Anhand der vorliegenden Arbeit wird ein Einblick über die gesellschaftliche Haltung gegenüber der Kinderkrippe für Kinder unter 3 Jahren gegeben. Weiterhin wird auf die historische Entwicklung der Einrichtungen eingegangen, die zu den Aufgaben und Kompetenzen der pädagogischen Fachkräfte innerhalb dieser hinführt.
In Hinblick auf den Übergang von der Familie in diese Einrichtung wird darauffolgend der Begriff „Übergänge“ erläutert. Mittels des ökopsychologischen Ansatzes nach Bronfenbrenner und der Bindungstheorie nach Bowlby sollen die pädagogischen Grundlagen und Grundgedanken der Übergangsbewältigung erklärt werden. Des Weiteren werden zwei Eingewöhnungsmodelle vorgestellt.
Der letzte Abschnitt dieses Kapitels beschäftigt sich mit der Fragestellung und der Wichtigkeit, inwiefern die pädagogische Fachkraft, eine Familie beim Übergang in die Einrichtung unterstützend begleiten kann. Das Ende dieses Kapitels wird durch eine Modulverknüpfung zu dem Seminar „Einführung in die Erziehungswissenschaft“ mit dem Begriff der Bildung abgerundet.
Abschließend folgt eine Reflexion, in der pädagogische Herausforderungen, Folgen für das eigene pädagogische Handeln und die Reflexion des eigenen Lernprozesses, dargelegt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Einrichtungen für Kinder unter 3 Jahren
2.1 Kinderkrippe: Eine umstrittene Institution
2.2 Historische Entwicklung der Kinderkrippen
2.2 Aufgaben und Kompetenzen der pädagogischen Fachkraft
3. Der Übergang von der Familie in die Kinderkrippe
3.1 Was sind Übergänge?
3.2 Theoretische Zugänge
3.2.1 Die Bindungstheorie
3.2.2 Der ökopsychologische Ansatz
3.3 Methoden der Eingewöhnung
3.3.1 Das Berliner Modell
3.3.2 Das Münchner Modell
4. Inwiefern kann die pädagogische Fachkraft die Kinder und Eltern im Übergang in der Einrichtung unterstützend begleiten?
5. Modulverknüpfung
6. Reflexion
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle der pädagogischen Fachkraft bei der Gestaltung des Übergangs von Kindern aus dem familiären Umfeld in die Kinderkrippe. Ziel ist es, durch die Verknüpfung theoretischer Grundlagen mit pädagogischen Eingewöhnungskonzepten aufzuzeigen, wie ein gelingender Übergang gestaltet werden kann, um Kindern Sicherheit zu bieten und Eltern professionell zu begleiten.
- Historische und gesellschaftliche Einordnung der Kinderkrippe
- Aufgaben und Kernkompetenzen pädagogischer Fachkräfte in der Krippe
- Theoretische Fundierung durch Bindungstheorie und den ökopsychologischen Ansatz
- Vergleich und Anwendung des Berliner und Münchner Modells
- Elternarbeit und Beziehungsaufbau als zentrale Unterstützungselemente
Auszug aus dem Buch
3.3.1 Das Berliner Modell
Das Berliner Eingewöhnungsmodell von INFANS stützt sich auf die Bindungstheorie von Bowlby. Die Grundlage des Modells basiert auf der Beachtung der Bindung des Kindes an seine Mutter.
Die anfängliche Grundphase dauert drei Tage, in der die Bezugsperson und das Kind ein bis zwei Stunden in der Einrichtung verbringen und das Elternteil eine passive Beobachtungsfunktion einnimmt. So hat das Kind die Möglichkeit den Raum zu erkunden und bei Unsicherheiten die Bezugsperson aufzusuchen. Die Fachkraft versucht sich in diesem Zeitraum ein erstes Bild der Mutter-Kind-Bindung zu machen und kann durch die Beteiligung am Spiel des Kindes, erste Annäherungsversuche starten.
Am vierten Tag, der kein Montag sein darf, wird das Kind nach einer kurzen Zeit von der Bezugsperson verabschiedet, welche daraufhin den Raum verlässt. Lässt das Kind sich schnell von der Erzieherin beruhigen, sollte die Trennung zur Mutter 30 Minuten dauern. Reagiert es jedoch verstört und ist kaum zu beruhigen dann darf die Trennung nicht länger als wenige Minuten dauern, damit das Kind keinen Schaden davonträgt. Je nach Verhalten des Kindes weiß die pädagogische Fachkraft, ob eine längere Eingewöhnung benötigt wird oder nicht.
