Exegese zur Apostelgeschichte 15,6-18


Quellenexegese, 2016

15 Seiten


Leseprobe

Inhalt

Übersetzung des Textes

Text und literarischer Kontext

Textschaubild

Textthema

Literarischer Kontext

Historischer Kontext

Vers-für-Vers-Kommentierung

Klärung der Streitfrage (V 6)

Die Rede des Petrus (V 7-11)

Gott wollte von Anfang an, dass Nichtjuden das Evangelium
hören und glauben (V 7)

Gott macht keinen Unterschied zwischen Juden und Nichtjuden (V 8-9)

Gott rettet Juden und Nichtjuden aus Gnade (V 10-11)

Barnabas und Paulus bezeugen Gottes Wirken unter den Nichtjuden (V 12)

Der Schriftbeweis des Jakobus (V 13ff)

Bezug zur Rede des Petrus (V 13-14)

Beleg durch die Propheten (V 15-18)

Biblisch-Theologische Einordnung

Praktischer Ausblick

Literaturliste

Übersetzung des Textes

Um die Textbasis der Auslegung zu finden, wurde der griechische Text von Nestle-Aland unter Zuhilfenahme des neuen sprachlichen Schlüssels sowie des kleinen Wörterbuchs zum Neuen Testament mit mehreren formorientierten Übersetzungen verglichen. Außerdem wurde die NGÜ herangezogen und der Text anschließend zu der folgenden Übersetzung entwickelt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Größere Unterschiede oder Abweichungen zwischen formorientierten Ausgaben und der eigenen Übersetzung werden nachstehend erläutert:

- Die Worte ἀκοῦσαι und πιστεῦσαι in V 7 werden in den vorliegenden Übersetzungen sowohl in Gegenwarts-, als auch in Vergangenheitsform übersetzt. Beide Begriffe sind jedoch im Aorist. Daher kann man davon ausgehen, dass es sich in diesem Bericht des Petrus um etwas handelt, das schon passiert ist und nicht gerade passiert.
- Der Gebrauch von ἀλλὰ in V 11 ist in den vorliegenden formorientierten Übersetzungen nicht deutlich genug. Der Widerspruch, welcher aufgezeigt wird, sollte wie in der obenstehenden Übersetzung deutlicher hervorstechen.
- In V 12 wird nicht ersichtlich, ob die Größe oder die Menge der Wunder und Zeichen thematisiert wird. Lukas scheint lediglich darauf zu zielen aufzuzeigen, dass Gott unter den Heiden wirkt.
- τὰ ἔθνη wurde konsequent als „Nichtjuden“ übersetzt.
- Die obenstehende Übersetzung verwendet in V 16 in Anlehnung an Luther und Elberfelder für das griechische Futur das Wort „will“. Im Griechischen wird das Futur teilweise Modal verwendet, weshalb diese Übersetzung gerechtfertigt ist. Das Indikativ Futur wird jedoch auch für Zukünftiges benutzt und kann dementsprechend auch mit „werden“ übersetzt werden.

Text und literarischer Kontext
Textschaubild

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Textthema

Es war von Anfang an Gottes Plan Juden und Nichtjuden auf dieselbe Weise zu retten.

Literarischer Kontext

Dieses erste Apostelkonzil ist unter verschiedenen Gesichtspunkten der entscheidende Wendepunkt innerhalb der Apostelgeschichte. Zum einen ist es hinsichtlich der Hauptpersonen ein Wendepunkt, was daran zu erkennen ist, dass Lukas im Anschluss an diese Synode nur noch von Paulus, dessen Missionsreisen und seiner Gefangenschaft berichtet. Petrus war der Initiator und Verteidiger der Heidenmission, wird jedoch nach dem Apostelkonzil in Lukas’ Werk nicht mehr thematisiert. Die in Apg 15 geschilderte Versammlung der Apostel, bei welcher sowohl Petrus als auch Paulus entscheidend mitwirken, ist somit der literarische Wechsel hin zu einem Bericht allein über Paulus.

Weiter stellt das Apostelkonzil den bedeutendsten Wendepunkt bei der Ausbreitung des Evangeliums dar. Die Mission im nichtjüdsichen Ausland beginntbereits deutlich vor Kapitel 15, doch erst die „erste und für den Fortbestand der urchrischtlichen Gemeinden aus Juden und Heiden entscheidende Gemeindesynode“ (Mauerhofer 1995, 256) sorgt dafür, dass das Evangelium unter den Nichtjuden konsequent ausgebreitet wird.

