Verfahren der Unternehmensbewertung. Überblick und kritische Würdigung im Hinblick auf den Börsengang eines Unternehmens


Hausarbeit, 2018
35 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Thema und Ziel der Arbeit

2 Going Public
2.1 Vorbereitungsphase
2.2 Dokumentationsphase
2.3 Bewertungsphase
2.4 Angebotsphase
2.5 Folgearbeiten

3 Verfahren der Unternehmensbewertung
3.1 Substanzwertorientiertes Verfahren
3.2 Vergleichswertorientiertes Verfahren
3.3 Ertragswertorientiertes Verfahren
3.4 Discounted Cash Flow - Verfahren
3.4.1 Equity-Ansatz
3.4.2 Entity-Ansatz
3.4.3 Adjusted Present Value Verfahren

4 Zusammenfassung und Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Phasen des Börsengangs

Abbildung 2: Ablauf der Unternehmensbewertung

Abbildung 3: Prozess der Preisfindung

Abbildung 4: Vier Schritte des Vergleichsverfahrens

Abbildung 5: Ermittlung des Ertragswerts nach IDW

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Zusätzliche Dokumente des Börsengangs

Tabelle 2: Bewertungsverfahren

Tabelle 3: Wertansätze für Teilreproduktionswerte

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieer Leseprobe nicht enthalten

1 Thema und Ziel der Arbeit

In meiner Arbeit geht es um die Verfahren der Unternehmensbewertung und in welchem Zusammenhang diese mit einem Börsengang eines Unternehmens stehen. Dafür erläutere ich zuerst einige Begriffe und gebe eine kurze Einführung über die Motive und Ziele eines Börsengangs. Danach betrachte ich zunächst einmal den Börsengang selbst und erläutere diesen anhand der fünf Phasen des Börsengangs. Hierbei gehe ich auf alle Phasen genauer ein, wobei der Schwerpunkt letztendlich auf der Bewertungsphase liegt. Nachdem ich die den Börsengang näher erläutert habe, kommen ich auf den Schwerpunkt der Bewertungsphase zurück und werde dann verschiedene Verfahren zur Unternehmensbewertung darstellen. Hierbei gehe ich auf die in der heutigen Zeit populärsten und relevantesten Verfahren genauer ein. Zuletzt fasse ich die gesamte Thematik noch einmal zusammen und werde in einem Fazit darlegen, welches Verfahren der Unternehmensbewertung für den erstmaligen Börsengang besonders geeignet ist. Ziel dieser Arbeit ist es somit zu verstehen, welche Schritte für einen erstmaligen Börsengang erforderlich sind und welche Ziele ein Unternehmen mit diesem Börsengang verfolgt. Darüber hinaus sollen die verschiedenen Verfahren der Unternehmensbewertung verstanden werden und deutlich gemacht werden, welche Verfahren allgemein relevant sind und welche besonders für den Börsengang relevant sind.

2 Going Public

Viele Unternehmen gelangen im Laufe ihres Bestehens in eine Reifephase, in der die Expansion abnimmt, sich das Wachstum verlangsamt und die Umsätze und Erträge stagnieren oder rückläufig sind. Dieser Prozess beginnt schleichend und soll im Sinne des Unternehmens so weit wie möglich hinausgezögert werden. Für die Verzögerung wird häufig anorganisches Wachstum genutzt um in eine erneute Wachstumsphase zu gelangen.[1]

Zu der noch immer bekanntesten Form von anorganischem Wachstum gehört das Going Public. Dieser wird auch häufig einfach als Börsengang oder Initial Public Offering (IPO) bezeichnet.[2] Unter dieser Börseneinführung versteht man die erstmalige Emission von Aktien auf einem organisierten Kapitalmarkt wie der Börse. Laut Wolfgang Portisch versteht man unter dem Begriff Börse einen virtuellen Handelsplatz, an dem regelmäßig und zu festgelegten Zeiten Güter, Finanzinstrumente oder Rechte gehandelt werden. Der wesentliche Ablauf des Börsengangs wird in fünf Schritten beschrieben, welche die wichtigsten Phasen und Entscheidungen beschreibt.[3]

Abbildung in dieer Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Phasen des Börsengangs[4]

Diese fünf Phasen werden im weiteren Verlauf des Kapitels näher beschrieben.