In der darauffolgenden Zeit der Stabilisierung, übernimmt die Erzieherin im Beisein der Bezugsperson, durch das Füttern und Wickeln, größtenteils die Versorgung des Kindes und bietet sich ihm als Spielpartner an. In dieser Zeit entwickeln Mutter und Kind ein Abschiedsritual, damit das Kind sich daran gewöhnt ohne Mutter in der Einrichtung zu bleiben. Durch erfolgreiches Trösten kann die Trennungszeit verlängert werden. Das Elternteil befindet sich dennoch in der Einrichtung und ist abrufbereit. (vgl. Laewen, Andres & Hédervári, 2011, S. 86 ff.)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die gesellschaftliche Haltung zur Kinderkrippe ein, erläutert die methodische Vorgehensweise und umreißt die zentrale Fragestellung der Arbeit bezüglich der pädagogischen Begleitung des Übergangs.
2. Einrichtungen für Kinder unter 3 Jahren: Dieses Kapitel betrachtet die kontroversen Standpunkte zur außerfamiliären Betreuung, skizziert die historische Entwicklung des Krippenwesens und definiert die notwendigen Kompetenzen pädagogischer Fachkräfte.
3. Der Übergang von der Familie in die Kinderkrippe: Hier werden Transitionen theoretisch beleuchtet, wobei insbesondere die Bindungstheorie und der ökopsychologische Ansatz angewandt sowie das Berliner und Münchner Eingewöhnungsmodell vorgestellt werden.
4. Inwiefern kann die pädagogische Fachkraft die Kinder und Eltern im Übergang in der Einrichtung unterstützend begleiten?: Der Fokus liegt auf der professionellen Moderation des Übergangsprozesses durch die Fachkraft, insbesondere durch eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Eltern und den Beziehungsaufbau zum Kind.
5. Modulverknüpfung: Dieses Kapitel verknüpft die Arbeit mit dem Bildungsbegriff aus der Erziehungswissenschaft und erläutert die Bedeutung der Orientierungspläne für die frühkindliche Entwicklung.
6. Reflexion: Abschließend werden die persönlichen Lernprozesse der Autorin dargelegt und die fachlichen Herausforderungen für das eigene pädagogische Handeln in Bezug auf Transitionen kritisch reflektiert.
Schlüsselwörter
Kinderkrippe, Übergang, Transition, Eingewöhnung, Berliner Modell, Münchner Modell, Bindungstheorie, pädagogische Fachkraft, Elternarbeit, frühkindliche Bildung, Beziehungsaufbau, Orientierungsplan, Emotionsregulation, Kleinkindbetreuung, Bildungsauftrag
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit thematisiert die Herausforderungen und die Gestaltung des Übergangs von Kindern aus der Familie in eine Kinderkrippeneinrichtung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die historische Entwicklung der Krippen, theoretische Konzepte der Übergangsbewältigung, verschiedene Eingewöhnungsmodelle und die Rolle der Fachkraft.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, wie pädagogische Fachkräfte Kinder und Eltern während des sensiblen Übergangsprozesses in die Betreuung professionell und unterstützend begleiten können.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es handelt sich um eine literaturgestützte Arbeit, die verschiedene pädagogische Fachquellen und Modelle wie die Bindungstheorie von Bowlby und den ökopsychologischen Ansatz von Bronfenbrenner analysiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition von Übergängen, der theoretischen Untermauerung, dem Vergleich von Berliner und Münchner Eingewöhnungsmodell sowie der praktischen Gestaltung der Eltern-Kind-Fachkraft-Beziehung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Übergang, Eingewöhnung, Bindungstheorie, professionelle Fachkraft-Haltung und frühkindliche Bildung geprägt.
Worin besteht der wesentliche Unterschied zwischen dem Berliner und dem Münchner Modell?
Das Berliner Modell stützt sich stark auf die Bindungstheorie und die Beobachtung der Bindungsqualität, während das Münchner Modell das Kind stärker als „kompetenten Säugling“ betrachtet, der sich eigenständig in die Institution eingewöhnt.
Welche Bedeutung kommt der Elternarbeit während der Eingewöhnung zu?
Die Eltern fungieren als „sichere Basis“ für das Kind; die Fachkraft muss daher eine vertrauensvolle Beziehung zu den Eltern aufbauen, um diese zu informieren und bei Unsicherheiten während des Abgabeprozesses zu unterstützen.
- Arbeit zitieren
- Alena Bul (Autor:in), 2017, Inwiefern kann die pädagogische Fachkraft die Kinder und Eltern beim Übergang in der Einrichtung unterstützend begleiten?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/444806