Die vorliegende Arbeit wurde als Unterrichtsentwurf zur Lehrprobe im Praxissemster des Studiums zur Pflegepädagogik an der Fachhochschule Münster vorgelegt. Die Lehrprobe wurde an einem Fachseminar für Altenpflege abgehalten. Gesetzliche Grundlage war das Altenpflegegesetz von 2003 und die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung von 2002. Die Arbeit beinhaltet eine ausführliche Bedingungsanalyse zur Vorbereitung der Lehrprobe.
In der Inhaltsanalyse werden die fachwissenschaftlichen Inhalte dezidiert beschrieben. Hierbei werden die verwendeten Begriffe aus der Soziologie ebenso erläutert wie die Bedeutung der Thematik für die Pflege und somit für die Ausbildung der Pflegenden. Es wird dargestellt, dass das Thema bisher in der Pflegewissenschaft unterrepräsentiert bearbeitet wurde. Es existieren nur wenige Arbeiten, die sich mit dem von allen Beteiligten wahrnehmbaren Machtgefälle in der Pflegebeziehung auseinander setzen. Somit stellt diese Arbeit eine der wenigen Ansätze in diesem Bereich der schwierigen sozialen Situationen von Pflegenden dar, wenn auch eine umfassende Bearbeitung aufgrund der begrenzten zeitlichen Ressourcen einer Lehrprobe nicht erreicht werden konnte.
Im folgenden werden die didaktischen Entscheidungsprozesse betreffs didaktischer Reduktion, Einbettung der Lehrprobenstunde in die Unterrichtsreihe sowie Methoden-, Medien- und Sozialformenauswahl erörtert. Der didaktische Ansatz der Lehrprobe war der kognitionsorientierte Ansatz nach Grell & Grell. Ein genaues Artikulationsschema stellt die Stunde der Lehrprobe exakt im Verlauf dar.
Der Arbeit angefügt sind außerdem alle Metarialien der Stunde. Dazu gehört eine umfangreiche Fallsituation in drei Teilen, anhand der das Machtgefälle in der Pflegebeziehung exemplarisch dargestellt wird. Des Weiteren sind Folien zu Strategien zur Verringerung des Machtgefälles, Fotos von verwendeten Flip-Chart-Bögen, ein Arbeitsauftrag für eine Einzelarbeit und ein Evaluationsbogen enthalten.
Inhaltsverzeichnis
1 Bedingungsebene
1.1 Bedingungen der Lernenden
1.1.1 Beschreibung der Lerngruppe
1.1.2 Förderung der beruflichen Handlungskompetenzen
1.2 Bedingungen des Lehrenden
1.3 Bedingungen der Organisation
1.4 Bedingungen der gesetzlichen und curricularen Vorgaben
2 Entscheidungsebene
2.1 Herleitung der Lernsituation
2.2 Unterrichtsfach Sozialwissenschaften
2.2.1 Hinführung zum Thema
2.2.2 Definitionen und Begriffsklärung
2.2.3 Die Ebenen der Macht
2.2.4 Die Makroebene – Staat und Gesellschaft
2.2.5 Die Mesoebene – Team und Organisation
2.2.6 Die Mikroebene – Die Dyade Klient & Pflegender
2.2.7 Strategien zum Ausgleich des Machtgefälles in der Pflegebeziehung
2.2.8 Inhaltsstruktur
2.3 Didaktische Reduktion
2.4 Übergeordnete Handlungs- und Themenstruktur
2.5 Einbettung der Lernsituation in die Unterrichtsreihe
2.6 Thema der Lernsituation
2.7 Übergeordnete Ziele und zu fördernde Kompetenzen
2.8 Didaktischer Ansatz
2.9 Allgemeine und pflegeimmanente didaktische Prinzipien
2.10 Methoden
2.11 Sozialformen
2.12 Medien
3 Artikulationsschema
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit legt einen Unterrichtsentwurf für eine Lehrprobe im Fachseminar für Altenpflege vor, mit dem Ziel, das Spannungsfeld zwischen Macht und Ohnmacht in der Pflegebeziehung zu thematisieren und Strategien zur Reduzierung des Machtgefälles durch einen handlungsorientierten Problemlöseprozess zu vermitteln.
- Analyse der Machtebenen (Makro-, Meso- und Mikroebene) in der Pflege
- Reflektion der eigenen Rolle und Emotionen von Pflegekräften
- Erarbeitung von Strategien zur Stärkung der Klientenpartizipation
- Förderung der beruflichen Handlungs-, Methoden- und Sozialkompetenz
- Einsatz von praxisnahen Fallbeispielen zur Theorie-Praxis-Vernetzung
Auszug aus dem Buch
2.2.6 Die Mikroebene – Die Dyade Klient & Pflegender
Nachdem ich nun einige Prozesse angeführt habe, die die Pflegebeziehung zwischen Pflegeperson und Klient von außen beeinflussen, will ich nun auf die Machtverhältnisse innerhalb dieser Beziehung eingehen.
Die Interaktion innerhalb einer Dyade gestaltet sich anders als in einer größeren Gruppe von mindestens drei Personen. Beide Interaktionspartner sind gewissermaßen aufeinander angewiesen. Verlässt ein Teilnehmer die Dyade, hört sie auf, zu existieren. Beide Teilnehmer tragen Verantwortung für den Fortbestand der Dyade. Im Vergleich zur Gruppe können sich keine Untergruppen oder Koalitionen bilden, andererseits wird die Interaktion zwischen beiden Teilnehmern durch keine weitere Person abgelenkt. Im Falle eines Streits oder einer Meinungsverschiedenheit kann kein weiterer Mensch schlichtend oder vermittelnd eingreifen. Deswegen sind Kommunikation und Interaktion zwischen zwei Menschen oftmals intensiver und unverfälschter als in größeren Gruppen (vgl. Schimanck, 2003, S. 202 – 203).
Untersucht man nun diese Beziehung der Interaktion zwischen Pflegekraft und Klient, erschließt sich relativ schnell das Machtgefälle zwischen diesen beiden Interaktionsteilnehmern. Der Klient ist zunächst aus einem bestimmten Grund Teil dieser Beziehung geworden. Dieser Grund ist zumeist in einem gewissen Maß an Pflegebedürftigkeit – oder eines Selbstpflegedefizits – zu sehen. Wenn er zudem unfreiwillig – möglicherweise unmittelbar gegen seinen freien Willen – in diese Beziehung gedrängt wurde, beispielsweise durch seine Angehörigen nach einer schweren Krankheit, beginnt die Beziehung schon unter dem Vorzeichen einer gewissen Machtlosigkeit. Der Klient erlebt sich oftmals als ohnmächtig, seine Interessen zu vertreten und seinen Willen durchzusetzen. Stattdessen wird er in organisatorische Zwänge und eine von ihm nicht gewollte Interaktion mit einer Pflegeperson gepresst. Diese Pflegeperson tritt zunächst einmal als Vertreter einer größeren Organisation, beispielsweise eines Pflegeheimes, auf. Wie bereits beschrieben besitzen derartige Institutionen oftmals den Charakter totaler Institutionen. Der Klient erlebt nun die Pflegeperson als Vertreter dieser Institution, die ihm nun die festen Abläufe und Strukturen der Institution übermittelt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Bedingungsebene: Dieses Kapitel analysiert die Ausgangslage der Lernenden, des Lehrenden sowie die organisatorischen und curricularen Rahmenbedingungen der Lehrprobe.
2 Entscheidungsebene: Hier erfolgt die theoretische Herleitung der Lernsituation, die Definition zentraler Begriffe, die Analyse der Machtebenen sowie die didaktische Planung der Unterrichtsreihe.
3 Artikulationsschema: Dieses Kapitel bietet eine detaillierte tabellarische Verlaufsplanung der Lehrprobenstunde inklusive Zeitplan, Methoden und Lernzielen.
Schlüsselwörter
Macht, Ohnmacht, Pflegebeziehung, Altenpflege, Machtgefälle, Handlungskompetenz, Didaktik, Fallarbeit, Dyade, Partizipation, Supervision, Professionelle Distanz, Pflegedidaktik, Institution, Sozialwissenschaften
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit thematisiert das Spannungsverhältnis zwischen Macht und Ohnmacht in der Pflegebeziehung und erarbeitet Ansätze, um dieses Machtgefälle zugunsten der Klienten zu verringern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Analyse von Machtstrukturen auf gesellschaftlicher, organisatorischer und persönlicher Ebene sowie die Förderung von Handlungskompetenzen in der Altenpflege.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, den Lernenden Strategien an die Hand zu geben, mit denen sie Machtgefälle im Pflegealltag erkennen, reflektieren und durch verantwortungsvolles, klientenzentriertes Handeln ausgleichen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine sozialwissenschaftliche Analyse der Machtbegriffe und einen handlungsorientierten didaktischen Ansatz, der kognitive Vermittlung mit der Arbeit an Fallbeispielen verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Bedingungsanalyse und eine umfassende Entscheidungsebene, in der Theorien zu Macht und Organisation mit der konkreten Planung der Unterrichtsstunde vernetzt werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Macht, Ohnmacht, Pflegebeziehung, Handlungskompetenz, Partizipation und Pflegedidaktik charakterisiert.
Welche Rolle spielt das Fallbeispiel "Herr Tönz und Pfleger Thomas"?
Das Fallbeispiel dient als zentrales Instrument, um die komplexen theoretischen Überlegungen zur Macht in der Pflege konkret erfahrbar zu machen und durch die Lernenden praxisnah zu bearbeiten.
Warum wird der "Problemlösezyklus" als Struktur gewählt?
Der Problemlösezyklus wurde gewählt, da er eine logische Systematik bietet, mit der Lernende Probleme selbstständig identifizieren, Lösungsansätze entwickeln und deren Wirksamkeit evaluieren können.
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- Dipl. Berufspädagoge (FH) Christian Ley (Author), 2005, Das Spannungsverhältnis zwischen Macht und Ohnmacht in der Pflegebeziehung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/44697