Die Rolle der Prätorianer bei den Machtwechseln im Sechskaiserjahr (238 n. Chr.). Zwischen Senat, Militär und plebs urbana


Hausarbeit, 2018
17 Seiten, Note: sehr gut

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Einleitung

Die Prätorianer

Das Sechskaiserjahr

Die Rolle der Prätorianer im Sechskaiserjahr

Zusammenführung

Quellen- und Literaturverzeichnis
1. Quellenverzeichnis
2. Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser eseprobe nicht enthalten

Einleitung

Die Prätorianergarde (Praetoriani) gilt als eine der unverkennbaren Merkmale der römischen Kaiserzeit. Eine Eliteeinheit, deren Hauptaufgabe darin bestand, den Kaiser und dessen Familie nötigenfalls mit ihrem Leben zu schützen – eine Aufgabe, die ihr so manches Privileg einräumte: höheren Sold und bessere Arbeitsbedingungen, als die normalen Soldaten hatten, und eine enge Verbindung zum Kaiser und seiner Umgebung.[1]

Macht und Einfluss dieser aussergewöhnlichen Gardeeinheit unterlagen während der Jahre ihrer Existenz einem stetigen Wandel. Heutzutage sind die Prätorianer gemeinhin als gutausgebildete und loyale Elitesoldaten bekannt, die ihrem Kaiser stets treu ergeben waren. Die dunkleren Seiten dieser Einheit stehen weitaus weniger im Fokus der Öffentlichkeit – Meuchelmord, Verrat und Verfolgung der eigenen Interessen waren auch in ihren Reihen zu finden. Bezeichnend hierfür kann die Reichskrise von 235-284 n.Chr. gelten, besser bekannt unter der Zeit der Soldatenkaiser. Das römische Kaiserreich stand im dritten Jahrhundert am Abgrund – militärisch wie politisch, fiskalisch und auch sozial. Eine Zeit voller Unsicherheit und Wandel, in welcher ein neuer Schlag von Kaisern ein neues Imperium schuf. Dem Militär und auch den Prätorianern fiel hierbei eine bedeutende Rolle zu, welche sich spezifisch im Sechskaiserjahr von 238 n.Chr. erkennen lässt. Somit widmet sich diese Arbeit auch hauptsächlich diesem turbulenten und undurchsichtigen Jahr und ergründet die politische und militärische Rolle, welche die Prätorianergarde einnahm. Hierbei werden auch Vergleiche zu anderen Zeitpunkten hinzugezogen, um die Besonderheit dieses Jahres und die Bedeutung der Prätorianer hervorzuheben. Um ein allgemeines Verständnis zu vermitteln, wird zunächst ein Überblick der politischen Lage des Sechskaiserjahres geliefert und eine Erklärung, wie sich ein solches überhaupt entwickeln konnte. Auch der Aufbau und die Geschichte der Prätorianer muss erläutert werden, bevor spezifisch auf ihre Rolle 238 n.Chr. eingegangen werden kann.

Problematisch hierbei ist die Quellenlage – wir wissen über das dritte Jahrhundert, insbesondere über die Zeit der Soldatenkaiser, sehr wenig. Wichtige Texte, die bei der Rekonstruktion der Ereignisse dieses Umbruchs behilflich sein könnten, sind verschollen, und andere Überlieferungen lassen keine genaue Deutung des Geschehens zu.[2] Nichtsdestotrotz liefern die wenigen Zeugnisse Einblick in eine komplexe Struktur aus Interessenkonflikten und Motiven der Handlungsakteure. Diese Arbeit stützt sich massgeblich auf drei Quellen. Herodians[3] acht Bücher reichen bis in das Jahr 238, geniessen in der Altertumswissenschaft jedoch keinen guten Ruf und werden von Alföldy eher als historischer Roman, denn als Geschichtswerk bezeichnet.[4] Dennoch ist Herodian als Zeitzeuge unverzichtbar und seine Schilderung massgebend für die Stimmung dieser Epoche und bildet deshalb die wichtigste Quelle, auf welcher diese Arbeit beruht.[5] Nicht weniger vorsichtig muss die Historia Augusta betrachtet werden, doch für weite Teile der Soldatenkaiserzeit ist sie die einzige literarische Quelle. Ausserdem lagen dem oder den Autoren des Geschichtswerks Quellen vor, welche heute nicht mehr vorhanden sind. Schon deshalb darf der Einblick, den sie in diese Zeit liefert, nicht vernachlässigt werden.[6] Auch das Werk des Aurelius Victor, Historiae abbreviatae, ist an vielen Stellen anzuzweifeln, da wichtige Informationen ausgelassen werden und der Autor dazu neigte, moralische Bewertungen in seine Schilderung einfliessen zu lassen.[7] Trotz mehrfach auftretender eklatanter Fehler[8] gilt die Historiae abbreviatae jedoch als wichtige Quelle für das dritte und vierte Jahrhundert der römischen Kaiserzeit. Auch wenn all diese Werke mit Vorsicht zu behandeln sind, helfen sie dennoch, um Licht in eine sehr quellenarme Epoche der Geschichte zu werfen.

Die Prätorianer

Auch wenn die Prätorianergarde als archetypisches Beispiel der römischen Kaiserzeit angesehen wird, handelt es sich bei der später so berühmten Garde um eine Modifikation einer schon in der Republik bestehenden Institution: eine dem Feldherr direkt unterstehende, ihm loyal ergebene militärische Truppe. Die grundlegenden Aufgaben der Einheit waren dieselben wie in republikanischen Zeiten – eine ausgewählte Einheit von Männern, die den Kommandanten zu schützen hatte und ihn auch in anderen Angelegenheiten unterstützte.[9] Die erste Verwendung des Begriffs Prätorianer geht auf einen der beiden Africanus zurück:[10] So berichtet Festus, dass Scipio Africanus die mutigsten Männer auswählte, welche im Krieg nie weit von ihm entfernt sein durften, sie von anderen militärischen Aufgaben befreite und ihnen eineinhalb mal so viel Sold bezahlte. Diese Kohorte nannte man Prätorianer – auf Grund ihrer Zugehörigkeit zum Prätor.[11] In der Forschung wird auch die Vermutung aufgestellt, dass der Name der Prätorianer von dem Zelt des Kommandanten, dem praetorium, stammt.[12] Es bleibt schwierig, einen genauen Zeitpunkt festzulegen, ab welchem von einer richtigen Prätorianergarde gesprochen werden kann. Im frühen ersten Jahrhundert v.Chr., einem Zeitalter, in welchem die Republik dramatischen Veränderungen ausgesetzt war, wurden persönliche Leibwächter zu einer Notwendigkeit, um die Sicherheit einzelner sehr mächtiger Individuen zu gewährleisten. Sulla beispielsweise, welcher 82 v.Chr. zum Diktator aufstieg, umgab sich mit einer grossen Leibwache.[13] Sandra Bingham erwähnt hierbei zwar, dass der Weg, welchen Sulla einschlug, um Macht zu erlangen, dies notwendig machte, betont jedoch gleichzeitig, dass dies kein Einzelphänomen war.[14] Als 43 v.Chr. die triumviri Octavian, Antonius und Lepidus in Rom einzogen, wurde jeder der Männer von einer Kohorte Prätorianer und einer Legion begleitet.[15] Nach der Schlacht bei Philippi 42 v.Chr. wiesen Antonius und Octavian 8000 all ihrer Soldaten in Prätorianer-Kohorten ein.[16] Dieser Akt wurde von Durry als „véritable naissance“ der Prätorianergarde bezeichnet.[17] Als Octavian schlussendlich die Macht erlangte und zum Augustus wurde, schuf er sich 27 v.Chr. eine Leibwache von Prätorianern, die aus neun Kohorten von insgesamt 4500 Mann bestand. Dies stellte den Übergang der Einheit als ursprüngliche Leibwache auf Kriegszügen zu einer Leibgarde des Kaisers in Rom dar.

Die Prätorianer als reine Leibgarde anzusehen, wäre jedoch falsch. Ihre Funktion war klar darauf ausgerichtet, dem Kaiser zur Verfügung zu stehen, und sie dienten nicht nur zu dessen Schutz, sondern übernahmen auch administrative und gewöhnliche Aufgaben im gesellschaftlichen Leben Roms.[18] Gleichzeitig stellten sie die einzige militärische Einheit mit spezifischen militärischen Aufgaben dar, welche in Rom stationiert war, was wiederum ihre Macht stärkte.[19] Auch ansonsten genossen die Soldaten der Prätorianergarde Privilegien. Ihre Dienstzeit belief sich vor 13 v.Chr. auf zwölf Jahre, während reguläre Soldaten 20 Jahre Dienstzeit leisteten. Nach den Reformen von 5 n.Chr. dienten die Prätorianer 16 Jahre im Vergleich zu den 25 Jahren eines normalen Soldaten.[20] Die kürzere Dienstzeit ermöglichte es den Soldaten, hohe Ränge im Militär schon in jüngeren Jahren zu erreichen. Gleichzeitig erhielt ein Prätorianer mehr Sold als ein gewöhnlicher Soldat[21] und höhere Donativa.[22] Auch ihre hochwertigere Rüstung unterschied sie von normalen Soldaten.

Die Strukturierung der Einheit, welche Augustus vollzog, blieb während der Geschichte der Prätorianer weitgehend bestehen. Unter Kaiser Tiberius wurden alle Kohorten in Rom in der Castra Praetoria untergebracht, was einen gravierenden Einschnitt zu Augustus Vorgehensweise bedeutete. Dieser nämlich versuchte, noch möglichst wenig Aufmerksamkeit auf die Prätorianer zu ziehen, um den Anschein der Republik aufrechtzuerhalten.[23] Die Festung der Prätorianer in Rom war eine klare imperiale Machtdemonstration und machte die Koordination der Truppe einfacher.[24]

Berücksichtigt man nun die vorgestellten Vorrechte und wichtige Position der Prätorianergarde in der römischen Gesellschaft, ist es nicht verwunderlich, dass die Elitetruppe immer wieder aktiv in die Politik eingriff. Die Aufgaben der Offiziere und auch der regulären Prätorianertruppe sowie deren Nähe zum Machtzentrum des Reichs liess ihnen Spielraum, um ihre eigenen Interessen zu verfolgen. Die wohl beste Illustration dieser Verfolgung eigener Ziele kann während der heiklen Phase eines Machtwechsels beobachtet werden. Das Sechskaiserjahr ist bezeichnend für diese Entwicklung.

Das Sechskaiserjahr

Mit Maximinus Thrax (Gaius Iulius Verus Maximinus), welcher 235 n.Chr. an die Macht kam, begann die Epoche der Soldatenkaiser. Die Soldaten der Mainzer Garnison riefen den Thraker[25] zum Kaiser aus, der bisherige Kaiser Severus Alexander wurde auf Geheiss Maximinus’ ermordet. Mit dem neuen Prinzeps war erstmals ein „Berufssoldat“ auf den Thron gelangt.[26] Auch wenn von einer Epochenwende gesprochen wird, welche der erste Soldatenkaiser einläutete, führte Maximinus die Politik der Severer fort. Herodian kritisiert zwar heftig die Raffgier des Kaisers,[27] der hohe Steuerdruck, welchen der Kaiser ausübte, kann jedoch wohl auf die militärische und fiskalische Notwendigkeit der Zeit zurückgeführt werden. Trotzdem machten ihn seine horrenden Zahlungen an das Militär sehr unbeliebt im Senat und bei den Bürgern Roms.[28] Maximinus reagierte auf die Herausforderungen, welche diese krisendurchwirkte Zeit an ihn stellte, mit kurz- und mittelfristigen Massnahmen: Er weitete die Privilegien des Militärs aus, um dessen wachsendem Einfluss entgegenzukommen und sich weiter dessen Loyalität zu sichern und liess Strassen sanieren sowie neu bauen, um dem Zerfall der Infrastruktur entgegenzuwirken..[29] Am wichtigsten erschien ihm jedoch die Grenzsicherung, bei welcher er sich sehr erfolgreich zeigte. Dies bedeutete auch, dass er präsent bei seinen Soldaten sein musste, um diese unter Kontrolle zu behalten. Somit blieb er jedoch Rom fern, was es ihm wiederum erschwerte, Rückhalt im ohnehin ihm schon negativ gesinnten Senat zu gewinnen.[30]

Maximinus’ Herrschaft endete mit dem Sechskaiserjahr – in diesem Jahr waren nach- und mitei-nander sechs Männer vom Senat als römischer Kaiser anerkannt.[31] Nach Unruhen in der Provinz Africa Proconsularis, bei welchen der römische Prokurator ermordet wurde, riefen die Hintermänner des Anschlags, welche Strafverfolgung befürchteten, den dortigen Prokonsul Marcus Antonius Gordianus zum Kaiser aus. Gordian I. und sein Sohn gleichen Namens (Gordian II.) akzeptierten nach einigem Widerstand die Akklamation[32] – der Senat anerkannte die Usurpation. Die beiden Gordiane liessen den Prätorianerpräfekten Vitalianus ermorden, woraufhin ein wahrer Volksaufstand in Rom losbrach, bei dem die Anhänger Maximinus’ getötet oder aus der Stadt getrieben wurden. Maximinus wurde vom Senat zum Staatsfeind (hostis publicus [33] ) erklärt. Etwa die Hälfte der Provinzstatthalter blieb dem Kaiser jedoch treu ergeben[34], und auch die Prätorianergarde stellte sich gegen den Senat und die Gordiane. Es kam zu blutigen Strassenkämpfen. Der Maximinus loyal ergebene Statthalter der Provinz Numidia stellte Gordian II. in der Schlacht, schlug und tötete ihn. Daraufhin nahm sich Gordian I. das Leben.[35] Der Senat, welcher sich nun ohne Kaiser vorfand und die Rache des Thrakers fürchten musste, griff zur letzten Möglichkeit und wählte selbst gleich zwei Kaiser: Marcus Clodius Pupienus Maximus und Decimus Caelius Calvinus Balbinus. Um dem plebs urbana, welcher einen Gordian auf dem Thron wollte, gerecht zu werden, erklärte der Senat zusätzlich den 13-jährigen Neffen Gordians II. zum Caesar (Gordian III.).[36]

Während nun Balbinus in Rom zurückblieb, um hier die Lage zu beruhigen, zog Pupienus nach Ravenna, um die Verteidigung gegen den anrückenden Maximinus zu organisieren. Als dieser nach Italien zog und Aquileia belagerte, musste er feststellen, dass die Stadt bestens auf einen Kampf vorbereitet war. Maximinus, dessen Macht hauptsächlich auf seinen militärischen Erfolgen beruhte, scheiterte: Es gelang dem Thraker nicht, die Stadt einzunehmen, seine Soldaten wurden immer unzufriedener.[37] Schliesslich wurde er von den Männern der legio II Parthica ermordet; sein Kopf und die Köpfe seiner Vertrauten wurden nach Rom gesandt.[38] Die Senatskaiser hatten sich somit durchgesetzt, ihre Macht wurde beinahe im ganzen Reich anerkannt. Der Krieg gegen Maximinus hatte die Wirtschaft des Reichs jedoch weiter schwer angeschlagen. Mit dem Untergang des gemeinsamen Feindes brach auch die gemeinsame Zusammenarbeit der zwei Kaiser auseinander: Beide strebten nach der Alleinherrschaft.[39] Gleichzeitig pochten die Prätorianer auf den Herrschaftsanspruch des jungen Gordians. Die zerstrittenen Kaiser hatten der anrückenden Garde nichts entgegenzusetzen, wurden ermordet, und Gordian III. wurde von der Prätorianergarde zum Augustus ausgerufen. Die Rolle, welche die Prätorianer im Sechskaiserjahr einnahmen, war durchaus keine Neuerung ihres Handlungsmusters,[40] doch bildeten die chaotischen Zustände den perfekten Nährboden für eine machtvolle Position der Garde.

Die Rolle der Prätorianer im Sechskaiserjahr

Dass die Prätorianer keine zu vernachlässigende Kraft im Jahr 238 n.Chr. darstellten, macht der Befehl Gordians I. klar, in welchem er die Ermordung des Prätorianerpräfekten Vitalianus anordnete. Wie Herodian schreibt, war Gordian dem Älteren durchaus bewusst, dass Vitalianus seinem Kaiser Maximinus ergeben war und deshalb eine Gefahr darstellte.[41] Interessant ist hierbei auch der Fakt, dass der Prätorianerpräfekt die einzige Figur ist, welche der Usurpator eliminieren liess. Ansonsten griff er zu weniger drastischen Massnahmen: Er versprach eine milde Regierung, die Verbannung aller Denunzianten, die Rehabilitierung der zu Unrecht Verurteilten, den Rückruf der Verbannten. Weiter stellte er den Soldaten ein Donativ in noch nie gegebener Höhe in Aussicht sowie Kongiarien für das Volk.[42] Die Schritte, welche Gordian ergriff, sind nur logisch – er suchte nach Unterstützung bei Militär, Senat und Volk. Auch die Beseitigung des Prätorianerpräfekten erscheint unter Berücksichtigung von dessen Befugnissen und Macht durchaus nachvollziehbar. In der Historia Augusta ist es zwar der Senat, der Vitalianus ermorden lässt, doch auch hier besteht eine Besonderheit, welche von Interesse ist: Der Prätorianerpräfekt wurde in aller Heimlichkeit getötet und den Prätorianern wurde später gesagt, dies sei auf Befehl des Maximinus geschehen.[43] Somit konnte verhindert werden, dass sich die Garde rächen würde. Die Ermordung stellte zwar ein grosses Risiko für deren Auftraggeber dar, dennoch war man aufgrund dieser Befürchtung bereit, es einzugehen. Es kam sehr selten vor, dass der Präfekt eine militärische Karriere absolvierte,[44] auch wenn ihm die persönlichen Truppen des Kaisers unterstanden. Häufig wurde der Posten an jemanden vergeben, der in enger Verbindung zum Haushalt des Kaisers stand.[45] Der Grund hierfür liegt auf der Hand: Der Kaiser wollte eine ihm treu ergebene Person in diesem mächtigen Amt, um zu verhindern, dass seine ihm nahestehenden Truppen sich gegen ihn wendeten. Gleichzeitig konnte ein loyaler Prätorianerpräfekt eine wichtige Stütze für die Herrschaft des Kaisers darstellen. Folglich kann angenommen werden, dass Vitalianus Maximinus treu ergeben war und eine Machtübernahme Gordians nicht einfach akzeptiert hätte. Zudem hätte er die Mittel besessen, eine Machtübernahme zu verhindern oder zu erschweren – nämlich eine Truppe aus rund 15 000[46] gut ausgebildeten Soldaten mitten in Rom. Dieses Risiko wollte Gordian nicht eingehen und handelte mit der Ermordung Vitalianus’ quasi präventiv.

[...]


[1] Bingham, Sandra: The Praetorian Guard. A History of Rome’s Elite Special Forces, London; New York 2013, Seite1.

[2] Sommer, Michael: Die Soldatenkaiser (Geschichte Kompakt), Darmstadt 32014, Seite 13.

[3] Herodian wurde wohl um 178 geboren und verstarb vermutlich um 250, stammte wahrscheinlich aus Syrien. Sein Geschichtswerk Geschichte des Kaisertums nach Mark Aurel behandelt die Jahre von 180 bis 238 n.Chr. und reicht vom Tod des Kaisers Mark Aurel bis zur Herrschaft Gordians III.

[4] „Niedrig ist auch das Niveau seiner Schrift als Historie: sie ist mehr eine Art historischen Romans als ein Geschichtswerk.“ Alföldy, Géza: Zeitgeschichte und Krisenempfindung bei Herodian in: Hermes 99, 1971, Seite 429- 449. – Mit Nachträgen auch in Nr. 338. Seite 431.

[5] Mehr zu Herodian siehe: Hidber, Thomas: Herodians Darstellung der Kaisergeschichte nach Marc Aurel (Schweizerische Beiträge zur Altertumswissenschaft, Bd. 29), Basel 2006.

[6] Sommer, Soldatenkaiser, 2014, Seite 14.

[7] Rohrbacher, David: The Historians of Late Antiquity. London; New York 2002, Seite 45.

[8] Sextus Aurelius Victor: Die Römischen Kaiser / Liber De Caesaribus: Lateinisch – deutsch, herausgegeben, übersetzt und erläutert von Gross-Albenhausen, Kirsten; Fuhrmann, Manfred, Düsseldorf 32009, Seite 169.

[9] Bingham, Praetorian Guard, 2013, Seite 9.

[10] De Frías, Manuel Salinas: In castreis Scipionis: ejércitio y política en Roma durante el siglo II a. C., in: Vicente, Juan José Palao (ed.): Militares y civiles en la antigua Roma: dos mundos diferentes, dos mundos unidos, Salamanca 2010, Seite 18.

[11] Festus schreibt über die praetoria cohors: „praetoria cohors est dicta, quod a praetore non dicedebat. Scipio enim Africanus primus fortissimum quemque delegit, qui ab eo in bello non discederent et cetero munere militiae vacarent et sesquiplex stipendium acciperent.“ Vgl. Sextus Pompeius Festus: De verborum significatu quae supersunt cum Pauli epitome. Thewrewkianis copiis usus, ed. Lindsay, Wallace Martin, Leipzig 1913 (ND Hildesheim 1965), 223 M.

[12] Mommsen, Theodor: Die Gardetruppen in der römischen Republik und Kaiserzeit, in: Gesammelte Schriften, Berlin 1905 [31994], Bd. 6, Seite 1-16, hier Seite 3.

[13] Appian: Römische Geschichte, übersetzt und herausgegeben von Zeiß, Gustav, Leipzig 1838, Bd. 2, BCiv I. 100.

[14] Bingham, Praetorian Guard, 2013, Seite 10-11.

[15] Appian, BCiv IV. 7.

[16] Appian, BCiv V. 3.

[17] Durry, Marcel: Les Cohortes Prétoriennes, Paris 1938, Seite 76.

[18] Neben den administrativen Aufgaben, die von den Prätorianern übernommen wurden, setzte man sie gezielt als Sicherheitskräfte bei Spielen ein, um die Zuschauermassen unter Kontrolle zu halten. Auch bei der Bekämpfung von Feuern kamen die Prätorianer zum Einsatz und unterstützten die vigiles, eine Einheit der Feuerbekämpfung. Mit der Aufgabe des Schutzes für den Kaiser ging auch die Aufgabe zur Sicherung des Reiches einher: Die Prätorianer schlugen Aufstände nieder oder exekutierten Feinde des Kaisers und dienten als geheime Staatspolizei. Vgl. Bingham, Praetorian Guard, 2013, Seite 81-114.

[19] Um die Machtfülle der Prätorianer einzudämmen, schuf schon Augustus die cohortes urbanae, eine paramilitärische Gruppe, welche als Ordnungskraft in der Stadt diente. Auch diese Einheit war als loyale Truppe des Kaisers erdacht worden. Zwar waren die cohortes urbanae Teil des Militärs, übernahmen jedoch nicht typische militärische Aufgaben. Wie auch die Prätorianer waren sie immer wieder in die Machtspiele Roms involviert. Der Charakter dieser Truppe kann jedoch, trotz ähnlicher Ausbildung, als weniger militärisch als der der Prätorianer angesehen werden – in Kriegen wurden sie, anders als die Gardeeinheit, nur in äussersten Notfällen eingesetzt. Mehr zu den cohortes urbanae: Eck, Werner: Urbanae cohorts, in: Der Neue Pauly. Enzyklopädie der Antike, Bd. 12/1, Stuttgart 2002, Sp. 1030.

[20] Durry, Cohortes, 1938, Seite 262-264.

[21] Die Prätorianer wurden nach dem System des sesquiplex stipendum besoldet. Dies bedeutete, dass die Gardeeinheit den eineinhalbfachen Sold eines gewöhnlichen Legionärs erhielt. Vgl. Watson, George Ronald: The Roman Soldier, New York 1969, Seite 97-99.

[22] Bei dem Donativ handelte es sich um eine ausserordentliche Geldzuwendung an Soldaten. Dies geschah, um sich ihre Loyalität zu sichern und wurde in der Kaiserzeit bei Machtwechseln zur gängigen Praxis. Die neuen Kaiser versuchten so, das Militär an sich zu binden. Die Donativa machten einen häufigen Machtwechsel für die Soldaten jedoch lukrativ, was die ursprüngliche Funktion der Geldzuwendung untergrub und zur Destabilisierung des Prinzipats führte. Vgl. Sommer, Soldatenkaiser, 2014, Seite 24.

[23] Cassius Dio: Römische Geschichte, übersetzt von Veh, Otto, Berlin 22012, Bd. 4-5, 57. 19. 6.

[24] Bingham, Praetorian Guard, 2013, Seite 116-117.

[25] Dass Maximinus aus Thrakien stammte, wird nicht von allen Historikern als gesichert angesehen. Willem den Boer erklärt den Beinamen Thrax als eine Herkunftsbezeichnung für Thraker, als eine verallgemeinernde Oberflächlichkeit der Forschung. Der Beiname wurde nämlich nicht von zeitgenössischen Quellen belegt, sondern taucht erst um 400 n.Chr. auf. Vgl. Den Boer, Willem: Einige Bemerkungen zur Regierung von Maximinus Thrax, in: Gerhard Wirth (Hg.): Romanitas – Christianitas. Untersuchungen zur Geschichte und Literatur der römischen Kaiserzeit, unter Mitwirkung von Schwarte, Karl-Heinz und Heinrichs, Johannes, Berlin; New York 1982, Seite 349-359, hier Seite 351. Es ist allgemein sehr schwierig, Genaueres über den ersten der Soldatenkaiser in Erfahrung zu bringen. Anscheinend war Maximinus wenig gebildet, es heisst sogar, er hätte nicht richtig Latein sprechen können, dies jedoch ist wohl als Verleumdung anzusehen, gehörte Maximinus bei seiner Kaisererhebung doch dem Ritterstand an. Da er jedoch kein Senator war, wurde er von der Senatorenfreundlichen Geschichtsschreibung wohl bewusst als Barbar dargestellt. „Er stammte aus einem thrakischen Dorf, das den Barbaren benachbart war, und war Sohn barbarischer Eltern; der Vater so heißt es, Gote, die Mutter Alanin.“ Vgl. Historia Augusta. Römische Herrschergestalten. Von Maximinus Thrax bis Carinus, übersetzt von Hohl, Ernst, bearbeitet und erläutert von Merten, Elke, Rösger, Alfons und Ziegler, Nicole, mit einem Vorwort von Straub, Johannes, Zürich; München 1985, Bd. 2, Der ältere Maximinus, 1. 5. Die Überlieferungen, welche uns heute noch von Maximinus Thrax vorliegen, zeichnen ein grausames, animalisches Bild von ihm und sind überladen von ausufernden Beschreibungen von Gewalttaten und Unmenschlichkeiten. Vieles hiervon muss jedoch als unwahr angesehen werden. Mehr zu Maximinus und dessen Bild in der Geschichtsschreibung bei: Burian, Jan: Maximinus Thrax. Sein Bild bei Herodian und in der Historia Augusta, in: Philologus. Zeitschrift für antike Literatur und ihre Rezeption / A Journal for Ancient Literature and its Reception 132, 1988, Seite 230–244.

[26] Sommer, Soldatenkaiser, 2014, Seite 30.

[27] „Täglich konnte man Leute sehen, die gestern noch steinreich waren und einen Tag später sich durchbettelten: so gross war die Geldgier dieser Gewaltherrschaft unter dem Vorwand des unaufhörlichen Bedarfs für die Soldaten.“ Vgl. Herodian: Geschichte des Kaisertums nach Marc Aurel: griechisch und deutsch, mit Einleitung, Anmerkungen und Namenindex von Müller, Friedhelm Ludwig, Stuttgart 1996.VII 3. 3.

[28] Potter, David Stone: The Roman Empire at Bay. AD 180-395 (Routledge History of the Ancient World), London 2004, Seite 168-169.

[29] Sommer, Soldatenkaiser, 2014, Seite 32.

[30] Potter, Empire, 2004, Seite 168. Sommer, Soldatenkaiser, 2014, Seite 32.

[31] Bei den Männern handelte es sich um Maximinus Thrax, Gordian I., Gordian II., Pupienus, Balbinus und Gordian III.

[32] Herodian VII 5. 5-7. „(…) als man ihm den Purpur umlegte, warf er sich zu Boden und liess sich nur widerstrebend aufheben. Da er keine andere Wahl hatte, liess der Greis, um der Gefahr zu entgehen, die ihm von Seiten der Anhänger des Maximinus möglicherweise, von seinen eigenen Anhängern unbedingt drohte, seine Ernennung zum Kaiser zu.“ Vgl. Historia Augusta II, Der ältere Gordian, 8. 5-6. Wie auch Maximinus vor ihm war Gordian I., als man ihn zum Kaiser proklamiert hatte, dazu gezwungen, diese Ehre anzunehmen, um nicht dem Ungemach seiner Anhänger ausgeliefert zu sein oder der Rache der Anhänger des amtierenden Kaisers. Eine Usurpation, welche in Gang gesetzt war, wieder aufzuhalten, war so gut wie unmöglich.

[33] Wer zum Staatsfeind erklärt wurde, galt als Gesetzloser und es war legal, die entsprechende Person zu beseitigen. Dies hatte der Senat beispielsweise schon 68 n.Chr. bei Nero getan. Diese Praktik erlaubte es dem Senat, Aktionen gegen den Kaiser einzuleiten. „En nommant Néron hostis publicus, les sénateurs exprimaient par une formule institutionnelle accréditée, la vérité philosophique selon laquelle le prince était nocif à la cité et celle-ci en droit de se protéger de lui.“ Vgl. Coltelloni-Trannoy, Michèle: Le corps du prince furieux. Image de la terreur politique, in: Urso, Gianpaolo (ed.), Terror et pavor. Violenza, intimidazione, clandestinità nel mondo antico (Atti del convegno internazionale Cividale del Friuli, 22-24 settembre 2005), Pisa 2006, Seite 301-333, hier Seite 326.

[34] Loriot, Xavier: Les premières années de la grande crise du IIIe siècle. De l'avènement de Maximin le Thrace (235) à la mort de Gordien III (244), in: ANRW 2.2, Berlin; New York 1975, Seite 657-787, hier Seite 699-700.

[35] Herodian VII 9. 1-11.

[36] Herodian VII 10. 5-6. Dies ist eine in der Geschichte des Prinzipats einmalige Angelegenheit. Es wurden gleich zwei Kaiser ausgerufen, da man sich offenbar nicht auf nur einen Kandidaten einigen konnte. Vgl. Sommer, Soldatenkaiser, 2014, Seite 33.

[37] Herodian VIII 5. 1-2.

[38] Potter, Empire, 2004, Seite 170.

[39] „Nun traf es sich unglücklich, dass auch diese beiden nicht völlig miteinander harmonierten, sondern, wie nun einmal das Streben nach Alleinherrschaft und Unteilbarkeit von Machtpositionen gewöhnlich sind, jeder der beiden suchte, die Macht auf seine Seite zu ziehen.“ Vgl. Herodian VIII 8. 4. Wahrscheinlich gehörten die beiden Senatskaiser unterschiedlichen Flügeln des Senats an und waren schon vor ihrer Ernennung Rivalen. Sommer, Soldatenkaiser, 2014, Seite 35.

[40] Die Prätorianer stellten in Zeiten der Unruhen stets einen gewichtigen Faktor bei der Kaisernachfolge dar. Das dritte Jahrhundert ist hierbei jedoch besonders, denn unter den Severern und nach dem Tod Septimius Severus’ begann die Garde aggressiver zu handeln. So war sie bei der Ermordung Getas 211 n.Chr. involviert, und im Jahr 217 n.Chr. ermordeten sie auch dessen Bruder Caracalla, der die Ermordung Getas ursprünglich in Auftrag gegeben hatte. Caracallas Nachfolger war niemand anderes als der Prätorianerpräfekt Macrinus. Auch wenn sie bei der Beseitigung des Macrinus 218 n.Chr. nur eine unbedeutende Rolle spielten, hatten sie doch bei der Ermordung Elagabals vier Jahre später erneut ihre Hand im Spiel. Vgl. Bingham, Praetorian Guard, 2013, Seite 47-48. Ausführlich über die Herrschaftswechsel, bei denen die Prätorianer beteiligt waren, siehe: Stöver, Hans Dieter: Die Prätorianer. Kaisermacher – Kaisermörder, München 1994.

[41] „(…) Er trug auch dafür Sorge, den Prätorianerpräfekten zu Rom vorweg zu beseitigen; dieser hieß Vitalianus. Er wusste von ihm, daß er Grausamkeit und Härte praktizierte und (daher) bei Maximinus in höchster Achtung und Ehrung stand.“ Vgl. Herodian VII 6. 4.

[42] Herodian VII 6. 3-4. Historia Augusta II, Der ältere Gordian, 10. 4.

[43] Historia Augsuta II Der ältere Gordian, 10. 5-8.

[44] Domitius Ulpianus ist wohl eines der berühmtesten Beispiele jener Prätorianerpräfekten, welche keine militärische Karriere bestritten: Ulpian war Jurist. Dies führte auch zu seiner Ermordung, welche darauf zurückzuführen ist, dass er keine Erfahrung darin besass, eine militärische Einheit wie die Prätorianergarde anzuführen. Bei der Meuterei, die Ulpian zur Flucht aus dem Kaiserpalast zwang, wurde er schliesslich vor den Augen des Kaisers und seiner Mutter ermordet. Vgl. Cassius Dio 80. 2. 2-4.

[45] Bingham, Praetorian Guard, 2013, Seite 123.

[46] Mehr zur Zahl der Prätorianer, siehe: Rankov, Boris: The Praetorian Guard, Oxford 1994.

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Details

Titel
Die Rolle der Prätorianer bei den Machtwechseln im Sechskaiserjahr (238 n. Chr.). Zwischen Senat, Militär und plebs urbana
Hochschule
Universität Basel
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2018
Seiten
17
Katalognummer
V446877
ISBN (eBook)
9783668827721
ISBN (Buch)
9783668827738
Sprache
Deutsch
Schlagworte
rolle, prätorianer, machtwechseln, sechskaiserjahr, zwischen, senat, militär
Arbeit zitieren
Benjamin Perren (Autor), 2018, Die Rolle der Prätorianer bei den Machtwechseln im Sechskaiserjahr (238 n. Chr.). Zwischen Senat, Militär und plebs urbana, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/446877

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