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Die Absicherung der medizinischen Versorgung von Untersuchungsgefangenen am Beispiel der MfS-Bezirksverwaltung Rostock

Titre: Die Absicherung der medizinischen Versorgung von Untersuchungsgefangenen am Beispiel der MfS-Bezirksverwaltung Rostock

Thèse de Bachelor , 2017 , 37 Pages

Autor:in: Ulrich Müller (Auteur)

Santé - Santé Publique
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Résumé Extrait Résumé des informations

Gegenstand der Arbeit ist die Absicherung der medizinischen Versorgung der Untersuchungsgefangenen der MfS Bezirksverwaltung Rostock. Dies war Aufgabe des Zentralen Medizinischen Dienstes (ZMD) des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) Rostock. Das Ziel der Arbeit besteht in der Darstellung der gesetzlichen Grundlagen, ihrer praktischen Anwendung und Analyse. Neben dem Aufbau und der Personalstruktur des ZMD sind die alltäglichen Haftbedingungen und die sich daraus ergebenden Problemfelder für die medizinische Versorgung Schwerpunkt der Untersuchung. War die Organisation des Medizinischen Dienstes geeignet, die erforderlichen Maßnahmen zur Erhaltung der Gesundheit der Inhaftierten zu gewährleisten? Welche Qualifikation und Struktur hatte das medizinische Personal? Gab es Widersprüche zwischen den schriftlichen Leitlinien und der tatsächlichen Ausführung? Welche psychischen Auswirkungen hatte die regelhaft angeordnete Einzelhaft im Ermittlungsverfahren? Darüber hinaus werden Arretierung und als drastische Folge Suizid geschildert. Schließlich soll beispielhaft die Motivation der ärztlichen Mitarbeiter von Ärzten zur Mitarbeit im Medizinischen Dienst des MfS betrachtet werden. Im Sinne eines Fazits soll geklärt werden, ob die medizinische Versorgung nach den vorliegenden Akten Teil des Repressionsapparates oder sachgerechte Medizin unter Haftbedingungen war.

Die Arbeit stützt sich auf Auszüge aus Gesundheitsunterlagen, die bei Auflösung der Bezirksverwaltung Rostock alphabetisch geordnet übernommen werden konnten. Die Unterlagen des Medizinischen Dienstes der Bezirksverwaltung Rostock des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) waren im Dezember 2016 zu 100% erschlossen und hatten einen Umfang von 20 laufenden Metern. Sie beinhalteten sowohl Unterlagen zur Sicherung der medizinischen Versorgung der Mitarbeiter als auch die medizinische Betreuung von Inhaftierten der Untersuchungshaftanstalt. Aus diesem voluminösen Pool an Quellen wurden 9 Jahrgänge der Krankenbücher mit 183 Fällen der Abteilung XIV des Medizinischen Dienstes auf Auffälligkeiten stichprobenartig durchgesehen. Erfasst wurden die Gesundheitsbücher, Röntgenaufnahmen, Untersuchungsbefunde, fachärztliche Gutachten und Gesundheitsunterlagen der Inhaftierten. Akten der Personalstruktur des Medizinischen Dienstes wurden herangezogen, ebenso Anwerbungsunterlagen zur Mitarbeit von Ärzten.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2. Fragestellung

3. Forschungsstand

4. Die Untersuchungshaftanstalt der MfS-Bezirksverwaltung (BV) Rostock

5. Formale Richtlinien des Zentralen Medizinischen Dienstes (ZMD)

6. Die Organisation der medizinischen Maßnahmen

6.1. Gesundheitsbesichtigung

6.2. Ärztliche Aufnahmeuntersuchung

6.3. Überwachungsuntersuchung

6.4. Ambulante und stationäre Behandlung

7. Spezielle gesundheitliche Aspekte

7.1.Die Einzelhaftbedingungen und psychische Folgen

7.2. Arrest als extreme Form der Einzelhaft

7.3. Suizid

8. Die Personalstruktur des medizinischen Dienstes der MfS-Bezirksverwaltung (BV) Rostock

9. Ärztliche Mitarbeit im MfS

10. Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die Absicherung der medizinischen Versorgung von Untersuchungsgefangenen im MfS-Gefängnis Rostock. Dabei wird analysiert, inwieweit die Organisation des medizinischen Dienstes unter den Bedingungen des Repressionsapparates in der Lage war, eine angemessene Gesundheitsfürsorge zu gewährleisten, und welche Widersprüche sich zwischen offiziellen Leitlinien und der Haftpraxis ergaben.