Folgende detailliertere Unterteilung der Apostelgeschichte nach Lukas findet sich bei Carson & Moo (Carson & Moo 2010, 346ff):

a. Prolog: Grundlage für die Gemeinde und ihren Auftrag (1,1-2,41)
b. Die Gemeinde in Jerusalem (2,42-6,7)
c. Ein weiterer Horizont für die Gemeinde: Stephanus, Samarien und Paulus (6,8-9,31)
d. Petrus und der erste Heidenchrist (9,32-12,24)
e. Paulus wendet sich den Heiden zu (12,25-16,5)
f. Weiteres Vordringen in die heidnische Welt (16,6-19,20)
g. Weiter nach Rom (19,21-28,31)

Die vorliegende Perikope befindet sich nach dieser Gliederung im Abschnitt welcher die Ausbreitung des Evangeliums unter den Nichtjuden durch Paulus betrachtet. Daher ist sie auch im großen Kontext der beginnenden Ausbreitung des Evangeliums unter den Nichtjuden zu betrachten. Weiter befindet sich das Apostelkonzil literarisch wie auch zeitlich zwischen der ersten und zweiten Missionsreise des Paulus.

Der enge Kontext erstreckt sich über das ganze Apostelkonzil und somit von Apg. 15,1-29. Vor der Perikope wird geschildert, weshalb das Apostelkonzil einberufen wurde, nämlich um die Streitfrage zu klären, ob und wie die bereits bekehrten Nichtjuden das Gesetz halten müssen und damit zur christlichen Gemeinschaft gehören können. Pharisäische Christen forderten, dass sich bekehrte Heiden beschneiden lassen und das ganze Gesetz halten müssen. Bei dem Konzil sollten Rechtsfragen und Heilsunsicherheiten auf höchster Ebene verbindlich besprochen und damit endgültig beendet werden (Neudorfer 1987, 86). Die Perikope selbst zeigt das Verhalten von Petrus, Paulus, Barnabas und Jakobus während des Konzils.

Im Anschluss an die Perikope gibt Jakobus sein eigenes Urteil bezüglich der Streitfrage ab und zeigt eine Lösung auf. Diese umfasst vier alttestamentliche Reinheitsgebote, welche sich bereits im AT nicht allein auf Juden beschränkten, sondern ebenso für Fremdlinge im Gottesvolk galten (Rienecker 2013, 83f). Paulus war dem Bericht nach ohne Weiteres mit dem Lösungsvorschlag des Jakobus einverstanden. Die Ergebnisse wurden niedergeschrieben und an die Gemeinden überbracht. Das Apostelkonzil löst also die Streitfrage, ob und unter welchen Bedingungen sich bekehrte Nichtjuden an das Gesetz halten müssen und war damit „von weitreichender Bedeutung für den christl. Glauben und für das weitere Wachstum der Kirche“ (Carson & Moo 2010, 349).

Historischer Kontext

Über Petrus und Paulus wurde im Seminar zur Apostelgeschichte sehr viel berichtet – über die dritte, für die vorliegende Perikope entscheiden Person, Jakobus jedoch nicht. Daher soll die Person des Jakobus nun kurz im biblisch-historischen Kontext thematisiert werden. Die meisten Kommentare gehen davon aus, dass der hier genannte Jakobus der Halbbruder Jesu und Gemeindeleiter in Jerusalem gewesen sei. Gesichert ist das jedoch nicht. Man erfährt nicht viel über ihn; es ist lediglich festzustellen, dass Jakobus eine bedeutende Führungspersönlichkeit war und eine hohe Autorität innehielt. Weiter liegt es nahe, dass er der Autor des Jakobusbriefes ist.

Teilweise „sieht man Jakobus als Leiter der judenchristlichen Gemeinde in Jerusalem in scharfem Gegensatz zum Heidenapostel Paulus“ (Rienecker 2013, 580). Diese Meinung sagt aus, dass Jakobus als christlicher Jude und zugleich Leiter der Gemeinde in Jerusalem darauf bedacht war, gesetzestreu zu leben, während Paulus sehr viel mehr den Aspekt der Gnade und Freiheit betonte. Dies lässt sich jedoch nicht halten, da sich beide stets in der Sache einig wurden.

Vers-für-Vers-Kommentierung

Klärung der Streitfrage (V 6)

Text: Συνήχθησάν τε οἱ ἀπόστολοι καὶ οἱ πρεσβύτεροι ἰδεῖν περὶ τοῦ λόγου τούτου.

Übersetzung: Da versammelten sich die Apostel und die Ältesten um über diese Sache zu beraten.

Die Aussage τοῦ λόγου τούτου stellt den Bezug zu der Streitfrage aus V 5 dar und macht deutlich, dass exakt diese Sache, also die Frage nach dem Halten des Gesetzes, in der Versammlung besprochen wird. Lukas schildert bereits in V 4, dass Paulus und Barnabas in der Jerusalemer Gemeindeversammlung davon berichten, dass viele Nichtjuden zum Glauben kamen. Nun in V 6 wird dieses Thema in einer Versammlung der Apostel und Ältesten thematisiert. Ob es sich bei dieser Versammlung um eine gewöhnliche Versammlung mit allen Gemeindegliedern oder um eine gesonderte Sitzung der Gemeindeleitung handelt, wird in den Kommentaren verschieden bewertet. Der Text äußert sich dazu nicht und lässt beide Sichten zu. Sicher kann man jedoch ableiten, dass unter den Versammelten sowohl die antiochische Delegation, als auch die judistische Gruppe anwesend waren, um eine Entscheidung vorzubereiten (Zmijewski 1994, 565). Es waren also Verfechter des Gesetzes und Gegner der Beschneidung zugegen.

Die Rede des Petrus (V 7-11)

Gott wollte von Anfang an, dass Nichtjuden das Evangelium hören und glauben (V 7)

Text: Πολλῆς δὲ ζητήσεως γενομένης ἀναστὰς Πέτρος εἶπεν πρὸς αὐτούς·
ἄνδρες ἀδελφοί, ὑμεῖς ἐπίστασθε ὅτι ἀφ᾿ ἡμερῶν ἀρχαίων ἐν ὑμῖν ἐξελέξατο ὁ θεὸς διὰ τοῦ στόματός μου ἀκοῦσαι τὰ ἔθνη τὸν λόγον τοῦ εὐαγγελίου καὶ πιστεῦσαι.

Übersetzung: Nach einer langen Diskussion stand Petrus auf und sagte zu ihnen:
„Liebe Geschwister, ihr wisst, dass mich Gott schon von Anfang an in eurem Kreis auserwählt hat, dass Nichtjuden durch meinen Mund das Wort des Evangeliums hören und zum Glauben kommen sollten.

Doch auch in dieser Versammlung entsteht, ebenso wie in Antiochia (V 2), eine Diskussion über die Pflicht des Beschneidens. Daraufhin ergreift Petrus zum letzten Mal in der Apostelgeschichte das Wort. Er beginnt seine Rede mit ἄνδρες ἀδελφοί. Laut Jacob Jervell wird diese Redewendung lediglich bei der Ansprache zu Juden verwendet. Daraus folgert er, dass bei dieser wichtigen Versammlung nur Juden anwesend waren und sie diese bedeutende Entscheidung für das Miteinander von Nichtjuden und Juden alleine trafen (Jervell 1998, 391). Während seiner Rede erinnert Petrus daran, dass Gott ihn von Anfang an erwählt hatte, um durch ihn unter den Nichtjuden zu wirken. Die einstimmige Meinung der Kommentatoren ist, dass Petrus sich hierbei auf die Ereignisse mit dem nichtjüdsichen Hauptmann Kornelius bezieht. Diese Geschichte ist allen bekannt und verdeutlicht darüber hinaus zweifelsfrei, dass Gott der Handlende ist. Gott hat bei Kornelius die Wahl getroffen und wollte durch Petrus das Evangelium unter den Nichtjuden verkünden, sodass diese zum Glauben kommen. Doch mit dieser Erklärung alleine ist ἀφ᾿ ἡμερῶν ἀρχαίων nicht Genüge getan. Der von den Kommentatoren angenommene Rückbezug des Petrus auf Kornelius ist daher stimmig, geht jedoch noch tiefer, da diese Aussage einen festen Ratschluss Gottes verdeutlicht. Die Legitimation für die Heidenmission durch Gott erfolgte demnach bereits vor den Ereignissen aus Apg 10. Sichtbar wurde dieser Ratschluss Gottes für die Juden jedoch anhand dieses Geschehens, wodurch Kornelius zum Repräsentant der von Gott erwählten Nichtjuden wurde. Das bedeutet, dass Nichtjuden ebenso wie Juden gottesfürchtig und darüber hinaus zum Hören des Evangeliums und Glauben bestimmt sind (Jervell 1998, 391).

