Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › German Studies - Modern German Literature

"Der Schwierige" von Hugo von Hofmannsthal. Eine psychoanalytische Untersuchung des Protagonisten Graf Hans Karl Bühl

Title: "Der Schwierige" von Hugo von Hofmannsthal. Eine psychoanalytische Untersuchung des Protagonisten Graf Hans Karl Bühl

Term Paper , 2013 , 24 Pages , Grade: 1

Autor:in: Lisa Müller (Author)

German Studies - Modern German Literature
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Obwohl sich die umfassende Literatur zu dem Lustspiel „Der Schwierige" zumeist mit dem Motiv der Sprachskepsis beschäftigt, soll im Folgenden das Augenmerk auf den Erfolg bzw. Nicht-Erfolg einer Heimkehr gelegt werden. Die Besonderheit genau dieser liegt in der Tatsache, dass sie aus einem Krieg von noch nie da gewesenem zerstörerischen Ausmaß erfolgen muss. Gemeint ist hierbei der Erste Weltkrieg, in dem sich die erschreckende Dimension des destruktiven Potentials der vorangegangenen Industrialisierung entlädt und worauf die Menschheit zum damaligen Zeitpunkt schlechthin nicht gewappnet sein konnte. So geht diese epochale Katastrophe auch an Graf Hans Karl Bühl nicht spurlos vorüber: obwohl dessen räumliche Verlagerung in das eigene Haus sich bereits sieben Wochen vor Beginn des Stückes vollzog, steht die eigentliche Reintegration in die aristokratische Gesellschaft Wiens noch aus. Allein die Vermeidung des Kriegsbegriffs im gesamten Text deutet auf das Trauma, und die wohl noch bestehende Präsenz dieser jahrelangen Belastung in den Köpfen der Figuren, hin. Denn stellvertretend für den Begriff des Krieges fällt im Text die extrem häufige Verwendung des Wortes „draußen"' auf. Die Fragestellung dieser Arbeit bezieht sich also auf die Möglichkeit, von der Front dieses, bis dahin, exzeptionellen Krieges überhaupt wieder zurück in die Gesellschaft zu finden, und inwiefern dies dem Protagonisten des Dramas gelingt oder eben auch misslingt. Kehrt Graf Bühl von diesem draußen nach drinnen, in den zivilen Alltag zurück? Zur Argumentation werden diverse Konzepte und Theorien aus Disziplinen herangezogen und als eine Art Schablone auf die primäre Textgrundlage angewendet. So ist im ersten Teil der Arbeit der aktuelle Zustand des Protagonisten im Hinblick auf ethnologische Theorien, die Übergänge im Leben eines Menschen zum Gegenstand haben, und den Begriff der Schwelle theoretisch konturieren, untersucht worden. Eine weitere Perspektive auf die Positionierung des Grafen in seinem Umfeld eröffnet im nächsten Teil die Psychoanalyse, auf deren Basis die emotionale Verfassung Hans Karls dargestellt werden soll. Obwohl diese Disziplinen den Blick für eine Analyse des Protagonisten erheblich erweitern, soll die Argumentation dennoch eine primär textanalytische bleiben.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Graf Bühl – ein Schwellenwesen?

2.1 Das Konzept der Übergangsriten nach Arnold van Gennep

2.2 Schwellenphase und Schwellenwesen

2.3 Scheinbare Überwindung des Schwellenzustands

3. Graf Bühl an der Schwelle – aus psychoanalytischer Sicht

3.1 Der männliche Hysteriker

3.2 Das Verschüttungserlebnis

3.3 Die Vision im Verschüttungsmoment

3.4 Erfolgreiche Katharsis?

4. Schluss

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Heimkehr des Protagonisten Graf Hans Karl Bühl aus dem Ersten Weltkrieg in Hugo von Hofmannsthals Lustspiel „Der Schwierige“. Das Hauptziel besteht darin, auf Basis ethnologischer Konzepte und psychoanalytischer Ansätze zu analysieren, ob dem Protagonisten eine erfolgreiche Reintegration in die aristokratische Gesellschaft Wiens gelingt oder ob er in einem Schwellenzustand verharrt.