2.1 Vorbereitungsphase

Die erste Phase des Börsengangs ist die Vorbereitungsphase. Vorbereitende Tätigkeiten beziehen sich hier auf grundlegende Entscheidungen wie die Wahl der Rechtsform, die Auswahl des Börsensegments und die zu wählende Aktienart. Ein weiterer wichtiger Schritt ist dann noch die Wahl der Beratermandate. Hier sind besonders die Erfahrung der ausgewählten Investmentbank sowie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft entscheidend.[5] Die Wahl der richtigen Rechtsform ist beim Going Public beschränkt auf zwei Möglichkeiten. Horst S. Werner und Rolf Kobabe, weisen darauf hin, dass der Börsengang nur Unternehmen mit der Rechtsform der AG oder der KGaA zusteht.[6] Die AG ist die häufigste gewählte Rechtsform für den Börsengang. Ist ein Rechtsformwechsel nötig, so ergeben sich alle gesetzlichen Regelungen aus dem Aktiengesetz und dem Umwandlungsgesetz. Ist die Frage der Rechtsform geklärt, muss sich jedes Unternehmen damit auseinandersetzen, in welchem Börsensegment es tätig sein will und welche Aktienart und Aktiengattung es anbieten will. Die Börsensegmente werden in den regulierten Markt (EU-regulierter Markt) und den Open Market (Börsenregulierter Markt) unterteilt und unterscheiden sich hauptsächlich in ihrem Transparenzlevel. Für den Open Market greift das Transparenzlevel des Entry Standard. Der Entry Standard wurde 2005 für kleine und mittlere Unternehmen auf den Open Market zugeschnitten, um auch diesen Unternehmen durch weniger strenge Anforderungen den Zugang zum Kapitalmarkt zu ermöglichen. Für den regulierte Markt greifen zum einen der General Standard und zum anderen der Prime Standard. Für den General Standard müssen die gesetzlichen Mindestanforderungen des regulierten Marktes erfüllt werden. Der Prime Standard umfasst zum einen den General Standard, muss zum anderen aber auch weitere internationale Anforderungen zur Erfüllung von Informationspflichten beinhalten.[7]

Aktien stehen repräsentativ für den Unternehmenswert. Das bedeutet, dass jede Aktie einen Bruchteil des emittierenden Unternehmens Wert ist. Die Aktienart wird in der Satzung festgelegt und beeinflusst die Übertragbarkeit und Liquidität der Aktie.[8] Es wird unter verschiedenen Aktienarten unterschieden, welche alle unterschiedliche Eigenschaften haben. Zum einen gibt es die Inhaberaktien. Bei Inhaberaktien ist für einen Eigentümerwechsel rechtlich gesehen eine einfache formlose Einigung und Übergabe erforderlich. Darüber hinaus gibt es die Namensaktien. Diese Aktienart hat den Vorteil, dass dem Unternehmen die Aktionäre aufgrund der Eintragung bekannt sind. In der Satzung einer AG kann zusätzlich festgelegt werden, dass eine Übertragung der Aktie von der Zustimmung der Gesellschaft abhängig ist. Dann sprechen wir von sogenannten vinkulierten Namensaktien.[9] Durch diese Besonderheit versuchen Unternehmen unter anderem den Eintritt unerwünschter Investoren zu verhindern. Aber auch Familienunternehmen nutzen diese Art der Aktie um die Mehrheit am Unternehmen zu halten.[10]

