Social Entrepreneurship. Nachhaltiger sozialer Wandel durch Gemeinwohlorientierung?

Eine Potenzialanalyse eines innovativen, unternehmerischen Ansatzes


Bachelorarbeit, 2015
91 Seiten, Note: 2,3
Karin Meyer (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Grundlagen
2.1 Nachhaltigkeit und Nachhaltige Entwicklung
2.1.1 Definitionen und Entwicklung des Nachhaltigkeitsbegriffs
2.1.2 Das Nachhaltigkeitsdreieck
2.1.3 Nachhaltige Entwicklung als politisches Leitbild
2.1.4 Sozialer Wandel im Bereich der Nachhaltigkeit
2.2 Social Entrepreneurship
2.2.1 Begriffliche Grundlagen Social Entrepreneurship
2.2.1.1 Definitionen, Konzept, Motivation und Ziele des SE
2.2.1.2 Abgrenzung zu anderen Begriffen
2.2.1.2.1 Social Business und Social Enterprise
2.2.1.2.2 Corporate Social Responsibility
2.2.1.2.3 Venture Philantrophie
2.2.1.2.4 Gemeinnützige Organisationen
2.2.1.2.5 Gesamtüberblick der Randbereiche des Social Entrepreneurship
2.2.2 Entstehung und Entwicklung des SE
2.2.3 Betätigungsfelder von Social Entrepreneurs

3. Potenzialanalyse Social Entrepreneurship
3.1 Marktanalyse Social Entrepreneurship
3.1.1 Definition des SE Marktes
3.1.2 Zielgruppen
3.1.3 Strukturdaten
3.1.3.1 Internationale Strukturdaten
3.1.3.2 Nationale Strukturdaten
3.1.4 Marktwachstum und Marktdynamik
3.1.5 Konkurrenzanalyse
3.1.5.1 Wettbewerbssituation der SE untereinander
3.1.5.2 SE und gewinnorientierte Unternehmen
3.1.5.3 SE und staatliche Wohlfahrtsorganisationen
3.2 Erfolg im SE
3.2.1 Erfolgsmessung im Social Entrepreneurship
3.2.1.1 Untersuchungsgegenstand der Erfolgsmessung
3.2.1.2 Problematik und Notwendigkeit der sozialen Erfolgsmessung im SE
3.2.1.3 Methoden sozialer Erfolgsmessung
3.2.1.3.1 SROI
3.2.1.3.2 BACO
3.2.1.3.3 Fazit Methoden der sozialen Erfolgsmessung
3.2.2 Zusammenfassung der theoretischen Analyse: Das Modell der erfolgsrelevanten Einflussfaktoren im Social Entrepreneurship
3.2.2.1 Persönliche Einflussfaktoren
3.2.2.2 Externe Einflussfaktoren
3.2.2.3 Institutionelle Einflussfaktoren
3.2.2.4 Fazit: Modell der erfolgsrelevanten Einflussfaktoren im SE
3.2.3 Verifikation des Modells in der Praxis: „Dialog im Dunkeln“
3.2.3.1 Das Konzept des SE „Dialog im Dunkeln“
3.2.3.2 Erfolgsrelevante Einflussfaktoren des SE „Dialog im Dunkeln“
3.2.3.2.1 Persönliche Einflussfaktoren „Dialog im Dunkeln“
3.2.3.2.2 Externe Einflussfaktoren „Dialog im Dunkeln“
3.2.3.2.3 Institutionelle Einflussfaktoren „Dialog im Dunkeln“
3.2.3.2.4 Fazit: Verifikation des Modells in der Praxis

4. Zusammenfassung und Ausblick: Potenzial erfolgreicher SE für einen nachhaltigen sozialen Wandel

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Das Nachhaltigkeitsdreieck

vgl.www.oekosystem-erde.de/html/nachhaltigkeit.html

Abbildung 2: Die Prinzipien von Social Entrepreneurship

vgl. Harbrecht 2010: 48

Abbildung 3: Gesamtüberblick der Randbereiche des Social Entrepreneurship

vgl. Übersicht von Ashoka Germany 2009, Berg 2010: 33

Abbildung 4: Ashoka Fellows international im Jahr 2013

vgl.canada.ashoka.org/sites/canada.ashoka.org/files/imce_files/u35/Ashoka%20Fellowship%20Infographic.jpg

Abbildung 5: Das Modell der erfolgsrelevanten Einflussfaktoren im Social Entrepreneurship (eigene Darstellung)

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieer Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Der Begriff der Nachhaltigkeit ist heutzutage omnipräsent, ob im Bereich der Ökologie, Ökonomie, Politik oder Gesellschaft, es wird zunehmend über die Nachhaltigkeit und ihre Entwicklung diskutiert. Es wird von nachhaltiger Umweltentwicklung, nachhaltigen Produkten oder nachhaltigem Tourismus gesprochen. Die Bundesregierung hat einen Nachhaltigkeitsrat eingerichtet und von Unternehmen werden Nachhaltigkeitsberichte erstellt. Oft wird im alltäglichen Leben unter dem Begriff einfach nur Langfristigkeit oder Langlebigkeit verstanden, was Letzterem aber weder gerecht wird, noch dessen Komplexität widerspiegelt.

