Das Ansteigen der Gehälter von Managern ist ein immer wiederkehrendes Thema in den Medien, der Politik und der öffentlichen Diskussion. Diese haben sich im Vergleich zu anderen Arbeitnehmergruppen deutlich abgesetzt. Aktuelles Beispiel z.B. ist die Diesel-Affäre bei Volkswagen, die sehr öffentlich und ausführlich in den Medien dargestellt wird. In diesem Zusammenhang zeigt sich, dass nicht nur die Vergütungen exzessiv zugenommen haben, sondern Topmanager zusätzlich horrende Abfindungen erhalten, für Probleme, die sie teils selber verursacht haben oder ein Mitverschulden tragen. Während die Manager sich bezüglich Ihrer Gehälter größtenteils bedeckt halten, empfinden weite Teile der Öffentlichkeit diese Bezüge als ungerecht.
Die vorliegende Hausarbeit befasst sich mit der Fragestellung, wie die Zusammensetzung der Managergehälter aus wirtschaftsethischer Sicht zu betrachten sind. Vor dem Hintergrund der Diesel-Affäre werden die Anreizsysteme und die Zusammensetzung der Gehälter der Topmanager beispielhaft bei Volkswagen betrachtet. Ziel dieser Ausarbeitung ist die theoretische Diskussion aufzugreifen und anhand des Beispiels von Volkswagen zu verdeutlichen, welche Änderungen in Bezug auf die Zusammensetzung der Gehälter vorgenommen werden sollten.
Zu Beginn werden die allgemeinen gesetzlichen Rahmenbedingungen für Vorstandsgehälter erläutert. Im Anschluss wird aus theoretischer Sicht betrachtet welche einzelnen Komponenten ein Vorstandsgehalt beinhaltet. Im Folgenden wird, die dies anhand einer Vergütungsanalyse exemplarisch am Beispiel von Volkswagen verdeutlicht. Abgeschlossen wird dieser Teil mit einer kritischen Auseinandersetzung mit den einzelnen Bestandteilen. Auf dieser Basis wird das Economic Value Added als wertorientiertes Kennzahlensystem vorgestellt um die Transparenz von Gehältern in der öffentlichen Wahrnehmung zu erhöhen.
Abschließend wird ein Fazit gezogen, in dem noch einmal kurz die Vor- und Nachteile von der Umstellung von einem klassischen auf ein wertorientiertes Kennzahlensystem erläutert werden und eine Anregung für die künftige Auseinandersetzung mit Managementgehälter erfolgt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung in die Thematik
2 Allgemeine Grundlagen zu Vorstandsvergütungen
2.1 Zusammensetzung von Vorstandsvergütungssystemen
2.1.1 Fixe Lohnkomponente
2.1.2 Leistungsabhängige Lohnkomponente
2.1.3 Nebenleistungen
3. Vergütungsanalyse Volkswagen
3.1 Bestandteile der Vorstandsvergütung bei Volkswagen
3.2 Fixe Vergütung
3.3 Variable Vergütung
3.3.1 Bonuszahlungen
3.3.2 Long-Term-Incentives
3.3.3 Leistungen auf Basis virtueller Aktien
3.3.4 Leistungen bei regulärer Beendigung des Dienstverhältnisses
3.4 Kritik am Vergütungssystem
4. Leistungsorientierte Bezahlung auf Basis des Economic Value Added
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht kritisch die Struktur von Vorstandsgehältern in Deutschland am Beispiel der Volkswagen AG, um Transparenzprobleme bei den Vergütungsmodellen aufzudecken und das Potential wertorientierter Kennzahlensysteme zur Steigerung der Transparenz und Leistungsorientierung zu analysieren.
- Grundlagen und rechtliche Rahmenbedingungen der Vorstandsvergütung
- Detaillierte Analyse der Vergütungskomponenten bei Volkswagen (fix, variabel, Nebenleistungen)
- Kritische Würdigung der Intransparenz und Zielkonflikte im aktuellen System
- Diskussion des Economic Value Added (EVA) als Anreizinstrument für nachhaltige Wertsteigerung
Auszug aus dem Buch
3.4 Kritik am Vergütungssystem
Bei näherer Betrachtung des Vergütungssystems wird deutlich, dass die Zusammensetzung der einzelnen Bestandteile ziemlich undurchsichtig und kaum nachzuvollziehen ist. Angefangen bei der Grundvergütung. Die Grundvergütung wird gezahlt, damit die Vorstandsmitglieder einen Anreiz verspüren die Interessen des Unternehmens zu wahren. Wie soll jedoch durch eine garantierte Vergütung in dieser Höhe sichergestellt werden, dass die Interessen des Unternehmens im Vordergrund stehen? Anreizsysteme findet man klassischerweise deswegen in der variablen, nicht in der fixen Vergütung. Weiterhin wird nicht näher erläutert, worin diese Interessen bestehen, wie sie definiert sind und als wann sie als erfüllt gelten. Zudem bestehen deutliche Unterschiede in der Grundvergütung (Vgl. Tabelle 6). Auch hier ist nicht ersichtlich wieso die Vergütung unterschiedlich hoch ist, wenn das Ziel ist alle Vorstandsmitglieder an den Interessen des Unternehmens zu orientieren.
Eine weitere Auffälligkeit bei der fixen Vergütung ist die hohe Bandbreite an Abstufungen in diesem Bereich. Diese reichen von 35.000€ bis knapp 350.000 € jährlich (Vgl. Tabelle 2). Es wird in den Berichten von Volkswagen zwar erwähnt, dass diese für Sachbezüge, Betriebsmittel und Versicherungsleistungen gezahlt werden dies erklärt jedoch nicht diese enormen Unterschiede. Bei Personen in gleichen bzw. ähnlichen Positionen sollten die Höhe der benötigten Mittel sich in etwa auf dem gleichen Level befinden. Auf Basis, der von Volkswagen zur Verfügung gestellten Informationen lassen sich diese Unterschiede in keinster Weise erklären. Dies hat zur Folge, dass die ganze fixe Vergütung intransparent wird.
Ähnliches sieht man auch bei der variablen Vergütung. Angefangen bei den Bonuszahlungen. Hier wird als Kennzahl das operative Ergebnis von 5 Mrd. € jährlich gewährt. In dem Vergütungsbericht von Volkswagen werden die Ergebnisse der chinesischen Joint Ventures zum Erreichen der Bonuszahlungen hinzugezählt, im Bericht über das operative Ergebnis werden diese Zahlen jedoch getrennt behandelt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung in die Thematik: Die Einleitung beleuchtet die öffentliche Kritik an hohen Vorstandsgehältern und definiert die Zielsetzung, die Vergütungssysteme am Beispiel von Volkswagen wirtschaftsethisch zu analysieren.
2 Allgemeine Grundlagen zu Vorstandsvergütungen: Dieses Kapitel beschreibt die gesetzlichen Rahmenbedingungen für die Bestellung von Vorständen und die Struktur von Vergütungssystemen bestehend aus Fixum, variablen Anteilen und Nebenleistungen.
3. Vergütungsanalyse Volkswagen: Es erfolgt eine detaillierte Untersuchung der Vergütungskomponenten bei Volkswagen inklusive Bonuszahlungen, Long-Term-Incentives und Pensionsansprüchen, gefolgt von einer kritischen Analyse der Transparenz dieser Modelle.
4. Leistungsorientierte Bezahlung auf Basis des Economic Value Added: Das Kapitel stellt den Economic Value Added (EVA) als wertorientiertes Kennzahlensystem vor, welches Probleme kurzfristiger Anreizstrukturen lösen und langfristige Wertsteigerung fördern kann.
5. Schlussbetrachtung: Die Arbeit fasst zusammen, dass eine Vereinfachung und Transparenz der Vergütung sowie die Umstellung auf wertorientierte Kennzahlen notwendig sind, um Vorstandsgehälter für Stakeholder nachvollziehbarer und leistungsorientierter zu gestalten.
Schlüsselwörter
Vorstandsvergütung, Volkswagen, Transparenz, Economic Value Added, EVA, Variable Vergütung, Fixgehalt, Corporate Governance, Anreizsystem, Wertsteigerung, Managergehälter, Leistungsorientierung, Bonus, Aktiengesellschaft, Rentabilität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Struktur von Vorstandsvergütungen in Deutschland und der Frage, wie diese transparenter und leistungsgerechter gestaltet werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Zusammensetzung von Managergehältern, die Offenlegungspflichten, die Kritik an bestehenden Bonusmodellen und die Implementierung wertorientierter Kennzahlen.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor?
Das Ziel ist es, die Intransparenz der aktuellen Vergütungssysteme, insbesondere am Beispiel von Volkswagen, aufzuzeigen und den Einsatz des Economic Value Added als Verbesserungsvorschlag zu diskutieren.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Diskussion sowie eine exemplarische Vergütungsanalyse auf Basis des Vergütungsberichts der Volkswagen AG des Jahres 2016.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen der Vergütung, eine detaillierte Analyse der VW-Vergütungsbestandteile und eine kritische Auseinandersetzung mit der Intransparenz der dortigen Bonussysteme.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Vorstandsvergütung, Transparenz, Economic Value Added (EVA), Anreizsysteme und Wertsteigerung charakterisiert.
Warum wird gerade der Fall Volkswagen analysiert?
Volkswagen dient als prominentes Praxisbeispiel, da das Unternehmen nach der Diesel-Affäre und aufgrund komplexer Vergütungsstrukturen intensiv im öffentlichen Diskurs steht.
Welches Problem identifiziert der Autor beim sogenannten Ratchet-Effekt?
Der Ratchet-Effekt führt dazu, dass die Motivation des Vorstandes sinkt, wenn festgelegte Caps (Höchstgrenzen) erreicht sind, was kontraproduktiv für die unternehmerische Performance ist.
- Quote paper
- Kevin Schulte (Author), 2018, Vorstandsgehälter in Deutschland. Wie kann Bezahlung transparenter gestaltet werden?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/445662