Der Erfolg eines Börsengangs ist stark davon abhängig, ob man die passenden Partner für dieses Projekt gewählt hat. Die Wahl des richtigen Wirtschaftsprüfers sowie die Wahl des richtigen Konsortialführers sind hier entscheidend. Im Wesentlichen ist der Wirtschaftsprüfer für die Umstellung des Rechnungswesens und die Durchführung der Due Diligence verantwortlich. Dagegen hat die Investmentbank die Aufgabe der Strukturierung der Transaktion. Das bedeutet sie ist der Projektmanager und legt den Zeitplan fest, bearbeitet die Equity Story und platziert die Aktien. Das Unternehmen wählt die passende Konsortialbank anhand des angestrebten Börsensegments, der Transaktionskosten und der Erfahrung der Bank aus.[11] Die Gesellschafter können für ihr Unternehmen zwei wesentliche Zielarten verfolgen. Zum einen können die Gesellschafter monetäre Ziele verfolgen und damit einen Komplett- oder Teilausstieg anstreben. Zum anderen kann auch eine aktuell gute Marktlage der Anstoß sein, die Gesellschaftsanteile gewinnbringend zu verkaufen, da möglicherweise gerade ein deutlich höherer Marktpreis im Vergleich zur Bewertung bezahlt wird. Als drittes, monetäres Ziel, kann eine Verbesserung der Kapitalstruktur und eine Verringerung der Kapitalkosten genannt werden. Das bedeutet, dass das emittierende Unternehmen seine Eigenkapitalquote durch die Ausgabe von Aktien erhöht und damit einhergehend ein besseres zukünftiges Rating hat. Dies wiederum ist entscheidend für eine Verringerung der Kapitalkosten. Darüber hinaus kann das Kapital genutzt werden, um vorhandene Verbindlichkeiten weiter abzubauen und somit die Eigenkapitalquote weiter zu verbessern. Im Zusammenhang mit einem Börsengang, stehen genaue Überwachungen der Finanztransaktionen durch Ratingagenturen und Finanzanalysten. Das bedeutet, es sollte mindestens ein Teil des Geldes in neue Investitionen fließen.[12] Als zweite Möglichkeit können die Gesellschafter nicht monetäre Ziele verfolgen. Hierzu zählen z.B. die Veränderung der Eigentümerstruktur und die Verstetigung der Firma. Die Eigentümerstruktur verändert sich unmittelbar mit einer Emission von Aktien. Diese kann unter Umständen in Teilen bewusst gesteuert werden, in dem strategische und langfristige Investoren für Anteilspakete bei der Neuemission angeworben werden. Weiter werden regelmäßig „Family & Friends“-Tranche für Familienmitglieder oder auch Mitarbeiter oder Geschäftspartner reserviert. Liegt aber das Ziel einer deutlich erhöhten Liquidität im Vordergrund, so werden die Aktien breit auf Privatanleger verstreut um einen intensiven Handel anzuregen. Absichtliches zurückhalten von Aktienpaketen, um mögliche Einflussnahmen von neuen Großaktionären zu verhindern, wirken sich deutlich negativ auf die Kursentwicklung aus. Der Börsengang kann darüber hinaus dazu verwendet werden, eine Diversifizierung der Finanzierungsquellen herbeizuführen. Hausbanken nutzen häufig ihre Monopolstellung aus, was sich dann unter anderem in Form von erhöhten Kreditkonditionen wiederspiegelt. Durch den Börsengang wird diese Monopolstellung durchbrochen und damit sinken die Finanzierungskosten. Ein drittes bedeutendes Motiv, ist die Finanzierung von weiterem Wachstum. Der Börsengang hilft somit weiteres Kapital zu generieren um z.B. Produktinnovationen zu finanzieren und auf dem Markt einzuführen. Darüber hinaus kann das neue Kapital für den Kauf von Lieferanten und Abnehmern für die Erweiterung der Wertschöpfungskette eingesetzt werden.[13]

2.2 Dokumentationsphase

Nach dem alle vorzubereitenden Maßnahmen getroffen wurden und die zu verfolgenden Ziele formuliert wurden, beginnt die Umsetzung des eigentlichen Börsengangs. Dazu gehört zuerst das Rechnungswesen von HGB auf IFRS umzustellen. Diese Pflicht für kapitalmarktorientierte Unternehmen ergibt sich aus §315a HGB. Eine Umstellung auf IFRS erfordert nicht nur eine Anpassung der Jahresabschlüsse, sondern einen grundlegenden Systemwechsel interner und externer Berichterstattungen. Die Dauer der Umstellung ist von Faktoren wie der Geschäftstätigkeit, die Anzahl der Tochtergesellschaften oder auch der bisherigen Kenntnisse über IFRS abhängig.[14] Sie wird durch das First-time Adoption of International Financial Reporting Standard (IFRS 1) vorgegeben. Es bezieht sich auf den ersten IFRS-Abschluss und auf jeden Zwischenbericht innerhalb des ersten Berichtszeitraums. Bei der Umstellung der Rechnungslegung von HGB auf IFRS muss sich jedes Unternehmen klar sein, dass die Umstellung auf keinen Fall gewinn-, vermögens- oder kapitalneutral abläuft. Bei einem Wechsel zwischen den beiden verschiedenen Rechnungslegungsstandards, wird von dem dominierenden Vorsichts- und Realisationsprinzip auf eine informationsorientierte und periodengerechte Rechnungslegung umgestellt.[15] Das bedeutet es steht nicht mehr die Rechenschaftsfunktion im Vordergrund, welche nicht mehr dem Gläubigerschutz dient sondern der Fokus liegt darauf den Investoren entscheidungsrelevante Informationen zur Verfügung zu stellen. Die entscheidungsrelevanten Informationen, sind dann abhängig davon, in welchem Börsensegment es sich befindet. So können die Publizitätspflichten von gesetzlichen Mindestanforderungen wie der Veröffentlichung von Jahresabschlüssen, Halbjahresberichten und Unternehmenskalender mit wichtigen Terminen auf nationaler Ebene bis hin zur Berichterstattung in Englisch, Jahresabschlüsse auf Basis der IFRS, Veröffentlichung von Quartalsberichten und abhalten von Analystenkonferenzen bei internationaler institutioneller Anlegerschaft.[16] Laut Barthélemy liegt genau hier aber auch ein großer Vorteil. Unternehmen, die z.B. in Folge des Going Public wachsen und auch im Ausland wirtschaften, müssten ohne die Umstellung auf IFRS in jedem Land einen nationalen Abschluss erstellen. So aber verschafft das internationale Berichtwesen Transparenz, Klarheit und ist aufgrund dieser Punkte auch zusätzlich ein Imagevorteil.[17]

