Die Analyse Duchamps ,,Akt, eine Treppe herabsteigend” und der damit einhergehenden Abstraktion von Bewegung ist der Leitfaden, an dem sich diese Arbeit orientiert. Ziel ist es, Duchamps Umgang mit dieser Thematik herauszuarbeiten und anhand der Ergebnisse zu klären, welchen Einfluss das Werk, das als Schlüsselwerk der Moderne angesehen wird, auf die gesamte künstlerische Entwicklung des Künstlers und die der Kunst im Allgemeinen, gehabt hat. Auf die Frage, wie Duchamp zu einem der einflussreichsten Künstler des 20. Jahrhunderts geworden ist und welchen Einfluss er auf das heutige Kunstverständnis hat, ist eine weitere zu klärende Frage.
Es soll nicht nur darum gehen, lediglich Duchamps ,,Akt, eine Treppe herabsteigend” und die zentrale Thematik der Abstraktion von Bewegung herauszuarbeiten, sondern einen ganzheitlichen Überblick über Duchamps Leben und Werk zu geben, um einen Eindruck seines Wesens und seiner künstlerischen Entwicklung zu geben, die nicht zuletzt auch von Nöten ist, um die Entstehung und das Nachwirken dieses Werkes in seiner Gesamtheit verstehen zu können. Außerdem sollen auch andere Beispiele der künstlerischen Darstellung von Bewegung in der Malerei, Plastik, Fotografie und im Film vorgestellt werden. In diesen Zusammenhang soll darüber hinaus auch Duchamps Akt gebracht werden. Die Vorgehensweise dieses Vorhabens gliedert sich wie folgt:
Ausgehend von einer vorweggehenden Beschäftigung mit Duchamps Vita und ihren wichtigsten Punkten handelt es im Weiteren darum, den Akt in einer ausführlichen Bildanalyse zu besprechen. In der Interpretation soll besonderes Augenmerk auf die Entstehungsgeschichte mit den Werken, die zur Konzipierung des Akts geführt haben, gelegt werden. Es gilt zu klären, wo Duchamp seine Inspiration für das Werk gefunden hat. Weiter wird die Ablehnung des Akts durch die Kubisten und ihre Gründe dargestellt. Die nicht unerheblichen Konsequenzen dieser Ablehnung sollen dabei herausgestellt werden.
Letztlich sollen vor dem Hintergrund Duchamps künstlerischer Entwicklung, zum einen seine Gründe für die Abwendung von der Malerei, ab dem Jahre 1912, und zum anderen der Begriff der retinalen Kunst und seiner Abneigung ihr gegenüber geklärt werden. In diesem Zusammenhang soll auch Duchamps Erfindung des Ready-Mades Erklärung finden, sowie ihre Auswirkungen auf den gesamten Kunstbegriff.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Leben und Werk des Marcel Duchamp
