Scheitern von Start-ups. Analyse möglicher Ursachen in Deutschland


Bachelorarbeit, 2017

56 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Definitionen
2.1 Start-ups
2.2 Scheitern von Unternehmen

3 Ursachen des Scheiterns
3.1 Kennzeichen unternehmerischen Scheiterns
3.2 Stand der Forschung
3.3 Historische Entwicklung von Unternehmensinsolvenzen
3.4 Phasenmodelle von Krisenprozessen
3.5 Endogene Ursachen
3.5.1 Businessplanung und Geschäftsmodell
3.5.2 Finanzen
3.5.3 Management und unternehmerische Entscheidungen
3.5.4 Personal
3.5.5 Kooperationsbeziehungen und Geschäftspartner
3.5.6 Forschung und Entwicklung
3.5.7 Produkt
3.5.8 Rechnungswesen und Controlling
3.5.9 Vertrieb und Marketing
3.6 Exogene Ursachen
3.6.1 Markt und Wettbewerb
3.6.2 Faktorkosten
3.7 Gesamtbetrachtung

4 Folgen des Scheiterns
4.1 Gesellschaftliche Folgen
4.2 Volkswirtschaftliche Folgen

5 Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Anzahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland

Abbildung 2: Vier-Phasen-Modell nach Müller

Abbildung 3: Phasen des generellen Krisenprozesses nach Krystek

Abbildung 4: Der Krisenprozess aus unterschiedlicher Perspektive nach Hauschildt, Grape und Schindler

Abbildung 2: 20 Gründe warum Start-ups scheitern

1 Einleitung

Start-ups zeichnen sich in der Theorie durch zwei essentielle Merkmale hinsichtlich ihres Gründungsvorhabens aus. Zum einen ist die Verwirklichung der innovativen Geschäftsi­dee von hoher Bedeutung, zum anderen ist starkes Wachstum sowie die Ausweitung ihrer Geschäfte zur Stärkung ihrer Kapitalbasis als weiteres Primärziel anzusehen (Kollmann und Stöckmann 2016, S. 14).

Auf Grundlage dieser Zuschreibung von Attributen, erscheint eine Verknüpfung zwi­schen den Begriffen Start-up und dem unternehmerischen Scheitern zunächst paradox.

Die Praxis hingegen verdeutlicht, dass vor allem Start-ups vom Misserfolg bedroht sind. Die Insolvenzquote deutscher Jungunternehmen, welche sich existentiell unterhalb der 10 Jahresgrenze bewegen, liegt bei 50,7 % (Creditreform 2016, S. 7).

Somit erleidet jedes zweite Start-up in Deutschland einen finanziellen und oftmals end­gültigen Zusammenbruch. Verschärfend konstatiert der Gründungsmonitor der Kreditan­stalt für Wiederaufbau (KfW) (2017, S. 9), dass ein Großteil der Unternehmen bereits in den ersten Geschäftsjahren scheitert. Nach drei Jahren, ausgehend von der Existenzgrün­dung, sind lediglich 68 % der Unternehmen noch aktiv.

Im Allgemeinen haben Unternehmensinsolvenzen nicht allein persönliche Konsequenzen für die Gründer1, sondern können sich in ihrer Gesamtheit auch volkswirtschaftlich ne­gativ auswirken. Der Verlust von Arbeitsplätzen könnte hierbei als volkswirtschaftliche Folge in Betracht gezogen werden.

Innerhalb des Zeitraums von 2000 bis 2016 verlieren in Deutschland etwa 398.000 Ar­beitnehmer pro Jahr ihren Arbeitsplatz bedingt durch die nicht behebbare Illiquidität ihres Arbeitgebers. Die durchschnittliche Anzahl der Unternehmensinsolvenzen für selbigen Zeitraum liegt bei circa 30.800, woraus sich ableiten lässt, dass die Insolvenz eines Un­ternehmens im Durchschnitt circa 13 Arbeitsplätze kostet (Creditreform 2009, S. 8 f.; Creditreform 2015, S. 5; Statistisches Bundesamt 2017, o. S.).

Anzunehmen ist somit aus einzel- und gesamtwirtschaftlicher Sichtweise, das Scheitern von Unternehmen zu begrenzen.

