Belastung und Beanspruchung in Pflegeberufen

Stress im Pflegesektor untersucht an zwei Intensivstationen


Hausarbeit, 2016
11 Seiten, Note: 1,3
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Stressoren und Ressourcen
2.1 Reizorientiertes Stressmodell
2.2 Reaktionsorientiertes Stressmodell

3. Psychische Beanspruchung und Belastung
3.1 Belastungen in Pflegeberufen
3.2 Belastungsfaktoren auf einer Intensivstation

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Belastungs-Beanspruchungsforschung zählt zu den ältesten Forschungsthemen der Psychologie und der Arbeitswissenschaft. Die Wurzeln der Ermüdungsdiagnostik gehen zurück aus die psychiatrische Beurteilung der geistigen Leistungsfähigkeit, sowie auf die Gestaltung vor Arbeitszeitregimen im Zuge der Industrialisierung am Beginn des vergangenen Jahrhunderts.

Seitdem erfreut sich die Thematik eines ungebrochenen Interesses und hat an Brisanz oder Aktualität nicht verloren. Vielmehr ist die Erforschung von, im heutigen Sprachgebrauch recht unscharf verwendeten Begriffes, Stress von großer Bedeutung vor allem in der Arbeits- und Organisationspsychologie.

Nach einer EU-Umfrage aus dem Jahre 1992 klagen 48% der Befragten über Stress-Symptome. Eine unlängst abgeschlossene Studie im Auftrag der Bremer Angestelltenkammer an 6331 Bürgern der Hansestadt ließ beträchtliche Zunahmen von Überforderungssyndromen gegenüber Daten von vor 10 Jahren erkennen. In diesem Falle klagten 68 % über gewachsenes Arbeitstempo, 58% benannten Leistungsdruck als Belastung und 55% klagten über psychische Belastung bei der Einführung neuer Techniken. (vgl. Marstedt et al, 1993, S. 24ff)

Besondere Beachtung findet sie Belastungsforschung unter anderem im Pflegesektor. Sowohl die Fachliteratur der letzten Jahre als auch die Presse konzentrieren sich vermehrt auf diesen Bereich. Krankenhäuser bangen um ihr Personal, Patienten bangen um die Pflegequalität, immer öfter hört man den Begriff der gefährlichen Pflege. Pflegepersonal scheint in besonderem Umfang Stressfaktoren zu unterliegen. Daher soll sich diese Arbeit diesen beiden Thematiken näher widmen. Zunächst soll der Strassbegriff näher erschlossen und in die Thematik eingeordnet werden. Darauf aufbauend soll sich den Besonderheiten des Pflegesektors zugewandt werden, um darzustellen, welche Belastungen hier besonders beeinflussend vorkommen.

2. Stressoren und Ressourcen

Dieses Kapitel soll einen Überblick über die verschiedenen Stresskonzeptionen geben. Zum Ausdruck kommen hier das reizorientierte Stressmodell und das reaktionsorientierte Stressmodell als zwei unterschiedliche Herangehensweisen an diese Thematik.

Zunächst soll jedoch eine allgemein verständliche Definition des Strassbegriffes erfolgen. Der Begriff Stress kommt ursprünglich aus dem Englischen und bedeutet Druck oder Zwang und ist Ausdruck von psychischer Belastung.

Nach der Definition von Zimbardo versteht man Stress als

„…das Reaktionsmuster eines Organismus auf Stimulusereignisse, die dessen Gleichgewicht stören und dessen Fähigkeit, die Einflüsse zu bewältigen, stark beansprucht oder übersteigt. Die Stimulusereignisse umfassen eine große Bandbreite an externen und internen Bedingungen, die zusammen genommen Stressoren genannt werden. Ein Stressor ist ein Ereignis, das von einem Organismus eine Art von Anpassungsreaktion erfordert.“ (Zimbardo/Gerrig, 2008, S. 468)

