Die "Hexenküche". Eine fiktive Inszenierung zu "Faust 1" von Johann Wolfgang von Goethe


Ausarbeitung, 2006

23 Seiten, Note: 2

Anonym


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Bedingungsanalyse

3. Interpretation der „Hexenküche“

4. Initiierung und Verlauf des Theaterprojektes
4.1. Auswahl der Szene
4.2. Bearbeitung der Textvorlage zur Spielvorlage
4.2.1. Die Einteilung in Arbeitsgruppen
4.2.2. Rollenbesetzung
4.3. Arbeitsgruppenphase
4.4. Beginn der Probenarbeit
4.5. Die Aufführung

5. Kostümierung
5.1. Verlauf am Beispiel der Hexe

6. Bühnenbild

7. Weitere Arbeitsgruppen
7.1. Journalistik
7.2. Maskerade
7.3. Bühnentechnik

8. Szenarium

9. Schluss

10. Literaturverzeichnis

11. Anhang
11.1. Zeitplan

1. Einleitung

Was geht heutige SchülerInnen der „Faust“ an?

Unser Handeln können wir nur verstehen, wenn wir uns mit der Vergangenheit auseinandersetzen- Gegenwart baut auf Vergangenheit auf und da „Faust“ ein Meilenstein der kulturellen Tradition der Deutschen ist, ist er geradezu prädestiniert dafür, „durchgekaut“ zu werden.

„Durchkauen“ ist aus Sicht der SchülerInnen vielleicht das richtige Wort dafür, sich mit Goethes Werk zu befassen, denn anzunehmen, dass die Ankündigung „Faust“ zu behandeln, Luftsprünge und Freudengeschrei hervorrufen könnte, wäre vermessen.

Wie bringt man es fertig, „Faust“ schmackhafter als Sauerbier anzubieten?

... indem man ihn spielt, vielleicht als szenisches Spiel im Unterricht, als Puppenspiel, als pantomimische Darstellung etc. Der Königsweg besteht jedoch darin, das Spiel in die Öffentlichkeit zu tragen, auch wenn dies ungleich mehr Arbeit birgt, bietet es weitaus größere Chancen für SchülerInnen als auch Lehrer in das Werk einzutauchen, da Anspruch und Motivation wachsen.

Nicht erst die Inszenierung, nein, allein die Vorbereitung dessen verspricht Großes:

Das Interesse an Theater wird geweckt, Schule wird jenseits von schulischen Auflagen und Notengebung erfahren, die SchülerInnen können selbst an der Planung teilhaben. Sie werden auf ganz unterschiedliche Weise gefordert, sei es als Schauspieler, Bühnenbildner etc. so dass die unterschiedlichen Begabungen der SuS hier zu Tage treten: Der Eine verfügt über schauspielerische Qualitäten, ist aber mit der Bühnentechnik überfordert, was jemand Anderes wiederum ausgezeichnet beherrscht- Hier lernen sich die SchülerInnen untereinander besser kennen, möglicherweise verborgene werden Talente entdeckt, was Anerkennung hervorruft und schließlich den Zusammenhalt in der Gruppe stärkt.

Gerade SchülerInnen, die sich in der Schule „verstecken“, erhalten die Möglichkeit, ins Scheinwerferlicht zu treten und bewundert zu werden; sie werden zu kleinen „Helden“ innerhalb der Gruppe- Alle versprechen kleine „Helden“ zu werden, wenn das Stück nach Monaten der Vorbereitung gut inszeniert wird...

Die Arbeit ist in Form eines Berichtes verfasst, so als sei das Stück von den Teilnehmenden bereits aufgeführt worden.

2. Bedingungsanalyse

Der Deutschleistungskurs 12 des XY Gymnasiums wird von Lehrer XY betreut und unterrichtet. Der Kurs besteht aus 22 Schülerinnen und Schülern, wovon elf weiblich und neun männlich sind.