3. ,,Akt, eine Treppe Herabsteigend Nr. 2“: Bildanalyse
3.1. Bestandsaufnahme und erster Eindruck
3.2. Bildbeschreibung
3.2.1 Ordnung der Bildfläche
3.2.2. Ordnung des Bildraums
3.2.3. Farbordnung und Bildlicht
3.2.4. Ordnung der Bildgegenstände
3.3. Interpretation und Kontext
3.3.1. Entstehungsgeschichte des ,,Akt, eine Treppe herabsteigend“
3.3.2. Inspiration für den ,,Akt, eine Treppe herabsteigend“
3.3.3. ,,Akt, eine Treppe herabsteigend Nr.1- Nr.4“
3.3.4. Ablehnung durch die Kubisten
3.3.5. Zuordnung des Werkes: Kubismus oder Futurismus?
3.3.6. Die Armory- Show
4. Skizze Duchamps künstlerischer Entwicklung anhand wichtiger Werke
4.1. Duchamps Anfänge
4.2. Überdruss an ,,retinaler-“ Kunst: die Aufgabe der Malerei und die Enstehung des Ready-Mades
4.3. Duchamps Spiel mit dem Titel
4.4. Rrose Sélavy: die Bedeutung von Eros in Duchamps Werk
5. Gerhard Richters Antwort auf Duchamps ,,Akt, eine Treppe herabsteigend“: Ema
6. Abstraktion von Bewegung im Kontext Plastik, Fotografie und Film
7. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert Marcel Duchamps Schlüsselwerk „Akt, eine Treppe herabsteigend Nr. 2“ und untersucht, wie Duchamp die Abstraktion von Bewegung in sein künstlerisches Schaffen integrierte. Dabei wird der Einfluss des Werkes auf die moderne Kunst sowie Duchamps radikale Abkehr von der sogenannten „retinalen Kunst“ und die Entwicklung seines Ready-Made-Konzepts dargelegt.
- Analyse des Werkes „Akt, eine Treppe herabsteigend Nr. 2“ hinsichtlich Bildsprache und Bedeutung.
- Untersuchung der künstlerischen Entwicklung Marcel Duchamps und seines Übergangs zur „Ideen-Malerei“.
- Kontextualisierung von Duchamps Werk im Spannungsfeld zwischen Kubismus, Futurismus und Dadaismus.
- Reflektion über die Rolle von Kunst, Künstlern und die Bedeutung von Geschlechterrollen in Duchamps Werk.
- Vergleich mit zeitgenössischen und nachfolgenden künstlerischen Ansätzen, etwa durch Gerhard Richter oder im Kontext von Fotografie und Film.
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Ordnung der Bildfläche
Bei dem Format der Bildfläche handelt es sich um ein schlankes Hochformat. Die Bildordnung verläuft diagonal von links oben nach rechts unten. Die in helleren Tönen gehaltene Mitte des Bildes wird von dem dunkel auslaufenden Bildrahmen eingerahmt und kontrastiert. Thematisch beansprucht das helle Mittelfeld die abstrahierte herabsteigende Figur, wobei das äußere Feld eine Art Treppenhaus, ohne erkennbare perspektivische Logik, andeutet.
Die herabsteigende Figur ergibt durch ihre aufgefächerten, aufeinanderfolgenden Formen, bestehend aus runden und eckigen Formen, eine gewisse figurative Ordnung, durch nach unten verlaufenden Parallelismus. Dieser Parallelismus variiert leicht in den Winkeln, beziehungsweise Neigungen, wobei die Formen und Linien von oben nach unten an Größe zunehmen und so die einzelnen Bewegungsstadien dargestellt werden. Darüber hinaus finden sich im gesamten Bild, vor allem im Bereich der Beine des abstrahierten Akts, halbrunde, markante Linien, die den Bewegungsablauf unterstreichen sollen. Man könnte so weit gehen, zu sagen, dass durch diese sogar eine Art Hüftschwung im Bewegungsablauf zu erkennen ist.
Sie sind sowohl in heller als auch dunkler Farbe gehalten und vor allem gegen Ende des Bewegungsablaufes, im unteren Bildabschnitt mit Punkten versehen, die wohl das Ende einer Bewegungssequenz darstellen. Zum selben Zweck dient auch die Art der Linienführung, während sie oben locker und frei gezogen zu sein scheint, sind sie unten gezielter gezogen und klarer definiert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in Duchamps künstlerische Haltung ein und definiert die Analyse des „Akts“ sowie die Erforschung von Duchamps Entwicklung als Leitfaden der Arbeit.
2. Leben und Werk des Marcel Duchamp: Dieses Kapitel zeichnet den biografischen Werdegang Duchamps nach, von seinen familiären Wurzeln bis hin zu seinen ersten prägenden künstlerischen Erfahrungen und Ausstellungen.
3. ,,Akt, eine Treppe Herabsteigend Nr. 2“: Bildanalyse: Ein detaillierter, strukturierter Blick auf das Hauptwerk, der Aspekte wie Bildraum, Farbwahl, Licht und die Konstruktion der dargestellten Bewegung tiefgehend untersucht.
4. Skizze Duchamps künstlerischer Entwicklung anhand wichtiger Werke: Dieses Kapitel bietet einen Überblick über Duchamps Entwicklungsprozess, von der anfänglichen Orientierung an klassischen Stilen bis zur Abkehr von der „retinalen“ Malerei hin zum Ready-Made.
