„Armut in einem der reichsten Länder der Welt - das klingt paradox, entspricht aber der Situation in der BR. Die Armut im heutigen Deutschland ist nicht vergleichbar mit dem Massenelend, dass die Industrialisierung begleitete [...]. Wohlstandswachstum und Sozialstaat haben die Armut [...] verändert, aber sie haben sie nicht beseitigen können.“
Das Thema Armut gehört zu dem Oberthema „Soziale Ungleichheit in Deutschland“, und das einleitende Zitat bringt dies sehr gut zum Ausdruck, dass die Armut der Bundesrepublik eine besondere Armut darstellt. Diese Hausarbeit versucht die Armut in Deutschland zu beschreiben, wobei zunächst die soziale Ungleichheit und die soziale Differenzierung näher erläutert werden. Diese Erklärungen werden im anschließenden Punkt von Hradil und Kreckel unterschiedlich differenziert und erklärt, so dass der Leser einen Einblick in die zwei verschiedene Ansichten der genannten Soziologen erhalten.
Des Weiteren wird auf soziologische Armutsansätze eingegangen und die empirische Ermittlung von Armut wird aufgezeigt. Diese Punkte sind sehr wichtig, da die Vorgehensweise, wie Armut gemeint und wann sie vorherrscht geklärt wird. Hierbei wird auch auf die Sozialhilfe eingegangen, die mit der Armut einhergeht.
Das Hauptaugenmerk meiner Arbeit liegt auf der Kinderarmut in Deutschland. Dieses Thema erscheint zunächst als nebensächlich, als kaum existent, jedoch ist dies ein ausgesprochen brisantes Thema. Ich habe mich in erster Linie mit den materiellen und emotionalen Aspekten beschäftigt, sowie dessen Hintergrundgeschichte und Auswirkungen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Soziale Ungleichheit und Soziale Differenzierung
3. Soziologische Armutsansätze
4. Kinderarmut
5. Zusammenfassung
6. Literaturverzeichnis
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der Armut in Deutschland vor dem Hintergrund der sozialen Ungleichheit und Differenzierung. Sie zielt darauf ab, soziologische Armutsdefinitionen kritisch zu beleuchten und insbesondere die materiellen sowie emotionalen Auswirkungen von Kinderarmut im Kontext einer leistungsorientierten Gesellschaft zu analysieren.
- Soziale Ungleichheit versus soziale Differenzierung
- Theoretische soziologische Armutsansätze (Ressourcen- und Lebenslagendefinition)
- Empirische Messung von Armut in der Bundesrepublik
- Dimensionen und psychosoziale Folgen von Kinderarmut
- Kritik an gesellschaftlichen Leitbildern und Chancengleichheit
Auszug aus dem Buch
4. Kinderarmut
In den meisten Erscheinungsformen von Armut weckt Kinderarmut Emotionen und negative Assoziationen. Im Stern wurde über diese Thematik geschrieben: „… Kinder, die heute geboren werden, sind eigentlich schon pleite. Denn eine Generation von Egoisten hat sich den Sozialstaat zur Beute gemacht und verprasst die Zukunft ihrer Kinder. Sie hinterlässt Schulden in Billionenhöhe und ein Sozialsystem, das vor dem Kollaps steht. …“
Wenn eine Festlegung und Erklärung des Begriffs Kinderarmut gegeben werden soll ergibt sich ein Definitionsproblem. Es kann festgehalten werden dass Kinderarmut eine Erscheinungsform von Armut ist, aber ein konkretes Synonym gibt es nicht.