Die dargestellte Datenlage, insbesondere die der Start-ups, macht deutlich, dass neben einer Auseinandersetzung mit den Erfolgsfaktoren von Unternehmen, auch die Analyse der Faktoren des Scheiterns von entscheidender Bedeutung sein kann, um als Gründer längerfristig erfolgreich zu sein. Die Ergründung der Ursachen gilt als komplexes The­menfeld, da einige Ursachen nicht ausschließlich getrennt voneinander betrachtet werden können. So kann ein Scheitern beispielsweise auch durch das Zusammenwirken von Kri­senursachen entstehen, welches ausschließlich auf einen negativen Synergieeffekt zu­rückzuführen ist (Neumann 2017, S. 4).

An dieser Stelle setzt die vorliegende Arbeit an, welche sich zum Ziel setzt, konkrete Ursachen herauszuarbeiten, an denen Start-ups in Deutschland letztendlich scheitern. Des Weiteren sollen Vorgehensweisen beschrieben werden, welche ein mögliches Schei­tern von Unternehmen verhindern können.

2 Definitionen

Zu Beginn der Untersuchung und als Betrachtungsrahmen für die vorliegende Arbeit wer­den in diesem Kapitel relevante Begrifflichkeiten definiert, um deren Bedeutung im Zu­sammenhang mit der Fragestellung verständlich zu gestalten.

2.1 Start-ups

Der KfW-Gründungsmonitor differenziert zwischen verschiedenen Motiven, welche hin­ter einer Unternehmensgründung stehen. Zum einen werden Chancengründer aufgeführt, welche sich selbstständig machen, um eine explizite Geschäftsidee umzusetzen. Dem ge­genüber stehen die Notgründer, welche keine bessere Erwerbsalternative als die Selbst­ständigkeit haben (KfW Bankengruppe 2015, S. 1).

Knapp die Hälfte (49 %) der deutschen Existenzgründungen verfolgt durch ihre Gründer die Absicht mit dem Gründungsvorhaben, eine explizite Geschäftsidee umsetzen zu wol­len (KfW Bankengruppe 2016, S. 2). Von der Kreditanstalt für Wiederaufbau werden diese auch als Entrepreneure oder Chancengründer benannt und beschäftigen vorwiegend weitere Mitarbeiter. Der Anteil der Chancengründer ist in den letzten Jahren von 30 % in 2008 auf 49 % in 2015 angestiegen (KfW Bankengruppe 2016, S. 2). Darüber hinaus bestimmt die KfW eine weitere Kategorie, die sogenannten Self-Employed, welche zu­nächst ohne die Einstellung von Mitarbeitern auskommen. Diese Art der Unternehmens­gründung dient wesentlich der Selbstverwirklichung oder, im Fall der sogenannten Not­gründer, fehlt es den Gründern an Erwerbsalternativen (KfW Bankengruppe 2012, S. 64).

In der vorliegenden Arbeit werden junge, innovative und wachstumsorientiert ausgerich­tete Unternehmen untersucht und unter dem Begriff Start-up zusammengefasst. Unter­nehmen werden als jung angesehen, wenn diese noch nicht am Markt etabliert sind und noch keinen tragfähigen Geschäftsbetrieb aufgestellt haben (Neumann 2017, S. 7). Koll- mann, et al. (2016, S. 14) definieren Start-ups für ihre Studien zum Deutschen Startup Monitor als Unternehmen, die jünger als zehn Jahre sind, mit ihrem Geschäftsmodell be­ziehungsweise ihrer Technologie (hoch) innovativ sind und ein signifikantes Mitarbeiter­oder Umsatzwachstum haben oder anstreben. Dabei sind sie jedoch von Unternehmen zu unterscheiden, welche lediglich präsente Geschäftsideen duplizieren (Neumann 2017, S. 7).

Die dargestellte Auffassung wird auch im Rahmen dieser Arbeit verwendet und zusätz­lich ergänzt durch die Definition von Neumann (2017, S. 7), in welcher Start-ups als Unternehmen zu betrachten sind, deren Produkt entwickelt ist, welche über ein Team verfügen, den anvisierten Markt durchleuchtet haben und erste Umsätze oder Kunden­nutzen realisieren. Der entstehende Kapitalbedarf durch Investitionen in Geschäftsräume, Produktionskapazitäten und Vertrieb kann in dieser Phase nicht mehr lediglich durch Fa­milie und Freunde finanziert werden, sondern ist über Fördermittel von dritter Seite zu akquirieren. Im Rahmen dieser Definition ist zudem die Frühphase mittels Seed-Finan- zierung vorangestellt, in welcher die Geschäftsidee entsteht, Kapital in die Forschung und Entwicklung der Prototypen fließt und noch keine Umsätze realisiert werden. Später gilt innerhalb dieser Auslegung die Expansions- und Wachstumsphase, in welchen sich das Unternehmen etabliert hat und ein konstantes Wachstum anstrebt (Pott und Pott 2012, S. 233 f.; Kollmann, et al. 2016, S. 19).

Der in der Definition verwendete Begriff der Innovation gilt generell als komplex zu be­schreiben und kann sich auf vielfältige Aspekte der Erschaffung und Ausbreitung von Neuheiten verschiedener Art beziehen (Pott und Pott 2012, S. 14 ff.). Bargheh, Rowley und Sambrook (2009, S. 1325) formulieren als Ergebnis ihrer Forschung von 60 Innova­tionsdefinitionen, dass durch die Anzahl und Andersheit der Ansätze keine klare und grundlegende Definition des Begriffes der Innovation zu konstatieren sei. Als Ergebnis einer inhaltlichen Analyse definieren sie Innovation als einen „multi-stage process whereby organizations transform ides into new/improved products, service or processes, in order to advance, compete and differentiate themselves successfully in their market- place.“ (Bargheh, Rowley und Sambrook 2009, S. 1334).

Im Rahmen der vorliegenden Arbeit wird die Innovativität als erfüllt betrachtet, wenn das vom Start-up hergestellte Produkt oder Dienstleistung als Neuheit in Kollation zu bereits am Markt bestehender Auswahl eingeschätzt wird und diese Beurteilung nachvollziehbar scheint (Kollmann, et al. 2016, S. 14). Von den befragten Start-ups des Deutschen Startup Monitors beurteilen 80 % ihr Produkt als Marktneuheit in Deutschland. Der Großteil der Start-ups bedient dabei die sechs Bereiche IT/Softwareentwicklung (15 %), Software as a Service („SaaS“; 10,2 %), Industrielle Technologie/Produktion/Hardware (8,9 %), E- Commerce (8,7 %) oder Consumer Mobile/Web Application (6 %; Kollmann, et al. 2016, S. 19).

Hervorgehend aus der Untersuchung des Gründungsmonitor 2016 der KfW schätzen 16 % der befragten Gründer des Jahres 2015 innerhalb Deutschlands ihr Geschäftsmodell als regionale oder überregionale Marktneuheit ein. Dieses Ergebnis variiert regelmäßig und liegt im Jahr 2013 noch bei 23 %. Der Anteil von Gründern mit einer regionalen Marktneuheit ist im Zeitverlauf konstant wohingegen der Anteil von überregionalen Marktneuheiten stärker schwankt (KfW Bankengruppe 2016, S. 5). Im Jahr 2016 über­wiegt zum ersten Mal der Anteil der überregionalen gegenüber der regionalen Marktneu­heit (KfW Bankengruppe 2017, S. 7).

2.2 Scheitern von Unternehmen

Das Verb „scheitern“ trägt die Bedeutung „ein angestrebtes Ziel o. Ä. nicht erreichen, keinen Erfolg haben“ und „misslingen, missglücken, fehlgeschlagen“ (Duden online 2017c, o. S.).

Junge (2004, S. 16 ff.) definiert den Begriff des Scheiterns als eine „temporäre oder dau­erhafte Unverfügbarkeit, Handlungsunfähigkeit“. Dabei differenziert er, unter Rekurs auf den Ansatz des Soziologen Max Weber, zwischen graduellem und absolutem Scheitern. Hierbei ist das graduelle Scheitern temporär, welches in jeder Lebenssituation stattfinden - und letztendlich wieder zu einem Erfolg führen kann. Davon zu unterscheiden ist das absolute Scheitern, welches dem Gescheiterten keine weiteren Handlungsmöglichkeiten und Möglichkeiten dies umzukehren zur Verfügung stellt.

In Bezug auf Unternehmen stellt das Scheitern im Allgemeinen eine Entwicklung der unternehmerischen Tätigkeit, welche als Folge das Gegenteil von einem langfristig ge­winnbringenden sowie Kapital steigernden Geschäftsverlauf dar. Jedoch fehlt es an einer einheitlichen Definition des Begriffes „unternehmerisches Scheitern“. Demgemäß stellen Mellahi und Wilkinson (2004, S. 22) mit Verweis auf Cameron, Sutton und Whetten (1988, o. S.) fest: „There is no clear consensus within disciplines as to what organizational failure is, how it occurs and its consequences [...].”

In der vorliegenden Arbeit ist ein Unternehmen dann als gescheitert zu betrachten, sofern der Geschäftsverlauf eine deutlich negative Abweichung der geplanten Unternehmens­entwicklung durchläuft und sich mindestens zeitweise in akuter Existenzbedrohung be­findet und/oder in der Insolvenz befindet.

Eingehend auf Junge (2004, S. 16 ff.) wäre ein graduelles Scheitern im Transfer auf das unternehmerische Scheitern die Abwendung einer zeitweise akuten Existenzbedrohung, wohingegen das absolute Scheitern mit den Insolvenzantragsgründen Zahlungsunfähig­keit (§§ 17, 18 InsO) und Überschuldung (§ InsO) gleichgesetzt werden könnte. Dies ist insofern anzunehmen, als dass eine Zahlungsunfähigkeit aus betriebswirtschaftlicher Sicht in der Regel mit der Einstellung der betrieblichen Tätigkeit einhergeht.

Die Insolvenzordnung beinhaltet eine gesetzliche Verbindlichkeit, in welcher sich juris­tische Personen sowohl bei der Zahlungsunfähigkeit als auch der Überschuldung, zur Er­öffnung eines Insolvenzverfahrens verpflichten. Für das angenommene absolute Schei­tern wären somit klare Kennzeichen gegeben, die das Scheitern bestimmen.

Pleschak, Ossenkopf und Wolf (2004, S. 144) als auch Neumann (2017, S. 14) halten jedoch fest, dass ein als Start-up definiertes Unternehmen zum Zeitpunkt der Gründung weder als zahlungsunfähig, noch als überschuldet zu beschreiben ist. Begründet wird dies durch die Auffassung, dass genannte Insolvenzantragsgründe sich im Verlauf des Ge­schäftslebens entwickeln müssen.

Näher zu beleuchten sind außerdem die, mit dieser Arbeit im Kontext stehenden, Begriffe des Erfolgs und Misserfolgs.

Der Begriff „Erfolg“ bedeutet ein „positives Ergebnis einer Bemühung; Eintreten einer beabsichtigten, erstrebten Wirkung“ (Duden online 2017a, o. S.), wohingegen „Misser­folg“ als „(unerwartet) schlechter, enttäuschender, negativer Ausgang einer Unterneh­mung o. Ä.“ (Duden online 2017b, o. S.) definiert wird.

In Bezug auf Unternehmen lässt sich die Frage nach dem Erfolg laut Fallgatter (2005, S.67) lediglich als relativ einstufen. Die stark ausgeprägte Uneinheitlichkeit der empiri- sehen Studien zur Unternehmerperson verhindert ein eindeutiges und verallgemeinerba­res Verständnis zum Erfolg. „Man könnte sicherlich die untere Grenze von Erfolg im Sinne von Insolvenzvermeidung definieren [...]. Fraglich wäre bei dieser Außerachtlas­sung unterschiedlicher Motivlagen von Unternehmern jedoch, ob dann die erhobenen Er­folgsfaktoren ihrem eigenen Anspruch auch nur annähernd entsprechen könnten.“ (Fall­gatter 2005, S. 67). Nach Fallgatter bezieht sich das unternehmerische Erfolgsanspruchs­niveau auch auf den nicht-monetären Nutzen einer Selbstständigkeit sowie die Opportu­nitätskosten alternativer Tätigkeiten. Ein Untersuchungsdesign, das diese Aspekte be­rücksichtigt, würde allerdings kaum eine Betrachtung des individuellen Anspruchsni­veaus zulassen. Folglich führt dieser Zusammenhang dazu, dass innerhalb der Erfolgs­faktorenforschung häufig die geeignete Bezugsbasis fehlt. Dies bedeutet, dass unter Um­ständen die ermittelten Erfolgsfaktoren von den Erfolgsvorstellungen der Betroffenen be­achtlich abweicht (Fallgatter 2005, S. 68).

