Das Crowdinvesting als Alternative zum klassischen Bankkredit


Projektarbeit, 2018

45 Seiten, Note: 1,4

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Anhangsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Einführung in die Thematik
1.2 Problemstellung
1.3 Aufbau und Struktur

2 Literarische Einführung
2.1 Ursprung
2.2 Einordnung und Definition
2.2.1 Definition Start-up
2.2.2 Crowdfunding als Form des Crowdsourcing
2.2.2.1 Ausprägungsformen
2.2.2.2 Crowdinvesting als Form des Crowdfundings
2.2.2.2.1 Definition
2.2.2.2.2 Funktionsweise
2.2.2.2.3 Status quo in Deutschland
2.3 Abgrenzung Venture Capital-Geber und Business Angels

3 Analyse des Crowdinvesting aus Start-up Sicht
3.1 Definition der Bestimmungsgrößen
3.2 Vergleichsmaßstab Bankkredit
3.3 Vergleich zum Crowdinvesting

4 Gestaltungsmodell

5 Zusammenfassung und kritisches Resümee

Anhang

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Quellenanteil von Außenfinanzierungen in Prozent

Abb. 2: Einordnung des Crowdfundings

Abb. 3: Ausprägungsformen des Crowdfundings

Abb. 4: Akteure im Crowdinvesting-Prozess

Abb. 5: Gesamtvolumen des durch Crowdinvesting eingesammlten Kapitals in Deutschland von 2011 bis Q4 2016 (in Millionen Euro)

Abb. 6: Anzahl erfolgreich finanzierter Crowdinvesting-Projekte in Deutschland von 2011 bis 2017

Abb. 7: Lebens- und Finanzierungsphasen eines Unternehmens

Abb. 8: SWOT-Matrix aus Start-up Sicht

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Vergleich der Crowdinvesting-Plattformen

Tab. 2: Berechnungsgrundlagen des Start-ups Panano (Stand 2013)

Tab. 3: Berechnung Basisverzinsung und Bonuszins anhand prognostizierter Daten

Tab. 4: Berechnung Bonuszins nach Kündigung (Fiktiver Stand 2021)

Tab. 5: Vergleich klassischer Bankkredit und Crowdinvesting

Anhangsverzeichnis

Anhang 1: Rating nach dem Schulnotensystem

1 Einleitung

1.1 Einführung in die Thematik

Crowdfunding ist ein neu aufkeimender Trend, der sich seit 2011 steigender Beliebtheit erfreut. Egal ob kleine, mittlere oder große Unternehmen, bereits etablierte oder Wachstumsunternehmen, ob soziale, karitative, ökologische oder ökonomische Absichten, sie haben alle einen gemeinsamen Nenner: Sie nutzen Crowdfunding. Das kollektive Zusammenwirken von einzelnen Personen, von Gruppen oder Unternehmen, schafft die Möglichkeit, finanzielle Mittel aufzubringen.

Unternehmensgründungen sind essentiell wichtig. Sie treiben die gesamtwirtschaftliche Entwicklung in Deutschland voran und durch wichtige Innovationen, insbesondere im Zeitalter der Digitalisierung, wird neben der Schaffung von Arbeitsplätzen auch ein Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt geleistet.[1] Betrachtet man die Ergebnisse des KfW Research (Stand: 2017) zum Gründungsgeschehen in Deutschland, ist ein Rückgang der Gründerquoten zu verzeichnen. Die Ursache liegt in der sinkenden Zahl der Notgründer. Bei den Chancengründungen ist dagegen ein deutliches Plus zu erkennen. Die Dominanz der Chancengründer in der Gründungstätigkeit kommt besonders der Volkswirtschaft zu Gute.[2] Im Gegensatz zu Notgründern, bringen diese durchschnittlich häufiger Marktneuheiten, beschäftigen mehr Mitarbeiter und können länger am Markt bestehen.[3]

Diese beiden Schlagwörter Crowdfunding und die steigende Zahl von Chancengründern führen zwangsläufig zueinander. Bis dato suchen sich die Gründer, sofern die Eigenmittel nicht ausreichen, ihre Finanzmittel bei Freunden und Familie, staatlichen Institutionen (in Form von Fördermitteln), Banken, Business Angels oder bei Venture Capital-Gebern.[4]

Der Umbruch in der Finanzbranche, der Wandel traditioneller Geschäftsmodelle der Banken, die Digitalisierung und die zunehmende Bedeutung von Informations- und Kommunikationstechnologien schaffen die Voraussetzungen für eine Abwendung von den herkömmlichen Finanzierungsformen, insbesondere von Krediten/Darlehen, hin zu Alternativen.