Zunehmende Kinderarmut wird im Zusammenhang mit einer wachsenden Polarisierung zwischen Armut und Reichtum bzw. Arm und Reich gesehen. Die Kinderarmut folgt der Armut, was mit der Arbeitslosigkeit und der Sozialhilfe zusammenhängt. Die Hauptursache für die Sozialhilfe ist die Arbeitslosigkeit, und insbesondere die Langzeitarbeitslosigkeit, wobei Kinder das „Armutsrisiko“ erhöhen. Wenn die Eltern in den Bereichen Arbeit, Gesundheit und Bildung Defizite aufeisen, ist die Gefährdung der Kinder besonders hoch. Werden die Eltern arbeitslos, so verschlechtert dieser Zustand die Lebenslage der Kinder zunächst kaum, da die Eltern versuchen, die Armut nicht den Kindern zu zeigen. Falls die Arbeitslosigkeit über einen längeren Zeitraum anhält, verschlechtert sich die Situation der Kinder, da die Eltern ihre Misere nicht länger geheim halten können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema Armut in Deutschland ein und setzt den Fokus auf die soziale Ungleichheit sowie das spezifische Problem der Kinderarmut.
2. Soziale Ungleichheit und Soziale Differenzierung: Dieses Kapitel erläutert die soziologischen Fachbegriffe der Sozialstruktur und stellt die Definitionen von Stefan Hradil und Reinhard Kreckel gegenüber.
3. Soziologische Armutsansätze: Hier werden verschiedene Möglichkeiten zur Definition von Armut vorgestellt, wie die Ressourcen- und Lebenslagendefinition, sowie Methoden der empirischen Ermittlung.
4. Kinderarmut: Das Hauptkapitel widmet sich den materiellen und emotionalen Aspekten sowie den psychosozialen Folgen von Kinderarmut und diskutiert Lösungsansätze.
5. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert, dass Armut in Deutschland ein relatives Phänomen ist, und hinterfragt kritisch die Werte der heutigen Leistungsgesellschaft.
6. Literaturverzeichnis: Auflistung der in der Hausarbeit verwendeten wissenschaftlichen Quellen.
Schlüsselwörter
Armut, Soziale Ungleichheit, Soziale Differenzierung, Kinderarmut, Sozialstaat, Lebenslage, Ressourcendefinition, Existenzminimum, Sozialhilfe, Prestigegüter, Bildung, psychosoziales Wohlbefinden, Chancengleichheit, Leistungsgesellschaft, Armutsgrenze.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Phänomen der Armut in der Bundesrepublik Deutschland unter soziologischen Gesichtspunkten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die soziale Ungleichheit, die begriffliche Abgrenzung von Armut und der spezielle Fokus auf die Situation von Kindern in prekären Verhältnissen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, ein Verständnis für die Armutsstrukturen in Deutschland zu entwickeln und aufzuzeigen, wie materielle Armut die Lebenschancen und die psychische Verfassung von Kindern beeinflusst.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse soziologischer Theorien und der Auswertung empirischer Daten zur Sozialstruktur und Armutsentwicklung in Deutschland.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition von Armut, der empirischen Messung durch Sozialhilfe- und Einkommensdaten sowie einer detaillierten Untersuchung der Auswirkungen von Armut auf Kinder.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind soziale Ungleichheit, Kinderarmut, Existenzminimum, Lebenslage und Sozialstruktur.
Warum unterscheidet die Autorin zwischen Ressourcen- und Lebenslagendefinition?
Diese Unterscheidung ist notwendig, da die Ressourcendefinition lediglich finanzielle Mittel betrachtet, während die Lebenslagendefinition die Gesamtsituation der Versorgung eines Menschen ganzheitlich erfasst.
Was ist das Ergebnis in Bezug auf Kinderarmut?
Die Arbeit zeigt, dass Kinderarmut weit über den materiellen Mangel hinausgeht und gravierende Folgen für das Selbstwertgefühl, die soziale Integration und die psychische Gesundheit der betroffenen Kinder hat.
Welche Rolle spielen die Wertevorstellungen in der Arbeit?
Die Autorin kritisiert das Leitbild des Reichtums in der modernen Gesellschaft und fordert ein Umdenken, um den Wert des Menschen von materiellem Eigentum zu entkoppeln.
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- Simone Hummert (Author), 2004, Soziale Ungleichheit in Deutschland: Armut, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/44480