Im ersten Halbjahr hielt Herr XY eine achtwöchige Unterrichtseinheit zu „Faust. Der Tragödie erster Teil“ ab, in der die SuS[1] schrittweise mit dem Drama vertraut gemacht wurden. Während der UE[2] wurden vor allem spielerische und kreative Verfahren nach Günter Waldmann angewandt, z.B. das Schreiben von Figurendramen[3]. Die SuS konkretisierten sich die wichtigsten Figuren des „Faust“, indem sie Porträts malten,

Steckbriefe, Charakteristiken und Monologe schrieben. Die verschiedenen Konflikte unter den Figuren eigneten sie sich mit Hilfe szenischen Spielens und anschließenden Diskussionen an. Weiterhin lasen sie szenisch, schrieben Inhaltsangaben, malten Bühnenbilder, zeichneten und Comics.

Die anfänglichen Vorbehalte der SuS gegenüber dem Faustdrama, die vor allem durch Desinteresse und wenig Kenntnis im Hinblick auf das Drama geprägt waren, wandelten sich nicht zuletzt durch den abwechslungsreichen Unterricht zu einer konzentrierten und engagierten Auseinandersetzung mit dem Stoff- Interesse und Spaß der SuS tat sich vor allem im szenischen Spielen einzelner Passagen kund, wo mindestens fünf SuS ihr Talent zum Schauspielen entdeckten bzw. bewiesen. Anderen machte das Schauspielen wenig Spaß, dafür zeigten sie Engagement im Bereich des kreativen Schreibens, Zeichnens oder Gestaltens.

Die Inszenierung einer Szene des „Faust“ als außerschulische Veranstaltung vor Publikum war für die SuS von unterschiedlicher Bedeutung.

Zum einen erhielten sie die Möglichkeit, obwohl die UE „Faust“ im Deutschunterricht abgeschlossen war, sich weiterhin mit dem Thema auseinander zu setzen und zwar ohne curriculare Vorgaben, so dass ihnen mehr Gestaltungsspielraum zur Verfügung stand.

Zum anderen konnten sie in der Gemeinschaft an „etwas Großem“ arbeiten, das ihnen Freude bereitete- Die Aussicht mit diesem Werk in die Öffentlichkeit zu treten, wirkte dabei motivierend und schaffte unter den SuS den Anspruch eine gelungene Inszenierung zu verwirklichen.

3. Interpretation der „Hexenküche“

„Ich hätte Lust nun abzufahren“, mit diesen Worten kommentiert Faust das Trinkgelage in „Auerbachs Keller“. Ihm widerstrebt die Zechrunde im Weinkeller, die den Studenten als „ganz kannibalisch wohl, / als fünfhundert Säuen“ (Vers 2293f.) vorkommt, so sehr, dass er während des ganzen Aufenthaltes nur wenig am Geschehen teilnimmt- Fausts Begehren neue Erfahrungs- und Erlebnisstufen zu erklimmen (vgl. Sudau 1998, S. 62), wird hier nicht befriedigt.

Wie sieht es dagegen in der „Hexenküche“ aus?

Wo in Auerbachs Keller ein animalisches Trinkgelage, das durch Gesang und Alkohol geprägt war, vorherrschte, trifft Faust in der Hexenküche auf eine ganz andere Stimmung, was die Regieanweisungen zu Anfang verdeutlichen: „Auf einem niedrigen Herd steht ein großer Kessel über dem Feuer. In dem Dampfe, der davon in die Höhe steigt, zeigen sich verschiedene Gestalten. Eine Meerkatze sitzt bei dem Kessel und schäumt ihn und sorgt, daß er nicht überläuft. Der Meerkater mit den Jungen sitzt darneben und wärmt sich. Wände und Decke sind mit dem seltsamsten Hexenhausrat geschmückt.“[4]

Die vorherrschende Stimmung kann als bedrückend-geheimnisvoll und unheimlich charakterisiert werden, was Faust selbst belegt: „Mir widerstrebt das tolle Zauberwesen! Versprichst du mir, ich soll genesen / In diesem Wust aus Raserei? (Vers 2337ff.)

