Die Bevölkerung wird immer älter und dadurch nimmt auch die Pflegebedürftigkeit zu. Neben der Zunahme der Pflegebedürftigkeit ist auch eine Zunahme von Assessmentinstrumenten in den letzten Jahren zu beobachten. Die Einschätzung des Patienten durch das alleinige Beobachten und Überprüfen anhand von Erfahrung, wird nun von Assessmentinstrumenten abgelöst. Sicherheit und Objektivität wird auf der Grundlage von wissenschaftlicher Forschung durch standardisierte Hilfsmittel versprochen. Assessmentinstrumente werden im Rahmen des Pflegeprozesses angewendet. Dennoch dürfen Assessments, besonders Assessmentinstrumente nicht unreflektiert in der Praxis eingesetzt werden, sondern sollten kritisch betrachtet werden um den Pflegebedarf eines Patienten realistisch zu erheben. Die Gütekriterien tragen dazu bei ein Instrument zu überprüfen ob es praxistauglich ist. Das Pflegepersonal muss sich mit den Skalen auskennen, geeignete Skalen auswählen, anwenden, verstehen und interpretieren können und verstehen für welchen Zweck diese geeignet sind.
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Fragestellung: Sind Assessmentinstrumente ein hilfreiches Mittel zur Pflegebedarfseinschätzung? Unter diesen Bereich fallen die Themen Pflegebedarf, Pflegebedürftigkeit, die Sicherheit von Assessmentinstrumenten, sowie die Numerische Rangskala als Beispielassessment. In dieser Arbeit wird Ihnen ein kleiner Einblick in das Thema Bedarfseinschätzung anhand der Pflegeassessments und Assessmentinstrumente gegeben. Am Ende der Arbeit wird die Nutzung von Assessmentinstrumenten noch einmal kritisch beleuchtet und Forderungen für deren Umsetzung in der Praxis abgeleitet.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Begriffsbestimmung
1.1 Pflegebedürftigkeit
1.2 Pflegebedarf
2. Die Pflegebedarfseinschätzung
2.1 Das Pflegeassessment
2.2 Unterscheidung der Pflegeassessments
2.3 Was sind Assessmentinstrumente?
2.4 Die Aufgaben von Assessmentinstrumenten
2.5 Gütekriterien von Assessmentinstrumenten
2.5.1 Validität
2.5.2 Reliabilität
2.5.3 Sensitivität
2.5.4 Spezifität
3. Die Nummerische Ratingskala zur Schmerzerfassung
3.1 Schmerz und Schmerzparameter
3.2 Die Numerische Rangskala
3.3 Kritik der Numerischen Rangskala
4. Reflexion
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Seminararbeit verfolgt das Ziel, den Nutzen und die Grenzen von Assessmentinstrumenten in der Pflegebedarfseinschätzung kritisch zu untersuchen und die zentrale Frage zu beantworten, inwieweit diese Instrumente ein hilfreiches Mittel für die pflegerische Praxis darstellen.
- Grundlagen der Pflegebedarfseinschätzung und relevante Begriffsdefinitionen.
- Differenzierung verschiedener Assessment-Arten (Screening, Basisassessment, Fokusassessment).
- Bedeutung und Anwendung von Gütekriterien bei der Auswahl von Instrumenten.
- Die Numerische Rangskala als praktisches Beispiel zur Schmerzerfassung.
- Reflexion über die kritische und reflektierte Anwendung standardisierter Hilfsmittel in der Pflege.
Auszug aus dem Buch
3.3 Kritik der Numerischen Rangskala
Die Numerische Rangskala ist ein Assessment welches es ermöglicht die Schmerzintensität mittels Zahlenwerten zu erfassen. Zusatzmaterial wird nicht zwingend benötigt. Der Patient kann sich die Skala auch gedanklich vorstellen und seinen Schmerz einordnen. Die NRS Skala kann allerdings nur bei Patienten eingesetzt werden die bei Bewusstsein sind, sich verbal äußern können und kognitiv in der Lage sind ihre Schmerzen anhand von Zahlenwerten einzuschätzen. So subjektiv wie der Schmerz ist, ist auch die Einschätzung auf der Skala. Durch unzureichende Erläuterungen und Erklärungen oder Sprachbarrieren kann es zu Fehleinschätzungen kommen. Dieses muss dem Anwender der Skala bewusst sein. Diese Kritik lässt sich mit einem Beispiel aus der Praxis belegen. Nach einer Operation wurde eine Frau gebeten sich die numerische Rangskala gedanklich vorzustellen und den Wert einzuordnen. Die Bedeutung der Werte 0 und 10 wurden ihr erklärt.
