Der motivierende Einfluss von Musik auf die sportliche Leistungsfähigkeit im Laufsport

Theoretische Recherche und praktische Untersuchung


Facharbeit (Schule), 2018

47 Seiten, Note: 3

Fabiano Coluccia (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abstract

1. Vorwort

2. Einleitung
Themeneingrenzung
Fragestellung
Methodik

3. Sport
3.1. Laufsport
3.2. Leistungsbestimmende Faktoren
3.3. Die Ausdauer

4. Musik
4.1. Musik und ihre Wirkung
4.2. Musik und Bewegung
4.3. Musik beim Laufen

5. Psychologie im Sport
5.1. Psychologisches Training
5.2. Psychoregulation
5.3. Motivation

6. Untersuchung
6.1. Vorgehen
6.2. Beobachtung
6.3. Auswertung
6.4. Interpretation

7. Schlussfolgerung

8. Quellen- und Literaturverzeichnis
Literatur
Webdokumente
Abbildungen

9. Anhang
Die Umfrage:
Die Resultate der Umfrage
Playlists der Untersuchung

Abstract

Im Laufe dieser Arbeit wird zunächst auf theoretischer Ebene aufgezeigt, wie bestimmte Musik auf eine gewisse Art und Weise eine Wirkung auf den Menschen hat. Darauffolgend wird erarbeitet, von welchen Fähigkeiten die sportliche Leistung beim Laufen abhängt und inwiefern diese Fähigkeiten durch das gezielte Einsetzen von Musik beeinflusst werden können. Folglich wird durch gewisse Aspekte der Sportpsychologie aufgezeigt, wie der Einfluss der Musik auf die sportliche Leistung einwirkt und überhaupt möglich ist. Daraufhin wird in einer selbst erstellten Untersuchung empirisch überprüft, ob eine Kausalität zwischen sportlicher Leistung besteht und schliesslich wird das Ergebnis an den vorliegenden Daten begründet und gewürdigt.

1. Vorwort

Als Fussballer ist meine sportliche Leistung essenziel und von zentraler Bedeutung. Immer wieder komme ich während dem Fussballspielen an meine sportlichen Grenzen, vor allem die physische und psychische Ermüdung machen mir zu schaffen. Also habe ich mir vor gut einem Jahr zum Ziel gesetzt, an meiner Ausdauer zu arbeiten und diese zu verbessern. Wo ich bei meiner physischen Ausdauer extreme Fortschritte spüren konnte, sah ich diese Fortschritte nicht bei meiner psychischen Ausdauer. Das hat mich bis vor kurzem noch stark beschäftigt. Als ich vor gut einem halben Jahr mit der Maturaarbeit konfrontiert wurde, war mir bei der Themenwahl schnell klar, dass sich meine Arbeit mit dem Bereich Sport auseinandersetzten wird. Durch Einlesen in verschiedene Themen hat sich mir die Frage gestellt, ob ich mit Musik an meiner psychischen Ermüdung arbeiten und diese sich eventuell verbessern kann.

Diese Arbeit wäre mir jedoch nicht gelungen, hätte ich nicht von verschiedenen Personen Unterstützung erhalten. Ich möchte mich herzlich bedanken:

Bei der Kantonsschule Wettingen, welche uns Schülern die besten Mittel zur Verfügung stellt, damit wir beste Resultate liefern können.

Bei Herrn Marco Bonadei für das kurzfristige Einspringen in die Rolle der Betreuungsperson und für die gute und professionelle Hilfe und Betreuung. Eine Betreuungsperson, die immer erreichbar und bereit für Besprechungen war.

Bei Herrn Christoph Baldinger für das Gegenleser dieser Arbeit.

Bei Frau Sabine Flück für die sehr hilf- und lehrreichen Lektionen im Projektunterricht und für die ausserordentliche Unterstützung mir gegenüber.