  • Struktureller Aufbau und Personalstruktur des Zentralen Medizinischen Dienstes (ZMD).
  • Analyse der täglichen Haftbedingungen und deren Auswirkungen auf die psychische Gesundheit der Gefangenen.
  • Die Rolle der ärztlichen Mitarbeitenden als Akteure im Spannungsfeld zwischen medizinethischen Standards und geheimdienstlichen Interessen.
  • Untersuchung von Instrumentalisierung medizinischer Daten und psychiatrischer Begutachtung zur Ermittlungsarbeit.

Auszug aus dem Buch

Die Einzelhaftbedingungen und psychische Folgen

Verhaftung und Untersuchungshaft sind extreme psychische Belastungen besonders am Anfang der Haft und können schwerwiegende gesundheitliche Probleme wie Psychosen und Depressionen hervorrufen. Haftverschärfend wirkte sich Einzelhaft aus, die als Druckmittel zur Aussage im Ermittlungsverfahren regelmäßig angewendet wurde. Entscheidend war nicht die Anordnung der Einzelhaft an sich, sondern die Ausgestaltung und die Dauer dieser repressiven Maßnahme. Noch schlimmer war die Trennung bei weiblichen Untersuchungshäftlingen von ihren Kindern, über deren Verbleib sie in der Anfangsphase der Untersuchungshaft im Unklaren gelassen wurden.

Das MfS hatte für diese Vorgehensweise folgende Begründung: „Verhaftete in den Untersuchungshaftanstalten des MfS sind Personen, die der Begehung von Staatsverbrechen beziehungsweise von operativ bedeutsamen Straftaten beschuldigt werden. Diese Personen sind nicht mit dem Bild der Allgemeinheit vom primitiven Straftäter vergleichbar. [… sie] sind zu einem hohen Prozentsatz Person mit einer verfestigten feindlichen Einstellung zur sozialistischen Staatsordnung […] es ergeben sich daraus auch besondere Anforderungen an die sichere Verwahrung der Verhafteten in der Untersuchungshaftanstalt.“ Das bedeutete im Klartext, dass für diese Häftlinge eine verschärfte Einzelhaft die Regel war.

Zusammenfassung der Kapitel

1.Einleitung: Dieses Kapitel verortet das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) als zentrales Machtinstrument der DDR-Diktatur und erläutert dessen Aufgabe bei der Überwachung und Verhaftung als staatsfeindlich eingestufter Personen.

2. Fragestellung: Die Arbeit thematisiert die Qualität und Organisation der medizinischen Versorgung für Untersuchungsgefangene und hinterfragt die ethische Rolle des medizinischen Personals unter dem Druck des Repressionssystems.

3. Forschungsstand: Hier wird ein Überblick über die bestehende wissenschaftliche Literatur zum Untersuchungshaftvollzug des MfS gegeben und die Forschungslücke im Bereich der spezifischen medizinischen Versorgung in Rostock aufgezeigt.

4. Die Untersuchungshaftanstalt der MfS-Bezirksverwaltung (BV) Rostock: Das Kapitel beschreibt die organisatorische Einbettung der Rostocker Haftanstalt in das übergeordnete System des MfS und verdeutlicht die militärische Hierarchie sowie die Bedeutung der Verfahrensergebnisse.

5. Formale Richtlinien des Zentralen Medizinischen Dienstes (ZMD): Hier werden die theoretischen Vorgaben und Richtlinien beleuchtet, an die sich der medizinische Dienst formal halten sollte, sowie die Pflicht zur Unterziehung von Behandlungen für die Inhaftierten.

6. Die Organisation der medizinischen Maßnahmen: Dieser Abschnitt erläutert die praktischen Abläufe der Gesundheitsbesichtigungen, ärztlichen Untersuchungen sowie der ambulanten und stationären Behandlungen unter den restriktiven Bedingungen des Haftalltags.

7. Spezielle gesundheitliche Aspekte: Diese Kapitel befassen sich mit den gravierenden gesundheitlichen Folgen der Einzelhaft, der extremen Maßnahme des Arrestes und dem Phänomen der Suizidalität unter den Inhaftierten.

8. Die Personalstruktur des medizinischen Dienstes der MfS-Bezirksverwaltung (BV) Rostock: Dieses Kapitel analysiert die personelle Ausstattung, die Besoldung und die Vergünstigungen der im medizinischen Dienst tätigen Offiziere und Zivilangestellten.