1.2 Problemstellung

Der Lebenszyklus eines Unternehmens lässt sich, vereinfacht dargestellt, in drei Phasen einteilen. Die Entwicklungs-/Frühfinanzierungsphase (Early Stage), die Expansionsphase (Growth Stage) und die Etablierungsphase (Later Stage).[5] Mit einem Anteil von 38% gehören Finanzierungsengpässe in der Entwicklungs-/Frühfinanzierungsphase zu den am häufigsten auftretenden Schwierigkeiten.[6] An dieser Stelle hat sich bereits der Begriff „Early-Stage Gap“ etabliert.[7]

Der Begriff entspringt den jüngsten Entwicklungen. Mit Umsetzung der Basel III-Vorschriften gehen stärkere Regulierungen im Bankensektor einher.[8] Unter den strengeren Kapitalvorschriften haben insbesondere junge Unternehmen zu leiden. Diese haben in aller Regel während der Entwicklungs-/ Frühfinanzierungsphase einen höheren Kapitalbedarf als Unternehmen in einem fortgeschrittenen Stadium. Bezogen auf Gründer, die auf externe Mittel angewiesen waren, stieg der durchschnittliche Kapitalbedarf von 39.200 Euro (2013), um zwei Drittel auf 65.300 Euro (2016), wovon sie sich rund 47.100 Euro aus externen Quellen beschafften.[9]

Wegen diesem höheren Finanzierungsbedarf und der höheren Ausfallwahrscheinlichkeit fordern Banken regelmäßig bankmäßige Sicherheiten oder bereits Unternehmenskennzahlen qualitativer und quantitativer Natur. Gerade jungen Unternehmen fehlt es an diesen. Konsequenz ist der Rückzug der Banken aus diesem Geschäft.[10] Es kommt zu einer zunehmenden Verknappung von Krediten.[11]

In der Literatur wird diese Problematik mit der „Huhn oder Ei“-Assoziation in Verbindung gebracht: Um finanzielle Mittel zu erhalten, müssen die Unternehmen ein gewisses Marktpotenzial nachweisen, wozu bereits Kapital benötigt wird.[12]

Abb. 1 : Quellenanteil von Außenfinanzierungen in Prozent*

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Metzger, KfW Research, Nr. 152.

*Durchschnitt der Volumenanteile am jeweiligen Gesamtbetrag der Außenfinanzierung von Gründern über die Jahre 2014 bis 2016.

Die zweite nachteilige Entwicklung für das Gründergeschehen in Deutschland äußert sich in den schwer zugänglichen öffentlichen Fördermitteln und dem damit verbundenen bürokratischen Aufwand. Lange Vorlaufzeiten, komplizierte Förderbedingungen verstärken das Gefühl eines Förderdschungels und werden nur unzureichend von jungen Unternehmen berücksichtigt.[13]

Die letzten Entwicklungen führen zu folgenden Fragen:

- Stellt Crowdfunding eine ernstzunehmende Finanzierungsalternative dar, um den Finanzierungsengpass zu schließen?
- Worin bestehen die Besonderheiten des Crowdfundings im Vergleich zu dem klassischen Finanzierungsinstrument eines Bankkredits?

Ziel dieser wissenschaftlichen Arbeit ist die Betrachtung dieser beiden Leitfragen.

1.3 Aufbau und Struktur

Es sei bereits vorweggenommen, dass der Fokus der Arbeit auf Start-ups liegt und bereits etablierte Unternehmen nicht mit einschließt.

Der theoretische Part widmet sich daher zunächst den grundlegenden begrifflichen Definitionen eines Start-ups, sowie des Crowdfundings, dessen Funktionsweise und die Abgrenzung zu verwandten Begriffen.

Der Schwerpunkt liegt in der vergleichenden Analyse zwischen dem Bankkredit und dem Crowdinvesting. Im Zuge dessen werden zunächst die Beurteilungskriterien definiert und anhand des Crowdinvestings präzisiert, wobei der Bankkredit als Vergleichsmaßstab dient.