Bei Frau Manuela Jehle und Herrn Lukas Binggeli für die kurze aber gute Zeit als vorübergehende Betreuungspersonen.

Bei den gut 20 Probanden, die sich für die Untersuchung zu Verfügung gestellt haben und ohne welche diese Arbeit nicht möglich gewesen wäre.

Und bei all denen, welche mich über diese Zeit unterstütz und mir geholfen haben wo sie konnten.

2. Einleitung

Themeneingrenzung

Als Fussballer liegt mir der sportliche Bereich der Bildung sehr am Herzen. Somit war mir bei der Themenwahl im März dieses Jahres von Anfang an bewusst, dass meine Arbeit im sportlichen Bereich sein wird. Doch wusste ich noch nicht genau das konkrete Thema und die wichtigsten Fragestellungen meiner Maturaarbeit. Ich wollte nämlich meine Arbeit zu einem sportlichen Aspekt schreiben und in dieser Arbeit auch persönliche und praktische Erfahrungen mit einbeziehen. Nach gewisser Überlegungszeit und durch Einlesen in verschiedenen wissenschaftlichen Arbeiten im Bereich Sport, konnte ich mein Thema bereits einigermassen eingrenzen. Die Beeinflussung der sportlichen Leistung durch externe Faktoren begeisterte mich schnell - nur gab es zu viele externe Faktoren, als diese mit einem praktischen Test überprüfbar wären.

Fragestellung

Nach langer Überlegungszeit konnte ich dann mein Thema definitiv eingrenzen und mir waren meine Fragestellungen bewusst. Ich wollte den Einfluss von Musik auf die sportliche Leistung im Bereich Laufsport überprüfen und es ergaben sich folgende Fragestellungen:

- Welcher Musikstil hat den besten Einfluss auf die sportliche Leistung (Ausdauer) und wie lässt sich das mit meiner schriftlichen Arbeit erklären?
- Mit wie vielen Beats/Minute kann man die beste sportliche Leistung (Ausdauer) erreichen und warum?
- Wie muss der selbsterstellte Sporttest aufgebaut sein, damit ich brauchbare und aussagekräftige Daten sammeln kann?

Diese Fragestellungen galt es in dieser Arbeit zu beantworten. Nachdem viel recherchiert wurde konnte folgende Hypothese aufgestellt werden:

® Durch Musik lässt sich die emotionale intrinsische Motivation beeinflussen, welche wiederum die psychische Ausdauer beeinflusst, die ein Faktor für die sportliche Leistung ist. Somit wäre die sportliche Leistung durch die Musik beeinflussbar.

Der Einfluss von Musik auf die sportliche Leistung wird dementsprechend geprüft. Ich musste jedoch feststellen, dass mit dieser Arbeit die erste Fragestellung nicht beantwortet werden kann. Es wird dementsprechend nur auf das Tempo der Musik eingegangen. Ebenfalls musste ich schnell feststellen, dass ein Sporttest zu diesem Thema sehr schwierig zu gestalten ist, da es zu viele Faktoren gibt, welche einen Einfluss auf die Leistung haben, um authentische Daten zu erhalten. Das Erstellen einer angemessenen Untersuchung war folglich ein grosser Teil meiner Arbeit. Dies ist verständlich, da ohne diese Untersuchung meine Arbeit bloss auf theoretischer Ebene basieren würde und nicht auch auf praktischer, experimenteller Ebene. Die beendete Untersuchung lieferte aufschlussreiche Daten, welche eine gute Basis bildeten, um meine Hypothese wissenschaftlich zu analysieren.

Methodik

Für die Untersuchung musste ich anders vorgehen als ich vor der Arbeit geplant hatte, da der Sporttest nicht auf medizinisch biologische, sondern auf subjektive Daten beruhen wird. Auf die genaue Methode der Untersuchung wird in Kapitel «6.1. Vorgehen» näher eingegangen.