  • Analyse des „Schwellenwesens“ nach Arnold van Gennep und Victor Turner.
  • Untersuchung des Protagonisten hinsichtlich einer „traumatischen Hysterie“.
  • Interpretation des Verschüttungserlebnisses als psychisches Trauma.
  • Deutung der Visionen und deren Bedeutung für die Heimkehrproblematik.
  • Prüfung des kathartischen Potenzials im Kontext der Komödiengattung.

Auszug aus dem Buch

3.2 Das Verschüttungserlebnis als Trauma

Wie der Ausdruck der ‚traumatischen Hysterie’ bereits impliziert, ist es „der Unfall, welcher das Syndrom hervorgerufen hat“62. Wichtig hierbei ist die Tatsache, dass nicht „die geringfügige körperliche Verletzung die Krankheitsursache [ist], sondern der Schreckaffekt, das psychische Trauma.“63 In der „Vorläufigen Mitteilung“ wird dieses wie folgt definiert: „Als solches kann jedes Erlebnis wirken, welches die peinlichen Affekte des Schreckens, der Angst, der Scham, des psychischen Schmerzes hervorruft […].“64

Ferner muss dieses Erlebnis „dem Seelenleben innerhalb kurzer Zeit einen so starken Reizzuwachs bring[en], daß die Erledigung oder Aufarbeitung desselben in normalgewohnter Weise missglückt, […]“65. Dem Traumatisierten ist es somit nicht möglich das peinliche Erlebnis, den Schock, im unmittelbaren Geschehen des Unfalls psychisch zu verarbeiten. So steht die Bewältigung dieser Aufgabe noch aus und der Patient bleibt infolgedessen an den Moment des Traumas, wenn auch nur unbewusst, fixiert. Dass diese ‚Fixierung’ an das vergangene traumatische Erlebnis eine Unbewusste ist, bedeutet nach Freud jedoch nicht zwingend, dass die psychisch krank machende Erfahrung vergessen wurde. Vielmehr wird sie nicht als eine solche wahrgenommen, was bedeutet, dass der Traumatisierte sich seines Traumas nicht bewusst ist, obwohl er gleichzeitig in der Lage dazu sein kann, den Moment prinzipiell zu erinnern. 66

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Fragestellung ein, ob die Heimkehr des Protagonisten Graf Hans Karl Bühl aus dem Ersten Weltkrieg in die Wiener Gesellschaft als erfolgreich oder misslungen zu betrachten ist.

2. Graf Bühl – ein Schwellenwesen?: Es wird das ethnologische Konzept des dreigliedrigen Übergangs nach Arnold van Gennep und Victor Turner eingeführt, um den aktuellen Status des Grafen als Schwellenwesen theoretisch zu rahmen.

2.1 Das Konzept der Übergangsriten nach Arnold van Gennep: Dieser Abschnitt erläutert die Bedeutung von Riten und Grenzüberschreitungen als notwendige Zwischenstufen für den sozialen Statuswechsel.

2.2 Schwellenphase und Schwellenwesen: Das Kapitel überträgt Victor Turners Theorie der „Schwellenpersonen“ auf Graf Bühl, um dessen soziale Positionslosigkeit und Passivität zu verdeutlichen.

2.3 Scheinbare Überwindung des Schwellenzustands: Hier wird untersucht, ob die Verlobung des Grafen als ritueller Abschluss seiner Heimkehr dienen kann, was jedoch kritisch hinterfragt wird.

3. Graf Bühl an der Schwelle – aus psychoanalytischer Sicht: Unter Zuhilfenahme psychoanalytischer Ansätze wird die emotionale Verfassung des Protagonisten als Reaktion auf die Kriegserlebnisse analysiert.

3.1 Der männliche Hysteriker: Dieses Kapitel prüft die These, dass Graf Bühl an einer traumatischen Hysterie leidet, und setzt dies in Kontext zu zeitgenössischen diagnostischen Ansätzen.

