Die Dynamik des technologischen Fortschritts organisiert die Wirtschaftswelt stetig neu. In diesem Zusammenhang verändern sich die beruflichen Qualifikationsanforderungen permanent. Darüber hinaus lassen sich Informationen aufgrund der fortschreitenden Digitalisierung immer schneller und einfacher finden. Die unternehmenszentrierten Anforderungen entwickeln sich daher weg von spezifischem Fachwissen, hin zu fachübergreifender Kompetenz, welche zur beruflichen Anpassungsfähigkeit führen soll. In Stellenausschreibungen sind die Forderungen nach personalen Eigenschaften wie Engagement, Flexibilität und Kreativität nicht mehr wegzudenken. Im heutigen Erwerbsumfeld ist es nicht mehr ausreichend für ein eng umgrenztes Bündel an Spezialaufgaben qualifiziert zu sein. Die Erwerbstätigen müssen in der Lage sein, neue Anforderungen infolge sich stetig verändernder Aufgaben erfolgreich zu bewältigen. Die Wirtschaft fordert die Fähigkeit, sich schnell auf veränderte Rahmenbedingungen einzustellen und neuen Anforderungen empfänglich und selbstsicher entgegenzutreten. In diesem Kontext soll im weiteren Verlauf die Frage geklärt werden, wie die fachübergreifende Kompetenz im Kontext der schulischen Berufsausbildung gefördert werden kann, welche sich dann wiederum auf die berufliche Anpassungsfähigkeit auswirkt. Überfachliche Kompetenzen und die damit verbundene Anpassungsfähigkeit setzten voraus, dass Wissen welches in einem konkreten Bezugsrahmen erworben wird, auf weitere Kontexte übertragen werden kann. Ziel dieser Arbeit ist es daher aufzuzeigen, welche Bedingungen an einen erfolgreichen Lerntransfer geknüpft sind und inwieweit die zentralen Erkenntnisse der Transferforschung dazu beitragen, den Lernenden jene Fähigkeiten zu vermitteln, die ihnen beruflichen und privaten Erfolg verhelfen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Problem des trägen Wissens
3. Lerntransfer
Der Transferbegriff
Formen des Lerntransfers
4. Modell der Schlüsselqualifikationen
5. Klassische Theorien zum Lerntransfer
Die formale Bildungstheorie
Das Konzept der formalen Bildungstheorie
Die Widerlegung der formalen Bildungstheorie
Throndikes Theorie der identischen Elemente
Judds Generalisierungstheorie
Kritik am Modell der Schlüsselqualifikationen unter Einbezug der klassischen Transfertheorien
Zwischenfazit: Bewertung des Konzeptes der Schlüsselqualifikationen unter Einbezug der klassischen Transfertheorien
6. Konstruktivistische Theorie zum Lerntransfer
7. Handlungskompetenz als Leitziel der dualen Berufsausbildung
8. Handlungsorientierter Unterricht
Wissenschaftstheoretische Ausrichtung
Praktische Umsetzung des handlungsorientierten Unterrichts
Ansätze zur Gestaltung konstruktivistischer Lernumgebungen
Ansätze zur Gestaltung handlungsorientierter Lernumgebungen
9. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedingungen für einen erfolgreichen Lerntransfer und hinterfragt kritisch das Modell der Schlüsselqualifikationen vor dem Hintergrund klassischer und moderner Lerntheorien. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie schulische Berufsausbildung gestaltet werden kann, um Lernende zur Bewältigung komplexer Anforderungen zu befähigen.
- Kritische Analyse des Modells der Schlüsselqualifikationen
- Grundlagen des Lerntransfers und das Problem des "trägen Wissens"
- Konstruktive Lerntransfertheorien
- Handlungskompetenz als zentrales Leitziel
- Praktische Gestaltung handlungsorientierter Lernumgebungen
Auszug aus dem Buch
Die Widerlegung der formalen Bildungstheorie
Insbesondere Broyer, Thorndike und Woodyard zweifelten 1927 jedoch die Annahme einer umfassenden beinahe selbstständigen Übertragungswirkung aufgrund experimenteller Untersuchungen stark an. Geleitet wurde dieses Forschungsvorhaben von der übergeordneten Frage, wie weit sich eine bestimmte Fertigkeit, die über einen Bildungsinhalt A erworben wurde, auf die Stoffgebiete B und C auswirkt. In diesem Zusammenhang sollte auch geklärt werden, welchen Lernbereichen und Schulfächern ein hoher formaler Bildungswert zukommt. Zur Klärung der Leitfrage wurden von mehr als 13.000 Highschool-Schülern, mit verschiedenen Fächerkombinationen, Intelligenztests jeweils zu Beginn und Ende eines Schuljahres erhoben und verglichen. Das Ergebnis dieser Studie war dabei eindeutig. Keines der in der Untersuchung betrachteten Unterrichtsfächer war einem anderen Fach unter- oder überlegen, was die Transferleistung angeht.
Die experimentelle Untersuchung zeigte, dass die Zunahme der IQ-Punkte vielmehr von den bereits vorhandenen intellektuellen Fähigkeiten bedingt ist, als durch die unterschiedlichen Lehrangebote. Somit war die formale Bildungstheorie dahingehend widerlegt, dass insbesondere die alten Sprachen den Geist schulen und dazu beitragen andere Lerngebiete effizienter zu erschließen. Aus Boyers, Thorndikes und Woodyards Befunden konnten zwei pädagogisch wertvolle Schlussfolgerungen gezogen werden. Zum einen sind Denken und Lernen spezifischer, als nach der der formalen Bildungsdoktrin angenommen wird. Zum anderen sollten Schüler bei der Wahl eines Unterrichtsfaches ausschließlich den inhaltlichen Zusammenhang mit dem angestrebten Bildungsziel bedenken und seine Entscheidung nicht davon beeinflussen lassen, welcher formaler Bildungswert dem Fach zugesprochen wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beleuchtet die wachsende Bedeutung von überfachlicher Kompetenz in einer sich durch Digitalisierung und Technologisierung schnell wandelnden Wirtschaft.
2. Das Problem des trägen Wissens: Definiert "träges Wissen" als Symptom misslungenen Transfers, bei dem erlerntes Wissen nicht in der Anwendungssituation genutzt werden kann.
3. Lerntransfer: Definiert den Transferbegriff und differenziert verschiedene Formen wie positiven, negativen, horizontalen, vertikalen sowie Inhalts- und Verfahrenstransfer.
4. Modell der Schlüsselqualifikationen: Stellt das Konzept von Dieter Mertens vor, das auf der Suche nach übergeordneten Bildungszielen für eine dynamische Gesellschaft entstand.
5. Klassische Theorien zum Lerntransfer: Analysiert historische Ansätze wie die formale Bildungstheorie, Throndikes Theorie der identischen Elemente und Judds Generalisierungstheorie.
6. Konstruktivistische Theorie zum Lerntransfer: Erläutert den konstruktivistischen Ansatz, der Wissen als aktiv und situativ von den Lernenden konstruiert betrachtet.
7. Handlungskompetenz als Leitziel der dualen Berufsausbildung: Beschreibt die Verschiebung des Bildungsziels hin zu einer umfassenden Handlungskompetenz gemäß den KMK-Empfehlungen.
8. Handlungsorientierter Unterricht: Erörtert die theoretische Ausrichtung und praktische Implementierung eines Unterrichtskonzepts, das auf vollständige Handlungen setzt.
9. Fazit: Resümiert die wissenschaftliche Unhaltbarkeit des Modells der Schlüsselqualifikationen und plädiert für handlungsorientierte Lernarrangements.
Schlüsselwörter
Lerntransfer, Schlüsselqualifikationen, träges Wissen, Handlungskompetenz, Berufsausbildung, konstruktivistischer Unterricht, handlungsorientierter Unterricht, formale Bildungstheorie, Transferforschung, Wissensbasis, situiertes Lernen, Kompetenzentwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert kritisch das Konzept der "Schlüsselqualifikationen" und untersucht, unter welchen Bedingungen ein erfolgreicher Transfer von erlerntem Wissen in neue Anwendungssituationen gelingen kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Transferforschung, berufliche Bildung, handlungsorientierter Unterricht sowie die Auseinandersetzung mit lerntheoretischen Modellen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie berufliche Anpassungsfähigkeit im Kontext der schulischen Berufsausbildung gefördert werden kann, wobei die Bedingungen erfolgreichen Lerntransfers im Zentrum stehen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Analyse und Diskussion der einschlägigen Transferforschung, klassischer Lerntheorien sowie moderner konstruktivistischer Ansätze.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Entstehung und Kritik der Schlüsselqualifikationen, klassische Transfertheorien (wie von Thorndike und Judd), konstruktivistische Ansätze sowie die Umsetzung handlungsorientierter Unterrichtskonzepte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Lerntransfer, Schlüsselqualifikationen, träges Wissen, Handlungskompetenz und handlungsorientierter Unterricht.
Warum wird das Modell der Schlüsselqualifikationen kritisiert?
Das Modell wird kritisiert, da es wissenschaftlich nicht ausreichend fundiert ist und die Annahme, allgemeine Kompetenzen ließen sich losgelöst von Inhalten auf beliebige Situationen übertragen, sich als theoretisch unhaltbar erwiesen hat.
Was bedeutet das "Problem des trägen Wissens" konkret?
Es beschreibt das Phänomen, dass Lernende zwar über theoretisches Wissen verfügen, dieses jedoch aufgrund mangelnder Vernetzung oder fehlendem Kontextbezug in realen Alltagssituationen nicht anwenden können.
Wie kann handlungsorientierter Unterricht den Lerntransfer verbessern?
Indem der Unterricht nicht isoliertes Faktenwissen vermittelt, sondern in Form von authentischen, komplexen Problemstellungen stattfindet, die Lernende dazu zwingen, Wissen in "vollständigen Handlungen" selbst anzuwenden.
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- Anonym (Autor), 2018, Zum Problem der "Lernübertragung". Erkenntnisse der Transferforschung des 20. Jahrhunderts und ihr theoretischer Nutzen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/445267