Humes skeptischer Skeptizismus und dessen Bedeutung für empirische Wissenschaften


Hausarbeit, 2016
13 Seiten, Note: 2.0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.) Einleitung

2.) Woher rührt Humes Skeptizismus?

3.) Wie sicher sind kausale Schlüsse?

4.) Wo hört Wahrscheinlichkeit auf, wo fängt Wissen an?

5) Humes skeptische Ansicht auf seinen Skeptizismus

6.) Skeptizismus in der Wissenschaft

7.) Fazit

8.) Literaturverzeichnis

1.) Einleitung

In einem Wörterbuch für philosophische Begriffe ist Skeptizismus als „die Neigung zum Zweifel am allgemein Anerkannten, scheinbar Feststehenden, ungeprüft Übernommenen oder neu Auftretenden“ (Regenbogen/ Meyer, Skeptizismus, in: WdphB, Bd.500, Sp. 609) beschrieben. Auf kaum einen Philosophen der Neuzeit trifft diese Denkweise so sehr zu, wie auf David Hume (1711-1776). Bereits im Alter von 28 Jahren veröffentlicht David Hume das erste Buch der Reihe Ein Traktat über die menschliche Natur (1739). Jedoch fand sein Erstlingswerk keine große Beachtung, weshalb er 1748 eine überarbeitete Version veröffentlichte. Im ersten Buch seines Werks Ein Traktat über die menschliche Natur. Buch 1: Über den Verstand (1739) gelangt Hume durch striktes Befolgen seiner Vernunft zu einem radikalen Skeptizismus, welcher ihm jedwedes sichere Urteil abspricht. Doch bemerkt Hume bereits in der Schlussbemerkung des ersten Buches, dass jede philosophische und wissenschaftliche Bemühung dadurch völlig sinnlos werden würde (Vgl.: Hume: T, S.326). So sieht er selbst ein, was für eine lähmende Kraft der Skeptizismus doch ist und überlässt es der menschlichen Natur den Menschen sein Leben, zumindest eine gewisse Zeit, leben zu lassen, ohne einen Gedanken an derlei philosophische Schlüsse zu verschwenden (Vgl.: Hume: T, S.328). Diese Arbeit verfolgt das Ziel aufzudecken, wieso Humes Skeptizismus so radikal ist und wo in seiner Erkenntnistheorie der Grund dafür liegt. Da Hume aber nicht nur Philosoph, sondern auch ein Mensch war soll auch seine naturalistische Sichtweise auf das Thema betrachtet werden. Die Wissenschaft ist für David Humes Schriften ein zentrales Thema, daher soll geklärt werden welche Auswirkung seine Denkweise auf das wissenschaftliche Arbeiten hat. Diese Hausarbeit wird also zunächst Humes Erkenntnistheorie knapp skizzieren um dann, mit Hilfe einführender Sekundärliteratur, auf die für den Skeptizismus zentrale Relation näher eingehen zu können. Danach befasst sie sich mit der Sichtweise Humes auf seine äußere Umwelt und die Frage, wo Wahrscheinlichkeit aufhört und Wissen anfängt. Im Anschluss betrachte ich anhand von Sekundärliteratur, aber auch durch das Betrachten von Zitaten aus dem Traktat, Humes eigene Stellung zu seinem Skeptizismus. Der Schluss des Hauptteils widmet sich dann noch dem Nutzen, welchen empirische Wissenschaften aus der Diskussion über Skeptizismus ziehen können.

2.) Woher rührt Humes Skeptizismus?