9. Ärztliche Mitarbeit im MfS: Hier wird die Doppelfunktion von Ärzten thematisiert, die sowohl medizinische Versorgung leisteten als auch als inoffizielle Mitarbeiter zur Überwachung und Denunziation ihrer Berufskollegen instrumentalisiert wurden.

10. Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel resümiert, dass die medizinische Versorgung administrativ gesichert war, jedoch moralisch-ethisch durch die Verpflichtung der Ärzte zur Preisgabe von Patientenwissen an das MfS fundamental pervertiert wurde.

Schlüsselwörter

MfS, Staatssicherheit, Untersuchungshaft, Medizinischer Dienst, Rostock, Einzelhaft, Psychiatrische Begutachtung, Inoffizielle Mitarbeiter, Haftbedingungen, DDR-Justiz, Repressionsapparat, Haftpsychose, Patientenrechte, ärztliche Schweigepflicht, politische Gefangene

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Hausarbeit primär?

Die Arbeit untersucht die medizinische Versorgung von Inhaftierten in der Untersuchungshaftanstalt der MfS-Bezirksverwaltung Rostock. Sie analysiert, ob diese Versorgung sachgerecht war oder als Teil des Repressionsapparates fungierte.

Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themen sind der Aufbau des medizinischen Dienstes, die Haftbedingungen (insbesondere Einzelhaft und Arrest), die Rolle der Ärzte als Informanten sowie die psychischen Auswirkungen der Haft.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist die Darstellung und Analyse der gesetzlichen Grundlagen, der Personalstruktur und der alltäglichen Haftbedingungen, um zu klären, ob die medizinische Versorgung zur Erhaltung der Gesundheit geeignet war oder ob sie den Anforderungen der geheimdienstlichen Ermittlungen untergeordnet wurde.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Der Autor stützt sich auf eine aktenanalytische Vorgehensweise, wobei er Krankenbücher und Unterlagen des medizinischen Dienstes der Bezirksverwaltung Rostock stichprobenartig auswertet und mit historischer Fachliteratur abgleicht.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil behandelt die Organisation medizinischer Maßnahmen, formale Richtlinien, die Auswirkungen der Einzelhaft, spezifische Probleme wie Arrest und Suizidgefahr sowie die Rekrutierung und Tätigkeit von Ärzten als inoffizielle Mitarbeiter.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen gehören MfS, Untersuchungshaft, medizinische Versorgung, Einzelhaft, politische Gefangene und der Verrat an der ärztlichen Schweigepflicht durch Instrumentalisierung für geheimdienstliche Zwecke.

Wie wirkte sich die Einzelhaft laut der Arbeit auf die Gefangenen aus?

Die Einzelhaft fungierte als psychologisches Druckmittel. Der Entzug sensorischer und sozialer Reize führte bei vielen Inhaftierten zu einer psychischen Ausnahmesituation, die häufig in Depressionen oder Persönlichkeitsveränderungen mündete, was die Ermittler gezielt zur Erlangung von Geständnissen nutzten.

Welche Rolle spielten "externe Ärzte" in der Rostocker Haftanstalt?

Externe Ärzte aus dem zivilen Sektor wurden angeworben, um die Betreuung der Häftlinge sicherzustellen. Sie wurden zuvor politisch überprüft und mussten als inoffizielle Mitarbeiter Informationen über Häftlinge und sogar über ihre eigenen Berufskollegen an das MfS weitergeben.

Wie bewertet der Autor die ärztliche Ethik in diesem Kontext?

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die Ärzte moralisch-ethisch fundamental gegen ihre Berufsregeln verstießen, da sie zur Preisgabe von Patientenwissen an das MfS verpflichtet waren und somit zu Erfüllungsgehilfen des Repressionsapparates wurden.

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Résumé des informations

Titre
Die Absicherung der medizinischen Versorgung von Untersuchungsgefangenen am Beispiel der MfS-Bezirksverwaltung Rostock
Auteur
Ulrich Müller (Auteur)
Année de publication
2017
Pages
37
N° de catalogue
V445234
ISBN (ebook)
9783668822900
ISBN (Livre)
9783668822917
Langue
allemand
mots-clé
versorgung untersuchungsgefangenen beispiel mfs-bezirksverwaltung rostock MfS
Sécurité des produits
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Citation du texte
Ulrich Müller (Auteur), 2017, Die Absicherung der medizinischen Versorgung von Untersuchungsgefangenen am Beispiel der MfS-Bezirksverwaltung Rostock, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/445234
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