Filme aus anderen Kulturkreisen verstehen. "Godzilla. Planet der Monster"


Referat (Ausarbeitung), 2018
10 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die Entstehung von Godzilla

2. Inhalt von Godzilla: Planet der Monster

3. Die Darstellung von Religion
3. 1. Rituelle Praktiken
3. 2. „Zwischenwelten“
3. 3. Ehre und Stolz
3. 4. Apokalypse

Resumee

Bibliographie

Film

Einleitung

Es ist nicht immer einfach sich einem Film aus einem anderen Land oder Kulturkreis zu nähern und ihn auch verstehen zu können. Dies betont auch Ken Gelder, wenn er ausführt: "Naturally, there is always a sense that cinema from other places […] will always exceed the understandig of critics who remain geographically and culurally distanced from these things.”[1] Jedoch weist er auch darauf hin: „ On the other hand, these films are also already transnational, designed among other things to interrogate one`s assumptions about cultural and geographical distance, and difference.[2] Daher ist es auch möglich sich mit Godzilla: Planet der Monster einem japanischen Zeichentrickfilm, einem Anime, zu befassen, sich auseinander zusetzen und diesen interpretieren zu versuchen.

So soll zunächst einmal ein Blick auf die Entstehung von Godzilla geworfen und nach einer kurzen Inhaltsangabe den religiösen Themen des Filmes nachgegangen werden.

1. Die Entstehung von Godzilla

Godzilla, das Urzeitmonster erstand nach einem Unglück, das einem japanischen Fischerboot samt Mannschaft widerfahren war. 1954 geriet das Boot Glücklicher Drache in den Bereich, indem gerade das amerikanische Militär Atombombenversuche veranstaltete und wurde stark verstrahlt, sodass einer von der Crew auch alsbald verstarb.[3]

Die westliche Welt nahm fast keinen Anteil an diesem Ereignis, hingegen die japanische Bevölkerung war außer sich, sprach von einem „zweiten Atomangriff“ und befürchtete die radioaktive Verseuchung der Meerestiere.[4] Dazu kam, dass die USA als Besatzungsmacht, wie Schäfer bezugnehmend auf die diesbezüglich Literatur festhält, einen öffentlichen Diskurs bzw. ein Erinnern der Ereignisse von Hiroshima und Nagasaki verboten hatte.[5]

Tomoyuki Tanaka kehrte ungefähr zu dieser Zeit nach Japan zurück und schlug dem Toho Studio vor diesen Vorfall zu nützen und einen Film mit einem durch Radioaktivität entstandenen Monster aus den Tiefen zu drehen.[6] Der Regisseur Ishirō Honda nahm aber nicht nur Bezug auf dieses Ereignis, sondern der Film wurde auch „eine unverblümte Allegorie auf das atomare Zeitalter“. [7] Deshalb war das Monster auch so groß, da die Japaner riesengroße Angst vor der Atomkraft hatten.[8] Am Ende wurde die gigantische Riesenechse, die durch Atomversuche entstanden war, durch die Wissenschaft, die sie auch erschaffen hatte, besiegt und mit ihm starb auch der Erfinder dieser Superwaffe.[9]

Das neu geschaffene Ungeheuer erhielt den Namen Gojira in Japan bzw. Godzilla in der restlichen Welt, wobei der Name Gojira ein Kunstwort ist und sich aus Gorilla und Wal zusammensetzt.[10]

15 Filme wurden bis 1974 gedreht und als Showa -Staffel zusammengefasst.[11] Godzilla bekam in dieser Zeit bald Gesellschaft durch andere Monster, verwandelte sich immer mehr zu einem Guten und letztlich sogar zu einem Retter der Menschen.[12] Analog zum Wettrüsten der Supermächte wurden auch die Monster immer größer und grausamer. Auch lässt sich in diesen Filmen unschwer der schizophrene Umgang mit der Atomenergie seitens der Menschen ablesen: Auf der einen Seite die tödliche Waffe, auf der anderen Seite der billige Strom.[13] Wobei Japan eben mangels Ressourcen seit den 60er/70er Jahren auf die Gewinnung von Strom aus Atomreaktoren setzte und ein immer größeres Netz aufbaute.[14] Somit war in dieser Zeit auch das Erinnern Japans an die schreckliche Geschichte des Atombombenabwurfs über Hiroshima und Nagasaki geprägt vom „Spannungsfeld von Kalten Krieg und ziviler Kernkraft.“[15] Außerdem kann „auch das Aufkommen der Godzilla Serie ab Anfang der 1950er-Jahre als erster Ausdruck einer Art allegorischen Verarbeitung interpretiert[16] werden.