Im weiteren Verlauf werden die Stärken und Schwächen, Chancen und Risiken des Crowdinvestings an einem konkreten Gestaltungsmodell betrachtet.

Im abschließenden Kapitel erfolgen eine Zusammenfassung und ein kritisches Resümee der behandelten Leitfragen.

2 Literarische Einführung

2.1 Ursprung

Am 16. März 1885 forderte der Verleger Joseph Pulitzer in seinem Artikel in der New York World die amerikanische Öffentlichkeit dazu auf die Vollendung des Baus der Freiheitsstatue finanziell zu unterstützen. Die Miss Liberty war ein Geschenk der Franzosen an das amerikanische Volk. Die Finanzierung des Sockels sollte dagegen durch die Amerikaner getragen werden. Daraufhin geriet der Bau aus Kapitalmangel ins Stocken. Der Verleger Joseph Pulitzer bat in einem Spendenaufruf um die Unterstützung der Bevölkerung, mit dem Ziel die notwendigen 100.000 US Dollar in kleinen Beträgen einsammeln. Binnen 5 Monaten konnte die fehlende Summe mit einer durchschnittlichen Spende von 85 US Cent erreicht werden.[14]

Neu ist die Grundidee der Zuhilfenahme einer Menge von Menschen nicht, allerdings werden solche Kampagnen heutzutage nicht mehr durch das Printmedium initiiert, sondern durch das Web 2.0 als leitendes Medium.[15]

2.2 Einordnung und Definition

2.2.1 Definition Start-up

Ein Start-up ist in die Untergruppe von Unternehmensgründungen einzuordnen.[16] Produkte und Geschäftsmodelle moderner Start-ups zeichnen sich durch Innovationen und neue Wertschöpfung für den Kunden aus. Sie agieren auf Nischenmärkten oder schaffen neue Märkte. Klassische Existenzgründungen wie Produktionsbetriebe, regionale Händler und Dienstleister bleiben von dieser Definition ausgeschlossen.[17]

Dem Deutschen Start-up Monitor zufolge, muss die erste Voraussetzung zwingend erfüllt sein und eine der beiden weiteren Kriterien, um als Start-up zu gelten.

- Start-ups sind jünger als zehn Jahre.
- Start-ups sind mit ihrer Technologie und/oder ihrem Geschäftsmodell (hoch) innovativ.
- Start-ups weisen ein signifikantes Mitarbeiter- und/oder Umsatzwachstum auf (oder streben es an).[18]

2.2.2 Crowdfunding als Form des Crowdsourcing

Der Ursprung des Crowdfundings liegt im Crowdsourcing. Neben dem Modell des Crowdfundings können die Formen Crowdwisdom, Crowdcreation, Crowdvoting unter dem Begriff Crowdsourcing subsumiert werden.[19]

Erstmals beschrieben Jeff Howe und Mark Robinson im „Wired Magazine“ am 14. Juli 2006 den Begriff des Crowdsourcings: „Remember outsourcing. Sending jobs to India or China is so 2003. The new pool of cheap labor: everyday people using their spare cycles to create content, solve problem, even do corporate R&D.”[20] Crowdsourcing setzt sich per Definition aus zwei Begriffen zusammen: Crowd und Outsourcing. Dabei wird die Crowd als eine Menge von Menschen übersetzt, während Outsourcing die Auslagerung von Unternehmensaufgaben und -strukturen an Drittunternehmen beschreibt. Howe und Robinson sehen in der Auslagerung von Wertschöpfungsaktivitäten das Potenzial der Masse, als eine kostengünstige Variante.[21]

Der Begriff Crowdfunding lässt sich ebenfalls in zwei Wortbestandteile zerlegen. Die sinngemäße Übersetzung von Funding ist Finanzierung. Zusammengesetzt bedeutet Crowdfunding schlichtweg Gruppenfinanzierung, wobei im deutschen Sprachgebrauch zumeist die Alternative Schwarmfinanzierung verwendet wird.[22]

Im Gegensatz zum Crowdsourcing, geht es beim Crowdfunding nicht um die Generierung von Informationen, Wissen und Lösungen, sondern um das Einsammeln von finanziellen Mitteln.[23] Von essentieller Bedeutung für das Crowdfunding sind die Interaktivitäten, welche durch die Plattformen des Web 2.0 geboten werden.[24] Die ausschlaggebende Rolle spielen Kommunikationsinstrumente, wie die sozialen Netzwerke Twitter, Facebook, Blogs und auch Wikis, die es ermöglichen, digitale Inhalte zu generieren, zu verbreiten, zu diskutieren und nicht zuletzt zu finanzieren.

In der Literatur werden diese beiden Begriffe häufig als Synonym oder als eigenständige Finanzierungsmodelle beschrieben. Crowdfunding stellt lediglich eine Teilmenge des Crowdsourcings dar. Bedingt durch diese undifferenzierte Verwendung, wird der Definition nach, Lambert und Schwienbacher gefolgt, welche hinsichtlich Crowdfunding darlegen: „Crowdfunding involves an open call, essentially through the Internet, for the provision of financial resources either in form of donation or in exchange for some form of reward and or voting rights in order to support initiatives for specific purposes.”[25] Dabei wird Crowdfunding als Finanzierungsform beschrieben, die im Wesentlichen über einen Aufruf im Internet erfolgt und zum Ziel hat, finanzielle Ressourcen für ein Vorhaben zu sammeln, um damit einen bestimmten Zweck zu erfüllen. Für die finanzielle Zuwendung ist eine Gegenleistung denkbar, aber nicht zwingend notwendig.

Die nachfolgende Abbildung (Abb. 2) gibt einen Überblick über Crowdsourcing und deren Unterform.

Abb. 2 : Einordnung des Crowdfundings

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Lembke, 2014, Position 366.

2.2.2.1 Ausprägungsformen

Crowdfunding kann entsprechend ihrer zu erbringenden Gegenleistung in vier Ausprägungsformen unterschieden werden.[26] Neben dem Crowddonating, Crowdsponsoring, Crowdlending, hat sich das Crowdinvesting, am Finanzierungsmarkt etabliert.[27]

Die entsprechenden Synonyme und deutschen Begrifflichkeiten, werden aus Übersichtlichkeitsgründen in der nachfolgenden Abbildung (Abb. 3) dargestellt.

Abb. 3 : Ausprägungsformen des Crowdfundings

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Müller/Pregartbauer/Sokianos, Anwendungspotenziale, S. 6.

Crowddonating legt den Fokus auf die Unterstützung gemeinnütziger und sozialer Projekte. Das finanzielle Engagement durch den Geldgeber versteht sich als Spende. Diese Projekte werden nicht aus monetären Absichten unterstützt, sondern haben einen ideellen oder imagetechnischen Grund. Eine direkte materielle Gegenleistung erhält der Unterstützer nicht. Die Motivation dieser Ausprägungsform ist vertrauensbasierter, altruistischer Natur.[28]

Das pre-purchase model stellt eine Unterform des reward-based model dar. Bei dieser Form erhält der Unterstützer eine Gegenleistung als Belohnung. Die Zuwendung kann materieller (Fanartikel, Gimmicks) oder immaterieller Natur (Namensnennung) sein. Immaterieller Art umfasst auch das Recht, das Produkt, welches die Unterstützer streng genommen vorfinanziert haben, zu einem unter dem Marktpreis liegenden Preis zu erhalten (pre-purchased model).[29] Bei der Finanzierung des Sockels aus dem Kapitel 2.1 handelt es sich um das reward-based models. Als Gegenleistung wurden die Kapitalgeber namentlich in der New York Times erwähnt.[30]

Im Vordergrund des Crowdlendings steht die Investition aus rein monetären Beweggründen.[31] Dem Unterstützer kommt es nicht auf die Realisierung des Projekts an, sondern auf einen finanziellen Zugewinn in Form einer angemessenen Verzinsung. Diese erhalten nicht nur ihren geliehenen Betrag, sondern auch den vereinbarten Zins nach einer vorher festgelegten Laufzeit.[32] Dieses Modell ähnelt dem gewöhnlichen Kreditgeschäft mit Banken, wobei beim Crowdlending die Unterstützung üblicherweise mit kleineren Geldbeträgen, sogenannten Mikrokrediten, erfolgt.[33]

2.2.2.2 Crowdinvesting als Form des Crowdfundings
2.2.2.2.1 Definition

Der Begriff Crowdfunding kann als Vorläufer bzw. grundlegender Prozess bezeichnet werden, aus dem Crowdinvesting als innovative Weiterentwicklung hervorgegangen ist.[34]

