In dieser Arbeit werden die mündlichen Äußerungen eines Politikers auf den Grad seiner Dialektnähe hin untersucht. Dazu wird eine umfassende analytische und therminologische Vorarbeit geleistet. Die Arbeit umfasst ebenfalls etwa 10 Minuten an transkribierten Audiomaterials.
Diese Arbeit beschäftigt sich mit sprachlicher Varietät in der Politik. Auf Grundlage der Annahme eines Kontinuums von Standard- zu Nonstandardvarietäten in der Sprache und unter Anwendung des Code-Shifting Modells von Auer, wird die funktionale Sprachwahl eines Politikers in einer öffentlichen, mündlichen Äußerung untersucht. Dazu werden zuerst Talk-Show Ausschnitte transkribiert und in ihnen nach Anzeichen von Code-Shifting gesucht.
Mittels des interpretativen Sprachhandlungsmodell von Werner Holly und dem Sprachfunktionsmodell von Grünert können die Bewegungen auf dem Kontinuum genau untersucht und beschrieben werden, um die Code-Shifting Phänomene als funktionale Handlungswahl zu begründen. Die Ergebnisse werden dann mit vorher aufgestellten Thesen über die Äußerungen abgeglichen. Diese Hausarbeit stellt also einen Versuch dar, diese drei Modelle, das Code-Shifting, das interpretative Sprachhandlungsmodell und das Sprachfunktionsmodell zu einem methodischen Vorgehen zu vereinen.
Das wichtigste Kommunikationsmittel für Politiker/innen ist die gesprochene Sprache, mit der sich nicht nur Politikwissenschaftler/innen beschäftigen können, sondern auch Sprachwissenschaftler/innen. Diese Perspektive kann sehr fruchtbar sein, da der Linguistik viele Werkzeuge zur Verfügung stehen, mit denen die klassische Politikwissenschaft weniger vertraut ist. So werden Politologen/Politologinnen Äußerungen eher auf ihren Inhalt, den Kontext und die Absichten des Politikers/ der Politikerin hin abklopfen.
Inhaltsverzeichnis
1.) Einleitung
2.) Theoretische Grundlagen dieser Arbeit
2.1) Die Standardvarietät. Eine unter vielen
2.1.1) Varietät – Eine Eingrenzung
2.1.2) Standard- Nonstandardkontinuum
2.2) Untersuchen des Kontinuums
2.2.1) Bewegung auf dem Kontinuum
2.2.2) Code-Shifting, Code-Switching und Code-Fluktuation
3.) Sprache in der Politik
4.) Methodisches Vorgehen
4.1) Code-Shifting als Ausdruck funktionaler Handlungswahl
4.2) Die politischen Funktionen der Sprache
4.3) Sprachhandlungsmodell nach Werner Holly
5.) Praxisbeispiel
5.1) Wahl des Beispiels
5.2) Konkretes Vorgehen
5.3) Analyse
5.3.1) Code-Shifting
5.3.2) Sprachfunktionen
5.3.3) Sprachhandlungen
5.4) Rekapitulation und Schlussfolgerung
6.) Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die funktionale Sprachwahl von Politikern in öffentlichen, mündlichen Äußerungen. Das primäre Ziel ist es, Zusammenhänge zwischen der Bewegung auf einem Standard-Nonstandardkontinuum und den zugrunde liegenden politischen Absichten sowie Sprachfunktionen zu identifizieren und methodisch zu fundieren.
- Analyse der sprachlichen Varietät und des Code-Shiftings bei Politikern.
- Einsatz des Code-Shifting-Modells nach Auer.
- Anwendung des interpretativen Sprachhandlungsmodells nach Werner Holly.
- Untersuchung politischer Sprachfunktionen nach Grünert.
- Empirische Fallstudie anhand von Ausschnitten einer politischen Talkshow.