3. Sport

«Seit Beginn des 20. Jahrhunderts hat sich Sport zu einem umgangssprachlichen, weltweit gebrauchten Begriff entwickelt. Eine präzise oder gar eindeutige begriffliche Abgrenzung lässt sich deshalb nicht vornehmen. Was im Allgemeinen unter Sport verstanden wird, ist weniger eine Frage wissenschaftlicher Dimensionsanalysen, sondern wird weit mehr vom alltagstheoretischen Gebrauch sowie von den historisch gewachsenen und tradierten Einbindungen in soziale, ökonomische, politische und rechtliche Gegebenheiten bestimmt. Darüber hinaus verändert, erweitert und differenziert das faktische Geschehen des Sporttreibens selbst das Begriffsverständnis von Sport.»1 So beschreibt Peter Röthig die Komplexität in der Definition eines Begriffes, welcher in der Gesellschaft verschiedene Formen und Aspekte kennt und welches kulturell, wie auch philosophisch betrachtet, nicht eindeutig zu definieren ist.

Im Duden wird Sport als eine nach bestimmten Regeln aus Freude an Bewegung und Spiel, zur körperlichen Ertüchtigung ausgeübte körperliche Betätigung beschrieben.2 Laut Prof. Dr. phil. Claus Tiedemann der Universität Hamburg ist Sport «ein kulturelles Tätigkeitsfeld, in dem Menschen sich freiwillig in eine Beziehung zu anderen Menschen begeben, um ihre jeweiligen Fähigkeiten und Fertigkeiten in der Bewegungskunst zu vergleichen - nach selbst gesetzten oder übernommenen Regeln und auf Grundlage der gesellschaftlich akzeptierten ethischen Werte.»3

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.1. Laufsport

Grob lässt sich Sport in Ausdauer-, Kampf-, Kraft- und Spielsport unterteilen. Laufen ist wiederum ein Ausdauersport, bei dem im Vergleich z.B. zum Kraftsport der Sportler über eine längere Zeit unter geringer momentaner Belastung steht. Morphologisch betrachtet ist Laufen eine zyklische Bewegung, bei der Teilbewegungen regelmässig wiederholt werden.4 Diese zyklische Bewegung ist dem Menschen sehr bekannt und wohlbefunden, denn dieser Sport basiert auf eine natürliche Bewegungsform und evolutionär betrachtet ist der Mensch schon immer gelaufen.5

Kaum eine andere Form des Sports wird so oft praktiziert wie die des Laufens. Tatsächlich bringt dieser Sport viele Vorteile mit sich. Überdies dass sich dieser Sport ohne spezielle Geräte betreiben lässt und weder orts- noch zeitgebunden ist, werden ihm viele wichtige gesundheitliche Profite zugeschrieben. Durch Laufen wird der Herzmuskel und das Immunsystem gestärkt, der Ruhepuls gesenkt, die Regenerationszeit verkürzt und die Fettverbrennung optimiert. Zusätzlich wird für eine bessere Durchblutung der Muskulatur und der Vergrösserung des Sauerstoffsspeichers gesorgt. Doch Laufen hat auch psychologisch betrachtet gewisse vorteilhafte Eigenschaften. Durch das Praktizieren dieser Sportart erringt der Körper eine Art meditative Therapie, welche vor allem Menschen mit viel Stress oder grossem Leistungsdruck empfohlen wird.6

Die Sportart kennt verschiedene Formen ihrer Art, deswegen wird nur auf den ausdauerbezogenen Laufsport eingegangen, welches auch als Langstreckenlauf bezeichnet wird, bei dem die Ausdauer - oder auch Kondition genannt - massgebend ist.