2.1 Reizorientiertes Stressmodell

Dieses Stressmodell sieht Stress als die Gesamtheit aller belastenden Einwirkungen auf das Individuum. Dieses Stressmodell ist eines der bekanntesten und zugleich verständlichsten Modelle. Stress wird hierbei durch unabhängige Variablen (Reiz/Stressor) definiert, welche auf das Individuum wirken und auf die es reagiert. Diese können aus allen Lebensbereichen stammen. Im Arbeitskontext sind dies im Wesentlichen Belastungsfaktoren aus der Lebenssituation, die eigentliche Aufgabe im Unternehmen und Umweltfaktoren jeglicher Art, welche auf den Arbeiter einwirken. Diese recht allgemeine Darstellung führt jedoch dazu, dass der Begriff Stress recht inflationär behandelt wird und somit Ansätze zur Prävention schwierig zu finden sind. Dieses Modell erklärt auf Grund der Nichtberücksichtigung individueller Besonderheiten in der Bewertung und Bewältigung von Belastung nur einen kleinen Teil der beträchtlichen interindividuellen Unterschiede in den psychophysischen Reaktionen auf diese Belastungen. Eine Besonderheit dieser Ansätze findet sich in der Analyse so genanter kritischer Lebensereignisse. Dabei kann es sich auch um die Summe täglicher Alltagsquerelen handeln, die eine negative Bedeutung erhalten. Neuere reizorientierte Stresstheorien beziehen diese Kriterien in die subjektive Gewichtung eines Stressors mit ein. Diese life-events-Ansätze stellen eine Erweiterung des oben angesprochenen, eher mechanischen, Reiz-Reaktions-Modells, dar. (vgl. Nerdinger et al, 2011, S. 477ff)

Folgende, Tabelle (durch den Verfasser erstellt) verdeutlicht die verschiedenen Belastungen im Arbeitskontext, welche Stressreaktionen auslösen können. (vgl. Udris I./Frese M., 1988, S 430f)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Belastungen im Arbeitskontext

2.2 Reaktionsorientiertes Stressmodell

Hier wird Stress als abhängige Variable, also als Stressreaktion gesehen. Diese adaptive Stressreaktion ist unspezifisch und hängt nicht von der Eigenart der einwirkenden Faktoren ab. Beteiligte Faktoren werden zu Stressoren, wenn sie das von Selye wiederholt beschriebene physiologische Adaptionssyndrom (AAS) auslösen (vgl. Selye, 1957, S. 45f)

Dieses ASS beschreibt in drei Stufen die Reaktion eines Individuums auf physikalische oder psychologische Einwirkungen Reaktionsgrundlage sind angeborene Orientierungs- und Schreckreaktionen. Das Ausmaß des ASS ist abhängig von der Intensität und Chronizität der Reizeinwirkungen und von den vorhandenen Copingmechanismen, also der Fähigkeit, mit diesen Reizeinwirkungen umzugehen. Im Folgenden werden die drei Stufen näher beschrieben.

1. Alarmreaktion

Diese anfängliche, organische Reaktion weist zwei verschiedene Phasen auf. Zunächst befindet man sich in der Schockphase oder unmittelbaren Reaktion, die durch fixierte hormonelle und vegetative Veränderungen ausgelöst wird. (zum Beispiel erhöhte Atemfrequenz). Angrenzend an diese Phase erfolgt die Gegenschock- oder Reboundphase, in der neuroendokrine Bewältigungsaktivitäten auftreten, die die Körperreaktionen in der Alarmphase stabil halten. In dieser Phase kann es bei vorgeschädigten Organismen zu akuten Erkrankungen und auch zum Tode kommen.

2. Stadium des Widerstandes

Der Körper entwickelt Widerstand oder Adaption zu den Stressoren mit Körperreaktionen, die sich von denen der Alarmphase unterscheiden. Hier kann es zu morphologischen Veränderungen kommen, die pathogenetische Reaktionen nach sich ziehen. Schließlich verliert der Organismus seine adaptive Kapazität und es kommt zum dritten Stadium.

