Man lernt nicht für die Schule, sondern für das Leben. Gerade in der Berufsausbildung ist dieser Satz sehr wahr. Doch vor dem Hintergrund der Globalisierung und technischen Fortschritte wird es immer wichtiger, dass junge Menschen sich auch nach der Ausbildung stetig weiterbilden.
Wie können berufliche Schulen selbstreguliertes Lernen vermitteln? Anders gesagt: Wie lernt man zu lernen? Laura Sohl stellt verschiedene Lernmethoden vor, mit denen Schüler komplexe Lernprozesse eigenverantwortlich bewältigen.
Ihre Publikation verdeutlicht, wie wichtig die Lehrkräfte auf diesem Weg sind. Gerade ihr Feedback und ihre Unterstützung bringen Schüler im Lernprozess voran. Sohl gibt deshalb auch konkrete Ratschläge für das richtige Feedback.
Aus dem Inhalt:
- Lernmethoden;
- Selbstreguliertes Lernen;
- Lebenslanges Lernen;
- Lerntheorien;
- Feedback
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Situation der beruflichen Bildung in Deutschland
1.2 Problemstellung
1.3 Vorgehensweise
2 Kognition und kognitive Lernstrategien als Basis für SRL
2.1 Kognition und Wissenserwerb
2.2 Lernstrategien im selbstregulierten Lernprozess
3 Selbstreguliertes Lernen an beruflichen Schulen
3.1 Selbstregulation
3.2 Bestandteile selbstregulierten Lernens
3.3 Funktionsweise selbstregulierten Lernens
3.4 Emotionen, Motivation und Volition im selbstregulierten Lernprozess
3.5 Komplexe Lehr-Lernarrangements als Basis für SRL
3.6 Zwischenfazit
4 Feedback als Lehrstrategie in komplexen, selbstregulierten Lernprozessen
4.1 Der Feedbackbegriff
4.2 Feedbackarten
4.3 Gewährleistung didaktischer Funktionen von Feedback
4.4 Feedbackgestütztes SRL-Prozessmodell
5 Resümee
5.1 Diskussion
5.2 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, ob Feedback als integraler Bestandteil der Lehrmethode genutzt werden kann, um Lernende in komplexen selbstregulierten Lernprozessen bei der kognitiven Regulation und Orientierung zu unterstützen, ohne dabei die Eigenständigkeit des Lernprozesses durch zu starke Fremdsteuerung zu gefährden.
- Grundlagen von Kognition, Wissenserwerb und Lernstrategien
- Struktur und Funktionsweise des selbstregulierten Lernens (SRL) an beruflichen Schulen
- Bedeutung von Emotionen, Motivation und Volition in Lernprozessen
- Integration von Feedback als wirksames Instrument zur Steuerung selbstregulierter Lernprozesse
- Entwicklung eines feedbackgestützten SRL-Prozessmodells als praktischer Leitfaden
Auszug aus dem Buch
3.3 Funktionsweise selbstregulierten Lernens
SRL verläuft als zyklischer Prozess, welcher durch Feedback aus vorangegangenen Handlungen stetig an neue Bedingungen angepasst wird. Diese Anpassungen sind nötig, da sich besonders in längeren Lernprozessen persönliches Verhalten und Umweltfaktoren laufend ändern (vgl. Zimmermann 2005: 14). Zimmermanns Modell ist von besonderer Bedeutung für diesen Kontext, da es direkten Bezug auf den Prozess des Lernens nimmt (vgl. Löb et al. 2004: 2). Nach Zimmermann besteht SR aus Interaktionen von Umwelt-, Verhaltens-, und inneren Prozessen. Diese drei Arten von Selbstregulation bestimmen dabei den zyklischen Prozess und üben eine wechselseitige Kausalität untereinander aus (vgl. Zimmermann 1989: 329). Die Verhaltensbezogene Selbstregulation (Behavioral SR) beinhaltet Attribute wie Self-Monitoring, den Einsatz verschiedener Lernmethoden und eine strategische Anpassung der Leistungsprozesse. Die Umweltbezogene Selbstregulation (Environmental SR) beinhaltet das Beobachten und Anpassen von Umweltbedingungen. Die verdeckte Selbstregulation (Covert SR) hingegen wird von einem inneren bzw. verborgenen Prozess bestimmt.
Diese beinhaltet das Überwachen und Anpassen kognitiver und affektiver Zustände, wie beispielsweise die Fähigkeit des Wissensaufbaus und Interessensverlagerungen. Die Feedbackschleifen (Feedback Loops) werden in diesem Modell als offen angenommen. Das heißt, nach feststellen einer Leistungsdiskrepanz einer Lernphase, wird durch Feedback erworbenes Wissen und Erkenntnisse direkt in einer folgenden Phase des Lernens angewandt (vgl. Zimmermann 2005: 14; Niemann et al. 2008: 66). (Lern-) Verhalten ist demnach immer Zielgerichtet und durch Feedback kontrolliert. Der Zusammenhang kommt zustande, da Ziele als Referenzwerte für Feedbackschleifen dienen (vgl. Carver & Scheier 2005: 42).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Relevanz selbstregulierten Lernens (SRL) in der modernen beruflichen Bildung und definiert die Forschungsfrage bezüglich der Unterstützung durch Lehrerfeedback.
2 Kognition und kognitive Lernstrategien als Basis für SRL: Dieses Kapitel erläutert kognitive Grundlagen des Wissenserwerbs und klassifiziert verschiedene Lernstrategien, die für selbstregulierte Prozesse notwendig sind.
3 Selbstreguliertes Lernen an beruflichen Schulen: Hier werden Definitionen, Bestandteile, Funktionsweisen sowie motivationale und emotionale Aspekte von SRL detailliert dargestellt und theoretische Modelle diskutiert.
4 Feedback als Lehrstrategie in komplexen, selbstregulierten Lernprozessen: Der Hauptteil verknüpft Feedbacktheorien mit SRL und entwickelt ein eigenes heuristisches Modell, um Lernprozesse didaktisch sinnvoll zu steuern.
5 Resümee: Das Resümee reflektiert die theoretischen Erkenntnisse, diskutiert die praktischen Implikationen der entwickelten Modelle und zieht ein Fazit zur Umsetzbarkeit in beruflichen Schulen.
Schlüsselwörter
Selbstreguliertes Lernen, SRL, Feedback, Elaboriertes Feedback, berufliche Bildung, Lernstrategien, Handlungskompetenz, Kognition, Motivation, Volition, Selbstwirksamkeit, Metakognition, Lernprozess, Feedbackmodell, didaktische Funktion
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen Fundierung und der praktischen Etablierung von selbstreguliertem Lernen (SRL) in der beruflichen Bildung durch den gezielten Einsatz von Feedback.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die kognitiven Grundlagen des Lernens, die Analyse verschiedener SRL-Modelle, die Rolle von Motivation und Emotion sowie Feedback als steuerndes Instrument.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Es wird untersucht, ob durch die Integration von elaboriertem Lehrerfeedback kognitive Regulations- und Orientierungsschwierigkeiten überwunden werden können, um so erfolgreich selbstreguliertes Lernen zu ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Aufarbeitung und Synthese bestehender Forschungsbestände, theoretischer Lernmodelle und Metaanalysen, um ein neues heuristisches SRL-Prozessmodell abzuleiten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Bestandteile von SRL, untersucht Emotionen und Motivation in Lernprozessen und erarbeitet ein Modell für feedbackgestütztes selbstreguliertes Lernen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlüsselbegriffe sind Selbstreguliertes Lernen (SRL), Elaboriertes Feedback, Handlungskompetenz, kognitive Strategien, Selbstwirksamkeit und Lernprozesssteuerung.
Welche Rolle spielen Emotionen bei der Selbstregulation?
Emotionen sind als ständige Begleiter des Lernprozesses massgeblich für die Leistungsfähigkeit. Sie beeinflussen die kognitive Aufmerksamkeit und müssen durch Emotionsregulation (z.B. Coping-Strategien) kontrolliert werden.
Warum ist das Feedbackgestützte SRL-Prozessmodell wichtig?
Es dient als praxisorientierter Leitfaden, der aufzeigt, wie Lehrkräfte durch Feedback den SRL-Prozess von der Planung bis zur Reflexion unterstützen können, ohne die notwendige Autonomie der Lernenden zu ersticken.
- Quote paper
- Laura Sohl (Author), 2019, Selbstreguliertes Lernen möglich machen. Methoden für Lehrerinnen und Lehrer an beruflichen Schulen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/446696