Nach dem das Unternehmen auf internationale Rechnungslegungsstandards wie das IFRS umgestellt wurde, beginnt das Hauptziel der Dokumentationsphase. Dies besteht in der Erstellung des Börsenprospekts. Hier ist die vertrauensvolle Prüfung der Due Diligence Kernbestandteil.[18] Bei der Due Diligence handelt es sich um eine Unternehmensprüfung, die vor dem Börsengang von der Emissionsbank durchgeführt wird. Die Emissionsbank hat das Interesse die Due Diligence in allen Teilen sorgfältig auszuführen, denn sie haftet laut §§ 30 Abs. 2 S. 1, 44 Abs. 1 BörsG bei Unrichtigkeit oder Unvollständigkeit des Börsenzulassungsprospekts.[19] Es geht vor allem darum die Qualität der Entscheidung über das Transaktionsobjekt durch aufzeigen verborgener Chancen und Risiken und einen genaueren und höheren Informationsstand zu verbessern. Vereinfacht wird zwischen der finanziellen (Financial Due Diligence), steuerlichen (Tax Due Diligence), juristisch und rechtlichen (Legal Due Diligence) und unternehmerischen (Business Due Diligence) Due Diligence unterschieden. Die Business Due Diligence wird häufig noch bezüglich des Unternehmensfeldes (Commercial Due Diligence) und der Unternehmensorganisation mit Geschäftsbetrieb (Operational Due Diligence) unterschieden. Die Due Diligence wird unter hohem Zeitdruck durchgeführt. Zur Durchführung wird dem Unternehmen eine Checkliste mit Anforderungen vorgelegt, auf der Dokumente und Unterlagen gefordert werden, die dann kurzfristig aufzubereiten sind und dem Due Diligence Team zur Verfügung gestellt werden müssen.[20] Zusammen mit den eigenen Mitarbeitern besteht das Due Diligence Team aus externen Beratern, Rechtsanwälten und Wirtschaftsprüfern. Die Financial Due Diligence ist die wichtigste Prüfungsform und beinhaltet sowohl die historische als auch die geplante Vermögens-, Finanz- und Ertragslage, die Planungsrechnung und die Bestimmung der Erfolgsfaktoren.[21] Einige wesentliche Informationsquellen im Rahmen der Financial Due Diligence sind unter anderem die Jahresabschlüsse der letzten drei Geschäftsjahre, die dazugehörigen Prüfberichte, der Business Plan, monatliche Summen- und Saldenlisten, Preis-/ Mengeninformationen, Details bzw. Aufschlüsselungen der GuV- und Bilanzpositionen, vorliegende Protokolle der Geschäftsleitung, des Aufsichtsrats oder der Gesellschafterversammlung.[22] Sie dient als Grundlage der Unternehmensbewertung.[23] Alle steuerrelevanten Aspekte aus dem Erwerb des Zielunternehmens werden im Rahmen der Tax Due Diligence zusammengetragen. Wie Komplex die Tax Due Diligence sich gestaltet hängt unter anderem von der Unternehmensorganisation ab und wie viele Gesellschaften und Auslandsbeteiligungen vorhanden sind. Wenn möglicherweise erst vor kurzer Zeit eine Betriebsprüfung durchgeführt wurde, hat der potenzielle Erwerber eine hohe Sicherheit für die Vergangenheit und nur einen kurzem Zeitraum in dem steuerliche Unsicherheiten auftreten können.[24] Die Tax Due Diligence kann vom potenziellen Käufer (Buy Side Due Diligence) oder vom Verkäufer (Sell Side Due Diligence) analog zur Financial Due Diligence beauftragt werden. Unterschieden wird verkäuferseitig zwischen dem Tax Factbook bei dem steuerliche Informationen des Zielunternehmens ohne Risikobewertung vorgenommen werden und dem Vendor-Tax-Due-Diligence-Bericht bei dem die Risikobewertung berücksichtig wird. Folgende Dokumente bilden unter anderem die Basis der Tax Due Diligence:

- abgegebene Steuererklärungen und Steuerbescheide,
- letzte Betriebsprüfungsbescheide,
- Jahresabschlüsse,
- Kopien der Beherrschungs- und Gewinnabführungsverträge,
- Schriftwechsel mit der Finanzverwaltung inklusive laufenden Einsprüchen und finanzgerichtlichen Klageverfahren.

Aus diesen Unterlagen können die steuerlichen Risiken, Auswirkungen auf die Folgejahre oder auch noch mögliche Steuerzahlungspflichten analysiert werden.[25] Um zu überprüfen ob auch alle unternehmerischen Tätigkeiten frei von rechtlichen Risiken sind, wird die Legal Due Diligence mit Fokus auf sämtliche Rechtsgeschäfte des Unternehmens durchgeführt. Da sich rechtliche Risiken schnell auf die Bereiche der Financial Due Diligence und der Tax Due Diligence auswirken können, hängt die Legal Due Diligence eng mit den beiden zusammen und hat das Ziel der juristischen Absicherung der Geschäftsprozesse.[26] Um Transparenz zu schaffen werden z.B. die wesentlichen Verträge wie Verträge mit Lieferanten und Kunden, Leasingverträge, Mietverträge, Arbeitsverträge oder auch Betriebsvereinbarungen genau überprüft. Darüber hinaus wird ein Augenmerk auf vorhandene oder potenzielle Rechtsstreitigkeiten gelegt, da diese Auswirkungen auf die zukünftige Profitabilität und den zukünftigen Cash-Flow haben kann. Zuletzt wird noch überprüft ob alle relevanten Genehmigungen und Zulassungen vorliegen und vor allem welche Schutzrechte das Unternehmen hat bzw. welche es nicht hat. Im Rahmen der Legal Due Diligence muss außerdem eine Prüfung stattfinden, die untersucht ob Verträge eine „Change of Control“- Klausel enthalten. Diese könnte dazu führen, dass bei Eigentümerwechsel wichtige Verträge von den Partnern gekündigt werden was wiederum zu deutlichen Mehrkosten führen könnte. Rückstellungen oder Verbindlichkeiten, die durch Rechtsstreitigkeiten oder außerordentlichen Garantiefällen gebildet wurden werden als Nettofinanzverbindlichkeiten angesehen und können den Kaufpreis bei der Kaufpreisberechnung senken. Das bedeutet, dass das Team der Legal Due Diligence einen wesentlichen Anteil bei der Kaufvertragsverhandlung hat.[27] Marktbedingungen des Zielunternehmens, operative Gegebenheiten und weitere Faktoren die Bedeutend für eine Kaufentscheidung sind, werden in einer umfassenden Business Due Diligence untersucht. Diese wird nochmals unterteilt in die Bereiche der Commercial Due Diligence und der Operational Due Diligence. Die Commercial Due Diligence untersucht insbesondere auf die Marktanteile der Absatzmärkte, das Wachstum, die Geschäftssegmente und die Wettbewerbssituation.[28] Außerdem untersucht die Commercial Due Diligence die Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells. Das bedeutet neben dem Markt untersucht sie auch die strategische Ausrichtung des Unternehmens. Durchgeführt wird die Commercial Due Diligence von spezialisierten Dienstleistern oder auch kleineren Beratungsgesellschaften mit Spezialkenntnissen in Nischenmärkten. Zu den spezialisierten Dienstleistern können spezielle Abteilungen von Wirtschaftsprüfungsgesellschaften oder auch Strategieberatungsgesellschaften zählen.

[...]