Die bis heute am meisten verbreitete und auch weitgehend akzeptierte Definition ist die der UN-Kommission (Brundtland-Kommission), die im Jahr 1987 Nachhaltige Entwicklung wie folgt definiert hat: „Nachhaltige Entwicklung befriedigt die Bedürfnisse der heutigen Generationen, ohne die Fähigkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und ihre eigenen Lebensstile zu wählen“ (Hauff, unter: www.nachhaltigkeit.info/artikel/brundtland_report_563.htm).

Heute zeigen unter anderem die Zunahme der Umweltkatastrophen und die stetige Erwärmung des Klimas, dass die Wirtschafts- und Lebensweisen auf unserer Erde verändert werden müssen, damit sowohl eine soziale Gerechtigkeit auf nationaler und globaler Ebene, als auch eine Generationengerechtigkeit im Sinne der Nachhaltigen Entwicklung nach der Brundtland-Kommission hergestellt werden kann. Ziel sei es hierbei das Gesamtkonzept der Nachhaltigkeit zu erreichen, welches ökologisch verträglich, sozial gerecht und wirtschaftlich leistungsfähig ist (vgl. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, unter: www.bmub.bund.de/themen/strategien-bilanzen-gesetze/nachhaltige-entwicklung/strategie-und-umsetzung/nachhaltigkeit-als-handlungsauftrag/). Dieses mache einen umfassenden sozialen Wandel in der Gesellschaft notwendig.

In der Vergangenheit wurden viele Konzepte seitens verschiedener Akteure in Politik und Gesellschaft entworfen, um diesem Ziel näher zu kommen. Inzwischen sei aber klar, dass engagierte Ziele, Szenarien und einzelne Instrumente sowie Technologieentwicklungen allein nicht genügen. Trotz mancher Erfolge bezüglich umgesetzter Maßnahmen würden die Fortschritte bei Weitem nicht ausreichen, um zu einer dauerhaft Nachhaltigen Entwicklung zu kommen (vgl. Bundesumweltamt, unter: www.umweltbundesamt.de/themen/nachhaltigkeit-strategien-internationales/gesellschaft-erfolgreich-veraendern).

Nachhaltigkeit sei hierbei eine umfassende kulturelle Innovationsherausforderung, die sowohl technische, als auch nicht-technische, immaterielle Innovationen benötige, um die notwendigen gesellschaftliche Reformprozesse vollziehen zu können (vgl. Pfriem 2006: 1 ff.).

Social Entrepreneurs, die im Gegensatz zu konventionellen, profitorientierten Unternehmen nicht die Maximierung des Gewinns als primäres Ziel verfolgen, sondern deren hauptsächliche Handlungsintention es ist, ein gesellschaftliches Problem durch ein innovatives Konzept zu lösen und hieraus resultierend einen sozialen Mehrwert zu generieren, werden zunehmend mit diesem nachhaltigen sozialen Wandel in Verbindung gebracht.

In dieser Arbeit soll untersucht werden, inwiefern Social Entrepreneurs als Akteure im Markt durch ihr innovatives, unternehmerisches Konzept erfolgreich agieren und einen Beitrag zu einem nachhaltigen sozialen Wandel in der Gesellschaft leisten können.

Mithilfe der theoretischen Grundlagen soll zunächst ein, für den weiteren Verlauf dieser Arbeit essentielles, ganzheitliches Verständnis von Nachhaltigkeit und Nachhaltiger Entwicklung, des sozialen Wandels im Bereich der Nachhaltigkeit und Social Entrepreneurship (SE) geschaffen werden.

Im Hauptteil erfolgt die Potenzialanalyse des SE in Bezug auf den Beitrag zu einem nachhaltigen sozialen Wandel. Hierzu wird zunächst der SE Markt untersucht, bevor sich auf den Erfolg von Social Entrepreneurship konzentriert wird. Letzterer ist entscheidend dafür, ob ein Beitrag zu einem nachhaltigen sozialen Wandel geleistet werden kann, da nur erfolgreiche SE sich langfristig im Markt etablieren können und somit die Möglichkeit haben, gesellschaftlichen Einfluss zu üben.

Die Ergebnisse der Arbeit werden anschließend in einem selbst konstruierten Modell der erfolgsrelevanten Einflussfaktoren im SE zusammengefasst und dessen Anwendbarkeit anhand eines Praxisbeispiels überprüft.

Diese Arbeit endet mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse und der Beantwortung der Fragestellung, inwiefern erfolgreiche SE zu einem nachhaltigen sozialen Wandel beitragen können.

2. Theoretische Grundlagen

2.1 Nachhaltigkeit und Nachhaltige Entwicklung

Es sind unter anderem das Bevölkerungswachstum, die begrenzte Verfügbarkeit von Ressourcen und die Zunahme der Naturkatastrophen auf der Erde, die dazu geführt haben, das zunehmend ein Umdenken in unserer Gesellschaft, weg von der Ressourcenverschwendung, hin zu einer nachhaltigeren Arbeits- und Lebensweise, gefordert wird. Auch die Erkenntnis, dass nicht nur das Herstellen einer sozialen Gerechtigkeit mit den heutigen Wirtschafts- und Lebensweisen des Menschen unmöglich ist, sondern so auch die zukünftigen Generationen nicht unter denselben Voraussetzungen wie wir heute leben können, bringe diese Forderung des Bewusstseinswandels mit sich (vgl. Deutsche UNESCO-Kommission e.V. (o.J.a), unter: www.bne-portal.de/was-ist-bne/grundlagen/nachhaltigkeitsbegriff/).

Inwiefern kann der innovative, unternehmerische Ansatz Social Entrepreneurship dazu beitragen, dass aus diesem heute bereits stattfindenden Prozess des Umdenkens in der Gesellschaft ein gesamtgesellschaftlicher nachhaltiger sozialer Wandel vollzogen werden kann?

Um das Potenzial dieses Unternehmensansatzes diesbezüglich im Hauptteil der Arbeit analysieren zu können, ist es notwendig, zunächst auf die theoretischen Grundlagen einzugehen. Im folgenden Kapitel werden daher die Begriffsdefinitionen und -entwicklungen von Nachhaltigkeit und Nachhaltiger Entwicklung aufgezeigt, um im Anschluss das Nachhaltigkeitsdreieck und Nachhaltigkeit als politisches Leitbild beschreiben zu können. Des Weiteren wird der soziale Wandel im Bereich der Nachhaltigkeit am Ende dieses Kapitels thematisiert.

2.1.1 Definitionen und Entwicklung des Nachhaltigkeitsbegriffs

Im 18. Jahrhundert wurde der Begriff der Nachhaltigkeit bereits zum ersten Mal verwendet. Der sächsische Oberhauptmann Hans Carl von Carlowitz beschrieb in seinem Buch „Sylvicultura Oeconomica“ das Prinzip einer nachhaltigen Forstwirtschaft mit den Worten: „Schlage nur so viel Holz ein, wie der Wald verkraften kann! So viel Holz, wie nachwachsen kann!“ (Deutsche UNESCO-Kommission e.V. (o.J.a), unter: www.bne-portal.de/was-ist-bne/grundlagen/nachhaltigkeitsbegriff/). Von von Carlowitz ausgehend verbreitete sich das Prinzip der nachhaltigen Bewirtschaftung schnell in der Forstliteratur und fand später auch Eingang in die Ökonomie (vgl. Parsch, unter: www.tagesspiegel.de/wissen/nachhaltigkeit-wider-den-kahlschlag/8500468.html).

Die Erfindung der Dampfmaschine Mitte des 19. Jahrhunderts führte zu einem großen technischen Fortschritt, aus welchem ein ansteigender Rohstoffbedarf resultierte (vgl. Rieß 2010: 25). Vorerst wurden die durch den starken Verbrauch an Rohstoffen und Produktionsmitteln verursachten ökologischen Auswirkungen von der Öffentlichkeit nur wenig beachtet oder verharmlost (vgl. Bericht Günthers zur Verunreinigung der Wasserläufe im Königreich Sachsen 1879, zitiert nach Schramm 1984: 177 ff.). Erst nach dem zweiten Weltkrieg wurde das Ausmaß der Auswirkungen auf die Natur durch die wirtschaftliche Expansion mehr und mehr von der Öffentlichkeit wahrgenommen, was auch zu dem Beginn politischer Diskussionen führte (vgl. Rieß 2010: 25).

Die Umweltschutzdebatte gewann in den folgenden Jahren immer weiter an Relevanz. Es folgten einige Diskussionen auf internationaler politischer Ebene (vgl. ebd.) und die erste Weltumweltkonferenz der Vereinten Nationen fand 1972 in Stockholm statt. Auf dieser Konferenz wurden erstmals Prinzipien für den internationalen Umweltschutz festgelegt (vgl. Rieß 2010: 26).

Im selben Jahr erschien auch das Buch „Grenzen des Wachstums“ (Club of Rome), welches Prognosen „über die Bevölkerungsentwicklung, die Industrieproduktion, die Nahrungsmittelproduktion und die Entwicklung von Ressourcenbeständen“ aufstellte (vgl. ebd.). Die Autoren kamen zu der Erkenntnis, dass diese Entwicklungen dramatische Auswirkungen auf die Umwelt haben würden und durch die Veröffentlichung des Buches erreichte die Umweltschutzdebatte neue Dimensionen (vgl. ebd.).