Das Crowdinvesting lehnt sich eng an das Kreditgewährungsmodell an. Bei diesem Modell erhält der Unterstützer zusätzlich eine Gewinn-/ oder Umsatzbeteiligung, des von ihm ex ante finanzierten Unternehmens.[35]

Crowdinvesting wird in Form von Mezzaninen-Kapital angeboten. Der Begriff „Mezzanino“ stammt aus dem Italienischen, was mit Zwischengeschoss übersetzt wird.[36] Dabei nimmt das Mezzanine-Kapital die Position zwischen stimmberechtigtem Eigenkapital und erstrangigem Fremdkapital ein. Je nach Ausgestaltung der Vertragsmodalitäten ist das Kapital stärker am Fremdkapital (Debt Mezzanine Capital) oder stärker am Eigenkapital (Equity Mezzanine Capital) orientiert.[37]

Zu den wichtigsten Mezzaninen-Instrumenten zählt das partiarische Nachrangdarlehen, die stillen Beteiligungen und Genussrechte. In der Anfangszeit haben die Crowdinvesting-Plattformen primär stille Beteiligungen und Genussrechte angeboten. Aufgrund des Kleinanlegerschutzgesetzes[38] werden nunmehr partiarische Nachrangdarlehen verwendet.[39]

2.2.2.2.2 Funktionsweise

In den Crowdinvesting-Prozess sind drei Akteure eingebunden:

- Der kapitalsuchende Projektinitiator (auch starter[40] genannt),
- die Crowd als potenzielle Kapitalgeber (auch supporter[41], backer genannt) und
- die Plattform der Betreibergesellschaft.

Zunächst durchläuft das Start-up, d.h. der kapitalsuchende Projektinitiator einen Bewerbungsprozess, innerhalb dessen die Idee zunächst der Plattform vorgestellt wird. Akzeptiert diese die Bewerbung, kann die Kampagne gestartet werden und ist der Crowd zugänglich. Die Präsentation auf der Plattform umfasst neben einem Businessplan, einer Finanzplanung, einem Marketingvideo, auch die Festlegung eines Zielbudgets, der sogenannten Fundingschwelle.[42]

Wichtig ist hierbei der Alles- oder Nichts Ansatz. Die finanziellen Mittel der Crowd erhält der Projektinitiator sofern die Fundingschwelle innerhalb des festgelegten Zeitraums erreicht wird. Ist dem nicht der Fall, so erhält die Crowd ihr Geld vollumfänglich zurück.[43]

Die Plattform agiert in einer Schlüsselposition, als Intermediär zwischen den beiden Parteien. Die Plattform ist das Bindeglied zwischen den Personen, die die Kampagne in Gang setzen und Personen, die dieses Projekt unterstützen. Ohne diese würden Projektinitiator und Kapitalgeber zwar existieren, sich allerdings nicht im Austausch miteinander befinden.[44] Zusätzlich wird die notwendige informationstechnische Infrastruktur zur Verfügung gestellt und der reibungslose Zahlungsverkehr zwischen den Akteuren wird organisiert. Eine erfolgreiche Vermittlung lassen sich die Plattformen im Rahmen einer Provision vergüten.[45]

Abb. 4 : Akteure im Crowdinvesting-Prozess

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung.

2.2.2.2.3 Status quo in Deutschland

In Deutschland erlebte Crowdinvesting zuletzt ein rasantes Wachstum. Dies spiegelt sich nicht nur in dem steigenden Gesamtvolumen des eingesammelten Kapitals, sondern auch in der Anzahl erfolgreich finanzierter Projekte. Letztere erreichte mit 628 Projekten im Jahr 2017 seinen Rekordwert. Das kumulierte Volumen des eingesammelten Kapitals zum 31.12.2016 betrug in Deutschland 67,3 Millionen Euro und ist damit gegenüber dem Vorjahr um 15,9 Millionen Euro gestiegen. Seit 2012 hat sich das Gesamtvolumen um das 14-fache erhöht.

Abb. 5 : Gesamtvolumen des durch Crowdinvesting eingesammlten Kapitals in Deutschland von 2011 bis Q4 2016 (in Millionen Euro)*

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Statista, Dossier Crowdfinanzierung, S. 11.

*Abgebildet werden das insgesamt eingesammelte Kapital erfolgreich beendeter Projekte per Stand zum Ende des jeweiligen Jahres bzw. Quartals.

Abb. 6 : Anzahl erfolgreich finanzierter Crowdinvesting-Projekte in Deutschland von 2011 bis 2017

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Statista, Dossier Crowdfinanzierung, S. 19.

Aus den Abbildungen wird ersichtlich, wie dynamisch die Branche ist. Crowdinvesting rückt zusehends in das Blickfeld der Öffentlichkeit. Für die Finanzierung, speziell von Start-ups, kann Crowdinvesting eine attraktive Variante der projektbezogenen Frühfinanzierung darstellen. Insbesondere die Wachstumszahlen und die zunehmende Popularität erlauben diese Erkenntnis.

Hieraus resultiert der Fokus dieser Arbeit auf das Crowdinvesting als Ausprägungsform des Crowdfundings.

In Deutschland entstanden die ersten Crowdinvesting-Plattformen speziell für Start-ups Ende 2011.[46] In Deutschland zählt Companisto zu den Marktführern unter den Plattformen für Start-ups. Um die Untersuchung in Kapitel drei mit realen Daten zu unterstützen, werden zwei Plattformen mit dem höchsten Marktanteil nach Kriterien verglichen.

Tab. 1 : Vergleich der Crowdinvesting-Plattformen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: o.V., FAQ Companisto; o.V., FAQ Seedmatch.

2.3 Abgrenzung Venture Capital-Geber und Business Angels

Häufig wird im Zusammenhang mit dem Begriff „Early-Stage Gap“, auf die Möglichkeit einer Finanzierung durch einen Business Angel oder Venture-Capital Geber verwiesen.

Grundsätzlich zählt ein Business Angel zum informellen Beteiligungskapital. Ein Business Angel bezeichnet eine unternehmerisch denkende und handelnde Person, der den Gründer, sowohl mit monetären Mitteln, als auch mit fachlicher Kompetenz und Kontaktnetzwerken, sogenanntem „Smart Capital“, unterstützt.[47] Ein Business Angel verfolgt stets das Ziel, das Unternehmen nach der Haltezeit der Anteile mit Gewinn wieder zu verlassen, um die Rendite zu maximieren. Damit dieses Kriterium erfüllt wird, werden die Investoren erst ab einer angemessen hohen Investitionssumme tätig, da sonst Risiko und der Aufwand in keinem Verhältnis zueinander stehen. Brettel et al. geht von einer durchschnittlichen Beteiligungssumme von 200.000 Euro aus.[48]

Venture-Capital funktioniert nach einem ähnlichen Prinzip, aber mit dem Unterschied, dass wesentlich größere Summen investiert werden und der Coaching Charakter fehlt oder in den Hintergrund tritt.[49] Brettel et al. beziffert die größeren Summen mit mindestens 500.000 Euro.[50]

Wichtige Gemeinsamkeit zwischen Venture-Capital und Business Angel, ist die Zuordnung des eingebrachten Kapitals zum bilanziellen Eigenkapital. Dies schließt alle Rechte und Pflichten eines Mitgesellschafters mit ein.[51]

Sowohl Business Angels, Venture-Capital Geber als auch Crowdinvesting spielen erst dann eine Rolle, wenn sich das Unternehmen bereits gegründet hat. Das bedeutet Unternehmenskonzeption und mögliche erste Prototypen sind bereits vorhanden.

Crowdinvesting kommt innerhalb der „Start-up Phase“ in Betracht und fungiert damit als Brücke zwischen der Finanzierung durch Eigenmittel und Freunde/ Familie. Nach diesem Zeitpunkt, d.h. Ende der Start-up Phase, stellt ein Business Angel oder Venture-Capital Geber eine Option dar.[52]

Zusammengefasst betrachtet unterscheiden sich die drei Finanzierungsinstrumente, sowohl in der Investitionshöhe, als auch im Zeitpunkt der Mittelverwendung (Abb. 8).

Abb. 7 : Lebens- und Finanzierungsphasen eines Unternehmens

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Kollmann, E-Entrepreneurship, S. 111; Kaltenbeck, Open Educational Resources, S.10.

3 Analyse des Crowdinvesting aus Start-up Sicht

3.1 Definition der Bestimmungsgrößen

Die nachfolgende, vergleichende Analyse zwischen einem Bankkredit und Crowdinvesting stützt sich auf acht Größen. Diese Kriterien lehnen sich eng an die Definitionen von Müller/Brackschulze/Mayer-Friedrich an.[53]

Nach wie vor stellen in Deutschland klassische Bankkredite eine der Hauptquellen externer Finanzierung dar.[54] Der Zeitpunkt der Einbringung des Kapitals (Abb. 2.3) ist bei dieser traditionellen Finanzierungsart deckungsgleich mit dem eines Crowdinvestings.[55]

Im Zuge dessen, muss sich diese junge Finanzierungsform an den Stärken und Schwächen eines Bankkredits messen lassen, um für Start-ups attraktiv zu sein oder gar als Substitut in Betracht zu kommen.

Die Bestimmungsgrößen werden im Rahmen eines Schulnotensystems bewertet. Dabei erhält es eine „1“, wenn die Anforderung voll erfüllt wird, eine „5“ hingegen, sofern die Anforderung nicht erfüllt werden kann. Für den Fall, dass die beiden Finanzierungsinstrumente die eine entgegengesetzte Wirkung entfalten, kommt die Bewertung „6“ zur Anwendung. Nähere Angaben zum Bewertungssystem der einzelnen Kriterien sind dem Anhang zu entnehmen.[56]

Das erste Beurteilungskriterium steht für die Kosten der Finanzierung. Grundsätzlich ist es das Ziel eines jeden Unternehmens, sich möglichst kostengünstig zu finanzieren, um eine möglichst hohe Rentabilität zu erreichen. Je geringer die Kosten, desto höher die Gesamtkapitalrentabilität.[57] Mit den variablen Kosten werden die durchschnittlichen Konditionen, wie Zinskonditionen, beschrieben. Such- und Verhandlungskosten, Einmalgebühren spiegeln sich in den fixen Finanzierungskosten wider.

Das zweite Kriterium steht für die Wirkung auf das Eigenkapital. Vereinfacht gesagt, ein Unternehmen zielt immer auf eine hohe Eigenkapitalausstattung ab, ohne dabei Mitbestimmungsrechte zu gewähren (siehe auch Kriterium: Unabhängigkeit). Der Vorteil hoher Eigenkapitalausstattung liegt in der Puffer- und Haftungsfunktion, die Sicherheit für den Fremdkapitalgeber bedeutet.

Mit dem dritten Kriterium wird die Liquiditätswirkung der beiden Finanzierungsinstrumente bewertet. Die Liquidität wird definiert als die Fähigkeit des Unternehmens, den zukünftigen und bestehenden Zahlungsverpflichtungen nachzukommen.[58] Für die Liquidität spielen demnach die Dauer der Kapitalbindung und zukünftige Liquiditätsbelastungen die maßgebliche Rolle. Diese wird negativ beeinflusst, wenn Renditezahlungen eine erfolgsunabhängige Komponente umfassen. Konkret bedeutet dies, dass feste Zahlungen auch in ertragsschwachen oder Verlust-Jahren anfallen.

[...]


[1] Vgl. KPMG, DSM, S. 4-16.

[2] Vgl. Metzger, KfW Research, Nr. 152 und Nr. 156.

[3] Vgl. derselbe, KfW-Gründungsmonitor, S. 21.

[4] Vgl. Statista, Externe Finanzierungsquellen; Metzger, KfW Research, Nr. 152.

[5] Vgl. Hahn, Finanzierung und Besteuerung, S. 27.

[6] Vgl. Egeln et al, Studie ZEW, S. 36 f.

[7] Vgl. Hemer et al., Crowdfunding und andere Formen informeller Mikrofinanzierung, S. 30.

[8] Vgl. Hofmann/Schmolz, Basel III, S. 62f.; Berger, Roland-Berger Studie , S. 26.

[9] Vgl. Metzger, KfW Research, Nr. 152.

[10] Vgl. ebenda.

[11] Vgl. ebenda; Schramm/Carstens, Gründerguide, S. 45.

[12] Vgl. Cornell, Crowdfunding more than money, S. 3.

[13] Vgl. Kulicke/Leimbach, Venture Capital, S. 11.

[14] Vgl. Schmitt/Doetsch, in: Betriebs-Berater, Neue Finanzierungsmöglichkeit, S. 1451.

[15] Definition: Das Web 2.0 beschreibt die Rolle des Nutzers, als aktiven Kommunikator und Gestalter, anstelle eines bloßen Verwenders standardisierter Web-Angebote. (Vgl. Walsh/Kilian/Hass, Web 2.0, S. 3 und 6)

[16] Vgl. KPMG, DSM, S. 16.

[17] Vgl. Ries, Lean Startup, S.32 ff.

[18] Vgl. KPMG ,DSM, S. 16.

[19] Vgl. Leimeister, Crowdsourcing, S. 388.

[20] Howe, The Rise of Crowdsourcing, S. 1.

[21] Vgl. Kleemann/Voß/Rieder, Crowdsourcing, S. 1.

[22] Vgl. Meinshausen/Schiereck/Stimeier, Unternehmensfinanzierung, S. 584.

[23] Vgl. Flebbe, Alternative Finanzierungsform, S. 17.

[24] Vgl. Hermer et al., Crowdfunding und andere Formen informeller Mikrofinanzierung, S. 17.

[25] Belleflamme/Lamber/Schwienbacher, Tapping the right Crowd, S. 7.

[26] Vgl. Hemer/ et al., Crowdfunding und andere Formen informeller Mikrofinanzierung, S. 24.

[27] Vgl. Müller/ Pregartbauer /Sokianos, in: InTer, Anwendungspotentiale, S. 3 Spalte 1 und 2.

[28] Vgl. Hemer/ et al., Crowdfunding und andere Formen informeller Mikrofinanzierung , S. 51.

[29] Vgl. ebenda, S. 19.

[30] Vgl. Schmitt/Doetsch, in: Betriebs-Berater, Neue Finanzierungsmöglichkeit, S. 1451.

[31] Vgl. Schramm/Carstens, Gründerguide, S. 11.

[32] Vgl. Beck, Investition der Vielen, S. 26 f.

[33] Vgl. Flebbe, Alternative Finanzierungsform, S. 19.

[34] Vgl. Schüle, Crowdinvesting, S. 43.

[35] Vgl. Müller/ Pregartbauer/ Sokianos, in: InTer, Anwendungspotential, S. 3 Spalte 1.

[36] Vgl. Brokamp et al, Mezzanine-Finanzierungen, S. 1.

[37] Vgl. Müller/Brackschulze/Mayer-Friedrich, Finanzierung nach Basel III, S. 237.

[38] Vgl. Kapitel 3.3 .

[39] Vgl. o.V., FAQ Seedmatch.

[40] Vgl. o.V., AGB Startnext, §2 Nr. 3 AGB.

[41] Vgl. ebenda, §2 Nr. 4 AGB.

[42] Vgl. o.V., application Companisto.

[43] Vgl. Blohm et al., Crowdfunding-Studie, S. 42.

[44] Vgl. Schramm/Carstens, Gründerguide, S. 6.

[45] Vgl. o.V., application Companisto.

[46] Vgl. Klein, Crowdfinanzierungs-Monitor.

[47] Vgl. Kulicke/Leimbach, Venture Capital, S. 30; Müller/Brackschulze/Mayer-Friedrich, Finanzierung nach Basel III, S. 217.

[48] Vgl. Brettel, Business Angels, S. 170ff.

[49] Vgl. Hahn, Finanzierung und Besteuerung, S. 57 ff.

[50] Vgl. Brettel, Business Angels, S. 170ff.

[51] Vgl. Hahn, Finanzierung und Besteuerung, S. 47 ff.

[52] Vgl. Kaltenbeck, Open Educational Resources, S. 10.

[53] Vgl. Müller/Brackschulze/Mayer-Friedrich, Finanzierung nach Basel III, S. 199-205.

[54] Vgl. PWC, in: Betriebs-Berater, Finanzierung, S. 1706 Spalte 3.

[55] Vgl. Kapitel 2.3, Abbildung 8.

[56] Vgl. Anhang 1.

[57]

[58] Vgl. Platzer/Riess, Finanzierung über Kredite, S. 164.

Ende der Leseprobe aus 45 Seiten

Details

Titel
Das Crowdinvesting als Alternative zum klassischen Bankkredit
Hochschule
Duale Hochschule Baden-Württemberg, Stuttgart, früher: Berufsakademie Stuttgart
Note
1,4
Jahr
2018
Seiten
45
Katalognummer
V445263
ISBN (eBook)
9783668822108
ISBN (Buch)
9783668822115
Sprache
Deutsch
Schlagworte
crowdinvesting, alternative, bankkredit
Arbeit zitieren
Anonym, 2018, Das Crowdinvesting als Alternative zum klassischen Bankkredit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/445263

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