Die Einbettung der Krankensalbung. Theologie und Praxis


Seminararbeit, 2017
16 Seiten, Note: 3,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Biblische Basis

3. Krankensalbung als Zeichen der Aufrichtung und Stärkung
3.1 Die spirituelle Wirkung
3.2 Mitsterben mit Christus
3.3 Physische Wirkung

4. Zur Geschichte der Krankensalbung
4.1 In der Antike
4.2 Wandel der Praxis
4.3 Die Reformation und das Konzil von Trient
4.4 Erneuerungen durch Vatikan II.

5. Der heutige Brauch
5.1 Empfänger des Sakraments
5.2 Mitwirkung der Gemeinde

6. Schlusswort

Literaturverzeichnis

Primärliteratur

Sekundärliteratur

1. Einleitung

Krankheit ist ein Faktum des Menschen, die ihn in seinem ganzen Mensch sein belastend begleitet. Sie trifft ihn nicht nur körperlich, sondern auch seelisch und psychologisch. Sie ist oft verbunden mit Depression, Ohnmacht, Furcht, Trostlosigkeit und Frustration. Deswegen schenkt die Kirche dem Menschen das Sakrament der Krankensalbung als Gottes heilende Kraft, die den Kranken Hoffnung schenken und auch in schweren Situationen ihren Glauben stärken kann.

Diese Arbeit ist ein Versuch, die möglichen Wege der Einbettung der Krankensalbung zu entdecken. Dafür wird zuerst die biblische Grundlegung des Sakraments dargelegt. Der anschließende Arbeitsabschnitt zählt die durch die Krankensalbung beigebrachte Wirkung auf. Im nun folgenden geschichtlichen Schnitt wird erzählt, wie die Krankensalbung sich in der Kirche entwickelt hat. Darauf wird analysiert, wie das Sakrament in der Praxis angewandt wird.

2. Biblische Basis

Die Krankheit wurde nach der jüdischen Interpretation als eine Folge der Sünde und eine Strafe Gottes bezeichnet. In der Krankheit bat man Gott nicht nur um Heilung, sondern auch um die Sündenvergebung. In den gesund machenden Wundern Jesu geht es nicht nur um körperliche, sondern auch um seelische Besserung. In diesem Sinn sind die Heilungen in den Evangelien Zeichen des Aufbruchs der Gottesherrschaft und damit die Wiedervereinigung mit Gottes Gemeinschaft.[1]

Von Jesu wurden die Jünger beauftragt, die Kranken zu salben und zu heilen (vgl. Mk 6,13; Mt 10,1-8). Besondere Deutung gewinnt der Jakobusbrief für die Entwicklung der Krankenheilung bzw. Krankensalbung. Der Kranke soll die Ältesten zu sich rufen, die für ihn beten und mit Öl salben sollen (vgl. Jk 5,14). Das explizierte Ziel hier ist die Bewahrung vor dem physischen Tod und die eschatologische Errettung von dem seelischen Tod als das implizierte Ziel.[2] Der Jakobusbrief steht außer der theologischen Interpretation der Salbung als ein historischer Beleg dafür, dass die Krankensalbung in der antiken Gemeinde übrig war.

3. Krankensalbung als Zeichen der Aufrichtung und Stärkung

Gott ist in und bei der Krankheit nahe. Das wird besonders durch die Krankensalbung ausgedrückt. Gott weiß um die Schwäche der Menschen, er schenkt ihnen in ihrem Leiden durch die Krankensalbung Kraft und Mut, damit sie der Krankheit im Glauben begegnen können. Der Empfang der Salbung bereitet die Kranken, ihr Elend in die Vergessenheit rückend auf die Vergebung ihrer Sünden vor, auch wenn sie noch nicht gebeichtet worden sind.[3] Die Kranken erhalten neue Kraft vom Herrn, wenn sie das Sakrament gespendet bekommen.

3.1 Die spirituelle Wirkung

Biblisch gesehen sind die Wirkungen der Krankensalbung die Rettung, Aufrichtung und Sündenvergebung (vgl. Jk 5,15). Zufolge der Spendeformel ist die Gabe der Salbung die Nähe Gottes selbst. Das wird durch das Spendungsgebet klar geäußert: „Durch diese heilige Salbung helfe dir der Herr in seinem reichen Erbarmen, er stehe dir bei mit der Kraft des Heiligen Geistes.“[4] Die Kranken erfahren durch die Krankensalbung, dass Jesus in der Mitte ihres Leidens steht. Die Salbung ermutigt sie, alle leidenschaftlichen Ereignisse in einer spirituellen Dimension zu interpretieren. „Für die Kranken war das Erlebnis des Sakraments der Wendepunkt zum Besseren, als Initiation im positiven Umgang mit der Krankheit. Sie erhalten die „Hilfe von oben“ durch die Sakramenten.“[5]

3.2 Mitsterben mit Christus

Durch die Krankensalbung wird der Zustand der drängenden Krankheit eine Erfahrung der Gottesbegegnung. Die Handauflegung bei der Salbung ist sowohl ein Gestus tröstender und rettenden Sorge als auch Stärkung und Beauftragung in dem Sinn, dass alle Getauften eingeladen sind, in Christus das Heil zu finden und mit ihm zu leiden. Durch das Sakrament der Krankensalbung empfiehlt die Kirche dem Kranken, sein Leid mit dem Leiden Christi zu vereinigen (vgl. LG 11).

„So heilt dieses Sakrament, es richtet auf und stärkt. Es richtet auf das letzte Ziel des Menschen aus: mit Christus zu sterben, um auch mit ihm aufzuerstehen.“[6] Das mit Christus leiden und sterben und in dieser Weise den Tod zu überwinden wird durch die Spendung der Krankensalbung von dem Kranken neu herausgefordert.[7] In diesem Zusammenhang ergibt sich eine Paradoxie: Während die Krankensalbung einerseits physische Besserung zuspricht, lädt sie andererseits im eschatologischem Sinn den Kranken ein, mit Christus zu leiden und sterben.

3.3 Physische Wirkung

Die Krankensalbung dient zur ganzheitlichen, seelischen und körperlichen, Besserung des Kranken. Man könnte zweifeln, zu welchen physischen Auswirkungen die Salbung führen kann. Hier ist aber von einer therapeutischen und psychologischen Heilung die Rede. Glaubt der Kranke stark, dass der Heilige Geist durch die Salbung in seinem Körper wirkt, dann kann leibliche Besserung folgen, es sei denn, das der Empfang des Sakraments nicht auf die letzten Momente ausgeschoben ist. In diesem Sinne steht die Beichte unmittelbar vor der Salbung, damit der Kranke heilsam die Salbung empfangen kann und mit Gott in tiefer Verbindung steht.[8]

Einerseits kann der Kranke durch die Salbung geheilt werden, andererseits kann er die Salbung und ihre Wirkung nur durch seinem Leib ernst nehmen. Dies wird dadurch klar, dass die Sinne des Kranken bei der Salbung gesalbt, „weil er in ihnen ganz <<da ist>>, die Vermittlung zur Welt und ihrer Gefährdung hat, durch die hindurch er sich und Gott finden muß“[9].

4. Zur Geschichte der Krankensalbung

4.1 In der Antike

In der antiken Zeit wurde das Olivenöl nicht nur als Nahrungsmittel, sondern auch zum medizinischen Zweck verwendet.[10] Dieser Brauch hat auch in der antiken christlichen Gemeinde seine Kontinuität gefunden, als der Jüngerkreis und die Ältesten der Gemeinde nach dem Auftrag Jesu die Kranken heilten. Auch in der patristischen Zeit wurde die Salbung vor allem zur physischen Besserung verwendet.[11]

4.2 Wandel der Praxis

Der Gebrauch der Salbung für körperliche Heilung hat sich ab dem 8. Jahrhundert verändert. Die Krankensalbung wurde dann als das Sterbesakrament, die letzte Ölung, bezeichnet. In Folge ihres überschätzten eschatologischen Aspekts wurde sie dann mit der Sterbebuße gefeiert.[12] Schließlich stand die Bedeutung der seelischen Wirkung des Sakraments über der körperlichen Stärkung. Das Konzil von Florenz hat klargestellt, dass nur die Todkranken bzw. die Sterbenden die Salbung empfangen können: „Dieses Sakrament darf nur Kranken gespendet werden, um deren Leben man fürchten muß. Seine Wirkung ist die Heilung der Seele und, soweit es der Seele nützlich ist, auch des Leibes“ (DS 1324). Bis ins zwanzigsten Jahrhundert übte die Kirche die Salbung als das Sakrament der Toten aus. Der alte Begriff „die letzte Ölung“ half auch dabei, diese Idee zu verschärfen.

4.3 Die Reformation und das Konzil von Trient

Martin Luther teilte nicht die Lehre der katholischen Kirche, dass die Krankensalbung als ein Sakrament zu akzeptieren sei. Luther erklärte, dass die in Evangelien benannte Salbung keine sogenannte „letzte Ölung“ sei,[13] sondern nur eine allgemeine Salbung wie sie in der alten Zeit in Gebrauch war. Dagegen positionierte das Konzil von Trient und verdeutlichte, dass die Krankensalbung von Jesus eingesetzt und von Jakobus gefordert wurde. Durch das Konzil wurde angedeutet, dass die Krankensalbung an den Kranken, v.a. an denen, die an gefährlichsten Krankheiten leiden, zu spenden ist (vgl. DH 1694-1700).

4.4 Erneuerungen durch Vatikan II.

Die Krankensalbung ist aber nicht ein Sakrament derer, die vor dem Tod stehen, sondern derer, die vom Tod bedroht sind.[14] In diesem Sinn ist die Salbung nicht als das Sakrament der Sterbenden, sondern als das Sakrament der Leidenden, bzw. der Lebenden verstanden worden. Vatikan II hat diesen Akzent klar gestellt:

Die "Letzte Ölung“, die auch - und zwar besser - "Krankensalbung" genannt werden kann, ist nicht nur das Sakrament derer, die sich in äußerster Lebensgefahr befinden. Daher ist der rechte Augenblick für ihren Empfang sicher schon gegeben, wenn der Gläubige beginnt, wegen Krankheit oder Altersschwäche in Lebensgefahr zu geraten (SC 73).