Diskutiert wurde Nachhaltigkeit bislang aber noch unter dem Begriff „ecodevelopment“ (Bauer 2008: 17). Wann wurden die Begriffe Nachhaltigkeit und Nachhaltige Entwicklung erstmalig verwendet? „Nachhaltige Entwicklung“ auf Englisch „sustainable development“ wurde zum ersten Mal 1980 in dem gemeinsamen Bericht „World Conservation Strategy“ von IUCN, WWF und UNEP formuliert (vgl. Rieß 2010: 26). Dieser beinhaltete Strategien zur dauerhaften Nutzung natürlicher Ressourcen.

1987 veröffentlichte die Weltkommission für Umwelt und Entwicklung unter der Leitung der norwegischen Ministerpräsidentin Gro Harlem den Bericht „Our Common Future“, welcher auch als Brundtland-Bericht bezeichnet wird, wodurch das Konzept der Nachhaltigen Entwicklung national und international stark an Bedeutung gewann (vgl. Bauer, unter: www.bpb.de/izpb/8983/leitbild-der-nachhaltigen-entwicklung?p=all).

Der Brundtland-Bericht markiere einen Meilenstein in der globalen Umweltpolitik und verhelfe dem Konzept der Nachhaltigen Entwicklung zu seinem Durchbruch (vgl. unbekannter Autor, unter: www.dgvn.de/index.php?id=1339). Denn in diesem Bericht wurde erstmalig unter Verwendung des Begriffs „Sustainable Development“ das Konzept einer Nachhaltigen Entwicklung formuliert. Die Begrifflichkeit setzte sich von da an auch international durch (vgl. Künzli David 2007: 19).

Folgende Elemente soll eine Nachhaltige Entwicklung nach dem Brundtland-Bericht enthalten:

Abbildung in dieer Leseprobe nicht enthalten

(vgl. unbekannter Autor, unter: www.dgvn.de/index.php?id=1339)

Auch die von der Brundtland Kommission verfasste Definition der Nachhaltigkeit gilt heute als die grundlegende Bestimmung des Begriffs :

„Nachhaltige Entwicklung befriedigt die Bedürfnisse der heutigen Generationen, ohne die Fähigkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und ihre eigenen Lebensstile zu wählen“

(Hauff, unter: www.nachhaltigkeit.info/artikel/brundtland_report_563.htm).

Dabei seien zwei Schlüsselbegriffe besonders hervorzuheben:

„der Begriff Bedürfnisse, insbesondere die Grundbedürfnisse der Ärmsten der Welt sollen Priorität haben“

„der Gedanke von Beschränkungen, die der Stand der Technologie und der sozialen Organisation auf die Fähigkeit der Umwelt ausübt, gegenwärtige und zukünftige Bedürfnisse zu befriedigen"

(Hauff, unter: www.nachhaltigkeit.info/artikel/brundtland_report_563.htm)

Die Kernelemente dieses Verständnisses von Nachhaltiger Entwicklung seien ein bedürfnisorientiertes anthropozentrisches Weltbild und eine inter- und intragenerationelle Ethik. Deshalb stünden die Bedürfnisse und das Wesen des Menschen im Mittelpunkt, während die Natur seine Umwelt bilde (vgl. Bauer, unter: www.bpb.de/izpb/8983/leitbild-der-nachhaltigen-entwicklung?p=all). Nachhaltige Entwicklung sei hierbei als ein weltgesellschaftlicher Lern-, Gestaltungs- und Verständigungsprozess anzusehen, der unter der Annahme ökologischer Grenzen auf Gerechtigkeitsfortschritte abziele (vgl. Michelsen 2014: 29 ff.).

„Zukunftsweisend ist nicht nur der globale Ansatz, sondern vielmehr das Ziel, Ökologie, Ökonomie und soziale Gerechtigkeit nicht länger isoliert zu betrachten und zu behandeln, sondern sie als voneinander abhängige Faktoren zu begreifen“ (Jahnke 2011: 14). Dieses vernetzte Denken werde als „Retinität“ bezeichnet und häufig als „Nachhaltiges Dreieck“ oder „Säulenmodell“ dargestellt (vgl. Hauenschild & Bolscho 2005: 34). Um das Zusammenwirken und die Gewichtung der in dem Modell erklärten Dimensionen der Nachhaltigkeit für den Verlauf der weiteren Arbeit verständlich zu machen, wird im folgenden Kapitel das Nachhaltigkeitsdreieck genauer erläutert.

2.1.2 Das Nachhaltigkeitsdreieck

Seit dem Ende des 20. Jahrhunderts ist das Nachhaltigkeitsdreieck weit verbreitet. Es umfasst drei Dimensionen: Die ökonomische, ökologische und soziale Dimension.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Das Nachhaltigkeitsdreieck

(vgl. www.oekosystem-erde.de/html/nachhaltigkeit.html)

Durch eine nachhaltige Nutzung vorhandener Ressourcen, solle innerhalb der ökonomischen Dimension ein Wachstum in der Wirtschaft erreicht werden, welches dauerhafte Erträge sichern kann, um die Bedürfnisse von Gesellschaft und Wirtschaft zu befriedigen (vgl. Bauer 2008: 18).