Dennoch existieren auch innerhalb der Erfolgsfaktorenforschung Differenzen, da die ge­wonnenen Erkenntnisse im Hinblick auf die Erfolgsmessung seitens der Wirtschaftswis­senschaften recht widersprüchlich und umstritten sind. Innerhalb verschiedenartiger Stu­dien aus diesem Sektor, werden die Erfolgsmaße sehr unterschiedlich definiert. Für die Festlegung des Unternehmenserfolgs werden Größen verwendet wie Gewinnentwick­lung, Umsatzentwicklung, Marktanteil, Return on Investment (ROI) etc. (Woywode 2004, S. 22). Murphy, Trailer und Hill (1996, S. 15 f.) konstatieren drei theoretische An­sätze bezüglich der Erfolgsmessung von Unternehmen. Hierzu gehören der zielorientierte Ansatz, welcher festlegt, dass der Unternehmenserfolg durch die vom Unternehmen ge­setzten Ziele bewertet werden kann. Jedoch ist generell zwischen jedem Unternehmen zu unterscheiden. Zudem weisen einige gelegentlich sogar widersprüchliche Unternehmens­ziele auf, wodurch sich unternehmensübergreifende Vergleiche als schwierig erweisen. Aus diesem Grund benennen Murphy, Trailer und Hill den Systemansatz, welcher unter Berücksichtigung von der gleichzeitigen Erzielung allgemeiner Leistungsaspekten die Probleme des zielbasierten Ansatzes teilweise ausgleichen. Beiden Ansätzen fehlt es aber an einer angemessenen Darstellung, um die Unterschiede zwischen den Stakeholdergrup­pen zu beachten. Der dritte Ansatz berücksichtigt diese Unterschiede und betrachtet das Ausmaß der Zufriedenheit der Stakeholdergruppen (Connolly, Conlon und Deutsch 1980, S. 211 f.). Die verschiedenen Ansätze verursachen eine erschwerte Vergleichbarkeit in­nerhalb der Ergebnisse unterschiedlicher Studien hinsichtlich der Erfolgsmessung und bieten gegebenenfalls Erklärung über abweichende Resultate.

Misserfolg ist in Bezug auf Unternehmen innerhalb dieser Arbeit vom Scheitern abzu­grenzen und nicht als Synonym zu setzen.

Nach Junge (2004, S. 188) und Thraen (2011, S. 16) grenzen sich die Begriffe insofern ab, als dass ein Misserfolg ein faktisches Nicht-Erreichen eines Ziels abbildet, wohinge­gen das Scheitern zusätzlich eine subjektive Wahrnehmung und Bewertung der Gesell­schaft beinhaltet. Das Scheitern kann somit durch eine Aneinanderreihung von Misser­folgen verursacht werden.

Mit dem Scheitern eines Unternehmens geht außerdem oftmals der Begriff der Unterneh­menskrise innerhalb der Literatur einher. Nicht selten ist dabei eine synonyme Verwen­dung der Begrifflichkeiten festzustellen. Auch in dieser Arbeit wird die gleichbedeutende Verwendung gebraucht. Dennoch ist die nähere Beschreibung der Begrifflichkeit hin­sichtlich des besseren Verständnisses notwendig, um ihre Analogie zu verdeutlichen.

Unternehmenskrisen können als ungewollte und ungeplante Prozesse von beschränkter Dauer und Beeinflussbarkeit ebenso mit einem ambivalenten Ausgang bezeichnet wer­den. Des Weiteren können Unternehmenskrisen das Bestehen des Unternehmens funda­mental und nachhaltig gefährden oder auch unmöglich machen (Krystek und Lentz 2014, S. 33). Grundsätzlich lassen sich Krisen in verschiedene Phasen einteilen. Ein ergänzen­der Überblick über die entsprechenden Phasenmodelle wird in Abschnitt 3.4 genauer er­läutert.

Im Rahmen dieser Arbeit wird das Spektrum für die zu betrachtenden Problembereiche und Krisenursachen tendenziell breit gesetzt, um die Faktoren des Scheiterns möglichst umfangreich darstellen zu können. Auf Grundlage dessen werden die Begrifflichkeiten Krisenursachen sowie Problembereiche im Grundsatz als Synonym gebraucht.

3 Ursachen des Scheiterns

Das unternehmerische Scheitern stellt besonders im Hinblick auf die gesamtwirtschaftli­che Relevanz einen zentralen Faktor dar. Trotz seiner Bedeutung ist dieses Phänomen seitens der Forschung bisher nur wenig ergründet. Bisherige Arbeiten basieren eher auf der Symptom- und weniger auf der Ursachenebene des Scheiterns.

Auch Empfehlungen zur Vermeidung von Krisenentwicklungen bzw. das Verhindern der Entstehungsursachen im Hinblick auf das unternehmerische Scheitern sind in der Litera­tur nur vereinzelt zu finden. Im Gegensatz dazu sind eher Thematiken wie Restrukturie­rung und Sanierung zu finden, welche ihren Fokus jedoch eher auf die Zeit nach der über­standenen Krise richten (Neumann 2017, S. 21 f.).

Dies ist insofern verwunderlich, als dass sich reale Krisen im Hinblick auf die Unterneh­menssubstanz, wie bereits beschrieben, gravierend auswirken können und entsprechend wirtschaftlich relevante Folgen nach sich ziehen.

Nachfolgend werden zunächst die Kennzeichen unternehmerischen Scheiterns, der Stand der Forschung sowie die historische Entwicklung von Unternehmensinsolvenzen darge­stellt und diverse Phasenmodelle von Unternehmenskrisen erläutert. Daran anschließend wird eine Typologie des Scheiterns entwickelt und den endogenen und exogenen Ursa­chen zugeordnet. Auch wenn diese nicht klar voneinander trennbar sind. „Sie bilden in Wahrheit gemeinsam die Elemente individueller Krisenverursachung, die mit jeweils un­terschiedlichen Anteilen zur Indizierung des überlebenskritischen Prozesses beitragen“ (Krystek 1987, S. 71).

3.1 Kennzeichen unternehmerischen Scheiterns

Die Untersuchung sowie Erforschung von Krisenursachen besitzen eine hohe Komplexi­tät. In dem Verlauf des Scheiterns von Unternehmen finden viele mögliche Theorien An­wendung. Die im Folgenden genannten Eigenschaften können als kennzeichnend für Un­ternehmenskrisen betrachtet werden. Auch wenn diese im Allgemeinen für Krisen von Unternehmen gelten, können sie auch für das Scheitern von Start-ups in Erwägung gezo­gen werden (Krystek und Moldenhauer 2007, S. 26 ff.; Neumann 2017, S. 23).

Krystek (1987, S. 67) konstatiert, dass die Ursachen des Scheiterns durch hauptsächlich folgende drei Charakteristika bestimmt werden:

- Multikausalität: Unternehmen scheitern nicht nur an einer Ursache, sondern das Scheitern eines Unternehmens ist das Ergebnis des Zusammenwirkens mehrerer krisenverursachender Faktoren (Krystek 1987, S. 67; Liebig 2010, S. 23 f.).
- Mehrstufigkeit: Die Ursachen von Unternehmungskrisen sind im Prinzip nicht nur einstufige Vorfälle, statt dessen sind sie als mehrstufige Ursachen-Wirkungs- Konstellationen darzustellen (Krystek 1987, S. 67). Innerhalb der Ursachen des Scheiterns sind diverse Interdependenzen festzuhalten, welche sich gegenseitig auf verschiedenen Ebenen der Unternehmung auswirken (Liebig 2010, S. 23).
- Multilokalität: Nur in einzelnen Fällen sind die Ursachen nur in einem Entste­hungsort einzuordnen. Die Ursachen des Scheiterns können entweder innerhalb des Unternehmens (endogen) entstehen, oder sich aus den Einflüssen der Umwelt des Unternehmens (exogen) entwickeln. Hingegen Teile der Literatur eher auf exogene Einflüsse verweisen, ist zu konstatieren, dass den unternehmensinternen Ursachen ein größeres Ausmaß zukommt. Übereinstimmung herrscht hingegen, dass die endogenen und exogenen Bereiche bei der Entstehung von Unterneh­menskrisen zusammenwirken. Durch wachsende Umweltkomplexität und -dyna­mik kann dem exogenen Bereich in Zukunft eine größere Bedeutung zugeschrie­ben werden (Krystek 1987, S. 67 f.; Liebig 2010, S. 23 f.).

Ergänzend werden in der Literatur folgende Eigenschaften hinzugefügt:

- Komplexität: Die Eigenschaft Komplexität ist eng verknüpft mit der von Krystek (1987, S. 67) erörterten Mehrstufigkeit sowie Multilokalität. Die Komplexität er­höht sich dadurch, dass sich die Analyse des Scheiterns nicht ausschließlich auf die ursprünglichen Ursachen der Krise lehnen darf, sondern hingegen sowohl de­ren Wahrnehmung als auch die Möglichkeiten zur Gestaltung der Krise betrifft. Ergänzend sind die Ursachen des Scheiterns nicht alleinig in sachlichen, sondern auch in zeitlichen Aspekten aufgegliedert (Neumann 2017, S. 24).
- Prozesscharakter: Die Folgerung eines nicht kurzfristig existenzbedrohenden Prozesses ist das Scheitern eines Unternehmens. Unternehmenskrisen sind zeit­lich begrenzte Prozesse, welche von verschiedener Dauer sind sich in mehrere Phasen unterteilen lassen. Anfang und Ende von dem Prozess können entspre­chend dem Wahrnehmungsvermögen und -willen des Unternehmers von den tat­sächlichen Tatbeständen variieren (Krystek 1987, S. 67; Neumann 2017, S. 25).
- Ambiguität'. In Anbetracht der Multikausalität und Komplexität von Krisen wer­den die Vorgänge von den Beteiligten oftmals nur eingeschränkt verstanden und erst noch konzeptionell erschließen werden müssen (Neumann 2017, S. 25).
- Verlust von Handlungsmöglichkeiten'. In fortschreitenden Phasen der Krisen neh­men die Handlungsmöglichkeit mit der Zeit ab. Dabei steigt gleichzeitig die Not­wendigkeit des Handelns. Durch diese Dynamik werden die destruktiven Wirkun­gen des Krisenprozesses verstärkt (Krystek und Moldenhauer 2007, S. 27).
- Zeitdruck: Durch die voranschreitende Krise nehmen nicht nur die Handlungs­möglichkeiten ab, sondern auch die verbleibende Reaktionszeit der Unternehmer, welches in Zeitdruck und Stress resultiert (Krystek und Moldenhauer 2007, S. 27).