1984 folgte die Fortsetzung des 1954 gedrehten Filmes. Und 1985 kam der böse Godzilla wieder zurück, jedoch fanden die sechs zwischen 1989 und 1995 gedrehten Filme wenig Anklang.[17] „Außerirdische“ versuchten darin die Erde vor Godzilla zu beschützen, jedoch entstand dabei ein noch größeres Monster, was es schlussendlich aber doch gelang zu besiegen.[18] Wobei (Welt-)Bedrohungen meist hintergründig mittransportiert wurden: Nukleare Aufrüstung, übermächtige Maschinenwesen, Gentechnik und Umweltverschmutzung.[19] Die Filme in dieser Periode werden als Heisei -Staffel geführt.[20]

Zwischen 2000 und 2004 folgten nochmals sechs Godzillafilme in Japan, die sogenannte Millenium -Staffel.[21] Da 1999 ein schwerer atomarer Unfall in Tokaimura stattgefunden hatte,[22] stand wieder der böse Godzilla im Vordergrund.

Im März 2011 wurde Japan dann von einem durch ein gewaltiges Erdbeben mit Tsunami ausgelösten schweren Reaktorunfall in Fukushima heimgesucht.[23] Trotzdem kehrte Godzilla erst wieder 2016 ins japanische Kino zurück und es wurde der 29. japanische Godzillafilm, neben zwei amerikanischen (1998, 2014), mit Shin Godzilla veröffentlicht.

Und im August 2016 beschloss das Toho Studio erstmals einen animierten Godzillafilm zu drehen und zusammen mit Polygon Pictures zu produzieren. Als Drehbuchautor wurde Gen Urobochi gewonnen. Regie sollten Kōbun Shizuno und Hiroyuki Seshita führen. Und so erschien am 17. November 2017 der erste Teil der mittlerweile in Aussicht gestellten Trilogie: Godzilla: Planet der Monster. Obwohl dieser Film auch Merkmale des Genre des Mecha[24] aufweist[25], überwiegen doch in diesem Anime die Anspielungen auf religiöse Inhalte.

[...]


[1] Gelder, Ken: Citational Vampires: Transnational Techniques of Circulation in Irma Vep, Blood: The Last Vampire and Thirst, in: Khair, Tabish und Höglund, Johan (Hrsg.): Transnational and postcolonial vampires. Dark blood. London 2013, 81.

[2] Ebd., 81.

[3] Vgl. Gricksch, Gernot: Godzilla. Von Japan bis Hollywood. Alles über das berühmteste Monster der Filmgeschichte, München, 1998, 11; vgl. Lovece, Frank: Godzilla. Alles über den König der Monster, München 1998, 9.

[4] Vgl. Gricksch, 11.

[5] Vgl. Schäfer, Stefanie: Das Atombombenmuseum Hiroshima: Erinnern jenseits der Nation (1945-1975), Bielefeld 2018, 14.

[6] Vgl. Gricksch, 11f.

[7] Gricksch, 13.

[8] Vgl. Lovece, 12.

[9] Vgl. Gricksch, 78f.

[10] Vgl. Zerm, Eric/ Albrecht, Elias: Masters of Fiction 3: Jurassic Hype - Urzeitgiganten beherrschen die Leinwand (2015) https://books.google.at/books?id=3LyEDAAAQBAJ&pg=PT65&dq=godzilla+filme&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwjH75bK9PHaAhXF2CwKHUoKBvkQ6AEIMjAC#v=onepage&q=godzilla%20filme&f=false [abgerufen am 14.4.2018].

[11] Vgl. ebd. [abgerufen am 14. 4. 2018].

[12] Vgl. Gricksch, 14f, vgl. Vgl. Karlan, Dan / Lazar, Allan / Salter, Jeremy: Die 101 einflussreichsten Personen, die es nie gab: Wie Barbie, James Bond und Hamlet uns verändert haben, Köln 2006, 95.

[13] Vgl. Karlan, Dan / Lazar, Allan / Salter, Jeremy: 94f.

