Was geht heutige SchülerInnen der „Faust“ an?
Unser Handeln können wir nur verstehen, wenn wir uns mit der Vergangenheit auseinandersetzen - Gegenwart baut auf Vergangenheit auf und da „Faust“ ein Meilenstein der kulturellen Tradition der Deutschen ist, ist er geradezu prädestiniert dafür, „durchgekaut“ zu werden.
„Durchkauen“ ist aus Sicht der SchülerInnen vielleicht das richtige Wort dafür, sich mit Goethes Werk zu befassen, denn anzunehmen, dass die Ankündigung „Faust“ zu behandeln, Luftsprünge und Freudengeschrei hervorrufen könnte, wäre vermessen.
Wie bringt man es fertig, „Faust“ schmackhafter als Sauerbier anzubieten?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Bedingungsanalyse
3. Interpretation der „Hexenküche“
4. Initiierung und Verlauf des Theaterprojektes
4.1. Auswahl der Szene
4.2. Bearbeitung der Textvorlage zur Spielvorlage
4.2.1. Die Einteilung in Arbeitsgruppen
4.2.2. Rollenbesetzung
4.3. Arbeitsgruppenphase
4.4. Beginn der Probenarbeit
4.5. Die Aufführung
5. Kostümierung
5.1. Verlauf am Beispiel der Hexe
6. Bühnenbild
7. Weitere Arbeitsgruppen
7.1. Journalistik
7.2. Maskerade
7.3. Bühnentechnik
8. Szenarium
9. Schluss
Zielsetzung & Themen
Das Ziel der Arbeit ist es, die theoretische Konzeption und praktische Umsetzung einer schulischen Theaterinszenierung am Beispiel der „Hexenküche“ aus Goethes „Faust 1“ zu dokumentieren und zu evaluieren. Die Forschungsfrage untersucht dabei, wie Schülerinnen und Schüler ohne professionelle Erfahrung durch einen strukturierten, theaterpraktischen Prozess an einen klassischen literarischen Stoff herangeführt und motiviert werden können.
- Theaterpädagogik im schulischen Kontext
- Methoden der Inszenierung klassischer Dramentexte
- Prozessorientierte Gruppenarbeit und Rollenfindung
- Kreative Gestaltung von Bühnenbild und Kostümen
- Schüleraktivierung und Steigerung der Motivation
Auszug aus dem Buch
3. Interpretation der „Hexenküche“
„Ich hätte Lust nun abzufahren“, mit diesen Worten kommentiert Faust das Trinkgelage in „Auerbachs Keller“. Ihm widerstrebt die Zechrunde im Weinkeller, die den Studenten als „ganz kannibalisch wohl, / als fünfhundert Säuen“ (Vers 2293f.) vorkommt, so sehr, dass er während des ganzen Aufenthaltes nur wenig am Geschehen teilnimmt- Fausts Begehren neue Erfahrungs- und Erlebnisstufen zu erklimmen (vgl. Sudau 1998, S. 62), wird hier nicht befriedigt.
Wie sieht es dagegen in der „Hexenküche“ aus? Wo in Auerbachs Keller ein animalisches Trinkgelage, das durch Gesang und Alkohol geprägt war, vorherrschte, trifft Faust in der Hexenküche auf eine ganz andere Stimmung, was die Regieanweisungen zu Anfang verdeutlichen: „Auf einem niedrigen Herd steht ein großer Kessel über dem Feuer. In dem Dampfe, der davon in die Höhe steigt, zeigen sich verschiedene Gestalten. Eine Meerkatze sitzt bei dem Kessel und schäumt ihn und sorgt, daß er nicht überläuft. Der Meerkater mit den Jungen sitzt darneben und wärmt sich. Wände und Decke sind mit dem seltsamsten Hexenhausrat geschmückt.“
Die vorherrschende Stimmung kann als bedrückend-geheimnisvoll und unheimlich charakterisiert werden, was Faust selbst belegt: „Mir widerstrebt das tolle Zauberwesen! Versprichst du mir, ich soll genesen / In diesem Wust aus Raserei? (Vers 2337ff.)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung diskutiert die Herausforderung, das klassische Werk „Faust“ für Schülerinnen und Schüler durch theaterpraktische Methoden lebendig und motivierend zugänglich zu machen.
2. Bedingungsanalyse: Dieses Kapitel analysiert die Zusammensetzung und Lernvoraussetzungen des Deutschleistungskurses sowie die bisherigen Erfahrungen mit dem Faust-Drama.
3. Interpretation der „Hexenküche“: Es erfolgt eine literaturwissenschaftliche Einordnung der Szene im Kontrast zu Auerbachs Keller unter besonderer Berücksichtigung von Fausts Sehnsucht nach Verjüngung und Sinnlichkeit.
4. Initiierung und Verlauf des Theaterprojektes: Das Kapitel beschreibt den prozesshaften Aufbau der Inszenierung, von der Auswahl der Szene über die Gruppenfindung bis zur Aufführung.
5. Kostümierung: Hier werden die Kriterien für die eigenständige Kostümentwicklung erläutert und am konkreten Beispiel der Figur „Hexe“ illustriert.
6. Bühnenbild: Dieses Kapitel erläutert die Anforderungen an das Bühnenbild als funktionaler, nicht eigenständiger Rahmen der Handlung und die praktische Umsetzung der Hexenküchen-Atmosphäre.
7. Weitere Arbeitsgruppen: Ein kurzer Überblick über die unterstützenden Gruppen wie Journalistik, Maskerade und Bühnentechnik, die den Rahmen des Projektes komplettierten.
8. Szenarium: Es wird der exakte inhaltliche Ablauf der Aufführung detailliert dargelegt, inklusive der Regieanweisungen und der Darstellung der einzelnen Szenen.
9. Schluss: Ein reflektierender Rückblick des Autors auf die pädagogischen Herausforderungen und den persönlichen Gewinn aus dem theaterpraktischen Inszenierungsprozess.
Schlüsselwörter
Faust, Theaterpädagogik, Inszenierung, Schulprojekt, Hexenküche, Dramaturgie, Schauspiel, Bühnenbild, Kostümierung, Gruppenarbeit, Motivation, Goethes Faust, Szenisches Spiel, Literaturunterricht, Probenarbeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit dokumentiert ein schulisches Theaterprojekt, in dem eine Szene aus Goethes „Faust 1“ von einem Deutschleistungskurs inszeniert wurde.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der Verbindung von Literaturunterricht und Theaterpraxis, der Organisation von Projektarbeit in der Schule und der kreativen Gestaltung einer dramatischen Szene.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Es wird untersucht, wie ein klassischer literarischer Stoff durch eine praktische, schülergeleitete Inszenierung ohne professionelle Vorerfahrung erfolgreich umgesetzt werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit folgt dem Aufbau eines Berichts, in dem theaterpädagogische Konzepte angewandt und die praktischen Phasen der Inszenierung systematisch reflektiert werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Bedingungsanalyse, die inhaltliche Interpretation der Szene „Hexenküche“ sowie die detaillierte Darstellung des organisatorischen Ablaufs der Inszenierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe umfassen Faust, Theaterpädagogik, Inszenierung, Schulprojekt, Dramaturgie und szenisches Spiel.
Warum wurde gerade die „Hexenküche“ als Szene ausgewählt?
Die Wahl fiel auf diese Szene, da sie durch ihre Figurenkonstellation und inhaltliche Komplexität besonders viele Möglichkeiten für eine kreative szenische Umsetzung bot.
Welche Rolle spielt der Lehrer in diesem Projekt?
Der Lehrer agiert als Spielleiter, Ratgeber und Moderator der Arbeitsprozesse, wobei er den Schülern zugleich einen hohen Grad an Selbstbestimmung einräumt.
- Citation du texte
- Anonym (Auteur), 2006, Die "Hexenküche". Eine fiktive Inszenierung zu "Faust 1" von Johann Wolfgang von Goethe, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/446510