5. Gerhard Richters Antwort auf Duchamps ,,Akt, eine Treppe herabsteigend“: Ema: Der Text betrachtet Gerhard Richters Auseinandersetzung mit Duchamps Motiv und wie er durch Fotografie als Ausgangspunkt eine eigene, oft als Gegenspiel gelesene künstlerische Position einnimmt.
6. Abstraktion von Bewegung im Kontext Plastik, Fotografie und Film: Dieses Kapitel weitet den Fokus aus und beleuchtet, wie andere Medien und Künstler, wie Boccioni oder Bragaglia, das Phänomen der Abstraktion von Bewegung in statischen oder zeitbasierten Kunstwerken behandelten.
7. Zusammenfassung: Eine abschließende Synthese der Ergebnisse, die Duchamps Wandel zum Einzelgänger und seinen entscheidenden Beitrag zur Revolutionierung des Kunstbegriffs resümiert.
Schlüsselwörter
Marcel Duchamp, Akt eine Treppe herabsteigend Nr. 2, Abstraktion von Bewegung, Kubismus, Futurismus, Ready-Made, retinale Kunst, Ideen-Malerei, Rrose Sélavy, Erotik, Gerhard Richter, Bildanalyse, Kunstbegriff, Chronofotografie, Moderne Kunst
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit Marcel Duchamp und seinem zentralen Werk „Akt, eine Treppe herabsteigend Nr. 2“, um aufzuzeigen, wie Duchamp das Verständnis von Bewegung und Malerei im 20. Jahrhundert nachhaltig verändert hat.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Abstraktion von Bewegung, die Entwicklung vom traditionellen Maler zum Konzeptkünstler (Ready-Made), die Bedeutung von Titeln für die Wahrnehmung von Kunst sowie die Rolle von Geschlecht und Erotik.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, Duchamps Umgang mit der Abstraktion von Bewegung zu analysieren und zu klären, welchen Einfluss dieser Ansatz auf seine künstlerische Entwicklung und das allgemeine Verständnis von moderner Kunst genommen hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine detaillierte Bildanalyse (formale Analyse) in Verbindung mit kunsthistorischer Kontextualisierung, inklusive der Untersuchung zeitgenössischer Kritiken und Aussagen Duchamps selbst.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine ausführliche Bildbeschreibung und Interpretation, die Einbettung des Werkes in den kunsthistorischen Kontext, Duchamps Entwicklung vom Kubisten zum „Antikünstler“ sowie den Vergleich mit anderen Künstlern und Medien wie Film und Fotografie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Duchamp, „Akt eine Treppe herabsteigend“, Abstraktion, Ready-Made, Bewegung, Kubismus, Erotik und die Abkehr von der „retinalen“ Kunst.
Warum spielt der Titel bei Duchamps Werken eine so große Rolle?
Duchamp sah Titel als eine Art „unsichtbare Farbe“ an, die dem Betrachter eine neue Dimension und einen bewussten Denkrahmen vorgibt, wodurch die Wahrnehmung des visuellen Werkes aktiv manipuliert und intellektuell herausgefordert wird.
In welchem Verhältnis steht Duchamps Arbeit zum italienischen Futurismus?
Obwohl es oberflächliche Ähnlichkeiten in der Darstellung von Bewegung gibt, unterscheiden sich Duchamps Ansätze deutlich. Während Futuristen Dynamik und industrielle Energie verherrlichten, wählte Duchamp einen kühleren, analytischen und eher skeptischen Ansatz gegenüber der modernen Technik.
Was bedeutet der Begriff „retinale Kunst“ in diesem Zusammenhang?
„Retinale Kunst“ ist Duchamps abwertende Bezeichnung für Malerei, die rein auf die visuelle Sinneswahrnehmung (das Auge/die Netzhaut) abzielt, anstatt den Intellekt anzusprechen – ein Konzept, das Duchamp durch seine „Ideen-Malerei“ und Ready-Mades überwinden wollte.
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- Rita Pittel (Autor), 2016, Abstraktion von Bewegung am Beispiel Marcel Duchamps "Akt, eine Treppe herabsteigend", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/446144