und Durchführung
- Umgang mit Wesentlichkeit und dem Prüfungsrisikomodell
Auszug aus dem Buch
3.4 Wasserhahn-Sieb-Analogie
Die Möglichkeit, dass wesentliche Fehler in einem Prüffeld auftreten, wird durch den Wasserhahn bzw. Wasserstrahl illustriert. Dies entspricht dem inhärenten Risiko. Um diesem Risiko entgegenzuwirken, installiert der Mandant ein internes Kontrollsystem. Dieses hat die Aufgabe, die entstandenen Falschangaben zu entdecken und dementsprechend zu korrigieren.121 Jedoch beseitigt das IKS die Gefahr nicht völlig, dass wesentliche Fehler das IKS umgehen oder unentdeckt die Kontrollen passieren. Daher liegt es in der Verantwortung das Abschlussprüfers, darauf abgestimmte Prüfungshandlungen zu entwickeln, mit denen er falsche Angaben mit angemessener Sicherheit aufdecken kann, sodass keine wesentlichen Fehler in den Jahresabschluss eingehen.122 Nichtsdestotrotz besteht immer noch die Möglichkeit, dass wesentliche Unstimmigkeiten existieren, die weder durch das IKS des zu prüfenden Unternehmens noch durch die Prüfungshandlungen des Abschlussprüfers aufgedeckt wurden. Deshalb besteht stets ein gewisses Prüfungsrisiko123, das in einem angemessen Maß zu halten ist.124
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Erläutert die Problemstellung im Kontext der Wirtschaftsprüfung, insbesondere die Informationsasymmetrie zwischen Erstellern und Adressaten des Jahresabschlusses, sowie den Aufbau der Arbeit.
2 Grundlagen der Jahresabschlussprüfung: Beschreibt die Funktionen der Abschlussprüfung (Kontroll-, Informations- und Beglaubigungsfunktion) und definiert die relevanten Prüfungssubjekte und Prüfungsobjekte.
3 Konzept des risikoorientierten Prüfungsprozesses: Analysiert die Zielgrößen im Prüfungsprozess und erläutert das Prüfungsrisikomodell sowie die Bedeutung der Wesentlichkeit und Fehlerwesentlichkeit für die Strategieplanung.
4 Vier-Phasen der risikoorientierten Jahresabschlussprüfung: Detailreiche Untersuchung des Prüfprozesses, beginnend bei der Prüferauswahl über die Planung und die IKS-Analyse (Systemprüfung) bis hin zu den aussagebezogenen Prüfungshandlungen.
5 Zusammenfassende Schlussbetrachtung: Reflektiert die Ergebnisse der Arbeit, betont die Vorteile des risikoorientierten Ansatzes bei der Bewältigung komplexer Prüfungsanforderungen und diskutiert kritische Aspekte wie die Gefahr der Scheinsicherheit.
Schlüsselwörter
Jahresabschlussprüfung, risikoorientierter Prüfungsansatz, Prüfungsrisiko, Inhärentes Risiko, Kontrollrisiko, Entdeckungsrisiko, Internes Kontrollsystem, IKS, Wesentlichkeit, Materiality, Systemprüfung, Aussagebezogene Prüfungshandlungen, Wirtschaftsprüfer, Abschlussprüfung, Fehlerrisiko.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der methodischen Umsetzung einer risikoorientierten Jahresabschlussprüfung und erläutert, wie Prüfer ihre Strategie und Prüfungshandlungen an den spezifischen Risiken eines Unternehmens ausrichten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten gehören das Prüfungsrisikomodell, die Beurteilung interner Kontrollsysteme (IKS), die Bestimmung von Wesentlichkeitsgrenzen sowie die operative Planung und Durchführung von Prüfungshandlungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Darstellung des gesamten risikoorientierten Prüfungsansatzes, um aufzuzeigen, wie ein Prüfer ein hinreichend sicheres Urteil bei Einhaltung des Wirtschaftlichkeitsgrundsatzes erzielen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer literaturgestützten Analyse, die geltende Prüfungsstandards (IDW PS, ISA) und gesetzliche Grundlagen (HGB, AktG) strukturiert aufbereitet und mit Hilfe von Analogien (wie der Wasserhahn-Sieb-Modell) veranschaulicht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden das Konzept des risikoorientierten Prüfungsprozesses (inkl. mathematischer Risikomodelle) und die vier Phasen der Prüfung (Wahl des Prüfers, Planung, IKS-Prüfung, aussagebezogene Prüfungen) detailliert analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind risikoorientierter Prüfungsansatz, Fehlerrisiko, Inhärentes Risiko, Kontrollrisiko, Entdeckungsrisiko, IKS, Wesentlichkeit und Prüfungsstrategie.
Was unterscheidet das inhärente Risiko vom Kontrollrisiko?
Das inhärente Risiko bezeichnet die Fehleranfälligkeit vor Berücksichtigung jeglicher Kontrollen, während das Kontrollrisiko die Gefahr beschreibt, dass das interne Kontrollsystem (IKS) Fehler nicht verhindert oder aufdeckt.
Warum ist die Festlegung der Toleranzwesentlichkeit so wichtig?
Die Toleranzwesentlichkeit dient als untere Schwelle zur Risikokumulation, um die Wahrscheinlichkeit zu senken, dass die Summe unentdeckter Einzelfehler die Gesamtwesentlichkeit überschreitet.
Was bedeutet das "Going-Concern-Prinzip" für den Prüfer?
Es ist ein zentrales Prüfungsfeld, bei dem der Prüfer beurteilt, ob von der Fortführung der Unternehmenstätigkeit ausgegangen werden kann oder ob Insolvenzrisiken vorliegen.
Welche Rolle spielt die IKS-Prüfung bei der Risikobewertung?
Die IKS-Prüfung (Aufbau- und Funktionsprüfung) ist entscheidend, da sie bestimmt, inwieweit der Prüfer auf das interne Kontrollsystem vertrauen kann und in welchem Umfang er daraufhin tiefergehende Einzelfallprüfungen durchführen muss.
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- Ali Ercan (Autor), 2018, Die risikoorientierte Jahresabschlussprüfung. Planung, Strategie und Durchführung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/444783