Die Felder der Bildkompetenz: Visualisierung, Interpretation, Imagination.
Bilder umgeben uns in steigender Quantität nicht nur im Internet, auf Werbeplakaten und im Museum, sondern auch in Schulbüchern, auf Tafeln in Klassenzimmern und im Kunstunterricht. So steigt auch die Anzahl der Aufgaben, die bildbezogen sind. Bilder begegnen den Lernenden aber auch in jedem anderen Fach, das sich zur Informationsvermittlung eine über Sprache hinausgehende ästhetisch-syntaktische Dichte zunutze machen möchte.
Nach einer fächerübergreifenden Betrachtung folgt der Versuch der Unterteilung der Bildkompetenz in eingangs genannte Felder, die sich durch den von den Bildern erforderten Reflexionsgrad oder auch durch die Ausprägung ihrer ästhetisch-gestalterischen und inhaltlichen Komponente abgrenzen – mit dem Ziel, einen Vorschlag zur Gliederung der Bildkompetenz im schulischen Rahmen zu machen, der keineswegs Anspruch auf Vollständigkeit erhebt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsannäherungen
2.1 Bild – Kompetenz – Bildkompetenz
2.2 Bildkompetenz und ,,Visual Literacy‘‘
2.3 Visuelles Denken
3. Hinführung
3.1 Modelle der Bildkompetenz
3.2 Bildkompetenz im Fach Bildende Kunst
3.2.1 Splitter der Visuellen Kommunikation
3.3 Bildkompetenz in weiteren Fächern
4. Felder der Bildkompetenz
4.1 Das Feld der Visualisierung
4.2 Das Feld der Interpretation
4.3 Das Feld der Imagination
5. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, Bildkompetenz im schulischen Kontext systematisch zu strukturieren und in drei differenzierte Felder einzuteilen. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie die verschiedenen Kompetenzanforderungen an Lernende beim Umgang mit Bildern – von der einfachen Visualisierung bis zur freien Imagination – methodisch erfasst und in den Lehrplan eingeordnet werden können.
- Grundlagen der Bildkompetenz und deren Begriffsbestimmung
- Fächerübergreifende Modelle der Bildrezeption und -produktion
- Strukturierung der Bildkompetenz in die drei Felder Visualisierung, Interpretation und Imagination
- Analyse der Rolle von Bildern im aktuellen Bildungsplan für Bildende Kunst
- Bedeutung der Bildkompetenz für die heutige Mediengesellschaft
Auszug aus dem Buch
3.1 Modelle der Bildkompetenz
Roland Posner versuchte 2003, die Bildkompetenz mit zehn ,,Ebenen‘‘ in ihre theoretische Bestandteile aufzugliedern. Die perzeptuelle Kompetenz ermöglicht dabei die Wahrnehmung eines Bildes (,,Farb-Form-Konfiguration‘‘), die plastische Kompetenz das Erkennen von Körpern im Raum. Die signitive Kompetenz erlaubt das Identifizieren von Zeichen als Referenz auf Gegenstände, während die syntaktische Kompetenz das Ordnen der Bildsegmente meint. Die Erlangung dieser Kompetenzen (was vor Schuleintritt geschehen dürfte) führt zur piktoralen Kompetenz, die das Erkennen des Sujets des Bildes ermöglicht; die referentielle Kompetenz meint dagegen das Erkennen bekannter Personen oder Situationen. Die exemplifikationale Kompetenz soll weiterführend erreichen, das Bild in seinem Stil und seiner Stimmung zu erfassen, dagegen soll die funktionale Kompetenz die Aufgabe oder den kommunikativen Aspekt eines Bildes entschlüsseln. Hier sei angemerkt, dass nicht jedes Bild eine Funktion erfüllen muss und gerade darin eine Besonderheit von künstlerischen Bildern liegt. Darauf folgend erläutert Posner die pragmatische Kompetenz, die es dem Rezipienten erlaubt, ein Bild situationsgebunden korrekt zu interpretieren, etwa eine Karikatur. Abschließend bleibt die modale Kompetenz, die die Unterscheidung von real oder fiktional zu verstehenden Bildinhalten ermöglicht. Interessant und entwicklungsfähig im schulischen Kontext sind vor allem die exemplifikationale (weil die ästhetische Auseinandersetzung hier wichtig wird), funktionale (wegen der Funktion, die fast alle nicht-künstlerischen Bilder im schulischen Zusammenhang erfüllen) und die pragmatische (aufgrund der intellektuellen Leistung, ein Bild isoliert richtig interpretieren zu können) Kompetenz. Ein weiteres Modell der Bildkompetenz soll im nächsten Punkt erwähnt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die steigende Bedeutung von Bildern im schulischen Alltag und das Ziel, ein Modell zur Kategorisierung von Bildkompetenz zu entwickeln.
2. Begriffsannäherungen: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe wie Bildkompetenz, Visual Literacy und visuelles Denken im Kontext der pädagogischen Vermittlung.
3. Hinführung: Es werden theoretische Modelle der Bildkompetenz vorgestellt und deren Anwendung sowie die Rolle im Fach Bildende Kunst und anderen Disziplinen diskutiert.
4. Felder der Bildkompetenz: Die Arbeit gliedert die Bildkompetenz in die drei spezifischen Bereiche Visualisierung, Interpretation und Imagination, um Anforderungen an Lernende zu staffeln.
5. Zusammenfassung und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und plädiert für eine stärkere Einbindung bildästhetischer Kompetenzen über das Fach Kunst hinaus.
Schlüsselwörter
Bildkompetenz, Visual Literacy, Visuelles Denken, Bildende Kunst, Bildungsplan, Kunstpädagogik, Rezeption, Produktion, Visualisierung, Interpretation, Imagination, Medienkompetenz, Ästhetische Bildung, Schulischer Kontext, Bildtheorie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht, wie Bildkompetenz im schulischen Umfeld definiert und strukturiert werden kann, um Lernende beim Umgang mit der stetig wachsenden Menge an Bildern zu unterstützen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Themen umfassen die theoretische Herleitung von Bildkompetenz, die Analyse von Lehrplänen sowie die Unterteilung in drei praktische Kompetenzfelder.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, einen Gliederungsvorschlag für Bildkompetenz zu unterbreiten, der hilft, das Lernen im Fach Bildende Kunst und darüber hinaus strukturierter zu gestalten.
Welche methodische Vorgehensweise wird gewählt?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Aufarbeitung bestehender Fachliteratur und vergleicht diese mit den Anforderungen aktueller schulischer Bildungspläne.
Was beinhaltet der Hauptteil der Arbeit?
Im Hauptteil werden zunächst Begrifflichkeiten geklärt, Modelle der Bildkompetenz erörtert und anschließend die drei Felder der Visualisierung, Interpretation und Imagination hergeleitet.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit beschreiben?
Die Arbeit lässt sich primär durch Begriffe wie Bildkompetenz, Kunstpädagogik, visuelle Kommunikation und Bildungsplan definieren.
Welche Rolle spielt die "exemplifikationale Kompetenz" nach Posner?
Diese Kompetenz ist laut Autor besonders relevant für den Kunstunterricht, da sie das Erfassen von Stil und Stimmung eines Bildes ermöglicht, was über eine rein funktionale Bildbetrachtung hinausgeht.
Wie unterscheidet sich das Feld der Imagination von den anderen Feldern?
Im Gegensatz zur Visualisierung, die oft einer funktionalen Logik unterliegt, ermöglicht das Feld der Imagination das freie, funktionsoffene Schaffen von Bildern im Kopf oder in der kreativen Arbeit.
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- Lucas Herr (Autor), 2018, Bilder im schulischen Kontext. Wie könnte Bildkompetenz in Felder unterteilt werden?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/445067