Das Konzept des Bedingungslosen Grundeinkommens (BGE) ist schnell erklärt: Ein jeder Bürger innerhalb des Staates wird vom Staat für seine Existenz bezahlt. Das Besondere an dieser Zahlung ist, dass sie im Gegensatz zu staatlichen Sozialleistungen in Deutschland, wie dem Arbeitslosengeld, nicht an eine Gegenleistung geknüpft ist und auch eine Bedürftigkeit nicht vorzuliegen hat. Derzeit kann das Arbeitslosengeld nur nach bestandener Bedürftigkeitsprüfung und der Bereitschaft zur Wiederaufnahme der Berufstätigkeit erhalten werden. So einfach dieses Prinzip auch klingen mag, so revolutionär wäre seine Umsetzung. Die Umsetzung würde tiefgreifende Reformen im Staat notwendig machen.
Global betrachtet, steckt das BGE allerdings noch in den Kinderschuhen. Neben der Ablehnung in der Schweiz wurde in Finnland ein Pilotprojekt aus dem Jahre 2017 ein Jahr später nicht verlängert und läuft nun aus. Auch in Kanada wurde 2017 ein Versuch gestartet, dass BGE in einer Provinz zu testen. Der Versuch wurde 2018 vorzeitig nach einem Regierungswechsel mit der Begründung beendet, dass das Projekt zu teuer sei. Gemein hatten diese Projekte, dass die Zahlungen nicht bedingungslos waren, sondern als Zusatzanreiz für Arbeitslose oder Geringverdiener geboten wurden.
Doch ist es überhaupt sinnvoll, sich für das BGE in Deutschland einzusetzen? Um diese Frage adäquat beantworten zu können, muss zunächst die Zielstellung bei der Implementierung des BGE definiert sein. In dieser Arbeit soll die Fragestellung der Sinnhaftigkeit des BGE in Hinblick auf die Verteilungsgerechtigkeit in Deutschland untersucht und die Frage diskutiert werden, inwiefern Verbesserungen im Rahmen der Verteilungsgerechtigkeit geboten werden könnten. Dazu soll das theoretische Konzept des BGE erklärt und der Fokus auf das Emanzipatorische Grundeinkommen der Partei Die Linke gelegt werden. Um die Verteilungsgerechtigkeit in Deutschland untersuchen zu können, wird der Begriff der Gerechtigkeit zunächst auf Basis der Theory of Justice von John Rawls definiert und im Anschluss geprüft, ob dieser Gerechtigkeitsbegriff mit dem Grundeinkommen in Einklang gebracht werden kann. Abschließend werden die Auswirkungen dieses Konzepts auf die Gesellschaft in Deutschland übertragen und Potentiale und Risiken des Grundeinkommens herausgearbeitet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Das Bedingungslose Grundeinkommen (BGE)
2.1 Begriffsbestimmung des BGE
2.2 Modelle des BGE
2.2.1 Bedingungsloses Grundeinkommen nach Götz Werner
2.2.2 Konzeption des BGE als Existenzgeld des BAG-SHI
2.2.3 Das Emanzipatorische BGE
3 Theory of Justice nach John Rawls
3.1 Der Urzustand
3.2 Gerechtigkeitsprinzipien von John Rawls
3.3 Theory of Justice im Einklang mit dem BGE
4 Verteilungsgerechtigkeit in Deutschland unter Einfluss des Emanzipatorischen Grundeinkommens
4.1 Aktuelle Situation in Deutschland
4.2 Probleme und Risiken des BGE
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Studienarbeit untersucht die Sinnhaftigkeit eines Bedingungslosen Grundeinkommens (BGE) in Deutschland mit besonderem Fokus auf das Emanzipatorische Grundeinkommen der Partei Die Linke. Dabei wird die Forschungsfrage gestellt, inwiefern dieses Modell die Verteilungsgerechtigkeit nach der "Theory of Justice" von John Rawls positiv beeinflussen kann und welche Potentiale sowie Risiken sich daraus für die Gesellschaft ergeben.