Die Frau kam zu dem Schluss dass ihre Schmerzen bei 8 lagen, sie lag aber entspannt und ruhig im Bett. Die Anästhesistin fragte sie noch einmal und dann meinte die Patienten dass ihre Schmerzen nicht stark sind. Als ihr erklärt wurde das ein Wert von 8 starke Schmerzen angibt, und dass schon ab einem Wert von 3 von starken Schmerzen geredet wird, revidierte sie ihre Aussage erneut und erklärte sie habe nur Schmerzen von 2 und sie habe das Pflegepersonal vorher nicht richtig verstanden. Diese Patientin sprach nicht gut deutsch. Dieses Beispiel lässt einen erkennen, dass Patienten diese Zahlen unterschiedlich interpretieren und es deshalb notwendig wird dies anhand der Erfahrung zu überprüfen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die wachsende Bedeutung von Assessmentinstrumenten im Pflegealltag und die Formulierung der zentralen Fragestellung der Arbeit.
1. Begriffsbestimmung: Klärung der Kernbegriffe Pflegebedürftigkeit und Pflegebedarf als fundamentale Voraussetzung für die Bedarfseinschätzung.
2. Die Pflegebedarfseinschätzung: Erläuterung des Pflegeassessments als Prozess, inklusive der Kategorisierung verschiedener Assessmentformen, Aufgaben der Instrumente und wichtiger wissenschaftlicher Gütekriterien.
3. Die Nummerische Ratingskala zur Schmerzerfassung: Fokus auf die Schmerzerfassung durch die Numerische Rangskala, deren Anwendungsvoraussetzungen sowie eine kritische Auseinandersetzung anhand von Praxisbeispielen.
4. Reflexion: Kritische Analyse des praktischen Nutzens von Assessmentinstrumenten, der Notwendigkeit fachlicher Erfahrung und der Bedeutung einer reflektierten Anwendung statt blindem Schematismus.
5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Rolle von Assessmentinstrumenten als hilfreiche Hilfsmittel, die stets durch fachliches Wissen und menschliche Einschätzung ergänzt werden müssen.
Schlüsselwörter
Pflegeassessment, Pflegebedarf, Pflegebedürftigkeit, Assessmentinstrumente, Gütekriterien, Validität, Reliabilität, Sensitivität, Spezifität, Numerische Rangskala, Schmerzerfassung, Schmerzparameter, Pflegediagnose, Pflegeprozess, Reflexion
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob und unter welchen Bedingungen Assessmentinstrumente ein wertvolles und hilfreiches Mittel für die tägliche Pflegebedarfseinschätzung darstellen.
Welche thematischen Schwerpunkte werden gesetzt?
Die zentralen Themen sind die Definition von Pflegebedarf, die methodische Einordnung von Assessmentinstrumenten, deren Gütekriterien sowie eine spezifische Fallbetrachtung der Numerischen Rangskala.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit stellt die Frage: "Sind Assessmentinstrumente ein hilfreiches Mittel zur Pflegebedarfseinschätzung?" und zielt darauf ab, deren praktischen Einsatz kritisch zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung mit der Fachliteratur zu Pflegeassessments, ergänzt durch eine kritische Reflexion und die Analyse eines konkreten Praxisbeispiels.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die theoretischen Grundlagen der Bedarfseinschätzung, erläutert die verschiedenen Arten von Assessments und prüft die Numerische Rangskala auf ihre Eignung und potenziellen Fehlerquellen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Pflegeassessment, Gütekriterien, Schmerzerfassung, Pflegediagnose, professionelle Pflegebeziehung und kritische Reflexion.
Welche Voraussetzungen muss ein Patient für die Numerische Rangskala mitbringen?
Der Patient muss bei Bewusstsein sein, sich verbal äußern können und in der Lage sein, Schmerzintensitäten kognitiv auf einer Zahlenskala von 0 bis 10 einzuordnen.
Warum reicht ein standardisiertes Assessment laut Autorin nicht aus?
Standardisierte Skalen können das individuelle Patientenempfinden nicht vollständig erfassen; sie dürfen niemals das fachliche Wissen und die ganzheitliche Beobachtung durch das Pflegepersonal ersetzen.
Welche Rolle spielt die Sprache bei der Verwendung von Assessmentinstrumenten?
Sprachbarrieren können zu erheblichen Fehleinschätzungen führen, weshalb eine klare Kommunikation und gegebenenfalls der Einsatz alternativer, nicht-verbaler Assessmentmethoden unerlässlich sind.
- Citation du texte
- Nadine Schilling (Auteur), 2017, Sind Assessmentinstrumente ein hilfreiches Mittel zur Pflegebedarfseinschätzung?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/446339