Ziel dieser Arbeit war es herauszuarbeiten, welche Verfahren zur Bewertung eines Unternehmens vor einem Börsengang – und damit zur Bestimmung eines Emissionspreises – sinnvoll sind und für die jeweils bewertenden Parteien anwendbar sind. Diese Verfahren werden dann sowohl theoretisch als auch praktisch anhand eines Beispielunternehmens genauer vorgestellt, um die Möglichkeiten des jeweiligen Verfahrens aufzuzeigen.
Zu diesem Zweck wird kurz auf die Entwicklung der Unternehmensbewertung eingegangen, um generell das Ziel von Unternehmensbewertungen darzustellen und um die verschiedenen entwickelten Verfahren einordnen zu können. Anschließend wird auf den speziellen Anlass der Unternehmensbewertung vor einem IPO eingegangen, um so die Verfahrensbeteiligten mit ihren unterschiedlichen Sichtweisen und Möglichkeiten der Bewertung zu definieren und die in Frage kommenden Bewertungsverfahren einzuschränken. Bei den aus Anlass eines IPO in Frage kommenden Bewertungsverfahren wurde sich hauptsächlich an den in der heutigen Realität angewandten Verfahren orientiert.
Diese Verfahren (Multiplikatorverfahren und DCF–Verfahren) werden dann ausführlich vorgestellt. Ein wichtiger Punkt dieser Arbeit ist es, die einzelnen theoretischen Schritte der Vorgehensweise bei der Bewertung auch gleich anhand eines praktischen Beispiels nachvollziehbar zu machen. In Kapitel 5 wird mit einer kurzen Abhandlung über die tatsächliche Emissionspreisfindung eine Bewertung der zuvor erhaltenen Ergebnisse der Unternehmensbewertung der Conergy AG vorgenommen.
Mit der Beurteilung (Gegenüberstellung und Kritik) der beiden dargestellten Verfahren wird noch einmal auf die Möglichkeiten und Grenzen der beiden Verfahren zum Zweck der Unternehmensbewertung hingewiesen. Die kurze Darstellung des Realoptionenansatzes im Anschluss ist als mögliche Alternative bzw. Ergänzung zum DCF-Verfahren und als ein evtl. Hinweis auf die zukünftige Entwicklung der Unternehmensbewertung erfolgt, da dieser Ansatz in der Literatur bereits breit diskutiert wird, sich in der Praxis aber noch nicht durchgesetzt hat.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Aufbau der Arbeit
2. Grundlagen der Unternehmensbewertung
2.1 Historische Lehren der Unternehmensbewertung
2.2 Überblick Bewertungsverfahren
2.3 Ermittlung von Entscheidungswerten
2.4 Ermittlung von Marktwerten
3. Der Börsengang als Bewertungsanlass
3.1 Bewertungsverfahren bei Börseneinführungen
3.2 Verfahrensbeteiligte bei der Emissionspreis- findung
4. Darstellung der Verfahren zur Unternehmensbe- wertung beim IPO mit Beispiel
4.1 Die Conergy AG
4.2 Die Multiplikatormethode
4.2.1 Grundprinzip des Verfahrens
4.2.2 Auswahl der Peer Group
4.2.3 Bildung der Multiplikatoren
4.2.4 Berechnung des Unternehmenswerts
4.3 Das Discounted-Cash-Flow Verfahren
4.3.1 Verschiedene Ausprägungen der DCF - Methode
4.3.2 Ermittlung der zu diskontierenden Cashflows
4.3.3 Ermittlung des Diskontierungszinssatzes und Berechnung des Unternehmenswerts
5. Bestimmung des Emissionspreises
6. Beurteilung der dargestellten Bewertungsverfahren
6.1 Gegenüberstellung der angewandten Verfahren
6.2 Kritische Würdigung der Verfahren
7. Bewertung mittels Realoptionen
8. Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht geeignete Ansätze der Unternehmensbewertung im Rahmen eines Initial Public Offerings (IPO), um fundierte Vorstellungen für den Emissionspreis zu entwickeln. Dabei liegt der Fokus auf der theoretischen und praktischen Anwendung gängiger Bewertungsverfahren.
- Methoden der Unternehmensbewertung (Multiplikatormethode und DCF-Verfahren)
- Besonderheiten der Emissionspreisfindung bei Börsengängen
- Empirische Anwendung am Beispiel der Conergy AG
- Kritische Analyse und Vergleich der Bewertungsmethoden
- Bedeutung der Marktstimmung und Informationsasymmetrien
Auszug aus dem Buch
4.2.2 Auswahl der Peer Group
Da bei der Multiplikatormethode der Unternehmenswert aus bereits realisierten Werten ähnlicher Unternehmen abgeleitet wird, ist es von entscheidender Bedeutung, bestmöglich vergleichbare Unternehmen zu finden, um einen plausiblen Unternehmenswert ableiten zu können. Eine Vergleichbarkeit sollte dabei u.a. anhand folgender Punkte geprüft werden: Geschäftsmodell, Umsatzstruktur, Steuersystem, gesetzliche/politische Rahmenbedingungen, Unternehmensgröße, Wachstumsprofil, Risikostruktur, Reifephase im Unternehmenslebenszyklus, Rechnungslegung. Realistischer Weise gibt es jedoch keine exakt vergleichbaren Unternehmen.
Die Suche nach mit der Conergy AG vergleichbaren Unternehmen gestaltete sich als sehr schwierig. Der Solarmarkt ist ein relativ junger und stark regulierter Markt. Die Herstellung und Inbetriebnahme von Anlagen zur Gewinnung regenerativer Energien, insbesondere der Photovoltaik, wird europaweit, sowie in Japan und den USA staatlich subventioniert. In Deutschland, dem neben Japan momentan bedeutendsten Solarmarkt, werden derzeit die höchsten Subventionen gewährleistet. Das wichtigste Element der staatlichen Förderung in Deutschland ist das Gesetz für den Vorrang erneuerbarer Energien (EEG). Das EEG verpflichtet Netzbetreiber, Anlagen zur regenerativen Energiegewinnung an ihr Netz anzubinden und den gesamten dort erzeugten Strom zu langfristig festgelegten Mindestpreisen abzunehmen. Alle in diesem Markt operierenden Unternehmen profitieren von der starken Reglementierung bzw. Subventionierung. Entsprechend sind sie alle durch ein überdurchschnittliches Wachstum gekennzeichnet. Insofern können die Unternehmen der Solarenergiebranche miteinander verglichen werden. Es schränkt allerdings die Vergleichbarkeit mit Unternehmen anderer Branchen (z.B. andere Technologiewerte) ein. In Deutschland existiert eine Reihe börsennotierter Unternehmen, die im Sektor der Solarenergie tätig sind. Auf internationaler Ebene hat sich ebenfalls eine Vielzahl von Unternehmen in der Solarenergiebranche etabliert. Diese Unternehmen sind allerdings entweder nicht börsennotiert (z.B. REC Group, Solener S.A., Techno Sun S.L.) oder sie sind nicht eigenständig notierte Divisionen größerer Konzerne (z.B. BP Solar, Shell Solar, Sharp Solar, Motech Industries).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Problematik der Unternehmensbewertung bei IPOs und Aufbau der Arbeit.
2. Grundlagen der Unternehmensbewertung: Darstellung der historischen und aktuellen Lehren sowie der verschiedenen Typen von Bewertungsverfahren.
3. Der Börsengang als Bewertungsanlass: Erläuterung der speziellen Anforderungen an die Bewertung bei Börseneinführungen und der beteiligten Akteure.
4. Darstellung der Verfahren zur Unternehmensbewertung beim IPO mit Beispiel: Konkrete Anwendung der Multiplikatormethode und des DCF-Verfahrens am Beispiel der Conergy AG.
5. Bestimmung des Emissionspreises: Diskussion der Faktoren, die zur endgültigen Preisfindung beim IPO führen.
6. Beurteilung der dargestellten Bewertungsverfahren: Gegenüberstellung und kritische Würdigung der Vor- und Nachteile von Multiplikatoren- und DCF-Verfahren.
7. Bewertung mittels Realoptionen: Kurze Erläuterung des Realoptionsansatzes als ergänzendes Instrument zur Bewertung strategischer Flexibilität.
8. Zusammenfassung und Fazit: Zusammenfassende Erkenntnisse über die Eignung und Anwendung der bewerteten Methoden in der Praxis.
Schlüsselwörter
Unternehmensbewertung, Initial Public Offering, IPO, Emissionspreis, Multiplikatormethode, Discounted Cash Flow, DCF, Conergy AG, Börsengang, Peer Group, Kapitalkosten, WACC, Realoptionen, Marktstimmung, Unternehmenswert.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der methodischen Vorgehensweise zur Unternehmensbewertung im spezifischen Kontext eines Börsengangs (IPO).
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen umfassen die theoretischen Grundlagen der Unternehmensbewertung, die Anwendung von Multiplikatoren- und DCF-Verfahren sowie die praktische Preisfindung am Kapitalmarkt.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, Bewertungsansätze aufzuzeigen, die bei Börsengängen eingesetzt werden können, um realistische Vorstellungen für den Emissionspreis einer Aktie zu entwickeln.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden primär verwendet?
Die Arbeit nutzt Literaturanalysen zu Bewertungstheorien sowie eine praktische Fallstudienanalyse am Beispiel der Conergy AG zur Anwendung von Multiplikatormethoden und DCF-Verfahren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen, die Analyse des IPO als Bewertungsanlass, die detaillierte Berechnung der Unternehmenswerte mittels Multiplikatoren und DCF-Modellen sowie eine kritische Auseinandersetzung mit diesen Verfahren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Unternehmensbewertung, IPO, Emissionspreis, Multiplikatoren und DCF-Verfahren sowie durch das Fallbeispiel der Conergy AG geprägt.
Warum wird im Rahmen der Conergy-Bewertung ein Abschlag vorgenommen?
Der Abschlag dient dazu, den Erstzeichnern einen Anreiz zur Zeichnung der Aktie zu bieten und so den Erfolg der Emission zu sichern, da der Kurs nach dem Börsengang möglichst nicht unter den Emissionspreis fallen sollte.
Warum spielt der Realoptionsansatz in der Praxis laut Autorin noch eine untergeordnete Rolle?
Obwohl der Ansatz theoretisch wertvolle Einblicke in strategische Handlungsoptionen bietet, ist die Anwendung in der Praxis aufgrund fehlender Marktpreise für die Basisobjekte und hoher Komplexität schwierig.
- Quote paper
- Katja Kirsch (Author), 2005, Ansätze der Unternehmensbewertung im Rahmen eines Initial Public Offering. Möglichkeiten und Grenzen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/44687