[1] vgl.: Portisch, W.; Finanzierung im Unternehmenslebenszyklus; München; 2008; S. 251

[2] vgl.: Werner, H. S; Kobabe R.; Finanzierung; Göttingen; Hamburg; 2007; S. 64.

[3] vgl.: Portisch, W.; Finanzierung im Unternehmenslebenszyklus; a. a. O.; S 273.

[4] vgl.: ebenda

[5] vgl.: ebenda; S. 272

[6] vgl.: Werner, H. S.; Kobabe R.; Finanzierung; a. a. O.; S. 65.

[7] vgl.: Portisch, W.; Finanzierung im Unternehmenslebenszyklus; a. a. O.; S. 259 f.

[8] vgl.: ebenda; S. 263 f.

[9] vgl.: von Maltzan, Dr. B. A.; Effektengeschäft; in: Hagen, J. von (Hrsg.); Stein, J. H. von (Hrsg.); Obst/Hintner; Geld,- Banken- und Börsenwesen; 40. Auflage; Stuttgart; 2000; S. 826-922; hier S. 831.

[10] vgl.: Portisch, W.; Finanzierung im Unternehmenslebenszyklus; a. a. O.; S. 264.

[11] vgl.: Portisch, W.; Finanzierung im Unternehmenslebenszyklus; a. a. O.; S. 274.

[12] vgl.: ebenda; S. 253 f.

[13] vgl.: Portisch, W.; Finanzierung im Unternehmenslebenszyklus; a. a. O.; S. 254 f.

[14] vgl.: ebenda; S. 272.

[15] vgl.: Wöltje, J.; Trainingsbuch IFRS; 1. Auflage; München; 2007; S. 13 f.

[16] vgl.: Portisch, W.; Finanzierung im Unternehmenslebenszyklus; a. a. O.; S. 277 ff..

[17] vgl.: Barthélemy, F.; Willen, B.-U.; Handbuch IFRS; Vom Projektplan bis zur erfolgreichen Umsetzung am Beispiel SAP R/3; 2. Auflage; München; 2005; S. 36.

[18] vgl.: Portisch, W.; Finanzierung im Unternehmenslebenszyklus; a. a. O.; S.272.

[19] vgl.: Liekefett, K. H., Due Diligence bei M&A-Transaktionen; Berlin; 2004; S. 35.

[20] vgl.: Portisch, W.; Finanzierung im Unternehmenslebenszyklus; a. a. O.; S. 293.

[21] vgl.: Fanselow, K.-H.; Investment Banking; Venture Capital; in: Hagen, J. von (Hrsg.); Stein, J. H. von (Hrsg.); Obst/Hintner; Geld,- Banken- und Börsenwesen; 40. Auflage; Stuttgart; 2000; S. 999-1018; hier S. 1019

[22] vgl.: Pomp, T.; Praxishandbuch Financial Due Diligence; Finanzielle Kernanalysen bei Unternehmenskäufen; Wiesbaden; 2015; S. 28.

[23] vgl.: Portisch, W.; Finanzierung im Unternehmenslebenszyklus; a. a. O.; S. 272 f.

[24] vgl.: ebenda; S. 294.

[25] vgl.: Pomp, T.; Praxishandbuch Financial Due Diligence; a. a. O.; S. 28 f.

[26] vgl.: Portisch, W.; Finanzierung im Unternehmenslebenszyklus; a. a. O.; S. 293.

[27] vgl.: Pomp, T.; Praxishandbuch Financial Due Diligence; a. a. O.; S. 38 f.

[28] vgl.: Portisch, W.; Finanzierung im Unternehmenslebenszyklus; a. a. O.; S. 295.

Ende der Leseprobe aus 35 Seiten

Details

Titel
Verfahren der Unternehmensbewertung. Überblick und kritische Würdigung im Hinblick auf den Börsengang eines Unternehmens
Hochschule
Hochschule Ostwestfalen-Lippe
Note
1,7
Autor
Jahr
2018
Seiten
35
Katalognummer
V446112
ISBN (eBook)
9783668845602
ISBN (Buch)
9783668845619
Sprache
Deutsch
Schlagworte
verfahren, unternehmensbewertung, überblick, würdigung, hinblick, börsengang, unternehmens
Arbeit zitieren
Marvin Kreye (Autor), 2018, Verfahren der Unternehmensbewertung. Überblick und kritische Würdigung im Hinblick auf den Börsengang eines Unternehmens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/446112

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