Pflege & Wohnen im Alter. Pflegetourismus als Alternative?


Seminararbeit, 2018
24 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung
1.3 Aufbau der Arbeit

2 Begriffsbestimmungen und Erkl rungen
2.1 Demografischer Wandel und Umlageverfahren
2.2 Pflege und dessen Zielgruppe
2.3 Tourismus
2.3.1 Begriffserklärung „Pflegetourismus“
2.3.2 Kurzzeitpflege im Ausland
2.3.3 Langzeitpflege im Ausland

3 Wohnen und Pflege in Deutschland
3.1 Pflegesystem Deutschland
3.1.1 Station re Einrichtungen
3.1.2 Ambulante Dienste
3.1.3 Pflege Zuhause
3.2 Wohnbedarfe
3.3 Wohnbedürfnisse

4 Gesellschaftliche und soziale Bewertung des Pflege-Tourismus
4.1 Eigene Erhebung
4.1.1 Methodik und Inhalte
4.1.2 Durchf hrung
4.1.3 Auswertung &Auswertungsmethode der Ergebnisse
4.2 Vor- und Nachteile des Pflegetourismus
4.3 Ethische Aspekte

5 Fazit
5.1.1 Schlussfolgerungen
5.1.2 Ausblick

Anhang
Anhang 1: Items des Online-Fragebogens
Anhang 2: Graphiken R Studio

Literaturverzeichnis

Internetverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Anzahl der Teilnehmerstimmen pro Wohnform

Abbildung 2: Auswandern im Alter

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

1.1 Problemstellung

Die Weltbevölkerung wird älter, der Anteil der zu pflegenden Menschen in Deutschland steigt stetig und schneller noch als in den letzten Jahrzehnten. Grund hierfür ist vor allem der demografische Wandel im Hinblick auf die Altersstruktur sowie die geringeren Geburtenraten der letzten Generationen und der medizinische Fortschritt. Hier steht der unbedingte Erhalt des Lebens an erster Stelle und die Ausgaben für das deutsche Gesundheitssystem steigen somit bei sinkenden Geburten, ergo künftigen Einzahlern. Jenes Gesundheitssystem mit seinem Solidaritätsprinzip und Umlageverfahren, bei welchem die einzahlende Generation die aktuell pensionierte Generation finanziert, könnte demnach ins Negative kippen. Daher könnten Wohn- und Pflegeformen außerhalb Deutschlands eine soziale sowie finanzielle Lösung sein.

Die Generation, die sich aktuell in dem Alter befindet, in welchem über eine mögliche Pflege nachgedacht werden müsste, tut sich mit neuen Angeboten im Hinblick auf pflegerische Versorgungen eher schwer. Traditionelle Pflegemöglichkeiten sind immer noch für diese Generation beliebt und besonders die Unsicherheit gegenüber Alternativen wird auch unter anderem durch die Medien und negative Artikel im Internet geschürt. Hinzu kommt, dass die Menschen in Deutschland weiterhin ein gewisses medizinisches Versorgungsniveau gewohnt sind und sich viele nicht vorstellen können, dieses auch woanders als in Deutschland zu erhalten. Gleichzeitig steigen aber die medizinischen Kompetenzen im Ausland. Auch werden weltweit diverse Leitlinien für gesundheitliche Versorgung festgelegt, z.B. durch die WHO, um die Interaktion und Kooperation unter den Ländern zu optimieren. Durch die hier entstehenden Standards hat nicht nur der ältere Mensch zukünftig immer mehr die Chance, auch über die eigenen Ländergrenzen hinaus und auf einem geregelten Niveau, pflegerische Angebote in Anspruch zu nehmen. Ein wachsendes Teilgebiet sind die Pflegeangebote auf kurz- und langfristiger Basis im Ausland. Die vielen Vorteile für mögliche Betroffene sind ein Grund, warum Nachfrage und Angebot steigen. Der künftig betroffene Mensch, d.h. der heutige „Mid-Ager“ und seine Familie, findet unter anderem durch das Internet genau die Transparenz, die hier für eine offenen Umgang mit der Option der Pflege im Ausland nötig ist. Über Foren und Erfahrungsberichte kann man sich erste Einblicke verschaffen. Dem gegenüber wird das Thema in der Öffentlichkeit und den Medien allerdings auch noch kritisch gesehen. Besonders durch die medialen Einflüsse wird von „Erbe-Erschleichung“ oder „Greisen-Export“ berichtet. Kritiker des Modells sagen zum Beispiel, Betroffene würden in günstige, ausländische Pflegeheime von Ihren Familien unter anderem deswegen abgeschoben werden, um nach dem Ableben des Vaters oder der Mutter mehr Erbe zu erhalten.

Die Pflege der älteren Bevölkerung in Deutschland ist ethisch, moralisch und auch ökonomisch ein wichtiges Thema. Durch die Verschiebung der Altersstruktur vom jungen hin zu immer mehr älteren Menschen muss in naher Zukunft aber neue Möglichkeiten der Versorgung nachgedacht werden. Die Kinder der künftigen „alten Generation“ sind zum einen immer weniger bereit, sich selbst um die Mutter oder den Vater zu kümmern, und zum anderen haben sie durch die eigene berufliche Tätigkeit weniger Zeit als früher. Neben den bereits etablierten Pflegeoptionen könnte die Pflege im Ausland, ob nun kurz- oder langfristig, dabei eine mögliche Alternative zeigen.

Die vorliegende Seminararbeit beschäftigt sich mit diesem Thema. Sie ist theoretisch fundiert und durch das Heranziehen von aktueller, branchenrelevanter Fachliteratur wird auf die Situation des Pflegetourismus im Ausland als Wohn- und Pflegeform eingegangen. Die herausgearbeiteten Erkenntnisse basieren zudem auf dem praktischen Erfahrungswissen der Verfasserin.

1.2 Zielsetzung

Die vorliegende Arbeit analysiert zunächst die aktuellen und bekanntesten Möglichkeiten der Pflege in Deutschland. Ziel dieser Arbeit ist es, einen Einblick zu gewinnen, wie die Option des Pflegetourismus in der Gesellschaft heute angenommen und auch genutzt wird. Zudem soll herausgefunden werden, inwieweit das Thema positiv und/oder negativ bewertet wird. Dabei wird eine eigens durchgeführte Umfrage beschrieben und analysiert. Ob der Pflegetourismus in der Zukunft eine echte Möglichkeit darbietet, wird in dieser Arbeit abschließend kritisch diskutiert.

1.3 Aufbau der Arbeit

Das erste Kapitel, die Einleitung, gliedert sich in die Problemstellung und Zielsetzung der Arbeit. Hier wird durch ein kurzes Vorwort zur Thematik geführt und auf die Fragestellung eingegangen. Weiterhin widmet sich ich Kapitel Eins den Aufbau der Arbeit.

Im zweiten Kapitel werden Begriffe definiert und erörtert, um einen Einstieg in das Thema zu geben. Hierbei wird neben den Begriff Pflege und Tourismus auch die Begriffserklärung des Pflegetourismus und zwei seiner Formen, nämlich Kurzzeit- und Langzeitpflege im Ausland, beschrieben.

Das dritte Kapitel setzt sich mit dem deutschem Pflegesystem auseinander. Hier werden beispielhaft drei Pflegemöglichkeiten, nämlich stationäre Einrichtungen, ambulante Dienste und die Pflege Zuhause erörtert. Weiterhin wird auf Wohnbedarfe und Wohnbedürfnisse im Alter eingegangen.

Im vierten Kapitel wird die gesellschaftliche und soziale Bewertung des Pflegetourismus analysiert. Dazu gehört eine eigene Erhebung in Form einer Umfrage, welche vorgestellt und beschrieben wird. Danach folgen Informationen zu Vor- und Nachteilen des Pflegetourismus sowie dessen ethische Aspekte.

In Kapitel fünf wird die Arbeit zusammen gefasst und auf die Forschungsfrage Bezug genommen. Mit dem Fazit und eines möglichen Ausblicks für die Pflege im Ausland schließt die Arbeit ab.

2 Begriffsbestimmungen und Erkl rungen

2.1 Demografischer Wandel und Umlageverfahren

Der demografische Wandel beschreibt die Veränderungen von gesellschaftlichen Strukturen. Er ist eine normale Erscheinung einer sich ändernden Gesellschaft und wird durch diverse Faktoren beeinflusst; insbesondere Altersstruktur, Entwicklung von Geburtenzahlen sowie Sterbefällen. Die in Deutschland höhere Lebenserwartung der Bevölkerung und die geringe Geburtenrate führt somit zu einer hohen Anzahl von alten Menschen bei einer gleichzeitig geringeren Anzahl von jungen Menschen[1] Es gibt unterschiedliche Entwicklungen in der Geschichte der Bevölkerungssoziologie, die unterschiedliche gesellschaftliche Herausforderungen mit sich brachten und auch noch bringen. Die deutschen Krankenkassen beispielsweise werden verstärkt finanziell beansprucht und müssen ihre Ressourcen dementsprechend anpassen. Gleichzeitig gibt es als Folge der geringen Geburtenrate in Deutschland weniger potenzielle Beitragszahler, also Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Das sogenannte Umlageverfahren der Krankenkassen wird so realisiert, dass paritätisch Arbeitgeber und Arbeitnehmer monatlich Beiträge einzahlen, indem der Beitrag in Abhängigkeit vom sozialversicherungspflichtigen Einkommen abgezogen wird.

2.2 Pflege und dessen Zielgruppe

Eine einheitliche Definition von Pflege gibt es nicht. Der Weltbund der Krankenschwestern und Krankenpfleger ICN definiert daher allgemeine Vorgaben für den Begriff Pflege. Somit umfasst Pflege „(…) die eigenverantwortliche Versorgung und Betreuung, allein oder in Kooperation mit anderen Berufsangehörigen, von Menschen aller Altersgruppen (…), ob krank oder gesund, in allen Lebenssituationen (Settings). Pflege schließt die Förderung der Gesundheit, Verhütung von Krankheiten und die Versorgung und Betreuung kranker, behinderter und sterbender Menschen ein (…)“.[2] Pflege, ob nun vom Laien oder von Fachpersonal ausgeführt, meint also unterstützende Maßnahmen in diversen Lebensbereichen und -altersklassen. Hierzu zählen neben den körperlichen Unterstützungen auch psychische und seelische, sowie soziale und finanzielle Aspekte. Der Begriff Pflegebedürftigkeit ist in § 14 SGB XI geregelt und beschreibt, dass Pflegebedürftige Personen sind „(…) die gesundheitlich bedingte Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten aufweisen und deshalb der Hilfe durch andere bedürfen. Es muss sich um Personen handeln, die körperliche, kognitive oder psychische Beeinträchtigungen oder gesundheitlich bedingte Belastungen oder Anforderungen nicht selbständig kompensieren oder bewältigen können. (…)“.[3] Im Hinblick auf die Pflegemöglichkeiten im Ausland sind nicht nur die bereits pflegebedürftigen Personen als Zielgruppe zu definieren. Der Mid-Ager, also der Mensch zwischen dem 20. und 50. Lebensjahr ist meist noch berufstätig. Trotzdem macht sich der „ältere“ Mid-Ager auch jetzt schon Gedanken über seine Pensionierung und wie und wo er dann wohnen möchte. Oft fungiert der Mid-Ager aber auch als Informationslieferant für seine Eltern, da diese meist nur traditionelle Pflegeformen wie stationäre oder ambulante Formen kennen und sich mit der Informationsbeschaffung über das Internet nicht genügend auskennen. In diesen Fällen beeinflussen eher die Medien und Erfahrungsberichte durch Freunde oder Bekannte die Meinung: laut einer Umfrage der DAK zu Hauptinformationsquellen zur Pflegereform in Deutschland erhalten die Menschen zu 42% ihre Informationen über Printmedien und Rundfunk sowie 23% über Gespräche mit Familien, Freunden und Bekannten.[4]

2.3 Tourismus

Der Ausdruck Tourismus steht als Synonym für Fremden- bzw. Reiseverkehr und wird von der UNWTO als „Aktivitäten einer Person, die für weniger als einen bestimmten Zeitraum an einen Ort außerhalb ihrer gewöhnlichen Umgebung reist, wobei der Hauptreisezweck ein anderer ist als die Ausübung einer Tätigkeit, die vom besuchten Ort aus vergütet wird“[5] definiert. Weiterhin erfordert der Tourismus mindestens eine Übernachtung, andernfalls wird der Reisende als Besucher beschrieben.[6]

2.3.1 Begriffserkl rung „Pflegetourismus“

Die meisten Menschen würden in erster Linie unter dem Begriff Tourismus das Reisen in ein fremdes Land im Rahmen eines Urlaubs während der Freizeit verstehen und nicht die Pflege von Menschen. Für den Begriff Pflege-Tourismus gibt es bisher keine einheitliche und verbindliche Definition oder Regelungen. Der Pflegetourismus kann zum einen als Nische der Tourismuswirtschaft und zum anderen als Zweig des Gesundheitssystems gesehen werden. Die Verbindung dieser beiden Sachgebiete ermöglicht Pflege- und Wohnalternativen auch bezüglich finanzieller und zeitlicher Situationen der Betroffenen und Angehörigen.

Laut einer Umfrage des ADAC unter ADAC Mitgliedern, die zumindest gelegentlich das Internet nutzen, sind die Hauptmotive für eine Reise „Ruhe finden“ und „Abschalten“ (62% Anteil der Befragten) Auch werden Reisen für gesundheitliche Aspekte gewählt. Etwa 39% reisen demnach auch für das „gesunde Klima“ und weitere 26% wollen „etwas für die Gesundheit tun“.[7] Diese Umfrage könnte nahelegen, dass die Branchen Pflege und Tourismus in der Zukunft immer mehr Überschneidungen finden.

2.3.2 Kurzzeitpflege im Ausland

Es gibt schon jetzt verschiedene Angebote für Kurzeitpflege im Ausland. In Griechenland beispielsweise werden Konzepte mit Hilfe der DGV umgesetzt. In einem ersten Pilotversuch auf Rhodos wurden Langzeitaufenthalte für betreuende und pflegende Angehörige mit deren körperlich und/oder psychisch erkrankten Partnern angeboten. Hier sollen das milde Klima und die mediterrane Küche einen positiven Effekt bringen. Weiter möchte man bestehende Hotels in „Pflegehotels“ umfunktionieren. Damit sollen auch Arbeitsplätze geschaffen und die lokale Wirtschaft angekurbelt werden. [8] Für Angehörige der zu betreuenden Menschen kann das als gute Möglichkeit gesehen werden, sich außerhalb Deutschlands zu erholen und sich gleichzeitig nicht um die Betreuung der Mutter oder des Vaters währenddessen zu sorgen. Die Reiseagentur Runa Reisen GmbH nimmt sich beispielsweise dieser Marktnische an und hat sich auf betreute Reisen spezialisiert. Laut deren Webseite werden hier nationale und internationale Pauschalreisen nach individuellen Bedürfnissen vermittelt. Es gibt aber auch Kurzzeitpflegeangebote, bei denen die Betroffenen zum Beispiel im Rahmen einer Rehabilitation oder Kur nach einer Erkrankung ins Ausland gehen können. Die Angebote scheinen im Rahmen dieser Nische mannigfaltig.

2.3.3 Langzeitpflege im Ausland

Die Langzeitpflege im Ausland geht über die mögliche Pflege während eines Urlaubs oder einer Rehabilitation hinaus. Hier sind Angebote allerdings rar, da nach wie vor eine Nische bedient wird, bei der die Unsicherheit gegenüber dem Thema gerade bei der älteren Generation groß ist.

3 Wohnen und Pflege in Deutschland

3.1 Pflegesystem Deutschland

Die Pflegeversicherung dient dem Schutz vor finanziellen Folgen bei Pflegebedürftigkeit. Vor Einführung der Pflegeversicherung im Jahr 1995 mussten Pflegebedürftige Sozialhilfe in Anspruch nehmen. Die deutsche Pflegeversicherung wird heute durch das zuvor beschriebene Umlageverfahren finanziert, gilt aber nicht als „Vollversicherung“ sondern nur als Basisversorgung im Pflegefall. Weiterhin wurden damals Pflegestufen definiert: je höher die Stufe, desto mehr Ansprüche auf Leistungen durch die Krankenkasse sind möglich. Pflegebedürftige, aber auch unter bestimmten Voraussetzungen deren pflegende Angehörige, haben dann Anspruch auf Geldleistungen, Sachleistungen oder Dienstleistungen im Rahmen der benötigten Pflege. Im Jahr 2017 wurden im Rahmen des neuen Pflegestärkungsgesetzes II die drei Pflegestufen durch fünf Pflegegrade ersetzt. Diese sollen insbesondere die neben der zuvor fokussierten körperlichen Pflegebedürftigkeit, nun auch psychische Konditionen besser erfassen und abdecken. [9]

3.1.1 Station re Einrichtungen

Das Altenheim als Überbegriff und Synonym für verschiedene Pflege- und Wohnformen für betagte und bedürftige Menschen ist mit am bekanntesten. Im Jahr 2015 gab es 13.596 Pflegeheime in Deutschland.[10] Die Tendenz ist hier steigend. Weiterhin wurden in diesem Jahr fast 750.000 Menschen ab einem Alter von 60 Jahren vollstationär versorgt.[11] Um einen Platz im Altenheim muss sich der Suchende selbst kümmern. Oft gibt es hier aber Engpässe, denn das Angebot stimmt nicht mit der Nachfrage überein. Vor allem ist dies durch den Fachkräftemangel zu begründen. Der Bedarf an Pflegekräften liegt laut einer Erhebung der Süddeutschen Zeitung im Jahr 2025 bei 940.000 Stellen.[12] Aktionen der Politik, wie 8.000 Fachkräfte aus dem Ausland anzuwerben, scheinen daher nur wie ein Tropfen auf dem heißen Stein. [13]

3.1.2 Ambulante Dienste

In Deutschland ist im §3 SGB XI festgelegt, dass die ambulante vor der stationären Pflege gelten soll. Auf ambulante Versorgung haben sich die ambulanten bzw. mobilen Pflegedienste spezialisiert. Diese sind Dienstleistungsunternehmen, welche Pflegebedürftige und deren Angehörigen in der häuslichen Pflege unterstützten. Wie beim Pflegeheim muss sich die Familie selbst um die Versorgung des Angehörigen kümmern. Im sogenannten Pflegevertrag wird dann festgelegt, in welchem Rahmen die Pflege erfolgen soll. Finanzielle Unterstützung, die je nach Pflegegrad unterschiedlich hoch ausfällt, erhalten die Betroffenen durch die Kranken- bzw. Pflegeversicherung.

3.1.3 Pflege Zuhause

Neben der ambulanten Versorgung durch einen Pflegedienst im häuslichen Umfeld können auch Angehörige, meist die Kinder der Pflegebedürftigen, pflegerische Unterstützung leisten. Es gibt hier die Möglichkeit für pflegende Angehörige sich im Rahmen der sogenannten Pflegezeit für maximal 6 Monate von der Arbeit voll oder teilweise freistellen zu lassen. Weiterhin gibt es spezifische Beratungsstellen und diverse Schulungsangebote.[14]

3.2 Wohnbedarfe

Durch Abnahme der Bevölkerung Deutschlands bei gleichzeitiger Zunahme des Lebensalters ergibt sich die Nachfrage des altersgerechten Wohnens. Maßnahmen, wie Umbauen der bestehenden Wohnungen in Deutschland, bedürfen allerdings räumlicher und finanzieller Möglichkeiten, denn oft wurden diese Wohnungen nicht altersgerecht gebaut. Dabei ist die Anpassung der Wohnung nicht als rein technische Lösung zu sehen, sondern es soll mit Beratung und Unterstützung der Bewohner und Bewohnerinnen erfolgen.[15]

3.3 Wohnbed rfnisse

Die meisten Menschen wollen so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden wohnen bleiben. Wohnbedürfnisse sind menschliche Grundbedürfnisse wie beispielsweise Schutz, Sicherheit und Geborgenheit.[16] Aber auch alltägliches wie Schlaf, Nahrungsaufnahme oder Sexualität gehören zu den Grundbedürfnissen eines Menschen. Die Erfüllung dieser passiert oft im Wohnumfeld. Daher ist das Wohnbedürfnis ein zentraler Aspekt des Menschseins und ist demnach auch altersunabhängig. Im Alter allerdings nimmt die Gestaltung der eigenen Wohnung oder des Hauses einen umfassenderen Stellenwert an. Es wird mehr nach Optionen gesucht, die den Bedürfnissen des Alters entsprechen, wie barrierefreie Wohnungen, Aufzüge oder altersgerechte Ausstattungen in Bad, Küche, Wohn- und Schlafbereich.

4 Gesellschaftliche und soziale Bewertung des Pflege-Tourismus

Im folgenden Kapitel wird auf die eigene Datenerhebung eingegangen. Hierbei werden Methodik, Durchführung und Zusammenfassung der Ergebnisse dargestellt. Unter anderem auf Basis dieser Ergebnisse erfolgt eine gesellschaftliche und soziale Bewertung des Pflege-Tourismus.

4.1 Eigene Erhebung

Für eine eigene Darstellung der aktuellen Situation bzw. Meinung hinsichtlich des Wohnens im Alter wurde für diese Seminararbeit eine beispielhafte empirische Untersuchung durchgeführt.

4.1.1 Methodik und Inhalte

Für die Datenerhebung wurde die Methode eines Fragebogens gewählt (siehe Anhang 1). Hierbei handelte es ich um eine Online Umfrage, die mit Hilfe der Internetseite www.umfrageonline.com erstellt wurde. Um möglichst klare Antworten zu erhalten, wurde der Fragebogen einfach gestaltet und bestand aus der Kernfrage, wie sich die Umfrageteilnehmer vorstellen könnten, im Alter zu wohnen. Auswahlmöglichkeiten waren hier 1. Betreutes Wohnen / Pflege WG, 2. Vollstationäre Betreuung 3. Pflege im Ausland 4. Tagespflege (teilstationär) und 5. Pflege Zuhause (Angehörige). Die Auswahl von mehreren Antworten war möglich. Weiterhin wurde nach Alter, Geschlecht, Wohnort und Postleitzahl gefragt.

4.1.2 Durchf hrung

Durch die Möglichkeiten der Webseite www.umfrageonline.com war der Fragebogen sowohl für PC-Desktops, Laptops sowie für mobile Geräte optimiert. Dies hatte den Vorteil, eine breitere Masse zu erreichen zu können. Der Umfragelink wurde dann im sozialen Netzwerk Facebook sowie beim Nachrichtendienst WhatsApp geteilt. In der selbsterstellten Einleitung wurde hervorgehoben, dass die Beantwortung des Fragebogens nicht mehr als 1-2 Minuten in Anspruch nehmen wird und der Teilnehmer möglichst spontan antworten soll. Dies hatte zufolge, dass innerhalb von ein paar Tagen 66 Teilnehmer unterschiedlicher Altersklassen an der Umfrage teilgenommen haben.

4.1.3 Auswertung &Auswertungsmethode der Ergebnisse

Eine erste Auswertung erfolgte mit Hilfe des Outputs der Internetseite www.onlineumfrage.com, welche als PDF heruntergeladen werden konnte. Zunächst wurden die für die Seminararbeit relevanten Ergebnisse hervorgehoben, markiert und in eine für die Auswertung sinnvolle Ordnung gebracht. Mit Hilfe des Statistik-Programms R Studio wurden anschließend weitere visuelle Darstellungen vorgenommen. Die inhaltliche Auswertung erfolge dann anhand dieser Graphiken und der herausgeschriebenen Ergebnisse. Die Graphiken befinden sich zur Veranschaulichung im Anhang.

4.1.3.1 Zusammenfassung der Ergebnisse

Es nahmen insgesamt 66 Menschen an der Umfrage teil. Davon waren 31,8% männlich und 68,2% weiblich. Die Altersspanne der Befragten betrug 19-71 Jahre, der Altersdurschnitt betrug 33,31 Jahre. Die meisten Personen befanden im einen Alter zwischen 19-35 (74,2%) Jahren. Für die Auswertung und zur Visualisierung der Umfrage wurden das Alter der befragten Personen in Kategorien eingeteilt (Anhang 2). Im Mittelpunkt der Umfrage und auch der Seminararbeit steht dabei das Thema Wohnen im Alter der unterschiedlichen Altersklassen; Aspekte wie Wohnort und Postleitzahl wurden für diese Arbeit daher nicht analysiert.

Die Möglichkeit des betreuten Wohnens / Pflege WG war für 37 (54,4%) der 66 befragten Personen vorstellbar. Danach folgen 36 (52,9%) Personen, welche für sich die Pflege durch Angehörige / Zuhause als Option sehen. Fünf der Teilnehmer wählten Tagespflege (teilstationär) und drei Pflegeheim (vollstationär). Für die Möglichkeit der Pflege im Ausland waren lediglich nur fünf Personen offen.

[...]


[1] http://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/lexikon-der-wirtschaft/240461/demografischer-wandel (Zugriff 07.07.2018)

[2] https://www.dbfk.de/de/themen/Bedeutung-professioneller-Pflege.php, (Zugriff 30.06.2018)

[3] https://www.sozialgesetzbuch-sgb.de/sgbxi/14.html (Zugriff 18.07.2018)

[4] DAK. Umfrage zu Hauptinformationsquellen zur Pflegereform in Deutschland im Jahr 2016. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/653418/umfrage/umfrage-zu-hauptinformationsquellen-zur-pflegereform-in-deutschland/ (Zugriff 01.07.2018)

[5] UNWTO, Department of Economic and Social Affairs, 2008, International Recommendations for Tourism Statistics https://unstats.un.org/unsd/publication/Seriesm/SeriesM_83rev1e.pdf#page=21 (Zugriff: 30.06.2018)

[6] Vgl. Freyer, W., 2011, Tourismus: Einf hrung in die Fremdenverkehrs konomie, S. 6

[7] ADAC. Was ist Ihnen pers nlich besonders wichtig, wenn Sie Urlaub machen?. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/534872/umfrage/wichtige-unternehmungen-der-deutschen-in-urlaubsreisen/ (Zugriff am 01.07.2018).

[8] Vgl. Fr drich, A., Medizintourismus: Patienten weltweit „auf Achse“ https://www.aerzteblatt.de/archiv/145389/Medizintourismus-Patienten-weltweit-auf-Achse (Zugriff 30.06.2018)

[9] https://www.pflege.de/pflegekasse-pflegerecht/pflegegesetz-pflegereform/pflegestaerkungsgesetze/ (Zugriff 18.07.2018)

[10] Statistisches Bundesamt. Anzahl von Pflegeheimen und ambulanten Pflegediensten in Deutschland in den Jahren 1999 bis 2015 . https://de.statista.com/statistik/daten/studie/2729/umfrage/anzahl-der-pflegeheime-und-ambulanten-pflegedienste-seit-1999/ (Zugriff 09.07.2018).

[11] Statistisches Bundesamt. Anzahl der Pflegebed rftigen in Deutschland, die zu Hause und vollstation r versorgt werden, nach Altersgruppe im Jahr 2015 . https://de.statista.com/statistik/daten/studie/187679/umfrage/anzahl-der-pflegebeduerftigen-in-deutschland/ (Zugriff 09.07.2018)

[12] SZ. Prognostizierter Bedarf an Pflegekr ften in Deutschland im Jahr 2025 . https://de.statista.com/statistik/daten/studie/172651/umfrage/bedarf-an-pflegekraeften-2025/ (Zugriff 18.07.2018).

[13] https://www.tagesschau.de/wirtschaft/spahn-pflege-101.html (Zugriff 18.07.2018)

[14] https://www.pflege-durch-angehoerige.de/2015/04/04/pflegezeit-und-familienpflegezeit-freistellung-vom-beruf-fuer-die-pflege/#Wer_gehoert_zum_Personenkreis_der_pflegenden_Angehoerigen (Zugriff 09.07.2018)

[15] Vgl. Kleiner, G., 2012, Alter(n) bewegt, S. 201

[16] Vgl. Lenz, K., Rudolph, M., Sickendiek, U., 1999, Die alternde Gesellschaft, S. 129

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Pflege & Wohnen im Alter. Pflegetourismus als Alternative?
Hochschule
FOM Essen, Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Hochschulleitung Essen früher Fachhochschule
Note
1,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
24
Katalognummer
V446832
ISBN (eBook)
9783668836174
ISBN (Buch)
9783668836181
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Pflegetourismus, Pflege im Alter
Arbeit zitieren
Sara Laube (Autor), 2018, Pflege & Wohnen im Alter. Pflegetourismus als Alternative?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/446832

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