- Grundlagen und Definition des Bedingungslosen Grundeinkommens
- Vergleichende Analyse verschiedener BGE-Modelle
- Anwendung der Gerechtigkeitsprinzipien von John Rawls auf das BGE-Konzept
- Analyse der Einkommensverteilung und Armutsrisiken in Deutschland
- Diskussion von Finanzierungsmodellen sowie sozialen und ökonomischen Herausforderungen
Auszug aus dem Buch
3.1 Der Urzustand
Der Urzustand beschreibt den Zeitpunkt, an dem eine fiktive Gesellschaft einen Gesellschaftsvertrag untereinander schließen würde. Problematisch an diesem Punkt ist, dass ein jedes Individuum den Vertrag stets zu seinem eigenen Nutzen gestalten würde. Das Besondere an Rawls Gedankenexperiment ist die Unwissenheit der Gesellschaftsmitglieder um ihre Stellung innerhalb der Gesellschaft. Den Menschen ist vorher weder bewusst, welcher sozialen Klasse sie angehören, noch wissen sie, welche Talente sie in dieser Gesellschaft aufweisen werden. Dies wird als sogenannter „Schleier des Nichtwissens“ bezeichnet. Die Teilnehmer müssen aus dieser Situation der Gleichheit ein System entwickeln, in welchem sie potentiell auch das Los des Schwächeren ziehen könnten. In diesem Wissen und Risiko sollte also auch dieses Los möglichst vorteilhaft gestaltet werden, um ihnen Leid an dieser Position zu ersparen. So versucht Rawls zu gewährleisten, dass bei der Entscheidungsfindung keine Eigeninteressen im Vordergrund stehen und die Objektivität für alle gewahrt werden kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in das Konzept des Bedingungslosen Grundeinkommens ein und erläutert die Relevanz des Themas angesichts aktueller sozialpolitischer Debatten und internationaler Modellversuche.
2 Das Bedingungslose Grundeinkommen (BGE): Es erfolgt eine Definition des Begriffs sowie eine Vorstellung verschiedener Modelle, wobei der Schwerpunkt auf dem Emanzipatorischen Grundeinkommen liegt.
3 Theory of Justice nach John Rawls: Dieses Kapitel analysiert Rawls' Gerechtigkeitstheorie, insbesondere den Urzustand und die Gerechtigkeitsprinzipien, und prüft deren theoretische Vereinbarkeit mit dem Grundeinkommen.
4 Verteilungsgerechtigkeit in Deutschland unter Einfluss des Emanzipatorischen Grundeinkommens: Hier wird die aktuelle soziale Lage in Deutschland analysiert und diskutiert, wie ein Grundeinkommen zur Verbesserung der Verteilungsgerechtigkeit beitragen kann und welche Risiken bestehen.
5 Fazit: Die Arbeit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass ein BGE das Potential hat, die Verteilungsgerechtigkeit zu fördern, jedoch eine sorgfältige Abwägung der sozialen und ökonomischen Risiken erfordert.
Schlüsselwörter
Bedingungsloses Grundeinkommen, BGE, Emanzipatorisches Grundeinkommen, Verteilungsgerechtigkeit, John Rawls, Theory of Justice, Sozialstaat, Gerechtigkeitsprinzipien, Armutsbekämpfung, Chancengleichheit, Existenzsicherung, Sozialdividende, Umverteilung, Finanzierungsmodelle, Deutschland.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Bedingungslosen Grundeinkommen als politischem und sozialem Konzept und untersucht dessen Tauglichkeit zur Verbesserung der Gerechtigkeit in Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Die Arbeit verknüpft ökonomische Finanzierungsmodelle für ein Grundeinkommen mit ethisch-philosophischen Gerechtigkeitsfragen, insbesondere nach John Rawls.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist die Beantwortung der Frage, ob und wie das Emanzipatorische Grundeinkommen die Verteilungsgerechtigkeit für benachteiligte Schichten in Deutschland verbessern kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die soziologische und ökonomische Daten mit den Gerechtigkeitsprinzipien nach der "Theory of Justice" von John Rawls in Beziehung setzt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden verschiedene BGE-Modelle definiert, Rawls’ Theorie des Urzustands erläutert und die aktuelle sozioökonomische Situation in Deutschland unter dem Aspekt der Einkommensungleichheit analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Bedingungsloses Grundeinkommen, Verteilungsgerechtigkeit, Existenzsicherung, soziale Teilhabe und das Emanzipatorische Grundeinkommen.
Warum wird das Modell der Partei "Die Linke" als Fokus gewählt?
Das Emanzipatorische Grundeinkommen wird ausgewählt, weil es eine spezifische politische Initiative darstellt, die hohe Relevanz in der deutschen Debatte um den Umbau des Sozialstaates besitzt.
Welche Rolle spielt der "Schleier des Nichtwissens" nach Rawls in der Argumentation?
Er dient als ethisches Gedankenexperiment, um zu begründen, warum eine gerechte Gesellschaft Maßnahmen zur Unterstützung der am schlechtesten Gestellten treffen sollte, was die Einführung eines Grundeinkommens legitimieren kann.
Wie bewertet der Autor das Risiko der Finanzierung?
Der Autor erkennt die Kritikpunkte zur Finanzierbarkeit an, verweist jedoch darauf, dass verschiedene Modelle existieren und die soziale Bedeutung der Umverteilung im Vordergrund der Untersuchung stehen muss.
- Citar trabajo
- Bachelor of Science Biochemie Steven Behrend (Autor), 2018, Welche Möglichkeiten bietet das Bedingungslose Grundeinkommen, um die Bedarfsgerechtigkeit in Deutschland zu verbessern?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/446464