Gott macht keinen Unterschied zwischen Juden und Nichtjuden (V 8-9)

Text: καὶ ὁ καρδιογνώστης θεὸς ἐμαρτύρησεν αὐτοῖς δοὺς τὸ πνεῦμα τὸ ἅγιον καθὼς καὶ ἡμῖν καὶ οὐθὲν διέκρινεν μεταξὺ ἡμῶν τε καὶ αὐτῶν τῇ πίστει καθαρίσας τὰς καρδίας αὐτῶν.

Übersetzung: Und Gott, der die Herzen kennt, hat Zeugnis für sie abgelegt, indem er ihnen genau wie uns den Heiligen Geist gegeben hat.
Er hat zwischen uns und ihnen keinen Unterschied gemacht, denn er hat ihre Herzen durch den Glauben gereinigt.

Zunächst hatte Petrus aufgezeigt, dass es Gott war, welcher dafür sorgte, dass Nichtjuden das Evangelium hörten und glaubten.

In diesem Abschnitt führt er seine Argumentation weiter, indem er durch zwei Aspekte aufzeigt, „dass es keine ethnischen Hindernisse im Bezug auf die Bekehrung gibt“ (Stott 2000, 354).

a. Gott ist der καρδιογνώστης. Dieses Wort wird lediglich ein weiteres mal im NT verwendet, und zwar in Apg 1 als Bezeichnung für Jesus. Somit wird deutlich, dass Jesus dieselbe Stellung wie Gott inne hält. καρδία bezeichnet dabei den Menschen in seinem ganzen Umfang, mit seinem Denken, Wollen, Begehren, Fühlen und dem seelischen und geistigen Dasein (Bauer 1988, 819ff). Das heißt, Gott und sein Sohn sind die Einzigen, die den Menschen vollständig kennen. Es lässt sich erkennen, dass Gott das Herz der Nichtjuden, ebenso wie der bekehrten Juden kennt und für sie Zeugnis ablegt, indem er beiden den heiligen Geist gab.

b. Durch die Verwendung von „wir“ und „ihr“ differenziert Petrus deutlich zwischen Juden und Nichtjuden. Diese Wortwahl greift die zuvor geführte Diskussion auf und zeigt, dass Petrus die Problematik der Diskussion verstanden hat, doch bei einer Exklusivität des Christseins für die Juden nicht stehen bleibt, sondern den Anwesenden anhand der Reinheitsthematik erläutert, weshalb Gott keine Unterschiede zwischen Juden und Nichtjuden macht. Er verfährt so, obwohl die beiden Parteien aufgrund der kultischen Unreinheit der Nichtjuden bisher keine Gemeinschaft pflegen konnten. Nun hat Gott die Nichtjuden „durch den Glauben an Jesus Christus reingemacht [und sie] bedürfen […] – um als Heidenchristen für die Judenchristen gemeinschaftsfähig zu sein – keiner Reinigung durch die Tora mehr“ (Pesch 1986, 78). Dies bedeutet, dass Petrus den christlichen Pharisäern (Vgl. V 5) widerspricht, indem er aufzeigt, dass „nicht durch das Gesetz, sondern durch den Geist und Glauben“ (Jervell 1998, 392) die Reinigung gekommen und Gemeinschaft daher möglich ist.

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Exegese zur Apostelgeschichte 15,6-18
Autor
Jahr
2016
Seiten
15
Katalognummer
V445157
ISBN (eBook)
9783668819405
ISBN (Buch)
9783668819412
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Apostel, Bibel, Jesus, Juden, Paulus, Lukas, Petrus, Christentum, Exegese
Arbeit zitieren
Erich Böke (Autor), 2016, Exegese zur Apostelgeschichte 15,6-18, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/445157

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