Grundsätzlich herrscht jedoch Einigkeit über die Annahme, dass das Scheitern kein punk­tuelles Ereignis ist, sondern sich eher innerhalb eines mehr oder weniger langen Verlaufes vollstreckt (Freiling und Laudien 2013, S. 73; Neumann 2017, S. 26). Die Unterteilung der einzelnen Krisenphasen wird von jedem Autor individuell mit Hilfe von verschiede­nen Kriterien vorgenommen. Beispielhaft werden in Abschnitt 3.4 die Phasenmodelle von Müller (1986, S. 25 ff.), von Krystek (2007, S. 29 ff.) und von Hauschildt (2006, S. 9) genauer erläutert.

Crutzen und Van Caillie (2008, S. 300 ff.) verknüpfen einige bereits genannten Elemente innerhalb einer ressourcenorientierten Betrachtung zu einem integrativen Modell für den Prozess von scheiternden Unternehmen zusammen. Dieses unterteilt das Scheitern von Unternehmen ebenso in eine aus mehreren Phasen bestehende Entwicklung. Im Verlauf des Prozesses verfallen die eher internen Ressourcen immer mehr, bis dies zu einer nicht mehr ausreichenden Ausrichtung des Unternehmens auf seine Umwelt führt (Neumann 2017, S. 26).

Mellahi und Wilkinson (2004, S. 31 ff.) hingegen sind der Ansicht, dass ein besseres Verständnis für das Scheitern von Unternehmen nur dann gelingt, wenn die Analyse der internen und externen Ursachen und das Zusammenwirken dieser für den Einzelfall her­ausgearbeitet wurde.

Krystek und Moldenhauer (2007, S. 193 ff.) unterscheiden zwischen Unternehmen der „Old Economy“ und der „New Economy“. Als endogene Krisenursachen für die Old Eco­nomy als auch für die New Economy werden Führungsfehler sowie ein mangelhaftes Kosten- und Liquiditätsmanagement benannt. Zu den bestimmten exogenen Krisenursa­chen zählen konjunkturelle Schwierigkeiten, Marktstrukturveränderungen sowie Nach­fragerückgang. Zu den lediglich in der New Economy vorhandenen endogenen Krisenur­sachen ordnen Krystek und Moldenhauer unzureichende Kapitalausstattung, fehlende Managementerfahrung, Wachstumsdefizite sowie nicht tragfähige Geschäftsmodelle ein. Ergänzend kommen bei Innovationen gegebenenfalls unzureichende Marktgrößen hinzu, welche schlimmstenfalls in einer fehlenden Marktexistenz resultieren (Krystek und Mol­denhauer 2007, S. 195).