3.2 Das Verschüttungserlebnis: Hierbei wird das Verschüttungserlebnis als das traumatische Ereignis identifiziert, welches die psychischen Symptome des Protagonisten begründet.

3.3 Die Vision im Verschüttungsmoment: Die Analyse konzentriert sich auf die Halluzinationen des Grafen während der Verschüttung und deren Funktion als unbewusste Offenbarung seiner Wünsche.

3.4 Erfolgreiche Katharsis?: Abschließend wird evaluiert, ob in der Szene der Verlobung eine kathartische Auflösung des Traumas stattfindet, was letztlich verneint wird.

4. Schluss: Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass die Integration in die Gesellschaft scheitert und der Versuch einer Heimkehr unter den gegebenen Umständen zum Scheitern verurteilt ist.

Schlüsselwörter

Hugo von Hofmannsthal, Der Schwierige, Graf Hans Karl Bühl, Heimkehr, Erster Weltkrieg, Schwellenwesen, Übergangsriten, Arnold van Gennep, Victor Turner, Psychoanalyse, Traumata, traumatische Hysterie, Katharsis, Verschüttung, Verdrängung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die Heimkehr des Protagonisten Graf Hans Karl Bühl aus dem Ersten Weltkrieg in Hofmannsthals Komödie „Der Schwierige“ unter dem Aspekt, ob diese als erfolgreich oder misslungen zu werten ist.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Themen sind die soziale Reintegration nach traumatischen Kriegserfahrungen, die ethnologische Konzeptualisierung von Schwellenzuständen sowie die Anwendung psychoanalytischer Diagnostik auf literarische Figuren.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Die Forschungsfrage zielt darauf ab, zu klären, inwieweit dem Protagonisten der Übergang von der Kriegswirklichkeit zurück in den zivilen Alltag der aristokratischen Gesellschaft Wiens gelingt.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden in der Arbeit verwendet?

Die Arbeit nutzt eine primär textanalytische Methode, die durch die Anwendung ethnologischer Theorien zu Übergangsriten (Gennep, Turner) und psychoanalytischer Ansätze (Freud, Breuer) ergänzt wird.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine ethnologische Analyse des Schwellenwesens sowie eine psychoanalytische Untersuchung des Verschüttungserlebnisses, der Visionen des Grafen und der Frage nach einer kathartischen Heilung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Heimkehr, Schwellenwesen, traumatische Hysterie, Verschüttung, Verdrängung, Katharsis und die spezifische Sprachproblematik im Werk Hofmannsthals.

Warum wird die Komödie als passendes Genre für das tragische Thema der Traumatisierung gewählt?

Die Autorin argumentiert, dass das Genre der Komödie eine gewisse Abschwächung beziehungsweise „Ent-pathologisierung“ ermöglicht, wobei das tragische Element des Traumas innerhalb der gesellschaftlichen Konventionen kaschiert wird.

Inwiefern spielt die Verschüttung eine entscheidende Rolle für das Verständnis des Protagonisten?

Das Verschüttungserlebnis wird als das ursächliche traumatische Ereignis gewertet, das Graf Bühl in einen psychischen Schockzustand versetzt hat, aus dem er sich durch Verdrängung und Passivität zu retten versucht.

Excerpt out of 24 pages  - scroll top

Details

Title
"Der Schwierige" von Hugo von Hofmannsthal. Eine psychoanalytische Untersuchung des Protagonisten Graf Hans Karl Bühl
College
LMU Munich
Grade
1
Author
Lisa Müller (Author)
Publication Year
2013
Pages
24
Catalog Number
V445137
ISBN (eBook)
9783668819504
ISBN (Book)
9783668819511
Language
German
Tags
Heimkehr Hofmannsthal Sprache Schwierige Krieg trauma
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Lisa Müller (Author), 2013, "Der Schwierige" von Hugo von Hofmannsthal. Eine psychoanalytische Untersuchung des Protagonisten Graf Hans Karl Bühl, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/445137
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  24  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint