Filmpropaganda. Welche Rolle spielt das Medium Film im Nationalsozialismus?


Hausarbeit, 2017

18 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geschichte des Films während der Zeit des Nationalsozialismus...

3. Filmpropaganda
3.1 Direkte Propaganda am Filmbeispiel „Der ewige Jude“
3.2 Indirekte Propaganda am Filmbeispiel „Jud Süß“

4. Unterhaltungsfilm

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Mit der Ernennung von Adolf Hitler zum Kanzler des deutschen Reiches begann am 30. Januar 1933 die Zeit des Nationalsozialismus. Nach der Machtübernahme beeinflussten die Nationalsozialisten die Meinung und Ansichten der Bevölkerung mit bewusst eingesetzter Propaganda über die verschiedenen Medien im nationalsozialistischen Deutschland. So wurden geschichtliche Dokumentationen oder Unterhaltungsfilme oft gezielt mit politischen Inhalten verbunden. Hierdurch konnten beson- ders die idealisierten gesellschaftlichen Wunschbilder und die radikalen Feindbilder im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie dargestellt werden (bpb: Bundeszentrale für politische Bildung, 2017). Von zentraler Bedeutung waren die Medien „Hörfunk“ und „Film“.

Aufgrund der niedrigen Preise des „Volksempfängers“ konnte sich jeder Bürger zur Zeit des Nationalsozialismus einen Zugang zu diesem si- chern. Dies lässt sich an den Zahlen der Haushalte mit einem Radio belegen. Während es im Jahr 1933 erst circa 4,3 Millionen Haushalte waren, stieg diese Zahl bis zum Jahr 1939 auf 10,8 Millionen Haushalte an (Zeitklicks, 2017). Im Mittelpunkt des Mediums „Radio“ stand neben der Unterhaltung die Verbreitung von politischen Themen und Durch- halteparolen, besonders während der Zeit des zweiten Weltkrieges. Allerdings wurde die Bevölkerung mit dem für den Nationalsozialismus typischen Propagandainhalt beeinflusst und über die tatsächlichen Vor- gänge des Kriegsgeschehens im Unklaren gelassen (Zeitklicks, 2017).

Das Medium „Film“ spielte neben dem Radio in Bezug auf die Verbrei- tung von Informationen und Propaganda während der Zeit des Natio- nalsozialismus in Deutschland die wichtigste und entscheidendste Rol- le. Welche Bedeutung besonders die Unterhaltungsfilme für die deut- sche Bevölkerung hatten, zeigt der stetige Anstieg der Kinobesuche in den betreffenden Jahren. Von 624 Millionen verkauften Eintrittskarten für einen Kinobesuch im Jahr 1939 stieg die Anzahl auf 1,117 Milliarden Karten im Jahr 1943 (bpb: Bundeszentrale für politische Bildung, 2017).

Die Filmindustrie konnte somit trotz, oder gerade wegen des Krieges profitieren und beständig wachsen.

Neben den Unterhaltungsfilmen, die durch bewusst eingesetzte Propaganda gekennzeichnet waren, und die Öffentlichkeit beeinflussten und manipulierten, stellten besonders hetzerische Pseudodokumentarfilme das zentrale Instrument der NS-Führung im Hinblick auf die Verbreitung der Propaganda in der Bevölkerung dar.

2. Geschichte des Films während der Zeit des National- sozialismus

Der Film war in Deutschland bereits vor der Zeit des Nationalsozialis- mus eines der beliebtesten Medien in allen sozialen Schichten. Wäh- rend die deutsche Filmindustrie in den Jahren 1919 bis 1925 eine Hochphase erreichte und im Jahr ca. 500 Filme produzierte, wurde das beliebte Medium zur Unterhaltung von jedermann zur Zeit des National- sozialismus zu einem Instrument der NS-Führung. Das Ziel, dass mit den verschiedensten Unterhaltungsfilmen und Dokumentationen er- reicht werden sollte, war es, den Film zu „arisieren“ und ihn dem Staat unterzuordnen (Hardinghaus, 2008).

Am 22. September 1933 wurde zu diesem Zweck die Reichskultur- kammer gegründet. Unter dem Präsidenten Joseph Goebbels, der gleichzeitig Reichsminister war, konnten nach und nach die Reichsmusikkammer, die Reichskammer der bildenden Künste, die Reichstheaterkammer, die Reichsschrifttumskammer, die Reichspressekammer und die Reichsrundfunkkammer in die oben genannte Organisation eingegliedert werden (Hardinghaus, 2008).

Auch die am 14. Juli 1933 gegründete Reichsfilmkammer war in rechtli- chen und organisatorischen Bereichen in die Reichskulturkammer inte- griert. Da das Ziel, die „vollkommene Arisierung des deutschen Filmwe- sens“ (Hardinghaus, 2008, S. 23) war, musste jeder Deutsche, der an der Entstehung eines Films beteiligt war, Mitglied der Reichsfilmkam- mer sein. Neben den Schauspielern, Regisseuren oder Produzenten galt diese Regelung auch für die Filmtechniker, Kameraleute und Kino- besitzer, die lediglich für die technische Herstellung der Filme und de- ren Verbreitung beziehungsweise Veröffentlichung verantwortlich wa- ren.

Da ausschließlich die deutsche „arische“ Bevölkerung zugelassen war, Mitglied der Reichsfilmkammer zu werden, wurden zahlreiche jüdische Mitarbeiter aus der Filmbranche entlassen. So mussten Kinos mit jüdi- schen Besitzern ihren Betrieb einstellen und Schauspieler sowie an der Produktion beteiligte Mitarbeiter konnten zum Teil während eines lau- fenden Filmdrehs entlassen werden. Hinzu kam die „Zuverlässigkeits- klausel“, welche besagte, dass „die Aufnahme in die Filmkammer (un- tersagt werden konnte), wenn Tatsachen vorliegen, aus denen sich ergibt, dass der Antragsteller die für die Ausübung des Filmgewerbes erforderliche Zuverlässigkeit nicht besitzt“ (Hardinghaus, 2008, S. 24). Durch diese Klausel wurden nicht nur jüdische Mitarbeiter vom Filmge- schehen ausgeschlossen, sondern auch politische Gegner oder Perso- nen, die nicht mit dem Fremdenhass und Antisemitismus der National- sozialisten übereinstimmten oder andere Vorstellungen und Ideologien hatten.

Ein Ausschluss aus der Reichsfilmkammer war nicht rückgängig zu ma- chen, sondern hatte ein dauerhaftes und absolutes Berufsverbot zur Folge. Dies betraf über 2.000 entlassene Künstler und Techniker (Filmportal, 2017).

Eine einzige Ausnahme gab es im Jahr 1935. Durch Sondergenehmi- gungen durften besonders begabte und beliebte jüdische Schauspieler nach sorgfältiger Prüfung durch die Reichsfilmkammer weiter arbeiten. Allerdings wurde ihr Name weder auf den Filmplakaten noch im Ab- spann gezeigt. Ein bekanntes Beispiel ist der Schauspieler und Regis- seur Reinhold Schüntzel mit halbjüdischen Wurzeln (Hardinghaus, 2008).

Neben den Regelungen, die zur Massenentlassung von jüdischen Mit- arbeitern führte, ist die Neufassung des Reichslichtspielgesetzes vom 16. Februar 1934 von zentraler Bedeutung für die Entwicklung des Mediums „Film“ während der Zeit des Nationalsozialismus.

Diese Neufassung besagte, dass ein Film jederzeit beendet oder ge- stoppt werden darf, wenn er „das nationalsozialistische, religiöse, sittli- che oder künstlerische Empfinden verletzt“ (Hardinghaus, 2008, S. 24). Alle produzierten Filme wurden seitdem vor der Veröffentlichung einer Zensur unterzogen. Hierbei hatte Joseph Goebbels das Recht der letz- ten Entscheidung. Er konnte sich somit auch über den von ihm persön- lich beauftragten und eingestellten Reichsfilmdramaturgen stellen.

Zusätzlich zu dieser Vorzensur musste sich der fertige Film vor der Auf- führung einer weiteren Zensur durch die Filmprüfstelle, die für die Vergabe von Prädikaten verantwortlich war, unterziehen. Der Prüfstelle wurden neben den deutschen Filmen auch internationale Produktionen, die in Deutschland gezeigt werden sollten, zur Prüfung vorgelegt. Hier- bei wurde darauf geachtet, wie sehr der Film mit den nationalsozialisti- schen Ideologien und Vorstellungen vereinbar war. Je stärker der Film den Ansichten der Nationalsozialisten ähnelte oder entsprach, desto höher und positiver wurden er von der Filmprüfstelle eingestuft. Die künstlerische Freiheit wurde durch diese Zensur und Prädikate deutlich eingeschränkt. Der Jugendschutz wurde zeitgleich gelockert, um schon Kindern und Jugendlichen den Zugang zu Propagandafilmen und der nationalsozialistischen Ideologie zu ermöglichen (Hardinghaus, 2008).

Filmkritik wurde durch die Nationalsozialisten in den folgenden Monaten verboten. Es war lediglich eine positive Bewertung der Filme durch die Kunstkritiker erlaubt.

3. Filmpropaganda

Die Nationalsozialisten nutzten die Macht der bewegten Bilder des Films zur Mobilisierung und Indoktrination der Bevölkerung Deutsch- lands, um ihre Ideologien und den Antisemitismus zu verbreiten.

Bereits Adolf Hitler erwähnte in seinem Buch „Mein Kampf“ die Mög- lichkeiten, die das Medium Film mit sich bringt. So schrieb er, dass der Mensch durch die Bewegung der Bilder noch weniger verstandsmäßig arbeiten muss und das Bild „in viel kürzerer Zeit (…) dem Menschen eine Aufklärung, die er aus Geschriebenen erst durch langwieriges Le- sen empfängt“, bringt (Hardinghaus, 2008). Auch Joseph Goebbels er- kannte, dass die erzieherische Wirkung des Films gerade im Krieg ent- faltet werden kann und muss (bpb: Bundeszentrale für politische Bildung, 2017).

Neben den hetzerischen Pseudodokumentationen wie zum Beispiel „Feldzug in Polen“ (1940), gab es propagandistische Unterhaltung wie die Filme „Jud Süß“ (1940) oder „Wunschkonzert“ (1940), die bei der Bevölkerung eine Mischung aus Neugier, Distanz, Abscheu und Faszi- nation hervorriefen. Durch die Verbindung von geschichtlichen Ereig- nissen oder Unterhaltung und den politischen Inhalten konnte die pro- pagandistische Wirkung in allen sozialen Schichten und über alle Al- tersgruppen hinweg eingesetzt werden. So wurden entweder idealisier- te Wunschbilder oder die radikalen Feindbilder im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie dargestellt und hervorgehoben (bpb: Bundeszentrale für politische Bildung, 2017).

Die Filme zur Zeit des Nationalsozialismus waren stark kontextorien- tiert. Ein Zusammenhang zwischen politischen Aktionen, dem aktuellen Kriegsgeschehen und dem Inhalt der Filme war erkennbar. Viele Filme handelten vom Führerprinzip und der Rassenlehre und stellten ebenso die spezifischen Feindbilder dar. Behandelt wurden Themen wie Krieg, die deutsche Nation und der Kult der Volksgemeinschaft (bpb: Bundeszentrale für politische Bildung, 2017).

Unterscheiden lässt sich die Filmpropaganda in die direkte und indirekte Propaganda.

3.1 Direkte Propaganda am Filmbeispiel „Der ewige Jude“

Die direkte Propaganda stellt unversteckt und offen ihre Ziele dar. So behandeln die Filme meist politische Themen und stellen die Ideologien der Nationalsozialisten in den Vordergrund. Die propagierenden Perso- nen sind sozial oder politisch prominent und haben aufgrund dessen einen hohen Stellenwert in der Bevölkerung. Ihre Macht können sie un- ter dem Einsatz von Drohungen oder gar der Ausübung von Gewalt durchsetzen. Das eindrucksvollste Beispiel für eine politische Macht- person, die auf direkte Propaganda setzte, ist Adolf Hitler.

Ein Beispiel für eine direkte oder offene Propaganda ist der nationalsozialistische Propagandafilm „Der ewige Jude“ aus dem Jahr 1940. Er wurde von Joseph Goebbels selbst in Auftrag gegeben und zu jedem Zeitpunkt von ihm kontrolliert und überwacht. Die Dokumentation sollte nach dem Befehl von Goebbels das „Leben in den polnischen Ghettos (zeigen)“ (Hardinghaus, 2008, S. 36).

Die Propagandastrategie des Films „Der ewige Jude“ lässt sich an dem Einsatz von filmtechnischen Methoden, der Musik und der Sprecher- kommentare erkennen. Es handelt sich hierbei nicht um einen Spiel- und Unterhaltungsfilm, der unterbewusst die Ideologien der Nationalso- zialisten darstellen sollte. Vielmehr setzte man auf eine bewusste, in- strumentelle Kombination von Licht, Ton und Musik, um die antisemiti- sche Botschaft direkt und suggestiv in das Bewusstsein der Menschen zu rufen. So wechselt die Beleuchtung zwischen düsteren Aufnahmen des jüdischen Ghettos zu einem hellen, positiven Licht, wenn das Le- ben der nichtjüdischen Bevölkerung in Berlin gezeigt wird. Auch der Ton verstärkt die Glaubwürdigkeit der Dokumentation. Erreicht wurde dies durch die Entscheidung Joseph Goebbels für den Sprecher der Wochenschau, Harry Giese. Diese bekannte Stimme rief bei den Zu- schauern Vertrauen hervor. Dem Sprecher gelang es auch, dass Infor- mationen sowie Statistiken ohne belegbare Quellen und ohne Prüfung des Wahrheitsgehalts als wahrheitsgemäß angesehen wurden (Zukunft braucht Erinnerung, 2017).

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Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Filmpropaganda. Welche Rolle spielt das Medium Film im Nationalsozialismus?
Hochschule
Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft  (Wirtschaftspsychologie)
Veranstaltung
Medien- und Kommunikationswissenschaften
Note
1,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
18
Katalognummer
V445992
ISBN (eBook)
9783668831193
ISBN (Buch)
9783668831209
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Filmpropagande, Nationalsozialismus, NS, Medium, Film
Arbeit zitieren
Yvonne Uhlich (Autor), 2017, Filmpropaganda. Welche Rolle spielt das Medium Film im Nationalsozialismus?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/445992

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