„Alles, was Faust in der Hexenküche erlebt, ist Narrenwesen.“ (Schmidt 1999, S. 149)

Folglich begegnet Faust der Szenerie weniger souverän als z.B. in Auerbachs Keller, wo er eher gelangweilt wirkt. Auch diesen Ort möchte er am liebsten schnellstmöglich verlassen, daher fragt er Mephisto auch sogleich, ob es nicht ein einfacheres Mittel gäbe, ihn zu verjüngen. Mephisto stellt Faust vor die Wahl, ob er ein einfaches Leben mit harter körperlicher Arbeit einschlagen oder sich der Magie der Hexe ergeben wolle. Mephisto weiß wohl, dass sich Faust zu gut für ein einfaches Leben ist, dass es unter seiner Würde wäre, den Spaten in die Hand zu nehmen: „Fausts Titanismus verbiete es ihm, seine absoluten Existenzansprüche zu relativieren, Entbehrungen auf sich zu nehmen oder als Herausforderung zu betrachten, sich zu bescheiden und zu entsagen.“ (Sudau 1998, S. 69), was schon vorher in der Beschwörung des Erdgeistes deutlich wird.

Die Magie hingegen „(...) ist der Versuch herbeizuzwingen, was das Menschsein nicht eigentlich hergibt; die Lebenskrise, die mental nicht bewältigt wird, instrumental zu lösen.“ (Sudau 1998, S. 69)

Damit beabsichtigt Faust, sich den Mächten der Hexe hinzugeben, da Mephisto selbst nicht in der Lage ist, den Zaubertrank in kurzer Zeit zu brauen: „Das wär’ ein schöner Zeitvertreib! Ich wollt indes wohl tausend Brücken bauen.“ (Vers 2368f.)

Da die Hexe noch nicht anwesend ist, vertreibt sich Mephisto die Zeit im Gespräch mit den Tieren, sie scherzen miteinander, während Faust bedächtig in einen Spiegel schaut. Faust sieht Helena, von deren Schönheit er gefesselt ist: „O Liebe, leihe mir den schnellsten deiner Flügel, und führe mich in ihr Gefild.“ (Vers 2431f.) Faust entdeckt hier nicht nur seine Triebhaftigkeit wieder, nein er scheint sich in die Erscheinung der Helena zu verlieben. Mephisto wollte Faust mit dem Spiegelbild nur in eine sinnliche Primitivität führen, er findet jedoch mehr darin, was sich in Sublimationen des Triebes niederschlägt. (vgl. Schmidt 1999, S.154) Mephisto bemerkt dies und schließt auch eine eheliche Bindung, um Fausts Willen nach Erkenntnis zu brechen, nicht aus.

Danach zerbrechen die Tiere eine Krone, was Aufruhr und Durcheinander hervorruft:

„Die Hexenküche (...) ist ganz auf Diskontinuität, ein betäubendes Durcheinander hin konzipiert.“ (Schmidt 1999, S. 149) Das Durcheinander nimmt an dieser Stelle überhand, so dass selbst Mephisto gestehen muss: „Nun fängt mir an, fast selbst der Kopf zu schwanken“ (Vers 2457). Der plötzliche Auftritt der Hexe führt das Durcheinander zum Höhepunkt, indem sie Mephisto und Faust mit Flammen bespritzt. Mephistos Scheu und Unbehagen kehrt sich an dieser Stelle in Wut, er droht die Hexe mit samt ihren Katzengeistern umzubringen.

Doch als die Hexe Mephisto erkennt, bittet sie ihn um Vergebung, woraufhin Mephisto sie seinerseits um den Zaubertrank für Faust bittet. Dieser solle besonders wirksam sein, da sich Faust als Fünfzig-, bis Sechzigjähriger „dreißig Jahre vom Leibe“ (Vers 2342) schaffen müsse, um seine jugendlichen Kräfte / Triebe zu erwecken. Hier drückt sich besonders das Thema des Lebenshungers aus: Durch das jahrzehntelange Studieren der Wissenschaften entfernte sich Faust zunehmend vom natürlichen und sinnlichen Leben. Er sehnt sich danach, das Versäumte nachzuholen. Dies wirkt bisweilen tragisch, da er gerade durch das unermüdliche theoretische Forschen danach, „was die Welt im Innersten zusammenhält“ (Vers 382f.), den falschen Weg einschlug und dies erst bemerkt, als er schon alt ist- Der Zaubertrank soll die hierfür nötige Verjüngung herbeiführen.

Die Hexe bereitet die notwendige Zeremonie vor, in der der Zaubertrank Faust erst verträglich gemacht werden soll: „Sie muß als Arzt ein Hokuspokus machen, Damit der Saft dir wohl gedeihen kann“. (Vers 2538f.)

Sie spricht das Hexeneinmaleins, auch hier wird deutlich, dass die Ratio des Menschen nicht hülfe, dieses Ritual zu verstehen, was wiederum die Übersinnlichkeit der „Hexenküche“ verdeutlicht: „Ich kenn es wohl, so klingt das Buch; Ich habe manche Zeit damit verloren, Denn ein vollkommner Widerspruch / Bleibt gleich geheimnisvoll für Kluge wie für Toren.“ (Vers 2555- 2558) Faust und Mephisto fordern die Hexe auf, die Zeremonie zum Ende zu führen, sie reicht Faust den Trank, der ihn zu sich nimmt.

Mephisto nötigt Faust zum Aufbruch, damit der Zauber seine Wirkung entfalten kann, Faust wirft noch flüchtig einen Blick auf das Spiegelbild Helenas. Mephistos Worte „Du siehst, mit diesem Trank im Leibe / Bald Helenen in jedem Weibe.“ (Vers 2603f.) deuten an, dass Faust durch den Zauber jede Frau anziehend fände und dass damit Helena stellvertretend für alle Frauen steht.

In der darauffolgenden Szene „Straße“ zeigt sich, dass der Zaubertank Fausts Sinnlichkeit erweckt hat. Als er Gretchen begegnet, die gerade von der Beichte kommt, entbrennt seine Leidenschaft.

4. Initiierung und Verlauf des Theaterprojektes

Im Rahmen der Unterrichtseinheit „Faust 1“ entwickelten die SuS des Deutsch-Leistungskurses Interesse an der Lektüre, das vor allem während der durchgeführten Rollenspiele und szenischen Interpretationen deutlich wurde. Daraufhin machte der Lehrer den Vorschlag eine Szene des Stückes als Theaterstück im Rahmen des Deutschunterrichts und eines Projektes am Nachmittag, zu inszenieren: mit Probe, Kostümierung, Bühnenbildgestaltung, Probenarbeit, etc.

Die SuS waren mit dieser Idee einverstanden, daraufhin wurde Folgendes vereinbart:

An jedem Montag sollte die Doppelstunde des Leistungskurses der Inszenierung zur Verfügung stehen, die übrigen drei Wochenstunden sollten dem Deutschunterricht dienen. An jedem Mittwochnachmittag trafen sich alle SuS verbindlich zum Projekt, gegebenenfalls wurde am Wochenende zusätzlich gearbeitet. Das Stück sollte nach etwa drei Monaten aufgeführt werden, wobei aber noch kein fester Termin veranschlagt wurde. Die Aufführung sollte in Zeitungen angekündigt werden und im Forum der Schule stattfinden, ein geringes Eintrittsgeld sollte mit der Produktion verbundene Kosten abdecken, falls Geld übrigbliebe, sollte dies der Behindertenhilfe der Stadt zukommen.

Es diente ein standardisierter Ablauf einer Produktion an Theatern zur Orientierung dafür, wie das Stück in den drei Monaten erarbeitet werden sollte:

1. Auswahl der Szene
2. Bearbeitung der Textvorlage zur Spielvorlage

[...]


[1] SuS = Schülerinnen und Schüler

[2] UE = Unterrichtseinheit

[3] Figurendrama: „Jeder skizziert kurz eine Figur: Name, Alter, Aussehen, Eigenschaft, Beruf. Die Figurenskizzen werden in der Gruppe vorgelesen und jeder wählt sich einen passenden Figurenpartner, beide überlegen sich eine Handlung für ihre Figuren und schreiben zusammen eine Dramenszene /in Kurzdrama.“ (zitiert nach Waldmann 2004, 68)

[4] http://gutenberg.spiegel.de/goethe/faust1/faust011.htm am 25.02.2006

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Die "Hexenküche". Eine fiktive Inszenierung zu "Faust 1" von Johann Wolfgang von Goethe
Hochschule
Universität Bremen
Note
2
Jahr
2006
Seiten
23
Katalognummer
V446510
ISBN (eBook)
9783668825383
ISBN (Buch)
9783668825390
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Goethe, Hexenküche, Inszenierung Theaterspielen, Dramaturgie
Arbeit zitieren
Anonym, 2006, Die "Hexenküche". Eine fiktive Inszenierung zu "Faust 1" von Johann Wolfgang von Goethe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/446510

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