Konzept Soziale Plastik. Kommunikation in einem interdisziplinären Team


Hausarbeit, 2017

15 Seiten, Note: 1,2

Sonja Franke (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einführung

Mögliche Widerstände

Konstruktive Lösungsansätze

Die Soziale Plastik nach Joseph Beuys

Spielregeln für eine erfolgreiche Zusammenarbeit

Fazit und mögliche Umsetzung im Alltag

Quellenverzeichnis

Einführung

Kooperation zwischen Teammitgliedern eines Unternehmens ist noch immer keine Selbstverständlichkeit. Gleichzeitig fordert der immer schnellere Wandel des Umfeldes ein hohes Maß an Flexibilität. Durch die immer komplexere, kompliziertere Wirklichkeit lassen sich wirtschaftliche, ökologische oder kulturelle Problemstellungen nicht ohne Kooperation der einzelnen Disziplinen lösen. Somit steigt der Bedarf an Zusammenarbeit. Kooperation steht als Gegenstück zum Alleingang des Individuums. Wir sind durch diese Entwicklung gezwungen, interdisziplinär im Team zu kooperieren. In der betrieblichen Praxis erweist sich die Teamarbeit oft als Schwerstarbeit. Immer wieder bleiben Teams in schmerzhaften Lernprozessen stecken. Es ist nötig, dass sich jeder einzelne Mensch mit seinem formbaren Wissen und Denken achtsam und nachhaltig in das Feld eines interdisziplinären Teams einbringt und sich diese Teams wiederum als Summe und Ergebnis aller formenden Individuen in Umwelt und Gesellschaft integrieren können.

Dafür muss sich jedes Teammitglied seiner persönlichen Wirksamkeit für das und am Team bewusst werden. Die Gestaltungskräfte der Einzelnen müssen aktiviert werden, sodass sie die entsprechende Verantwortung für die persönliche Wirksamkeit übernehmen.

Für Beuys ist Team-Bilden, wie Zeichnen oder Objekt-Bilden, ein kunstvoller Akt des Gestaltens:

„Hier arbeiten wir an einem lebendigen Material, wir erschaffen eine soziale Plastik.“ Nach Beuys ist dies eine höchst sinnstiftende Form zeitgenössischer Kunst. Daher hat er in seiner Materialwahl vor allem die Analogie zum Thema Mensch gesucht:

Seine bildnerischen Stoffe sind Fett, Filz und Honig. „Jeder Mensch im Team ist ein Künstler!“

In der vorliegenden Arbeit wird versucht, mögliche Hürden in der Teamzusammenarbeit zu analysieren, die Thematik mit Hilfe der sozialen Plastik zu verstehen und Umsetzungsmöglichkeiten zu skizzieren bzw. mögliche Anwendungsfelder zu suchen. (vgl. Brater, Michael, Freygarten, Sandra, Rahmann, Elke, Rainer, Marlies, 2011, S. 314)

In Teams, die einen interdisziplinären Ansatz verfolgen, ist die Zusammenarbeit komplexer und die Verschiedenartigkeit wird genutzt. Die Teammitglieder bringen unterschiedliche Vorbildungen und Erfahrungen mit. Somit treffen verschiedene Selbstverständnisse und die damit verbundenen Erwartungen aufeinander, was eine hohe Kooperations-, Konflikt- und Reflektionsbereitschaft erfordert. Dies erweist sich oftmals als sehr schwierig und das Team kommt an seine Grenzen.

Hauptursachen sind fehlende Kommunikationsbereitschaft, mangelnde Flexibilität und starre Strukturen. Das Bedürfnis, an strukturellen Regelungen und eingeübten Mustern festzuhalten, scheint zu überwiegen und verhindert jegliche Art von Wachstum und Transformation.

Angesichts dieser Tatsachen sagt Beuys: „Ihr sagt, die Natur des Menschen sei für die Revolution nicht geeignet, wohlan dann ändern wir also die menschliche Natur.“ (Beuys, Joseph, 2015, S. 83)

Mögliche Widerstände

Wer definiert die Natur des Menschen? Welches Menschenbild, welche Werte stecken hinter der jeweiligen Definition? Welche Eigenschaften werden angestrebt?

Tatsache ist, dass der Mensch im Stande ist, die größten Verbiegungen und Veränderungen zu tätigen. Also entwickelt jede menschliche Gesellschaft ihren eigenen Tugendkatalog, indem sie diejenigen Eigenschaften aufführt, die sie für erstrebenswert hält, auch wenn sie nicht jeder erlangen kann. (vgl. Enzensberger, Hans Magnus, 2007, S. 11)

Davon ausgehend wissen wir, dass dieser Katalog die Grundlage für den gesamten sozialen Prozess bildet und dass dieser wiederum immer mit unserem Welt- und Menschenbild zusammenhängt, mit den Vorstellungen mit denen wir uns in die Welt hineinstellen.