Es ist nicht mehr ein Sakrament, das erst vor der letzten Stunde des Lebens empfangen werden darf, sondern ein Sakrament, das den an gefährlichen Krankheiten Leidenden dabei helfen soll, die Krise ihres Lebens durch die Gestaltung einer engen Verbindung mit Christus und der Gemeinde zu überwinden.[15] Durch den Akzent des vatikanischen Konzils wurde das alte Verständnis der körperlichen Wirkung der Salbung wieder hergestellt. Im diesem Zusammenhang gewinnt die Wiederholbarkeit der Salbung eine Bedeutung. Da die Salbung auch körperlich wirkt, kann man sie bei schweren und lang andauernden Krankheiten wiederholt empfangen, sowie man auf die medizinische Unterstützung vertraut. „Die Liturgie der Krankensalbung ist also nicht einfach eine Sterbeliturgie, sondern die Liturgie der Krankheit, die in Gottes Gnade und Verfügung geborgen wird“[16].

5. Der heutige Brauch

Das Sakrament der Krankensalbung kann man nach den Gepflogenheiten zusammen mit dem Bußsakrament und Kommunion spenden. Die auf einem Krankenbett liegende Person leidet neben der Angst vor Tod an dem vertriebenen Schuldgefühl. Die Liturgie der Krankensalbung bringt die Hoffnung auf die Sündenvergebung und die Befreiung von der Angst vor dem Tod.

Es ist merkwürdig, dass die Krankensalbung primär nicht als ein Sakrament der Vergebung verstanden wird,[17] sondern sie vielmehr dazu dient, den Kranken für das ewige Leben vor zu bereiten.[18] Deswegen kann man die Pastorale Aufgabe des Seelsorgers gegenüber den Kranken nicht auf die formale Spendung des Sakraments beschränken. Sondern der Seelsorger muss in der Lage sein, mit dem Kranken in ein Gespräch zu kommen, damit der Kranke beim Sakrament Trost und Halt finden kann.

[...]


[1] Vgl. Faber, Eva-Maria, Einführung in die katholische Sakramentenlehre, Darmstadt 2002, 142.

[2] Vgl. Faber, Einführung in die katholische Sakramentenlehre, 143-144.

[3] Vgl. Wollbold, Andreas, Licht für meine Pfade: Das christliche Leben neu wagen, Illertissen 2014, 210.

[4] Die Feier der Krankensakramente: Die Krankensalbung und die Ordnung der Krankenpastoral in den katholischen Bistümern des deutschen Sprachgebietes, hrsg. i. A. d. Bischofskonferenzen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz und der Bischöfe von Boxen-Brixen und von Luxemburg, Köln u. a. 1975, 76.

[5] WINKELMANN, Sabine, Religiöse Deutungen in schwerer Krankheit: Eine Analyse und Auswertung leitfadengestützter Patienteninterviews, Berlin 2016 (= Religiösität – Spiritualität – Gesundheit, 6), 148.

[6] Wollbold, Licht für meine Pfade, 209.

[7] Vgl. Faber, Einführung in die katholische Sakramentenlehre

[8] ZIEGENAUS, Anton, Die Heilsgegenwart in der Kirche: Sakramentenlehre, Aachen 2003 (= Katholische Dogmatik, 7), 462.

[9] RAHNER, Karl, Bergend und Heilend, München 1965, 29.

[10] Vgl. Simonis, Walter, Lebenszeichen der Kirche: Sakramentenlehre, Düsseldorf 2006, 90.

[11] Vgl. Simonis, Lebenszeichen der Kirche, 90.

[12] Vgl. Faber, Einführung in die katholische Sakramentenlehre, 145.

[13] Vgl. Faber, Einführung in die katholische Sakramentenlehre, 145.

[14] Wollbold, Licht für meine Pfade, 210.

[15] Vgl. Beinert, Wolfgang (Hg.), Sakramentenlehre II, Graz - Wien - Köln 1991(= Texte zur Theologie, 9,2) 170.

[16] RAHNER, Karl, Bergend und Heilend, München 1965, 30.

[17] Vgl. ZIEGENAUS, Anton, Die Heilsgegenwart in der Kirche: Sakramentenlehre, Aachen 2003 (= Katholische Dogmatik, 7), 454.

[18] Vgl. Düren, Peter Christoph, Christus in heiligen Zeichen: Eine kleine Sakramentenlehre, St. Ottilien 1991, 117.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Einbettung der Krankensalbung. Theologie und Praxis
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (LMU)
Veranstaltung
Katholische Theologie
Note
3,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
16
Katalognummer
V445420
ISBN (eBook)
9783668820616
ISBN (Buch)
9783668820623
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Pastoral Theologie, Sakramentenpastoral, Krankensalbung
Arbeit zitieren
Karel Joice Kalathiparambil Anson (Autor), 2017, Die Einbettung der Krankensalbung. Theologie und Praxis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/445420

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