Um Humes stark ausgeprägten Skeptizismus nachvollziehen zu können muss, man sich vergegenwärtigen aus welcher philosophischen Tradition seine Theorie entwächst. Er steht in einer Reihe mit Empiristen, wie dem Engländer John Locke (1632-1704) und dem aus Irland stammenden George Berkeley (1685-1753) (Vgl.: Musgrave 1993, S. 87). Vielen empirischen Theorien liegt die Erfahrung als einziges Mittel zur Erschließung der außergeistlichen Umwelt zugrunden. Bei Hume stellen Perzeptionen diese Erfahrungen dar. „Nihil in intellectus quod non fit priori in sensu“, zu Deutsch: Nichts ist im Verstand, was nicht vorher in den Sinnen war (Vgl.: Musgrave 1993, S.16). Diesem radikalen Grundsatz folgt David Hume. Perzeptionen lassen sich in Eindrücke und Ideen beziehungsweise Vorstellungen unterteilen. Hume unterscheidet sich allerdings zu seinen Vorgängern dahingehend, dass er nicht nach dem Ursprung dieser Perzeptionen in der realen Welt fragt. Er sieht auch nicht in den Eindrücken den Grund für Ideen, sondern unterscheidet sie rein qualitativ. Vorstellungen sind quasi lediglich schwächere Abbilder der vorher durch die Sinneswahrnehmungen in den Geist getretenen Eindrücke (Vgl.: Röd 1996, S.90). Im Geist werden nun diese Vorstellungen mithilfe von sieben Relationen zu neuem zusammengefügt. Dabei werden zwei Klassen unterschieden. Die Ähnlichkeit, die Widersprüchlichkeit, die Grade der Qualität und die Grade der Qualität gehören zu einer Gruppe, die Identität, die Verhältnisse von Zeit und Raum und die Kausalität zur anderen Gruppe. Was diese Gruppen unterscheidet wird in einem späteren Kapitel nochmals genauer beleuchtet. Der Beweis einer real existenten Welt, welche sich außerhalb unseres Geistes befindet, ist für Hume schlicht nicht möglich. Da die dem Geiste gegenwärtigen Perzeptionen nicht auf reale Dinge verweisen, sondern für sich selbst in unserem Verstand existieren, lassen sie keinerlei Schlüsse auf die von ihnen repräsentierten Dinge zu:

Man richte seine Aufmerksamkeit so intensiv als möglich auf die Welt außerhalb seiner selbst, man dringe mit seiner Einbildungskraft bis zum Himmel, oder bis an die äußersten Grenzen des Weltalls; man gelangt doch niemals einen Schritt weit über sich selbst hinaus, nie vermag man mit seiner Vorstellung eine Art der Existenz zu erfassen, die hinausginge über das Dasein der Perzeptionen, welche dieser engen Sphäre [des eigenen Bewusstseins] aufgetreten sind (Hume: T, S.88).

Nun lässt sich schon genauer Bestimmen, wo der Kern von Humes Skeptizismus liegt. Wenn alle unsere Vorstellungen und Eindrücke, auch die der Selbstwahrnehmung, auf Perzeptionen beruhen, welche uns durch unsere Sinne zugeführt werden, dann können wir schon allein aufgrund der Fehlbarkeit unserer Sinne in unserem Urteil nie ganz sicher sein. Da so auch die Vernunft nie ganz sichere Urteile bilden kann, also auch die Urteile über Urteile nur mit hoher Wahrscheinlichkeit absolut sicher sein können, ergibt sich hieraus ein Teufelskreis an dessen Ende die erste Wahrscheinlichkeit komplett zunichtegemacht wird (Vgl.: Hume: T, S.230). Ob es dem Menschen nun überhaupt möglich ist sichere Schlüsse zu ziehen und echtes Wissen zu erlangen wird in den nächsten Kapiteln erörtert.

3.) Wie sicher sind kausale Schlüsse?

Tagtäglich fällen wir Urteile über die verschiedensten Dinge. Wir fragen uns, ob es später noch regnen wird, ob wir uns das letzte Stück Kuchen noch gönnen sollten oder ob wir genug für eine Klausur gelernt haben, um an ihr nicht kläglich zu scheitern. Bei jedem dieser oder ähnlicher Beispiele können wir uns oft nicht sehr sicher sein. Es kann trotz heiterem Himmel später noch zu einem Wolkenbruch kommen und die Klausur könnte doch schwerer sein, als man es erwartet hat. Niemand kann mit Sicherheit behaupten solche Sachverhalte mit absoluter Wahrscheinlichkeit vorauszusagen. Auch der Erkenntnistheoretiker David Hume würde sich das niemals zutrauen. Hume geht hier aber noch einen Schritt weiter. Aussagen, welche uns absolut sicher erscheinen, welche wir uns kaum zu hinterfragen trauen, kann er keinerlei Sicherheit beimessen. Unser ganzes Leben lang geht die Sonne morgens so sicher auf, wie sie abends genauso sicher wieder hinter dem Horizont verschwinden wird. Aber wer sagt uns, dass das morgen ebenfalls wieder der Fall sein wird? Könnte doch zwischen dem Unter- und vermeintlichen Wiederaufgehen der Sonne Dinge passieren, die genau das verhindern. Kausalität oder auch Ursächlichkeit, wie Hume sie nennt, beschreibt eine Art und Weise, wie Vorstellungen verknüpft werden. Sie ist eine Relation. Hume ordnet sie zusammen mit der Identität und der zeitlichen Beziehung der Gruppe an Relationen zu, welche sich ändern können, ohne dass sich unsere Vorstellung darüber ändert (Vgl.: Hume: T, S.95). Laut Hume bedarf es bei der Kausalität, im Gegensatz zu den anderen beiden Relationen, einer tatsächlichen Anstrengung des Geistes, da bei der Identität und der zeitlichen Beziehung lediglich unsere Sinnesorgane perzipierend aktiv sind (Vgl.: Hume: T, S.95). Auch können wir nur mithilfe der Kausalität auf Gegenstände verweisen, welche nicht unserem Geiste gegenwärtig sind, da eine Wirkung immer einer Ursache bedarf, welche aber nicht immer unseren Sinnen zugegen ist (Vgl.: Hume: T, S.96). Urteile über kausale Zusammenhänge beruhen auf drei Faktoren. Zum einen müssen die Ursache und die Wirkung zeitlich und räumlich zusammenhängen. Zweitens geht die Ursache der Wirkung immer voraus. Drittens können wir erst über einen kausalen Zusammenhang zwischen einer Ursache und einer Wirkung sprechen, wenn wir die vermeintliche Kausalität oft genug beobachtet haben (Vgl.: Klemme 2007, S. 43 f.). Diese sogenannte Nötigung, wie Hume sie nennt, drängt sich unserem Geist nach mehrmaligem Beobachten ähnlicher Ereignisse als neuer Eindruck auf. Der Geist wird regelrecht gezwungen eine Verbindung zwischen Ursache und Wirkung herzustellen (Vgl.: Hume: T, S.197). Dieser dritte Punkt ist entscheidend für die Belastbarkeit kausaler Schlüsse. Dieser Aspekt ist der Grund für das Induktionsproblem, welches Hume durch seine Erkenntnistheorie aufwirft (Vgl.: Klemme 2007, S.44). Induktion beschreibt das Schließen von einer Gesamtheit an einzelnen Fällen auf eine allgemeingültige Gesetzmäßigkeit. Im Gegensatz zum deduktiven Schließen, welches allgemeine Gesetzmäßigkeiten auf eine einzelne Beobachtung zurückführt. Wer Humes Denkweise folgt, wird schnell einsehen, dass induktive Schlüsse zwar nicht automatisch falsch sind, sie aber auch keinerlei Mehrwert an Wissen enthalten (Vgl.: Stegmüller 1996, S.5 f.). Kein Mensch kann von sich behaupten mit absoluter Sicherheit die Zukunft vorauszusagen. Induktives Schließen beruht auf den Erfahrungen, welche wir in der Vergangenheit gemacht haben. Diese mögen zwar für sich Richtigkeit beanspruchen, mit welcher Sicherheit können wir aber davon ausgehen, dass die Zukunft genauso sein wird wie die Vergangenheit? Selbst wenn wir nur von einer wahrscheinlichen Wiederholung des bisher Beobachteten ausgehen, können wir uns niemals sicher sein, dass auch diese Wahrscheinlichkeit in Zukunft bestehen bleibt (Vgl.: Stegmüller 1996, S.6). Hume bleibt also auch hier ganz und gar der Skeptiker, den wir bisher kennengelernt haben. Seine erfahrungsbasierte Erkenntnistheorie lässt keinerlei belastbare Schlüsse zu, welche auf zukünftige Ereignisse verweisen. Dem Menschen bleibt nichts Anderes übrig, als seinen bisherigen Beobachtungen zu vertrauen und zu hoffen, dass sie in Zukunft wieder so zutreffen werden. Dies ist für das alltägliche Leben von keiner allzu großen Relevanz, wenn wir aber an empirisches wissenschaftliches Arbeiten denken, stellt sich uns die Frage, ob und wie wir überhaupt zu sicherem Wissen gelangen können. Um diese Frage wird sich aber ein späteres Kapitel noch kümmern Nachdem nun geklärt wurde, dass in der Kausalität kein sicheres Wissen zu finden ist, stellt sich nun die Frage wo wir überhaupt damit rechnen können.