Auszug aus dem Buch
2.2.1) Bewegung auf dem Kontinuum
Menschen sprechen mehr als nur eine Variation einer Sprache. Meist lernen sie im Kindesalter zuerst eine regionale Varietät des Deutschen und erst später in der Schule dann die normierte Standardvarietät. Da jeder Mensch auf eine ganz unterschiedliche Art und Weise und in ganz unterschiedlichen Milieus sozialisiert wird, spricht jeder unterschiedlichste Varietäten einer Sprache. Diese Spanne zwischen zwei Varietäten lässt sich, wie im vorherigen Kapitel gezeigt, auf einem Kontinuum darstellen. Je nach Gesprächspartner/in, -anlass, -umgebung und Umständen wählt jede/r Sprachbenutzer/in eine andere Art und Weise zu sprechen, teilweise verändern sie sogar im laufenden Gespräch ihre Position auf dem Kontinuum. Dabei entscheiden sich die Sprecher/innen nicht entweder für die Standardvarietät oder für den Dialekt, sondern bewegen sich je nach Anforderung zwischen den Systemen und benutzen sie eher ergänzend, als sich ausschließend (vgl.: Henn-Memmesheimer 1997:53f.).
Für diese Hin- und Herbewegung hat Auer die Begriffe Code-Shifting, Code-Switching und Code-Fluktuation geprägt, welche im Folgenden näher beleuchtet werden sollen.
Zusammenfassung der Kapitel
1.) Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik ein, skizziert das methodische Vorgehen unter Verwendung verschiedener linguistischer Modelle und beschreibt die Relevanz der Sprachwissenschaft für die Politik.
2.) Theoretische Grundlagen dieser Arbeit: Hier werden die zentralen Begriffe wie Varietät und das Standard-Nonstandardkontinuum theoretisch fundiert, um die Basis für die spätere Analyse zu schaffen.
3.) Sprache in der Politik: Das Kapitel beleuchtet die Rolle der Sprache im politischen Kontext und führt in die Unterscheidung zwischen dem aristotelischen und dem machiavellistischen Politikverständnis ein.
4.) Methodisches Vorgehen: Dieses Kapitel beschreibt die wissenschaftlichen Instrumente, namentlich das Code-Shifting-Modell, die Sprachfunktionen und das Sprachhandlungsmodell, die zur empirischen Analyse dienen.
5.) Praxisbeispiel: Hier erfolgt die empirische Anwendung der zuvor vorgestellten Modelle auf ausgewählte Redebeiträge eines Politikers in einer Talkshow.
6.) Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen und reflektiert über den Erkenntnisgewinn sowie die Herausforderungen des gewählten methodischen Ansatzes.
Schlüsselwörter
Sprachwissenschaft, Politolinguistik, Code-Shifting, Standard-Nonstandardkontinuum, Varietätenlinguistik, Sprachhandlungsmodell, Werner Holly, politische Sprache, Sprachfunktionen, funktionale Sprachwahl, Talkshow-Analyse, Diskursanalyse, Pragmatik, Soziolinguistik, Kommunikation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der sprachlichen Varietät von Politikern in öffentlichen, mündlichen Situationen und untersucht, wie diese ihre Ausdrucksweise funktional einsetzen.
Welche sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Linguistik der politischen Kommunikation, das Konzept des Standard-Nonstandardkontinuums und die funktionale Sprachwahl im politischen Diskurs.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu belegen, dass die bewusste oder unbewusste Bewegung auf dem Sprachkontinuum (Code-Shifting) mit spezifischen politischen Zielen, Sprachfunktionen und Sprachhandlungen in Verbindung steht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein interpretatives Verfahren genutzt, das das Code-Shifting-Modell von Auer, das Sprachfunktionsmodell von Grünert und das Sprachhandlungsmodell von Werner Holly miteinander kombiniert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, die methodische Herleitung und eine praktische Analyse anhand von Transkripten einer politischen Talkshow.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Politolinguistik, Code-Shifting, Sprachfunktionen, funktionale Sprachwahl und Varietätenlinguistik charakterisiert.
Warum ist die Analyse von Code-Shifting bei Politikern für die Linguistik interessant?
Die Analyse ist interessant, da sie zeigt, dass Politiker ihre Sprache nicht zufällig anpassen, sondern die Variationen als Werkzeug nutzen, um etwa Nähe zur Wählerschaft aufzubauen oder politische Ziele gezielter zu vermitteln.
Was zeichnet das im Praxisbeispiel verwendete Material aus?
Das Material besteht aus Redebeiträgen eines Politikers, die sowohl überregionale als auch spezifisch bayerische Themen behandeln, was eine gute Bandbreite an dialektalen und standardnahen Sprachformen bietet.
- Arbeit zitieren
- Marius Heil (Autor:in), 2018, Code-Shifting im Standard-Nonstandard-Kontinuum bei sprachlichen Äußerungen in der Politik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/445099