3.2. Leistungsbestimmende Faktoren

Die Leistung eines Läufers hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. Manche sind unabhängig vom Sportler, wie das Klima, die Strecke oder die Bodengegebenheit. Andere Faktoren sind sehr wohl abhängig vom Läufer und können im besten Fall sehr positiv für den Läufer selbst wirken. Einerseits ist die psychische Form des Läufers, wie Stresslevel, Leistungsdruck oder seine Motivation, ein essenzieller Faktor der Leistung. Andererseits ist die physische Form, welche sich grob durch Kraft, Geschwindigkeit, Koordination, Flexibilität und Ausdauer unterteilen lässt, ein weiterer bedeutsamer Faktor. Die Kraft eines Sportlers ist die Voraussetzung jeglicher körperlichen Bewegung und wird durch die Muskelkonzentration erzeugt. Wenn viel Kraft in kurzer Zeit erzeugt wird, läuft der Sportler schneller, als wenn weniger Kraft in der gleichen Zeit erzeugt wird. Hierbei spricht man von der Geschwindigkeit oder auch Schnelligkeit eines Körpers. Damit der menschliche Körper diese Bewegungen ausführen kann, müssen das zentrale Nervensystem und das Muskelskelett so zusammenspielen, dass im Idealfall die effektivste Zusammensetzung von einzelnen Teilbewegungen zu einem gleichmässigen, absoluten Bewegungsablauf erreicht wird. Um so viele Teilbewegungen wie möglich auszuführen, ist die Flexibilität eines Sportlers die Basis, damit dieser ohne Einschränkung jede Bewegung ausführen kann.7 Damit die Bewegungen über einen längeren Zeitraum ausgeführt werden können ist die Ausdauer zuständig, auf die im nächsten Kapitel tiefer eingegangen wird.

3.3. Die Ausdauer

Wie bereits im vorherigen Kapitel erklärt wurde, gehört die Ausdauer zu den essenziellen Faktoren für den Laufsport. Ausdauer beschreibt die Fähigkeit, einer physischen Belastung möglichst lange zu wiederstehen, von der die Dauer und die Intensität uneinnehmbar zur Ermüdung führt. Die Fähigkeit, trotz eintreffender Ermüdung die Belastung bis zur absoluten, individuellen Belastungsgrenze weiterzuführen. Und schlussendlich die Fähigkeit, sich in gewissen Phasen mit verminderter Beanspruchung sich möglichst schnell zu regenerieren. Folglich ist Ausdauer von Leistung, Ermüdung und Wiederherstellung abhängig. Die Faktoren sind demnach energetischer, koordinativer, biomechanischer und psychologischer Art.8 Durch regelmässiges Training können spezifisch bestimmte Faktoren verändert und verbessert werden. Das Ziel dieses Trainings ist es, zu lernen der Ermüdung zu überdauern. Dabei gibt es zwei Arten der Ermüdung: die physische und die psychische Ermüdung.9 Die letztere gilt es durch Motivation, zu verlangsamen oder zu verhindern.

4. Musik

In dieser Arbeit ist die Musik ein essenzieller Faktor. Durch die Musik soll schliesslich die Beeinflussung auf die sportliche Leistung errungen werden. Um dies auf theoretisch stabiler Basis zu erklären ist eine Definition des Begriffs «Musik» notwendig. Letztlich ist Musik ein Hyperonym für die Konstellation verschiedenen, akustischen, zeitlich getrennten Ereignissen, welche sich vom Entstehungsort als Schallwellen kreisförmig ausbreiten. Wenn diese Schallwellen das menschliche Ohr erreichen, werden sie im Gehörgang durch das Trommelfell, sowie von den drei Gehörknöchelchen verstärkt und anschliessend durch Reizung der Haarzellen in der Schnecke in elektrische Impulse umgewandelt. Durch die Hörbahn gelangt dieser elektrische Impuls zum Kortex.10 Aus mehreren Schallwellen, welche wir als elektrische Impulse wahrnehmen, setzt sich dann folglich ein Zusammenspiel mehrerer Töne zusammen, was letztendlich als Musik empfunden wird. Anders wird Musik als Kunst bezeichnet, mehrere bestimmte Schallwellen in Form von Tönen herzustellen, die gewisse Gesetzmässigkeiten bezüglich Melodie, Harmonie und Rhythmus berücksichtigen. Diese einzelnen Töne müssen so geordnet sein, dass eine Gruppe von Klängen entsteht, welche als Ganzes eine Komposition genannt wird.11

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

4.1. Musik und ihre Wirkung

Die Töne der Musik, welche wir bereits als Schallwellen kennengelernt haben, werden von Bewegungen ausgelöst und sind somit für den Menschen ein Indikator für einen Prozess, der in der Umgebung abläuft. Dies ist erkennbar, wenn durch ein lautes Geräusch ein natürlicher Schutzreflex einsetzt. Umgekehrt können leise und sich wiederholende Töne beruhigend auf den Menschen wirken. Die Wirkung von Musik auf den Menschen ist somit evolutionsbedingt bewiesen.12 Folglich kann ein Musikstück, welches bestimmte Kriterien erfüllt, aktivierend oder beruhigend auf den Menschen wirken. Teilweise können auch aktivierende und beruhigende Passagen in einem Musikstück vorkommen13.

«Die Einwirkung von Klängen auf Psyche und Körper des Menschen bildet eine Urerfahrung, die bereits unsere Ahnen in grauer Vorzeit machten und die noch heute jeder einzelne an sich selbst erfahren kann. Musik kann nicht nur einen starken Bewegungsantrieb ausüben, der in Marsch- oder Tanzmusik genutzt wird, sondern sie kann auch umgekehrt den Organismus beruhigen, was Wiegenlieder aus aller Welt bezeugen.»14

4.2. Musik und Bewegung

Eine tiefe Verankerung zwischen Musik und Bewegung lässt sich daraus schliessen, dass in jeder uns bekannter Kultur zu Musik getanzt, geklatscht, gestampft, marschiert, gebetet oder allgemein Bewegung in Gange gesetzt wird. Diese starke Verbundenheit kann mit Gemeinsamkeiten zwischen Musik und Bewegung erklärt werden.

Drei wichtige Komponenten der Musik sind Takt, Tempo und Rhythmus. Diese Bestandteile finden wir auch in der Bewegung wieder. Die Frequenz einer sich wiederholenden Bewegung lässt sich in den Takt eines Musikstücks übertragen. Das Tempo eins Tonstücks kann man als die Geschwindigkeit eines Sportlers während einer gewissen Bewegung verstehen. Ebenfalls der Rhythmus eines Bewegungsablaufs kann in den Rhythmus eines Lieds übertragen werden. Dass dieser Konsens effektiv vorhanden ist, beweist uns das Tanzen zu Musik, was auf der ganzen Welt verbreitet ist. Diese Gemeinsamkeiten lassen auf eine beachtliche Wechselbeziehung zwischen Bewegung und Musik schliessen.15

4.3. Musik beim Laufen

Oft wird der Laufsport als monoton und langweilig beschrieben, weil über einen langen Zeitraum immer der gleiche Bewegungsablauf vollbracht wird. Dies lässt sich daraus erklären, dass wenn ein Läufer beispielsweise zehn Minuten lang in einer Schrittfrequenz von 160 Schritten pro Minuten läuft, dieser in den zehn Minuten 800-mal den ein und denselben Bewegungsablauf ausführt.

Deshalb greifen viele Läufer zur Musik, um beim Laufen abgelenkt, unterhalten oder im besten Fall motiviert zu werden. Wichtig bei der Wahl der Musik ist die Taktzahl. Die Taktzahl soll im idealsten Fall gerade sein (2/4 oder 4/4), damit die Musik mit der zyklischen Bewegung übereinstimmt. Eine weitere entscheidende Rolle spielen auch die Beats per minute (bmp). Die Beats per minute entscheiden das Tempo eines Musikstücks und geben die Schläge pro Minute an. Je schneller ein Musikstück ist, also je mehr Beats per minute, desto schneller kann gelaufen werden.16 Dies ist jedoch nur bis zu einem gewissen Grad, wo die Geschwindigkeit der Bewegung noch mit dem Tempo der Musik mithalten kann, möglich. Im Idealfall synchronisiert sich die Bewegung mit dem Takt der Musik, was dazu führt, dass der Sauerstoffverbrauch des Läufers abnimmt und dieser folglich länger laufen kann, was bereits nachgewiesen wurde.17

Musik hat die Kraft uns Menschen emotional zu beeinflussen, sie bringt uns zum Weinen, zum Lachen, animiert uns zum Marsch und bringt uns zum Schlafen.

Dass Musik einen Einfluss auf unsere Psyche hat ist allseits bekannt und auch eine natürliche Realität. Deswegen behaupten viele Sportler, dass sie durch Musik motiviert werden oder sich durch bestimmte Musikstücke besser konzentrieren können, wie in Abbildung 2 demonstriert wird. Tatsächlich kann Musik als Stimulans oder Anreger funktionieren und findet auch oft in der Psychologie seinen Platz als Therapie.18

5. Psychologie im Sport

Wie in der Musik fand die Psychologie schon früh sein Interesse am Sport. Das menschliche Verhalten unter extremen Situationen im Sport wie Stress, Niederlage, Belastung und Sieg wurden von der Psychologie immer wieder analysiert. Doch leider behandelten diese Analysen nur selten die Psyche des einzelnen Sportlers, wobei viele Sportler ihre psychische Einstellung oft als Hindernis oder Belastung beschreiben. Ab den 70er Jahren kam dann endlich die von vielen Sportler und Trainer erhoffte Wende in der Sportpsychologie. Die Probleme und Hemmungen des individuellen Sportlers wurden nun zum Gegenstand der Psychologen.19 Hoffnungsvoll erwarten viele Sportler von der Sportpsychologie einen positiven Nutzen zu erzielen. Tatsächlich arbeiten viele Profisportler eng mit Psychologen und Motivatoren zusammen.20

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Jürgen Nitsch21

Die Sportpsychologie arbeitet deswegen immer wieder an neuen Methoden die Psyche des Sportlers so zu trainieren, dass dieser gegenüber einem gleich starken Gegner nur durch seinen psychischen Zustand einen entscheidenden Vorteil hat.

5.1. Psychologisches Training

Die Absicht des psychologischen Trainings ist es eine aufgabenadäquate und für den individuellen Sportler befriedigende, aktive Aktion zu erreichen. Es richtet sich dabei auf die handlungsregulierenden und handlungsbedingenden, auf die emotionalen, motivationalen und kognitiven Prozesse. In der Psychologie gehen demnach Emotion, Motivation und Kognition in jeder sportlichen Bewegung und Handlung ein. Sportliche Aktionen sind dabei nicht als isolierte Handlungsmechanismen aufzufassen, sondern sind das Ergebnis individueller Bedürfnisse, Emotionen und Zielsetzungen. Der menschliche Körper dient dabei als Ursprung und Instrument der Bewegung.22

Das am häufigsten praktizierte psychologische Verfahren im Sport ist das mentale Training. Grob versteht man unter mentalem Training das Sich-Vorstellen eines Bewegungsablaufs, ohne diesen tatsächlich motorisch auszuführen. Es ist hauptsächlich darauf gerichtet, sportliche Bewegungsabläufe, Techniken und Fertigkeiten zu erlernen oder zu verbessern.23 Damit das mentale Training die optimale Wirkung auf den Sportler hat und sein «Sich-Vorstellen» eines Bewegungsablaufs auch tatsächlich motorisch umgesetzt werden kann, wird die Psychoregulation in Anspruch genommen.24

5.2. Psychoregulation

Die Psychoregulation verfolgt das Ziel, alle psychologischen Aspekte, die einen Bewegungsablauf oder gar eine Handlung beeinflussen, so zu aktivieren, dass diese zu einem idealen Handlungsergebnis beisteuern. Hierbei verfolgt die Psychoregulation fünf Hauptziele und fünf entsprechende Massnahmen, um diese zu erreichen.25 Die Verbesserung und Anwendung psychischer Steuerungsfähigkeit, also wie Schwierigkeiten und Hindernisse auf dem Weg zum Ziel überwunden werden, wird durch die Regulation psychischer Steuerungsfähigkeiten trainiert. Die Kontrolle und Stabilisierung über seine eigenen Emotionen wird von der Emotionaler Regulation gelehrt. Um die kognitive Fähigkeit, also die Fähigkeit von wahrnehmen, beobachten, wissen und denken, zu verbessern, wird die intellektuelle Regulation angewendet. Körperliche Energie ist eine klare Voraussetzung für Höchstleistungen eines Sportlers. Sie kann durch gezielte Ernährung und Training geschaffen und reguliert werden. Hierbei spricht man von Energieregulation. Die Antriebsregulation behandelt die Erzeugung und Steuerung der Motivation.26

Auf die letztere Massnahme und dessen Ziel wird im nächsten Kapitel noch genauer eingegangen, da die Motivation, wie in Kapitel 3.3 beschrieben wird, ein wichtiger Faktor für die Ausdauer ist und die Musik einen klaren Einfluss auf die Motivation haben kann, wie in Kapitel 4.1 und 4.3 gezeigt wurde.

5.3. Motivation

Motivation ist ein Prozess, bei dem bestimmte Motive eine entsprechende Handlung auslösen. Dadurch erhält das Verhalten eine gewisse Richtung auf ein Ziel, eine Intensitätsstärke und eine Ablaufform. Die Motivation eines Menschen wird durch individuelle Anreize und Präferenzen beeinflusst. Nach David Clarence McClelland gibt es fünf Grundmotive, die eine Motivation, also einen Beweggrund, erzeugen können. Diese Motive sind einerseits die Zugehörigkeit, die Macht und das Streben nach besserer Leistung und andererseits die Ohnmacht, die Angst vor dem Versagen und die Befürchtung der Wertlosigkeit.27 Die Reize und Triebe bringen den Menschen folglich zu entsprechenden Handlungen, um den erhofften Lustgewinn zu erreichen.28 Dabei wird die Motivation in zwei Arten unterteilt. Die extrinsische Motivation ist eine durch äussere Reize produzierte Motivation. Die Leistungen werden erbracht, weil daraus Vorteile erwünscht sind oder Nachteile vermieden werden wollen. Die intrinsische Motivation wird durch innere Reize hervorgerufen. Intrinsisch motivierte Sportler berufen ihre Motivation aus der Tätigkeit heraus. Dazu können persönliche Interessen, kreative und künstlerische Bestrebungen und Herausforderungen diese innere Motivation hervorrufen.

Die Faktoren der intrinsischen Motivation sind kognitiver und emotionaler Art, wobei die emotionale intrinsische Motivation durch Musik gezielt gesteuert werden muss, damit die sportliche Leistung des Sportlers beeinflusst werden kann29. Diese Beeinflussung wird im nächsten Kapitel untersucht, ausgewertet und interpretiert.

[...]


1 Röthig Peter, Sportwissenschaftliches Lexikon, 6. Auflage (Schorndorf: Hofmann, 1992), S. 483

2 Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion, Duden, Auflage 21 (Leipzig: Dudenverlag, 2016), S. 699

3 «Sport», Universität Hamburg Prof. Dr. phil. Claus Tiedemann, http://sport-geschichte.de/tiedemann/documents/sportdefinition.html#Literatur, Zugriff am 30.09.2018

4 Ebner Ulrike, Laufen als Gesundheitssport (Norderstedt: Grin Verlag, 2004), S. 6

5 Harari Yuval Noah, Eine kurze Geschichte der Menschheit (München: Pantheon Verlag, 2011), S. 15

6 «Laufen leicht gemacht», Fit For Life, http://www.markusryffels.ch/cgi-bin/ckfinder/files/Laufen_leicht_gemacht_de.pdf, Zugriff am 03.10.2018

7 Aderhold S. und Weigelt S., Laufen! ...durchstarten und dabeibleiben – vom Einsteiger bis zum Ultraläufer (Stuttgart: Schattauer GmbH, 2012), S. 17 - 19

8 Zintl Fritz und Eisenhut Andrea, Ausdauertraining (München: BLV Buchverlag GmbH & Co. KG, 2009) S. 30

9 a. a. O., S. 31

10 Spitzer Manfred, Musik im Kopf. Hören, Musizieren, Verstehen und Erleben im neuronalen Netzwerk, 2 Auflage (Stuttgart: Schattauer GmbH, 2014), S. 45

11 Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion, Duden (Leipzig: Dudenverlag, 2016), S. 509

12 Hesse Horst Peter, Musik und Emotionen. Wissenschaftliche Grundlage des Musik-Erlebens (Wien: Springer-Verlag, 2010), S. 155

13 a. a. O., S. 157

14 a. a. O., S. 3

15 Siegmann Axel, Einsatz und Nutzung von Musik im Sport (Saarbrücken: VDM Verlag Dr. Müller GmbH & Co. KG, 2010), S. 11 - 13

16 «Laufen mit Musik», Fit For Life, https://www.fitforlife.ch/artikel/laufen-mit-musik/, Zugriff am 01.10.2018

17 «Music in Sport and Exercice: An Update on Research and Application», The Sport Journal, http://thesportjournal.org/article/music-sport-and-exercise-update-research-and-application/, Zugriff am 01.10.2018

18 «Die Macht der Musik», Die Zeit Online, https://www.zeit.de/zeit-wissen/2012/01/Psychologie-Musik, Zugriff am 29.09.2018

19 Baumann Sigurd, Psychologie im Sport (Aachen: Meyer & Meyer Verlag, 1998), S. 11

20 «Wie Sportler von Coaches beraten werden», Spiegel Online, http://www.spiegel.de/gesundheit/psychologie/sportpsychologie-wie-sportler-von-coaches-beraten-werden-a-982732.html, Zugriff am 03.10.2018

21 «Sportpsychologie (Definitionen)», Sportunterricht.de, http://www.sportunterricht.de/lksport/spopsy2.html, Zugriff am 02.10.2018

22 Baumann Sigurd, Psychologie im Sport (Aachen: Meyer & Meyer Verlag, 1998), S. 57f.

23 a. a. O., S. 59

24 a. a. O., S. 60

25 a. a. O., S. 83

26 Baumann Sigurd, Psychologie im Sport (Aachen: Meyer & Meyer Verlag, 1998), S. 84 - 87

27 «Grundmotive nach McClelland», Institut für Management-Innovation, http://www.management-innovation.com/, Zugriff am 06.10.2018

28 Baumann Sigurd, Psyche in Form (Aachen: Meyer & Meyer Verlag, 2011), S. 28

29 «Motivation», Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik, http://lexikon.stangl.eu/337/motivation/, Zugriff am 04.10.2018.

Ende der Leseprobe aus 47 Seiten

Details

Titel
Der motivierende Einfluss von Musik auf die sportliche Leistungsfähigkeit im Laufsport
Untertitel
Theoretische Recherche und praktische Untersuchung
Note
3
Autor
Jahr
2018
Seiten
47
Katalognummer
V446007
ISBN (eBook)
9783668855663
ISBN (Buch)
9783668855670
Sprache
Deutsch
Schlagworte
einfluss, musik, leistungsfähigkeit, laufsport, theoretische, recherche, untersuchung
Arbeit zitieren
Fabiano Coluccia (Autor), 2018, Der motivierende Einfluss von Musik auf die sportliche Leistungsfähigkeit im Laufsport, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/446007

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