Das österreichische Wirtschaftswunder


Seminararbeit, 2005

12 Seiten, Note: 1 (Sehr Gut)


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Die Wurzeln des Wunders
2.1. Aufholpotential nach dem Krieg
2.2. Der Marshall-Plan
2.3. Der Staatsvertrag

3. Stabilisierungspolitik in den 50er Jahren
3.1. Der Raab-Kamitz-Kurs
3.2. Die Paritätische Kommission
3.3. Stabilisierung nach außen

4. Der große Boom

5. Das Ende des Wunders

6. Nachwort

7. Verwendete Literatur

1. Einleitung

Ein Wirtschaftswunder wird in aktuellen Diskussionen um die Wirtschaftslage Österreichs von verschiedenen Seiten gefordert. Verständlich, dass man sich in Zeiten von wenigen Prozent Wirtschaftswachstum nach den „Goldenen 50er Jahren“ sehnt, in denen das Bruttonationalprodukt um bis zu 11,1, Prozent wuchs[1]. Diesen Forderungen müssen aber Antworten vorangehen: Was waren die Voraussetzung, Rahmenbedingungen und Akteure für die positive Entwicklung in diesen Jahrzehnten? Handelte es sich überhaupt um ein Wunder? Sind Schlüsse auf die Gegenwart sinnvoll?

Um dies beantworten zu können bedarf es der Auseinandersetzung mit dem Thema „Das österreichische Wirtschaftswunder.“

2. Die Wurzeln des Wunders

„Österreich ist der eindrucksvolle Prozeß, der es von einer wirtschaftlich spät entwickelten mitteleuropäischen Volkswirtschaft aus der Monarchie und, weiter zurückgeworfen durch das unheilvolle Schicksal der Ersten Republik, des Nazi-Regimes und des Krieges, herangeführt hat an die Spitzengruppe der hoch entwickelten Industrienationen, nicht geschenkt worden.“[2]

2.1. Aufholpotential nach dem Krieg

Nach Seidl haben Industrieländer, die in Rückstand geraten ein „Aufholpotential“. Der europäische Wachstumstrend wurde durch die beiden Weltkriege unterbrochen, allerdings entstand in dieser Zeit eine Art Vorrat an technisch-organisatorischem Wissen. Seine Nutzung ermöglichte einen Aufholprozess, der so lange anhielt bis die 1914 unterbrochene Trendlinie wieder erreicht wurde. Nun wäre es zu vereinfacht, den Wirtschaftsaufschwung als Fortsetzung eines natürlichen Trends darzustellen, da auch eine Reihe anderer Faktoren beigetragen haben. Politik und Bevölkerung haben angemessene Lehren aus der Vergangenheit gezogen und wachstumsfördernde Institutionen entwickelt.[3]

Seidl nennt drei Faktoren, die das gesellschaftliche Umfeld, in dem sich der wirtschaftliche Aufschwung Österreichs vollzog, maßgeblich beeinflusst haben:

­ Die Österreicher haben zu einem kollektiven Bewusstsein der Zusammengehörigkeit gefunden. Österreich wurde als ihr Land, ihr Staat anerkannt.
­ Die Konfliktregelung durch die Sozialpartnerschaft wurde eingeführt. Mit der Etablierung einer „Verhandlungswirtschaft“ als temporäre Alternative für funktionsfähige Märkte und staatliche Lenkung, wurde der soziale Friede gesichert.
­ Den Menschen, die den Krieg überlebt hatten, war nicht nach Revolution zumute. Sie verließen sich nicht auf einen „ökonomischen Mechanismus“ der ihre Probleme lösen sollte, sondern sie legten selbst Hand an.

Schon unmittelbar nach dem Krieg begannen die Menschen „business as usual“, sie handelten so, als ob überschaubare, geordnete Verhältnisse bestünden. Es dauerte einige Jahre, bis es genug zu Essen gab. Dann stieg die Versorgungsdichte mit diversen Gütern rasch an. Die Wirtschaft wuchs schneller als erwartet, was als systemstabilisierendes Element des „golden age“ betrachtet werden kann.[4]

2.2. Der Marshall-Plan

Ohne die Mittel des European Recovery Programm (ERP, Marshallplan) im Ausmaß von 1,4 Milliarden Dollar hätte der Aufschwung nach dem Krieg wohl niemals in so kurzer Zeit stattfinden können. In den Jahren von 1948 bis 1951 wurden die Grundlagen für den folgenden Wirtschaftsboom gelegt. Die Industrieproduktion wuchs um 184 Prozent, das Bauvolumen stieg um 176 Prozent an. Entscheidend war auch die Verbesserung der Energieversorgung. In knapp 5 Jahren holte die österreichische Wirtschaft den kriegsbedingten Rückstand auf und übertraf sogar noch das Niveau der industriellen Produktion des Jahres 1937 um zwei Drittel. Es gibt kaum einen Sektor der österreichischen Wirtschaft, auf den sich die Marshall-Planhilfe nicht positiv ausgewirkt hätte.

In Folge der Inflation trat ein chronisches Zahlungsbilanzdefizit auf. Fehlende Summen wurden zunächst aus den ERP-Mitteln entnommen. Als aber im letzten Jahr des Marshall-Planes die Zuwendungen drastisch gekürzt wurden, sah man sich in Österreich zu einer sofortigen Änderung der bisherigen Wirtschaftspolitik gezwungen.[5]

[...]


[1] Gustav Otruba, Österreichs Wirtschaft im 20. Jahrhundert (Wien 1968), S. 48.

[2] Helmut Kramer, War Österreichs Wirtschaftswunder ein Wunder? In: Verlag des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (Hrsg.), 50 Jahre zweite Republik. Der Aufstieg Österreichs (Wien 1994), S. 57.

[3] Hans Seidl, Österreichs Wirtschaft und Wirtschaftspolitik nach dem zweiten Weltkrieg (Wien 2005), S. 72f.

[4] Hans Seidl, Österreichs Wirtschaft und Wirtschaftspolitik nach dem zweiten Weltkrieg (Wien 2005), S. 74f.

[5] Gustav Otruba, Österreichs Wirtschaft im 20. Jahrhundert (Wien 1968), S. 39ff.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Das österreichische Wirtschaftswunder
Hochschule
Johannes Kepler Universität Linz  (Institut für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte)
Note
1 (Sehr Gut)
Autor
Jahr
2005
Seiten
12
Katalognummer
V44506
ISBN (eBook)
9783638420938
ISBN (Buch)
9783638771931
Dateigröße
582 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wirtschaftswunder
Arbeit zitieren
Mag. Viktoria Lehner (Autor), 2005, Das österreichische Wirtschaftswunder, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/44506

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