4.) Wo hört Wahrscheinlichkeit auf, wo fängt Wissen an?

Um diese Frage im Sinne Humes zu klären, bedarf es zunächst einer Betrachtung der Begrifflichkeiten. Was ist Wissen? Welche Wissensformen gibt es? Was bedeutet es, etwas zu wissen? Erst nach dem Beantworten dieser Fragen, können weitere Fragen geklärt werden. Es gilt herauszufinden ob und wenn ja, wo innerhalb von Humes Erkenntnistheorie das wahre Wissen zu finden ist. Welche Relationen sind in der Lage Wissen hervorzubringen, welchen können wir nur mit hoher Wahrscheinlichkeit trauen? Und erreichen wir bei der Betrachtung dieser Fragen vielleicht sogar das Ende von Humes Skeptizismus oder überwuchert er auch hier jeden Versuch an unanfechtbares Wissen zu gelangen? Um mit Recht behaupten zu können, etwas zu wissen, muss mehr vorliegen als der reine Glaube an etwas. Damit tatsächlich von Wissen die Rede sein kann muss die behauptete Aussage auch wahr sein. Aber reichen diese beiden Bedingungen bereits aus? Angenommen, jemand behauptet bei einem Münzwurf wird die Münze Zahl anzeigen und hat damit auch recht, wird ihm niemand glauben, wenn er sagen wird, er habe gewusst, dass die Münze mit der Zahl nach oben landet. Es fehlt noch eine notwendige dritte Bedingung. Wer etwas glaubt und dieser Glaube auch wahr ist, muss begründen können, warum dieser Glaube wahr ist. Er muss sich dafür rechtfertigen. Nur dann wird aus reinem Glauben auch Wissen. Wissen ist also gerechtfertigter wahrer Glaube (Vgl.: Musgrave 1993, S.2f.). Bei diesem Punkt würde der Skeptiker in Hume sich sicherlich bereits anfangen zu wehren und würde fragen, worauf denn diese Begründung fußt und ob die Rechtfertigung absolut gesichertem Wissen entspricht. Nun stellt sich noch die Frage, was es überhaupt bedeutet etwas zu Wissen. Welche Gegenstände kann diese Aussage einschließen? In der deutschen Sprache taucht das Wort „Wissen“ in unterschiedlichen Kontexten auf. Zum Beispiel kann ein Mensch wissen, wie man Geige spielt. Auf dieses vermeintliche Wissen trifft die vorher festgelegte Definition aber nicht zu, hier kann es sich also nicht um die gesuchte Wissensform handeln. Auch kann man Wissen über den Geruch eines Parfums besitzen, allerdings glaubt man nicht, dass man den Geruch kennt und kann sich schlecht dafür rechtfertigen. Bei Hume entsprächen solche Behauptungen dem intuitiven Erkennen von Eigenschaften unserer Umwelt durch unsere Sinne. Die letzte Möglichkeit bleibt das Wissen über Behauptungen und Aussagen, das sogenannte propositionale Wissen (Vgl.: Musgrave 1993, S.5f.).

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Humes skeptischer Skeptizismus und dessen Bedeutung für empirische Wissenschaften
Hochschule
Universität Koblenz-Landau
Note
2.0
Autor
Jahr
2016
Seiten
13
Katalognummer
V445098
ISBN (eBook)
9783668818408
ISBN (Buch)
9783668818415
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Erkenntnis, Theorie, Theoretische, Philosophie, Kant, Erkenntnistheorie, Doxa, Episteme, Hume, Locke, Hobbes, Wahrnehmung, Wahrheit, Sein, Ding
Arbeit zitieren
Marius Heil (Autor), 2016, Humes skeptischer Skeptizismus und dessen Bedeutung für empirische Wissenschaften, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/445098

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