(vgl. Werner, Götz Wolfgang, 2012, S. 24)

Wenn wir also einen Blick in diesen Tugendkatalog werfen, wird schnell klar, mit welchen Schwierigkeiten sich der Mensch herumschlägt. So wird beispielsweise ersichtlich, dass die Nachfrage nach Intelligenz sehr hoch ist. Enzensberger meint dazu in seinem Buch „Im Irrgarten der Intelligenz“: Doch niemand weiß genau, was Intelligenz überhaupt ist. Das mag für viele Menschen sehr unverständlich erscheinen, gerade weil jeder in der Gesellschaft intelligent sein will. (vgl. Enzensberger, Hans Magnus, 2007, S. 11) „Denn nur, wer sich selber für intelligent hält, wird sich für berechtigt halten, über die Intelligenz seiner Mitmenschen zu urteilen.“ (Ebd., 2007, S. 54). „Es zeigt sich jedoch, daß es sich zu leicht macht, wer sich mit einem Passepartout-Begriff für das begnügt, was sich unter der Hirnschale abspielt.“ (Ebd., 2007, S. 19) „Hier hat sich ein riesiger Markt entwickelt, auf dem die Angst vor der Dummheit immer enormere Dummheit hervorbringt.“ (Ebd., 2007, S. 53)

Ein weiterer Faktor ist, dass die Messbarkeit und das Vergleichen, insbesondere auch der Intelligenz, die Menschen im Leistungsdenken antreibt. Das Streben nach dem eigenen Ansehen, verbunden mit der Leistung, die das Individuum selbstverständlich selbst hervorgebracht hat, ist deutlich höher als die Motivation, seine eigenen Vorstellungen ein wenig zurückzustellen, um gemeinsam fortschreiten zu können. Wenn dann tatsächlich Änderungen vorgenommen werden, zeigt sich, dass sehr viele Menschen dazu neigen, das Veränderte festzuhalten und zu fixieren Schon Mephisto sagt in der Wette in Goethes Faust: „Werd` ich zum Augenblicke sagen: Verweile doch! Du bist so schön! Magst du mich in Fesseln schlagen, dann will ich gern zu Grunde gehn!“ (Von Goethe, Johann Wolfgang, Faust, Der Tragödie erster Teil, Vers 1699 ff.) Festhalten an dem, was ist, bedeutet Stillstand und damit das Ende.

Der dritte Hauptaspekt ist die Frage nach dem Erfolg. Jeder will erfolgreich sein und das unter allen Umständen. „Und wenn es tatsächlich ein Erfolg ist, dann sollte man sich fragen, warum es Erfolg heißt. Erfolg heißt so, weil es Folgen hat. Und die Folgen sind eben die, dass man nicht so wieder weitermachen kann wie davor.“ (Werner, Götz Wolfgang, 2012, S. 25)

Nach dieser Aussage ist längerfristiger Erfolg nur möglich, wenn etwas flexibel und dynamisch veränderbar bleibt.

Konstruktive Lösungsansätze

Das Erlangen und Festhalten der oben erwähnten vermeintlich erstrebenswerten Tugenden ist für eine Zusammenarbeit im Team nicht förderlich. Vielleicht geht es also nicht darum, die menschliche Natur zu ändern, sondern sie als Chance zu nehmen. Das heißt, zu erkennen, welches der eigentliche Wert der Menschen, seine zentralen Fähigkeiten und Möglichkeiten sind und zu lernen, damit umzugehen.

In einem Team müssen die Mitglieder also lernen, ihre Andersartigkeit als komplementäre Fähigkeiten wertzuschätzen und diese nicht als Schwäche misszuverstehen. So arbeitet das Individuum nicht gegen seine eigenen Teammitglieder, bezieht sich nicht nur auf gelernte Theorien, sondern steht in interaktiver Auseinandersetzung mit den anderen Mitgliedern. Dies zeichnet gute Teamarbeit aus und bringt die Gesellschaft voran.

Doch diese Prozesse sind nicht einfach und brauchen die Bereitschaft, sich selber zu reflektieren und sich mit der Gemeinschaft auseinanderzusetzen. Das kann in einer Arbeitsgemeinschaft geübt werden. Es geht darum, dass sich jeder einzelne Mensch seiner Fähigkeiten bewusst wird, was sorgfältiges Wahrnehmen, Beobachten und Erkennen voraussetzt.

Die Soziale Plastik nach Joseph Beuys

Für das Zusammenarbeiten in interdisziplinären Teams kann die Idee der „Sozialen Plastik“ von Josef Beuys hilfreich sein. In der „Sozialen Plastik“, die Beuys immer wieder im Zusammenhang mit dem erweiterten Kunstbegriff erwähnt, arbeitet der Mensch an seinen Ideen und mit seinem Denken, Sprechen und Handeln und ist somit im Stande die Welt zu verändern.

Für Beuys ist „Jeder Mensch (im Team) ein Künstler“ Somit stellt für ihn auch die Arbeit in einem interdisziplinären Team ein sozial-künstlerisches Verhalten dar. „Das kreative Verhalten ist eine Chance und Grundlage für allgemeines Mitgestalten am „sozialen Organismus“. Der bewusste Formungsprozess an diesem Material ist Voraussetzung für die gesellschaftliche Entwicklung.

Genau diesen Prozess nannte Beuys die „Soziale Plastik“. (vgl. Sauer, Christel, 2012, S. 12)

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Konzept Soziale Plastik. Kommunikation in einem interdisziplinären Team
Hochschule
ecosign/Akademie für Gestaltung
Note
1,2
Autor
Jahr
2017
Seiten
15
Katalognummer
V445232
ISBN (eBook)
9783668824065
ISBN (Buch)
9783668824072
Sprache
Deutsch
Schlagworte
konzept, soziale, plastik, kommunikation, team
Arbeit zitieren
Sonja Franke (Autor), 2017, Konzept Soziale Plastik. Kommunikation in einem interdisziplinären Team, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/445232

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