[14] Vgl. Koch, Matthias: Neubewertung der Kernenergie in Japan zu Beginn des 21. Jahrhunderts? in: Conrad, Harald / Saaler, Sven (Hrsg.): Japanstudien. Band 13/2001: Wohnen in Japan, 373.

[15] Schäfer, 134.

[16] Winter, Franz: Godzilla ist immer. Apokalypsen in der japanischen Manga- und Anime-Tradition, , in: Wessely, Christian / Heimerl Theresia (Hrsg): Weltentwürfe im Comic/Film, Marburg 2018 (= Religion, Film und Medien 2), 200.

[17] Vgl. Lovece, 33-35.

[18] Vgl. Karlan, Dan / Lazar, Allan/Salter, Jeremy: 96.

[19] Vgl. Hauser, Jens: Godzilla. Die unglaubliche Erfolgsstory des Kultmonsters, München 1998, 24-26.

[20] Vgl. Zerm, Eric / Albrecht, Elias: [abgerufen am 14. 4. 2018].

[21] Vgl. ebd.

[22] Vgl. Global 2000: Unfälle in Atomkraftwerken, in: https://www.global2000.at/unfaelle-atomkraftwerke [abgerufen am 14.5.2018].

[23] Vgl. ebd., Vgl. Greenpeace: Vom Störfall bis zur Tragödie, in: https://www.greenpeace.de/themen/energiewende/atomkraft/atomunfaelle [abgerufen am 14.5.2018].

[24] Winter, Franz: Godzilla ist immer, 205: „Unter Mecha [...] versteht man Manga, die einen starken Fokus auf technologische Details legen und oftmals Roboterfiguren (im weitesten Sinn des Wortes) im Zentrum haben.“

[25] Zu Beginn bieten die Bilusaludo ihre Hilfe an (Godzilla: Planet der Monster [怪獣惑星 Gojira: Kaijū Wakusei ] (Regie: Kōbun Shizuno und Hiroyuki Seshita, Japan 2017, Min. 6), aber Mecha-Godzilla kann nicht aktiviert werden und sie müssen die Erde verlassen (Godzilla: Planet der Monster, Min. 7-9.). Und auch im Kampf gegen die angreifenden Monster auf der Erde und den Endkampf gegen den vermeintlichen Godzilla spielen mechanische Kampfmaschinen einen wesentliche Rolle. Um den Schutzschild von Godzilla zu zerstören, greifen Haruo und seine Leute Godzilla mit speziellen Kampfmaschinen an und versuchen so die Mikrosonden zu platzieren, damit der Schutzschild zusammenfällt, was auch gelingt (Godzilla: Planet der Monster, Min. 72-74).

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Filme aus anderen Kulturkreisen verstehen. "Godzilla. Planet der Monster"
Hochschule
Karl-Franzens-Universität Graz  (Religionswissenschaft)
Veranstaltung
Arbeitsgemeinschaft
Note
1
Autor
Jahr
2018
Seiten
10
Katalognummer
V446023
ISBN (eBook)
9783668821675
ISBN (Buch)
9783668821682
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Godzilla: Planet der Monster, Anime, Boot Glücklicher Drache, radioaktive Verseuchung der Meerestiere, Tomoyuki Tanaka, Regisseur Ishirō Honda, eine unverblümte Allegorie auf das atomare Zeitalter, Gojira, Showa-Staffel, Spannungsfeld von Kalten Krieg und ziviler Kernkraft, böse und gute Godzilla, Tokaimura, Reaktorunfall in Fukushima, Kōbun Shizuno und Hiroyuki Seshita, Kaiju, Exif und Bilusaludo, Captain Haruo Sakaki, Colonel Eliott Leland, Exifpriesters Lieutenant Colonel Chaplain Metphies, religiöse Themen, Vermischung der unterschiedlichen Religionen, religiöser Bräuche, religiöser Symbole usw, “Ursprungsreligion“ der Japaner, Shintoismus, Kami, Christentum, Lelands ehrenhaften Tod, Rituelle Praktiken, „Zwischenwelten“, Ehre und Stolz, Apokalypse, Zerstörung der Erde, Endszenario der Welt, Umkehr im selbstzerstörerischen Denken, Macht der Technik
Arbeit zitieren
Ottilie Kumpitsch (Autor), 2018, Filme aus anderen Kulturkreisen verstehen. "Godzilla. Planet der Monster", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/446023

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