3. Stadium der Erschöpfung

Die körperliche Kapazität zu adaptieren ist erschöpft (hierbei bestehen erhebliche genetisch und lernbedingte interindividuelle Differenzen). Besteht der Stressor weiterhin, werden vitale Reserven angegriffen und es kann zu einem hormonellen Zusammenbruch mit schwersten Organschäden kommen. (vgl. Selye 1957, S. 52ff)

Im Laufe der Zeit wurde dieses Stressmodell, welches das sehr eng biologisch verstandene Adaptionssyndrom beinhalten um psychologische und auch soziale intervenierende Faktoren wie zum Beispiel gespeicherte Erfahrungen über erfolgreiche Bewältigungsversuche erweitert.

3. Psychische Beanspruchung und Belastung

Unter psychischer Beanspruchung ist das Inanspruchnehmen von psychischen Leistungsvoraussetzungen bei Ausführen von Arbeitstätigkeiten zum Erfüllen von übernommenen Arbeitsaufträgen unter gegebenen Erfüllungsbedingungen und bei gegebenen individuellen antriebs- und ausführungsregulatorischen sowie körperlichen Leistungsvoraussetzungen durch individuelle Arbeitsweisen zu verstehen. Aus dem Auftrag und seinen Erfüllungsbedingungen ergeben sich die Anforderungen als erforderliche psychische und manuelle Verrichtungen. Diese Anforderungen bedingen neben körperlichen auch psychische Beanspruchungen, die unter verschiedenen Aspekten beschrieben werden können. Einerseits können Beanspruchungen beschrieben werden als Wechselbeziehungen zwischen Anforderungen der Aufträge und den Leistungsvoraussetzungen oder Ressourcen. Diese Anforderungen-Ressourcen-Wechselbeziehung wurde vorzugsweise im Zusammenhang mit Konzeptionen über das Verhältnis von Umgebungsanforderungen und personalen Leistungsvoraussetzungen entwickelt. Der zweite Erklärungsansatz beschreibt Beanspruchungen als Anforderungen der Aufträge und ihrer Ausführungsbedingungen in Sinne einer unabhängigen externen Variablen, wobei die Arbeitenden mehr oder minder effizient mit diesen Anforderungen sich auseinander zu setzen haben. Dieser Aufgaben-Anforderungsansatz hat sich vorzugsweise in jenen Bereichen der Arbeitspsychologie und der Ergonomie entwickelt, die mit Aufgaben der Arbeitsgestaltung befasst sind. (vgl. Ulich E., 2011, 471ff)

Mittlerweile werden die Begriffe Belastung und Beanspruchung standardisiert verwendet. Dies wurde in der Norm ISO 10075 festgehalten. Demnach spricht man von Belastung als die Gesamtheit aller erfassbaren Einflüsse, die von außen auf den Menschen zukommen und psychisch auf ihn einwirken. Beanspruchung hingegen ist die zeitlich unmittelbare und nicht langfristige Auswirkung der psychischen Belastung auf die Einzelperson in Abhängigkeit von ihren eigenen habituellen und augenblicklichen Voraussetzungen einschließlich der individuellen Auseinandersetzungsstrategien.

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Details

Titel
Belastung und Beanspruchung in Pflegeberufen
Untertitel
Stress im Pflegesektor untersucht an zwei Intensivstationen
Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, München früher Fachhochschule
Note
1,3
Jahr
2016
Seiten
11
Katalognummer
V445122
ISBN (eBook)
9783668828827
ISBN (Buch)
9783668828834
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Stress, Belastung, Beanspruchung, Pflegekräfte, Pflegesektor, Pflegeberufe, reizorientiert, reaktionsorientiert
Arbeit zitieren
Anonym, 2016, Belastung und Beanspruchung in Pflegeberufen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/445122

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