3.2 Stand der Forschung

Die Krisenursachenforschung wird in der Betriebswirtschaftslehre in der Regel in der Ausrichtung einer Insolvenzursachenforschung praktiziert. Die Forschung der Ursachen von Insolvenzen schließt dagegen die positiv verlaufenden Unternehmenskrisen aus, wel­che nicht in die Stufe der Insolvenz erreichen, aber für die Ergebnisse von der Krisenur­sachenforschung ein zentraler Punkt wären. Hingegen betrachtet die Forschung der Kri­senursachen lediglich die im juristischen Sinne eindeutig nachgewiesenen Fälle wie Zah­lungsunfähigkeit und Überschuldung der krisenbefallenen Unternehmen (Krystek und Moldenhauer 2007, S. 40). Hauschildt (2003, S. 3) hält zudem fest, dass sich Wissen­schaftler der Betriebswirtschaft im Allgemeinen eher auf die Analyse erfolgreicher Un­ternehmen konzentrieren und weniger mit der von Unternehmenskrisen. Die wenig ver­fügbaren Krisenursachenforschungen konzentrieren sich im Feld der Betriebswirtschafts­lehre hauptsächlich auf die Ermittlung der Ursachen von Insolvenzen. Der Fokus liegt hierbei auf Unternehmen, welche eindeutig als zahlungsunfähig und überschuldet gelten. Positiv verlaufende Unternehmenskrisen werden hierbei nicht weiter berücksichtigt, auch wenn die Ergebnisse bezüglich der Bewältigung von Krisenursachen einen zentralen Punkt darstellen könnten. Zudem sind die vorhandenen Krisenursachenforschungen zu dieser Thematik als eher ungleich in ihrer Zielsetzung, Methodik und Aussagen zu be­werten (Krystek und Moldenhauer 2007, S. 40 f.).

Die Erforschung von Krisenursachen in Bezug auf die Betriebswirtschaftslehre wird seit den 1930er Jahren thematisiert. Allerdings wurden zu dieser Zeit „kranke“ Unternehmen in Betrachtung gezogen und anhand ihrer „Krankheitsursachen“ Erkenntnisse für „ge­sunde“ Unternehmen gewonnen. Anzunehmen ist, dass dieser Gedanke an die Medizin anlehnt, da die Lehre von krankheitshervorrufenden Sachverhalten Anzeichen für die Therapiemaßnahmen von Kranken geben. Das Ergreifen von therapeutischen Maßnah­men welche als Effekt zur Genesung beitragen, fanden jedoch im Hinblick auf den be­triebswirtschaftlichen Kontext bis Ende der 60er Jahre keine Beachtung. Auch wenn in­nerhalb der Krisenursachenforschung deutlich erkennbare Fortschritte erreicht wurden, mangelt es bis heute an einer geschlossenen Theorie der Ursachen des Scheiterns von Unternehmen. Des Weiteren fehlt es an einer einheitlichen Theorie der Unterneh­menskrise, welche als elementar für das Scheitern von Unternehmen anzusehen ist (Krys- tek und Moldenhauer 2007, S. 40).

Während Krisenursachen die tatsächlichen Gründe einer Unternehmenskrise darstellen, befassen sich Krisensymptome lediglich mit den Folgeerscheinungen einer Krise. An­hand von quantitativen und qualitativen Untersuchungen, wurde laut Literatur versucht, identische Krisenursachen zu ermitteln. Generell werden in der quantitativen Methode der Krisenursachenforschung verfügbare Unternehmensdaten von gescheiterten Unter­nehmen analysiert. Untersucht werden gesamtwirtschaftliche und leicht erfassbare Daten, Markt- und Branchendaten, Unternehmensgröße ebenso wie -alter (Liebig 2010, S. 21 ff.). Anhand dieser wird ein Zusammenhang zwischen den Daten und dem Scheitern von Unternehmen in Anlehnung an einen Ursachen-Wirkungs-Zusammenhang hergestellt, um mögliche Anzeichen auf die Ursachen herauszustellen (Krystek und Moldenhauer 2007, S. 41). Die qualitative Methode der Krisenursachenforschung differenziert sich in­sofern, als dass anhand der von Auswertung von Expertenmeinungen, wie Interviews mit Insolvenzverwaltern, Insolvenzgerichten, Schuldnern, Gläubigern sowie Beratern oder durch Interpretation von Berichten über Krisenverläufe von Unternehmen versucht, Schlussfolgerungen auf die Ursache des Scheiterns zu ziehen (Krystek und Moldenhauer 2007, S. 41; Liebig 2010, S. 21 ff.).

[...]


1 In vorliegender Arbeit wird durchgehend eine geschlechterneutrale Schreibweise gewählt. Die­ses soll lediglich der besseren Lesbarkeit dienen und nicht als Diskriminierung verstanden wer­den.

Ende der Leseprobe aus 56 Seiten

Details

Titel
Scheitern von Start-ups. Analyse möglicher Ursachen in Deutschland
Hochschule
EBC Hochschule Hamburg
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
56
Katalognummer
V446174
ISBN (eBook)
9783668861817
Sprache
Deutsch
Schlagworte
scheitern, start-ups, analyse, ursachen, deutschland
Arbeit zitieren
Sina Schaper (Autor), 2017, Scheitern von Start-ups. Analyse möglicher Ursachen in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/446174

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Scheitern von Start-ups. Analyse möglicher Ursachen in Deutschland



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden