Aufrechterhaltung der physiologischen Körpertemperatur


Unterrichtsentwurf, 2004

57 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

1 Bedingungsebene
1.1 Bedingungen der Lernenden
1.1.1 Beschreibung der Lerngruppe
1.1.2 Förderung der beruflichen Handlungskompetenzen
1.2 Bedingungen des Lehrenden
1.3 Bedingungen der Organisation
1.4 Bedingungen der gesetzlichen und curricularen Vorgaben

2 Entscheidungsebene
2.1 Herleitung der Lernsituation
2.2 Berufswissenschaft (Pflege)
2.2.1 Bedeutung des Themas in der Pflegetheorie
2.2.2 Naturwissenschaftliche Grundlagen
2.2.3 Messung der Körpertemperatur
2.2.4 Beobachtungskriterien für die Körpertemperatur
2.2.5 Hypothermie
2.2.6 Hyperthermie
2.2.7 Fieber
2.2.8 Pflegerische Maßnahmen zur Unterstützung der Temperaturregulation bei Fieber
2.2.9 Physikalische Maßnahmen zur Unterstützung der Temperaturregulation
2.2.10 Fiebersenkung durch Antipyretika
2.2.11 Komplikationen der Abweichungen von der physikalischen Körpertemperatur
2.2.12 Inhaltsstruktur
2.3 Didaktische Reduktion
2.4 Übergeordnete Handlungs- und Themenstruktur
2.5 Einbettung der Lernsituation in die Unterrichtsreihe
2.6 Thema der Lernsituation
2.7 Übergeordnete Ziele und zu fördernde Kompetenzen
2.8 Didaktischer Ansatz
2.9 Allgemeine und pflegeimmanente didaktische Prinzipien
2.10 Methoden
2.11 Sozialformen
2.12 Medien

3 Artikulationsschema

4 Literaturverzeichnis

5 Anhang
5.1 Flip-Chart-Bögen zum Informierenden Unterrichtseinstieg
5.2 Wandzeitung zum Informationsinput
5.3 Arbeitstext zur Lernaufgabe
5.4 Arbeitsblatt zur Lernaufgabe
5.5 Erwartungshorizont zur Lernaufgabe
5.6 Folie Fallbeispiel Frau Müller
5.7 Folie Fallbeispiel Herr Meier
5.8 Folie Fallbeispiel Frau Schulz
5.9 Tafelbild Evaluation durch Ein-Punkt-Abfrage

1 Bedingungsebene

1.1 Bedingungen der Lernenden

1.1.1 Beschreibung der Lerngruppe

Der Kurs, in dem die Lehrprobe stattfinden wird, hat die Ausbildung im April 2003 begonnen. Somit liegt etwas mehr als die Hälfte der Ausbildung schon hinter den Teilnehmern. Die Teilnehmer haben in ihren praktischen Einsätzen sowohl im stationären als auch im ambulanten Arbeitsfeld Erfahrungen gesammelt. Der Einsatz im Krankenhaus beginnt für die Teilnehmer nach diesem Theorieblock am 24. Januar 2005.

Der Kurs befindet sich zurzeit in der Phase des Zwischenexamens, das das Fachseminar für Altenpflege immer zum Ende des zweiten Ausbildungsjahres durchführt. Das schriftliche und das mündliche Zwischenexamen liegen zum Zeitpunkt der Lehrprobe bereits hinter den Teilnehmern. Die fachpraktischen Zwischenprüfungen finden Ende Januar statt. Aufgrund der Tatsache, dass die theoretischen Prüfungen zum Zeitpunkt der Lehrprobe bereits stattgefunden haben, denke ich, dass die Gruppe relativ entspannt sein wird. Ansonsten wäre in einer Prüfungsphase möglicherweise mit einer gewissen Unruhe und Anspannung zu rechnen.

Der Kurs besteht insgesamt aus 21 Teilnehmern. Die Altersstruktur zeigt eine Dominanz der Altersgruppe zwischen 30 und 40 Jahren. Nur fünf Teilnehmer sind jünger als 30 Jahre; sieben Teilnehmer sind älter als 40 Jahre. Somit sind neun Teilnehmer zwischen 30 und 40 Jahre alt. Vierzehn Teilnehmer haben Kinder. Auffällig ist, dass von diesen 14 Teilnehmern acht geschieden sind oder getrennt vom Partner leben. In der Geschlechterverteilung sind drei Teilnehmer männlich und 18 weiblich.

Von der Schulbildung her stellt der Kurs eine homogene Gruppe dar. Dreizehn Teilnehmer haben die Fachoberschulreife in verschiedenen Schulformen absolviert, acht Teilnehmer haben einen Hauptschulabschluss. Allerdings sind unter den Absolventen der Fachoberschulreife fünf Teilnehmer, deren ausländische Schulabschlüsse als Fachoberschulreife anerkannt wurden, obwohl sie in den Herkunftsländern zum Teil Abschlüsse höherer Bildungslaufbahnen waren. So hat ein Teilnehmer in der Türkei die Hochschulreife erworben und Betriebswirtschaftslehre studiert; sein Abschluss wurde dennoch nur als Fachoberschulreife anerkannt.

Insgesamt 14 Teilnehmer haben abgeschlossene Berufsausbildungen absolviert, bevor sie die Ausbildung zur Altenpflegerin oder zum Altenpfleger begonnen haben. Darunter sind drei Hotelfachangestellte, zwei Einzelhandelskaufleute, ein Schuhfertiger, eine Friseurin und eine Erzieherin. Zwei Teilnehmer haben vorher als Kranken- und Altenpflegehelferin gearbeitet.

Im Kurs sind fünf Teilnehmer mit einer anderen als der deutschen Staatsbürgerschaft. Zudem sind noch drei weitere Teilnehmer mit einer anderen als der deutschen Muttersprache aufgewachsen. Die Sprachkenntnisse dieser Teilnehmer sind allerdings sehr unterschiedlich. Drei Teilnehmer haben noch deutliche sprachliche Probleme und benötigen besonders bei schriftlichen Aufgaben noch einige Begleitung.

Vom Sozialverhalten her ist der Kurs recht unkompliziert. Bei Problemen helfen sich die Teilnehmer gegenseitig. Im Unterricht ist die Atmosphäre meist sehr ruhig und konzentriert. Den Teilnehmern sind alle gängigen Sozialformen vertraut. Die Arbeit mit verschiedenen Methoden und Sozialformen hat sich als unkompliziert erwiesen, da die Teilnehmer stets offen sind, neue Elemente im Unterrichtsgeschehen zu akzeptieren. So haben die Teilnehmer die Einführung der Gruppenrollen sofort akzeptiert und bereitwillig umgesetzt. Kleinere Probleme gibt es nur, wenn die Teilnehmer ihre festen Arbeitsgruppen verlassen und neue Arbeitsgruppen bilden sollen. Diese beschränkten sich allerdings auf kurze Unmutsäußerungen; echte Widerstände gegen neue Arbeitsgruppen sind bisher nicht aufgetreten. Allerdings haben etliche Teilnehmer noch deutliche Schwierigkeiten bei der Präsentation von Arbeitsergebnissen. Sie neigen dazu, die Ergebnisse nur vom jeweiligen Medium abzulesen. Hier ist im Bereich der Methodenkompetenz (Umgang mit verschiedenen Medien) und der sozialen Kompetenz (Präsentation von Ergebnissen vor einer größeren Gruppe) noch einige Förderung notwendig.

Zwei Teilnehmer haben zurzeit große Probleme, den Lernstoff zu bewältigen. In diesen beiden Fällen ist das Ziel der Ausbildung in Gefahr. Hier laufen momentan Gespräche zur Klärung der Situation. Eine Teilnehmerin ist momentan besonders gefährdet, da sie bereits über 70 Fehltage aufzuweisen hat. Da sie zudem des Öfteren unentschuldigt dem Unterricht oder der fachpraktischen Ausbildungsstätte ferngeblieben ist, wird sie aller Voraussicht nach in den nächsten Wochen die Kündigung erhalten. Es wurden zahlreiche Gespräche mit der Teilnehmerin geführt, um sie zu einer Verhaltensänderung zu bewegen. Dies führte jedoch zu keinem befriedigenden Ergebnis.

1.1.2 Förderung der beruflichen Handlungskompetenzen

Wie es wahrscheinlich in den allermeisten Ausbildungseinrichtungen üblich ist, liegt der Schwerpunkt der Kompetenzförderung auch an diesem Fachseminar eindeutig im Bereich der Fachkompetenz. Viele Inhalte, die Berührungspunkte mit den Inhalten meiner Unterrichtsreihe haben, wurden bereits in anderen Fächern unterrichtet. Im Fach Altenkrankenpflege wurde die Überwachung der Vitalzeichen bereits zu Beginn der Ausbildung unterrichtet. Die Lernenden kennen also die Verbindungen zwischen der Körpertemperatur und den anderen Vitalzeichen, insbesondere die Auswirkungen von Temperaturabweichungen auf die Atmungs- und Kreislaufsituation. Deswegen soll in meiner Reihe nur kurz darauf eingegangen werden. Des Weiteren wurde bereits der Bereich der Krankenbeobachtung thematisiert. Aus diesem Grund sind die beobachtbaren Zeichen der verschiedenen Temperaturabweichungen bekannt, müssen also nur noch gebündelt und verdichtet auf das Thema fokussiert werden. Ebenso sind die Bereiche Körperpflege und Kleidung bereits hinreichend behandelt worden, weswegen auch hier außer kurzen Verweisen keine Klärung notwendig sein sollte. Außerdem wurde das Thema des Flüssigkeitshaushalts alter Menschen hinreichend behandelt. Im Fach Arzneimittellehre wurden die fiebersenkenden Medikamente ebenfalls bereits besprochen. Im Fach Krankheitslehre / Geriatrie wurden diverse Infektionserkrankungen thematisiert. In diesem Bereich wurde auch über das Symptom Fieber gesprochen, allerdings nicht fokussiert auf das Thema Temperaturregulation. Im Fach Anatomie / Physiologie wurde das zentrale Nervensystem noch nicht behandelt. Haut und Blutkreislauf, die ebenfalls von Bedeutung für die Reihe sind, wurden jedoch ausführlich besprochen.

Der Bereich der Methodenkompetenz wurde unter anderen im Fach „Methodik und Technik des Lernens“ gefördert. Dabei ist allerdings anzumerken, dass das in diesem Fach erörterte Methodenrepertoire sehr eingeschränkt ist. Die Auswahl der Methoden hängt sehr vom Repertoire des jeweiligen Fachdozenten ab. Die Gruppe der Lernenden ist jedoch jederzeit bereit, sich auf neue Methoden einzustellen.

Im Bereich der sozialen Kompetenz betrachte ich die Gruppe als recht weit fortgeschritten. Speziell in den Fächern Kommunikation, Psychohygiene und Staatsbürgerkunde wird viel Wert darauf gelegt, den Unterricht schülerzentriert und offen zu gestalten. Die Lernenden zeigen in Diskussionen und Debatten ein sehr konstruktives Diskussionsverhalten. In Gruppenarbeiten erfolgt die Arbeit in der Regel stringent und zielgerichtet unter Einbeziehung aller Gruppenmitglieder. „Soziales Faulenzen“ einzelner Teilnehmer während Gruppenphasen habe ich bisher nicht erlebt. Die einzigen Schwächen zeigen sich bei einigen Teilnehmern im freien Reden vor der großen Gruppe bei Präsentationen.

Im Bereich der personalen Kompetenz sind die Teilnehmer ebenfalls mehrheitlich sehr weit fortgeschritten. Sie sind in der Lage, sich selbst und den eigenen Lernprozess sehr konstruktiv zu reflektieren und zu evaluieren. Auffällig ist besonders, dass nahezu alle Teilnehmer eine sehr gute Organisation ihrer Lernmaterialien vornehmen. Vergessene Bücher oder Arbeitsmappen kommen in dieser Gruppe überhaupt nicht vor, was ich in anderen Kursen schon anders erlebt habe. Auch die Vorbereitung auf das Zwischenexamen geschah ohne übergroße Hektik und sehr effizient und zielbewusst. Bemerkenswert ist zudem die große Hilfsbereitschaft der lernstarken gegenüber den lernschwächeren Teilnehmern. Es kommt zwar wie in den meisten Kursen vor, das vermeintlich weniger durchdachte Unterrichtsbeteiligungen humoristisch kommentiert werden, allerdings hält sich das sehr in Grenzen. Deswegen sind auch alle Teilnehmer bereit, sich angstfrei und motiviert im Unterricht einzubringen. Wenn die Teilnehmer Kritik gegenüber der Organisation oder einzelnen Dozenten üben, geschieht dies ebenfalls sehr sachlich und konstruktiv.

1.2 Bedingungen des Lehrenden

Zum Zeitpunkt der Lehrprobe werde ich in diesem Kurs schon über 60 Stunden Unterricht durchgeführt haben. Insgesamt habe ich an diesem Fachseminar allerdings schon etwa 160 Stunden Unterricht abgeleistet. Mir ist der Kurs und somit die Gruppe der Lernenden gut bekannt. Da die Gruppe insgesamt recht unkompliziert ist, erhoffe und erwarte ich mir eine entspannte und fruchtbare Lernatmosphäre. Meine persönliche Zielsetzung für die Lehrprobe ist, den Lernenden die Relevanz des Themas für die Berufspraxis herauszustellen und ihre berufliche Handlungskompetenz dahingehend zu fördern, dass sie auf beobachtete Veränderungen richtig reagieren können. Zudem möchte ich in meiner Rolle als Lehrender und Pflegeexperte von den Lernenden akzeptiert und respektiert werden. Da dies bisher immer der Fall war, bin ich in dieser Hinsicht sehr zuversichtlich.

Im Hinblick auf meine persönliche Ausbildung zum Lehrenden verspüre ich in der Tat eine intensive Entwicklung. Ich bin im Unterrichtsgeschehen deutlich sicherer als noch zu Beginn meiner Tätigkeit an diesem Fachseminar. Ich bin in der Lage, auch kurzfristig Unterrichte inhaltlich und didaktisch vorzubereiten und zu gestalten. Dabei kommt mir zu Gute, dass meine Mentorin Frau Thompson mir weitestgehend freie Hand in der didaktischen Ausgestaltung lässt, so dass ich in dieser Hinsicht keinerlei Einschränkungen hatte. Vorgegeben wird mir nur der zu unterrichtende Inhalt, was allerdings auch Auswirkungen auf meiner Lehrtätigkeit hatte, da ich oftmals viele Inhalte in relativ kurzer Zeit vermitteln musste. Aus diesem Grund waren meine Möglichkeiten, das gesamte im Studium erworbene Methodenrepertoire auszuprobieren, etwas begrenzt.

Durch die Lernenden fühlte ich mich jederzeit als Lehrender akzeptiert, wobei ich als Student und Praktikant am Fachseminar allerdings eindeutig eine Sonderrolle einnehme. Manchmal erschien es mir, dass die Lernenden mich „einspannen“ wollten, ihre Wünsche oder Kritikpunkte bei der Seminarleitung zu vertreten. Die Gruppe war in meinen Unterrichten oft ruhiger und motivierter als bei anderen Dozenten. Da mir eine kritische Rückmeldung durch die Lernenden sehr wichtig ist, habe ich mehrfach anonyme Evaluationsmethoden eingesetzt. Dabei waren die Rückmeldungen sehr positiv, was mich darin bestärkt hat, meinen bisherigen Weg weiter zu verfolgen.

Bei meinen Kolleginnen im Fachseminar wurde ich von Anfang an vollständig akzeptiert. Zweifel an meiner Kompetenz gab es nie. Die Bereitschaft zur Mitarbeit mit mir war allerdings sehr unterschiedlich. Während manche Honorar-Dozenten bereitwillig mit mir zusammenarbeiten wollten, waren andere eher skeptisch, da sie Mehrarbeit befürchteten. Meine Mentorin Frau Thompson war von Anfang an mit meiner Arbeit zufrieden. Aufgrund ihrer sehr hohen Arbeitsbelastung durch Praxisbegleitung und Prüfungen war sie gerne bereit, mir ihren Unterricht komplett abzutreten. Zudem ergaben die bisherigen Lernstandskontrollen, dass die Lernenden durch meinen Unterricht hinsichtlich ihrer beruflichen Handlungskompetenz in gutem Maße gefördert werden.

1.3 Bedingungen der Organisation

Das Fachseminar ist in der Trägerschaft der Diakonie des Kreises Unna. Der Träger unterhält im Kreis insgesamt drei Fachseminare für Altenpflege. Bisher arbeiten alle drei Einrichtungen unabhängig voneinander. Allerdings laufen zurzeit Planungen, die Kooperation in Zukunft auszuweiten.

Das Fachseminar ist mit einem sehr geringen Personalschlüssel besetzt. Neben der Schulleitung Frau Schneider, die sich ausschließlich um administrative Belange kümmert, ist mit Frau Thompson nur noch eine hauptamtliche Lehrkraft an der Schule, die jedoch keine didaktische Ausbildung hat, sondern sich ihr didaktisches Wissen selbstgesteuert sowie in Fortbildungen angeeignet hat. Diese Kraft übernimmt große Teile des Pflege-Unterrichts sowie die komplette Praxisbegleitung. Sie ist auch meine Mentorin und erste Ansprechpartnerin. Ansonsten wird der Unterricht durch Honorardozenten abgedeckt, wobei sich darunter auch einige nicht didaktisch geschulte Fachdozenten finden.

Die räumliche Ausstattung ist sehr gut. Es gibt insgesamt drei Kursräume, einen Medienraum mit Videogerät und Fernseher, sowie eine recht gute Ausstattung mit Moderationsmaterial (Stellwände, Flip-Chart, Moderationskoffer). Seit neuestem ist die Schule auch mit zwei PC auf aktuellem technischem Stand ausgerüstet. In den Klassen gibt es Overhead-Projektoren, die jedoch allesamt keine sehr gute Bildqualität abgeben, weswegen ich sie seltener einsetze.

1.4 Bedingungen der gesetzlichen und curricularen Vorgaben

Der Kurs 2003 – 2006, in dem die Lehrprobe stattfinden wird, wird nach dem Gesetz über die Berufe in der Altenpflege in NRW vom 19 Juni 1994 und der Verordnung über die Ausbildung und Prüfung in der Altenpflege in NRW vom 28. September 1994 ausgebildet. Dies ist der letzte Kurs, der nach diesem Gesetz und den dazugehörigen Regelungen der Ausbildungsinhalte ausgebildet wird.

Ein schuleigenes Curriculum existiert nicht. Zum Beginn der einzelnen Kurse wurden die Ausbildungsinhalte grob auf die einzelnen Theorieblöcke verteilt. Diese Verteilung unterliegt jedoch häufigen Veränderungen, so dass keine wirkliche curriculare Struktur erkennbar ist.

Die von mir anlässlich der Lehrprobe geplante und unterrichtete Reihe ist in der Ausbildungsplanung mit sechs Stunden veranschlagt. Dies ist angesichts der Bedeutung des Themas für die Lernenden sicherlich recht wenig. Allerdings haben sich die Lernenden im Laufe der praktischen Ausbildung schon einiges Fachwissen zum Thema Körpertemperatur angeeignet. Warum diese Unterrichtsreihe, die von der Bedeutung für die Praxis her sicherlich besser am Anfang der Ausbildung hätte unterrichtet werden sollen, erst zu diesem Zeitpunkt thematisiert wird, konnte ich nicht in Erfahrung bringen.

2 Entscheidungsebene

2.1 Herleitung der Lernsituation

Die Unterrichtsreihe ist aus den Vorschlägen für eine verbindliche Regelung der Inhalte der Altenpflegeausbildung abgeleitet (Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales in Nordrhein-Westfalen, 1995, S. 48 – 134). Die Inhalte der Unterrichtsreihe entstammen dem Fachbereich 3: Medizinisch-sozialpflegerischer Bereich. Innerhalb dieses Fachbereichs habe ich Inhalte aus den Fächern 3.1 Anatomie/Physiologie, 3.2 Krankheitslehre/Geriatrie und 3.9 Altenkrankenpflege/Therapeutische Hilfen in die Unterrichtsreihe einbezogen. Die Integrierung der Inhalte aus dem naturwissenschaftlichen Bereich erfolgt dabei fächerintegrativ zum jeweils für die Pflege relevanten Zeitpunkt. Implizit werden selbstverständlich auch Inhalte aus anderen Fachbereichen herangezogen. Einzelne Elemente aus dem Fach Berufsethik werden ebenso herangezogen werden wie Anteile aus dem Fachbereich 4: Mitarbeiter/Dienste/Einrichtungen. Hier sind speziell die Fächer Zusammenarbeit mit anderen Berufen sowie Arbeitsmethodik zu nennen. Da die Inhalte dieser Fächer jedoch aufgrund der zeitlichen Kürze der Unterrichtsreihe allenfalls implizit mit ins Unterrichtsgeschehen einfließen, hielte ich es für vermessen, diese im Sinne einer Fächerintegration mit in meine Planung einzubeziehen. Es wäre meiner Ansicht nach falsch, eine Fächerintegration vorzutäuschen, obwohl sie aufgrund organisatorischer Einschränkungen nicht durchführbar ist.

Unten stehend habe ich die Herleitung meiner Unterrichtsreihe aus dem Gesetz über die Berufe in der Altenpflege in NRW vom 19 Juni 1994 und der Verordnung über die Ausbildung und Prüfung in der Altenpflege in NRW vom 28. September 1994 visualisiert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 - Visualisierung der Herleitung der Unterrichtsreihe

2.2 Berufswissenschaft (Pflege)

2.2.1 Bedeutung des Themas in der Pflegetheorie

Die Aufrechterhaltung der physiologischen Körpertemperatur stellt sicherlich eine der pflegerischen Kernaufgaben dar. Nicht umsonst hat dieser Bereich in vielen Pflegetheorien und -modellen eine zentrale Position inne. Schon Virginia Henderson zählte „Körpertemperatur im Normalbereich halten“ zu ihren 14 Grundbedürfnissen des Menschen (vgl. Henderson, 1997, S. 39 – 54). Auch Roper, Logan & Tierney sowie Liliane Juchli aufbauend auf Roper, Logan & Tierney haben in ihre Modelle der Lebensaktivitäten (LA) bzw. der Aktivitäten des täglichen Lebens (ATL) den Bereich der Temperaturregulation aufgenommen (vgl. Brandenburg & Dorschner, 2003, S. 148 – 154). In der Hierarchie der menschlichen Bedürfnisse nach Maslow steht das Bedürfnis nach Wärme auf der ersten Stufe der somatischen Grundbedürfnisse. Diese Grundbedürfnisse müssen laut Maslow befriedigt werden, bevor der Mensch sich den höher hierarchisierten Bedürfnissen zuwenden kann (vgl. Zimbardo, 1992, S. 352). Besonders im Bereich der Altenpflege ist diese Thematik von immenser Bedeutung, da pflegebedürftige alte Menschen oftmals nicht in der Lage sind, die Körpertemperatur ohne Hilfe im physiologischen Bereich aufrechtzuerhalten.

2.2.2 Naturwissenschaftliche Grundlagen

Bei der Auseinandersetzung mit den anatomisch-physiologischen Grundlagen sind zunächst die Regulationsmechanismen der Körpertemperatur wichtig. Das Zusammenspiel von Wärmebildung in den Zellen, Wärmezufuhr und Wärmeabgabe ist ebenso von Bedeutung wie die Regulation der Körpertemperatur durch den Hypothalamus sowie die verschiedenen Formen von Thermorezeptoren in der Haut und im Zentralen Nervensystem. An dieser Stelle soll auch auf die altersbedingten Veränderungen eingegangen werden, die die Temperaturregulation beeinflussen. Ein weiterer Punkt ist die Bedeutung der peripheren Gefäßregulation für die Regulation der Körperwärme. In diesem Bereich werden auch einige grundlegende physikalische Prinzipien zur Wärmeregulation abgehandelt. Wärmestrahlung, Wärmeströmung, Wärmeleitung und das Prinzip der Wasserverdunstung sind hierbei von Bedeutung, da ein Großteil der temperaturregulierenden Pflegemaßnahmen durch diese physikalischen Prinzipien begründbar ist. Zudem sollen die Lernenden den Unterschied zwischen Körperkern- und Schalentemperatur kennen. Auch die Auswirkungen des weiblichen Hormonzyklus auf die Körperkerntemperatur sind von Bedeutung. (Vgl. Brandis & Schönberger, 1995, S.- 445 – 446; Schwegler, 1998, S. 474 – 478).

2.2.3 Messung der Körpertemperatur

Von großer Bedeutung im pflegepraktischen Sinn sind die verschiedenen Messverfahren der Körpertemperatur. Insbesondere die Vor- und Nachteile der einzelnen Messverfahren sind wichtiges Fachwissen für Pflegende. Die Fieberthermometer an sich unterliegen seit einigen Jahren einer rasanten technischen Entwicklung. Deswegen wird hier nur kurz darauf eingegangen. Wichtig ist, dass Thermometer wie alle anderen technischen Geräte nur entsprechend den Angaben des Herstellers verwendet werden dürfen. (Vgl. Köther & Gnamm, 2000, S. 284 – 285).

2.2.4 Beobachtungskriterien für die Körpertemperatur

Ein wichtiger Themenbereich der Unterrichtsreihe befasst sich mit den Beobachtungskriterien, anhand derer man Veränderungen der Körpertemperatur feststellen kann. Hier sind vor allem die Hautzeichen und die Beurteilung von Körperhaltung und Aktivität zu nennen, wobei hier auch die Wichtigkeit der verbalen und nonverbalen Befindlichkeitsäußerungen herausgestellt werden soll (Vgl. Kellnhauser, Schewior-Popp, Sitzmann, Geißner, Gümmer & Ullrich, 2004,S. 307). Im Bereich der Beobachtungskriterien wird im Besonderen noch auf die Beobachtung der Schweißsekretion eingegangen. Die physiologische Schweißsekretion mit den physiologischen Abweichungen zur Temperaturregulation soll hier den pathologischen Veränderungen gegenübergestellt werden (Vgl. Kellnhauser et al, 2004, S. 315 – 316).

[...]

Ende der Leseprobe aus 57 Seiten

Details

Titel
Aufrechterhaltung der physiologischen Körpertemperatur
Hochschule
Fachhochschule Münster  (Fachbereich Pflege)
Veranstaltung
Lehrprobe Berufsfach Pflege
Note
1,7
Autor
Jahr
2004
Seiten
57
Katalognummer
V44695
ISBN (eBook)
9783638422437
ISBN (Buch)
9783638724364
Dateigröße
980 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Aufrechterhaltung, Körpertemperatur, Lehrprobe, Berufsfach, Pflege
Arbeit zitieren
Dipl. Berufspädagoge (FH) Christian Ley (Autor), 2004, Aufrechterhaltung der physiologischen Körpertemperatur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/44695

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