Um die „ökologischen Bedingungen des menschlichen Überlebens zu sichern“ (vgl. ebd.), die mit den endlichen Naturressourcen korrelieren, solle innerhalb der ökologischen Dimension verantwortungsvoll mit der Natur umgegangen werden, um deren Funktionsfähigkeit aufrecht zu erhalten (vgl. ebd.).

Die soziale Dimension von Nachhaltigkeit fokussiere sich auf die Frage nach der Verteilungsgerechtigkeit von Chancen und Ressourcen im inter- und intragenerationellen Kontext (vgl. ebd.). Neben dem Ziel der Grundbedürfnisbefriedigung für heutige und zukünftige Generationen berühre die soziale Dimension dabei ausdrücklich auch Fragen der Geschlechterverhältnisse (vgl. Bauer, unter: www.bpb.de/izpb/8983/leitbild-der-nachhaltigen-entwicklung?p=all).

In einigen Modellen werden die Dimensionen um eine vierte, kulturelle, Dimension ergänzt. Sie „umschreibt ein System von Bedeutungen, Wissen, Weltbildern, Lebensstilen und materiellen Ausprägungen, die das Zusammenleben organisieren“ (Sorgo 2011: 21).

„Die Dimensionen markieren analytisch getrennte Räume gesellschaftlicher Entwicklung, die sich in ihrer spezifischen Rolle und Funktion für den Gesamtprozess beschreiben lassen. In jedem Fall..(…) kann eine Dimension jedoch nicht für sich gesehen werden“ (vgl. ebd.). Vielmehr beeinflussen sich die Dimensionen gegenseitig und sind voneinander abhängig. Folglich sollte das das Hauptziel von Nachhaltigkeit sein, die gesellschaftliche, wirtschaftliche und umweltbezogene Entwicklung weltweit im Gleichgewicht zu halten.

Über die Gewichtung der Dimensionen existieren verschiedene Vorstellungen. Grundsätzlich gehen die meisten Experten aus dem Bereich der Politik oder Wirtschaft aber von einer Gleichberechtigung der drei Bereiche aus (vgl. Bauer, unter: www.bpb.de/izpb/8983/leitbild-der-nachhaltigen-entwicklung?p=all).

Zur Realisierung einer Nachhaltigen Entwicklung spielt die Politik eine zentrale Rolle. Um die politischen Aktivitäten seit dem Brundtland-Bericht aufzuzeigen, befasst sich das folgende Kapitel mit der Nachhaltigen Entwicklung als politisches Leitbild.

2.1.3 Nachhaltige Entwicklung als politisches Leitbild

Ausgelöst durch den Brundtland-Bericht von 1987 habe sich die Nachhaltige Entwicklung mit der Zeit als relevante Leitlinie der nationalen und auch internationalen Politik etabliert (vgl. Künzli David 2007: 17).

Auf den Brundtland-Bericht folgte im Jahr 1992 ein von der Brundtland-Kommission beschlossener UN-Umweltgipfel mit dem Titel „United Nations Conference on Environment and Development (UNCED)“ in Rio de Janeiro, Brasilien (vgl. Spindler, unter: www.nachhaltigkeit.info/media/1326279587phpeJPyvC.pdf).

Die Konferenz von Rio sei sehr bedeutend für die Geschichte des Umweltschutzes gewesen (vgl. unbekannter Autor, unter: www.nachhaltigkeit.info/artikel/rio_weltgipfel_1437.htm), da seit der Konferenz der Vereinten Nationen in Stockholm dort erstmalig Umweltfragen auf globaler Ebene in einem größeren internationalen Umfeld diskutiert wurden.

Als Grundlage für die Umsetzung der Nachhaltigen Entwicklung entstand in Rio für alle beteiligten Länder der Aktionsplan Agenda 21, in dem detaillierte soziale, ökologische und ökonomische Handlungsaufträge beschrieben wurden (vgl. unbekannter Autor, unter: www.nachhaltigkeit.info/artikel/agenda_21_744.htm). 192 Staaten haben den Aktionsplan bis heute unterzeichnet und sich damit zum Handeln verpflichtet.

Die dritte Weltklimakonferenz wurde 1997 in Kyoto, Japan, ausgerichtet. Die teilnehmenden Nationen beschlossen dort ein ausschlaggebendes Abkommen, welches die Klimaveränderungen der Erde zum Thema hatte. Die Industrieländer verpflichteten sich in dem so genannten Kyoto-Protokoll zu einer Reduzierung der Emission von Treibhausgasen innerhalb von bestimmten festgelegten Zeiträumen.

Dieses werde als enormer Fortschritt in der internationalen Klima-und Umweltpolitik gesehen (vgl. BMUB 2013a, unter: www.bmub.bund.de/themen/klima-energie/klimaschutz/internationale-klimapolitik/kyoto-protokoll/). Die Vereinigten Staaten von Amerika lehnten das Kyoto-Protokoll ab, was zu einer weltweiten Entrüstung und zahlreichen Diskussionen in den westlichen Ländern führte. Im Jahr 2005 trat das Protokoll in Kraft und wurde bisher von 191 Staaten unterzeichnet.

Um die Emissionen weiter zu reduzieren, wurde auf der Klimakonferenz 2012 in Doha, Katar, eine zweite Verpflichtungsperiode bis zum Jahre 2020 beschlossen (vgl. BMUB 2013b, unter: www.bmub.bund.de/themen/klima-energie/klimaschutz/internationale-klimapolitik/klimaschutz-nach-2012/). Das Erreichen der im Protokoll festgelegten Ziele ist durch die Größe der nicht beteiligten Länder wie die USA oder China jedoch mit Hindernissen verbunden.

Die Bundesrepublik Deutschland hat, um an die Forderungen des Kyoto-Protokolls anzusetzen, eine nationale Nachhaltigkeitsstrategie entwickelt. Sie trägt den Titel „Perspektiven für Deutschland“ und umfasst konkrete Aufgaben und Ziele für eine Nachhaltige Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland. Die nationale Strategie wurde im Jahr 2002 beschlossen und orientiert sich an den Leitlinien Generationengerechtigkeit, Lebensqualität, sozialer Zusammenhalt und internationale Verantwortung.

Zu diesen Leitlinien wurden in der Strategie Indikatoren mit mittelfristigen und langfristigen Vorgaben festgelegt. Beispielsweise sollen die Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2020 um 40 Prozent sinken und der Anteil erneuerbarer Energien am Energieverbrauch soll bis 2050 auf 60 Prozent steigen (vgl. Bundesregierung, unter: www.bundesregierung.de/Webs/Breg/DE/Themen/Nachhaltigkeitsstrategie/1-die-nationale-nachhaltigkeitsstrategie/nachhaltigkeitsstrategie/_node.html). Die Maßnahmen zum Erreichen dieser Ziele wurden im Jahr 2010 vereinbart und werden seither alle vier Jahre im Rahmen eines Fortschrittberichts weiterentwickelt.

Bei der Umsetzung einer Nachhaltigen Entwicklung nimmt Deutschland mit seiner nationalen Nachhaltigkeitsstrategie eine Vorbildfunktion auf internationaler Ebene ein. Nichtsdestotrotz zeigen die Problematiken, wie zum Beispiel die zunehmende Anzahl an Naturkatastrophen oder die Klimaveränderungen auf der Erde, dass auch in Zukunft noch viele weitere politische Aktivitäten notwendig sind, um die festgelegten Ziele erreichen zu können.

Auch der von der Bundesregierung einberufene Rat für Nachhaltige Entwicklung postuliert, ausgehend von der aktuellen Situation, den Prozess der Nachhaltigen Entwicklung aktiver voranzutreiben und neue Richtlinien für eine kontinuierliche Weiterentwicklung festzulegen, um in der Bevölkerung ein stärkeres Bewusstsein für die Nachhaltigkeitsthematik zu schaffen (vgl. RNE, unter: www.nachhaltigkeitsrat.de/news-nachhaltigkeit/2014/2014-02-13/rne-fordert-richtungsentscheidung-in-der-nachhaltigkeitspolitik/).

Das Ziel all dieser politischen Entwicklungen sei ein umfassender gesellschaftlicher Wandel in Richtung Nachhaltigkeit (vgl. Umweltbundesamt, unter: www.umweltbundesamt.de/themen/nachhaltigkeit-strategien-internationales/gesellschaft-erfolgreich-veraendern).

Um im Rahmen dieser Bachelorarbeit analysieren zu können, welchen Beitrag Social Entrepreneurs zu diesem Wandel leisten, muss vorab festgelegt werden, wie sozialer Wandel allgemein definiert wird, was genau ein sozialer Wandel im Bereich der Nachhaltigkeit beinhaltet und wie Letzterer in der Gesellschaft umgesetzt werden kann. Diesen Themen widmet sich das folgende Kapitel.

2.1.4 Sozialer Wandel im Bereich der Nachhaltigkeit

Allgemein gilt der Begriff des sozialen Wandels als eine Sammelbezeichnung für langfristig beobachtbare, gesellschaftliche und wirtschaftliche Veränderungen (vgl. Bundeszentrale für politische Bildung, zitiert nach Schubert & Klein: 2011, unter: www.bpb.de/nachschlagen/lexika/politiklexikon/18225/sozialer-wandel).

„In der heutigen Soziologie wird sozialer Wandel (...) als Veränderung in der Struktur eines sozialen Systems definiert. Sozialer Wandel ist auf verschiedenen gesellschaftlichen Ebenen zu beobachten, auf der Makroebene der Sozialstruktur und Kultur, auf der Mesoebene der Institutionen, korporativen Akteure und Gemeinschaften, auf der Mikroebene der Personen und ihrer Lebensläufe (...)“ (Schader Stiftung, unter: www.schader-stiftung.de/themen/demographie-und-strukturwandel/fokus/sozialer-wandel/artikel/sozialer-wandel-der-begriff/).

Aus beiden Definitionen wird deutlich, dass die Veränderung ein für den sozialen Wandel essentieller Begriff ist.

So muss folglich auch in Bezug auf den sozialen Wandel im Bereich der Nachhaltigkeit eine Veränderung erfolgen, die es ermöglicht, das Gesamtkonzept der Nachhaltigkeit zu erreichen, welches ökologisch verträglich, sozial gerecht und wirtschaftlich leistungsfähig ist (vgl. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, unter: www.bmub.bund.de/themen/strategien-bilanzen-gesetze/nachhaltige-entwicklung/strategie-und-umsetzung/nachhaltigkeit-als-handlungsauftrag/).

Dabei müsse den Bedürfnissen der heutigen Generation entsprochen werden, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und ihren Lebensstil zu wählen (vgl. Hauff, unter: www.nachhaltigkeit.info/artikel/brundtland_report_563.htm).

Das Bundesumweltamt macht auf seiner Internetseite sowohl die Brisanz, als auch die Komplexität dieser Thematik deutlich:

„Die aktuellen ökologischen, ökonomischen und sozialen Herausforderungen machen einen umfassenden gesellschaftlichen Wandel in Richtung Nachhaltigkeit notwendig. Inzwischen ist klar, dass engagierte Ziele, Szenarien und einzelne Instrumente sowie Technologieentwicklungen allein nicht ausreichen. Trotz mancher Erfolge der Nachhaltigkeits- und Umweltpolitik reichen die Fortschritte bei Weitem nicht aus, um zu einer dauerhaft nachhaltigen Entwicklung zu kommen“ (Bundesumweltamt, unter: www.umweltbundesamt.de/themen/nachhaltigkeit-strategien-internationales/gesellschaft-erfolgreich-veraendern).

In der heutigen Zeit sei zwar deutlich, welche Veränderungen in den unterschiedlichen Bereichen notwendig sind, doch sie würden nicht schnell genug vollzogen beziehungsweise in der Breite umgesetzt werden. Hierdurch entstehe die Notwendigkeit, sich intensiver mit den Wegen für einen erfolgreichen Wandel zu beschäftigen, da nur so das Leitbild der Nachhaltigkeit weiterentwickelt und stärker in der politischen und gesellschaftlichen Praxis verankert werden könne. Wissenschaftler erforschen aus diesem Grund derzeit, welche Hebel, Dynamiken und Erfolgsfaktoren für den erfolgreichen gesellschaftlichen Wandel notwendig sind (vgl. ebd.).

Es sei unter anderem relevant, die ökologischen Grenzen anzuerkennen, um so Rahmenbedingungen für entlastende Produktions- und Konsummuster verbessern zu können. „Modelle nachhaltiger Lebensstile und kultureller Nachhaltigkeit sowie Konzepte lebenslanges Lernen und Bildung für Nachhaltigkeit müssen weiterentwickelt und verbreitet werden“ (vgl. ebd.).

Entscheidend bei der Umsetzung sei aber auch, dass Nachhaltigkeit eine umfassende kulturelle Innovationsherausforderung sei, die sowohl technische, als auch nicht-technische, immaterielle Innovationen benötige, um die notwendigen gesellschaftliche Reformprozesse vollziehen zu können (vgl. Pfriem 2006: 1 ff.).

„Neue Geschäftsmodelle können zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen, etwa durch neue Dienstleistungs- und Nutzungskonzepte, die den Bedürfnissen (…) gerecht werden, zugleich aber die natürlichen Ressourcen schonen (…). Sogenannte soziale Unternehmerinnen und Unternehmer, die gesellschaftliche Probleme und Nachhaltigkeitsherausforderungen als Möglichkeit wahrnehmen, Neues zu schaffen und gesellschaftlichen Wandel zu initiieren, entwickeln überzeugende neue Geschäftsmodelle“ (Rat für Nachhaltige Entwicklung 2010: 1, unter: www.nachhaltigkeitsrat.de/uploads/media/Broschuere_Konsum_und_Nachhaltigkeit_texte_Nr_31_Maerz_2010_01.pdf).

Hierbei müsse stets die individuelle persönliche und unternehmerische Freiheit gewährleistet sein, welche ihre Grenzen dort habe, wo sie auf Kosten der Anderen, im inter- oder intragenerationellen Kontext, geht (vgl. ebd.). Solange die Grundbedürfnisse der Menschen nicht befriedigt sind, bestimmt diese Problematik ihr Leben und es bleibt kaum Raum, sich näher mit der Nachhaltigen Entwicklung auseinanderzusetzen.

Inwieweit die nachhaltige Gestaltung einer Gesellschaft möglich ist, ob Letztere den ökonomischen Wandel verkraftet oder sich soziale Konflikte durch wirtschaftliche Veränderungen verschärfen, sei abhängig von der Tragfähigkeit sozialer Ressourcen einer Gesellschaft (wie Integration, Solidarität und Konfliktlösungsfähigkeit). Denn nur sozial stabilisierte Gesellschaften können menschenwürdige Konzepte umsetzen (vgl. Stange, unter: www.leuphana.de/forschung/profil/nachhaltigkeitsforschung/soziales.html).

2.2 Social Entrepreneurship

Das Potenzial der bereits im vorherigen Kapitel erwähnten neuen Geschäftsmodelle soll in Bezug auf ihren Beitrag zu einem nachhaltigen sozialen Wandel untersucht werden. Dazu werden im Folgenden zunächst die begrifflichen Grundlagen, das Konzept, Motivation und Ziele des SE erläutert, um auf die Entstehung und Entwicklung von Social Entrepreneurship sowie Formen und Betätigungsfelder von Social Entrepreneurs einzugehen.

2.2.1 Begriffliche Grundlagen Social Entrepreneurship

2.2.1.1 Definitionen, Konzept, Motivation und Ziele des SE

Auch wenn der Begriff des Social Entrepreneurship heute noch bei weitem nicht allen Menschen bekannt ist, wird er doch zunehmend im wissenschaftlichen und öffentlichen Kontext diskutiert. Dabei besteht keinesfalls Einigkeit über das Begriffsverständnis, vielmehr koexistieren diverse Definitionen und Interpretationen: „Einige bezeichnen als Social Entrepreneur denjenigen, der zwar eine Non-Profit-Organisation führt, aber damit gleichzeitig Einkommen generiert, andere bezeichnen jeden, der eine Non-Profit-Organisation gründet, als Social Entrepreneur und manche sehen bereits einen Unternehmer, der sich besonders sozial verhält, als Social Entrepreneur“ (Achleitner, zitiert nach Dees 2001, 2007: 5).

Aus der wenig eindeutigen Begriffsabgrenzung resultiert einerseits eine zunehmende Popularität des Begriffs: „Dank des breiten Spektrums an Definitionen ist die Anzahl potenzieller Social Entrepreneurs wesentlich höher, wodurch das Phänomen auch zahlenmäßig an gesellschaftlicher Relevanz gewinnt und es beschäftigen sich Wissenschaftler wie Praktiker gleichermaßen mit ihr. Es werden immer mehr spezielle Angebote für Social Entrepreneurs erarbeitet und die Entwicklung dieses Sektors wird durch begleitende Forschung unterstützt.“ (Achleitner 2007: 6).

Andererseits sei, wenn sich alles Social Entrepreneur nennt, die Gefahr zu groß, dass der originale Beitrag des Konzeptes verloren geht oder es durch opportunistische oder wenig durchdachte, auf populäre Trends setzende Aktionen diskreditiert wird (vgl. Faltin 2008: 28, unter: www.entrepreneurship.de/wp-content/uploads/2011/01/Social_Entrepreneurship_Rostock.pdf).

In diesem Kapitel sollen einige Definitionen exemplarisch beschrieben werden, um einen Überblick über die Komplexität der Begrifflichkeit zu geben und im Anschluss festlegen zu können, auf welchem Verständnis von Social Entrepreneurship diese Arbeit basiert. Hierbei werden auch das Konzept, die Motivation und Ziele der Social Entrepreneurs deutlich.

Der Begriff setzt sich aus den Worten „Social“ und „Entrepreneurship“ zusammen, vereint also offenbar zwei Konzepte miteinander (vgl. Faltin 2008: 27 ff.). Zunächst wird sich nachfolgend auf den Begriff Entrepreneurship konzentriert, um im Anschluss näher auf die soziale Komponente eingehen zu können.

Entrepreneurship hat seinen Ursprung in der französischen Sprache und besteht aus den Wörtern „entre“ und „prendre“, was übersetzt so viel bedeutet wie „unternehmen“ (vgl. Gossel, unter: www2.tu-ilmenau.de/ehrenberg/2014/07/entrepreneurship-ist-das-forschung-oder-kann-das-weg-ein-einstieg/). Aus diesem Grund werde im alltäglichen Sprachgebrauch ein Unternehmer häufig auch als Entrepreneur bezeichnet. Allerdings sei nicht jeder Unternehmer auch ein Entrepreneur, weshalb diese Bezeichnung kritisch zu betrachten ist (vgl. Faltin 2008: 28). Dieses wirft die Frage nach der Differenzierung beider Begriffe auf.

Um Letztere beantworten zu können, müssen die spezifischen Eigenschaften eines Entrepreneurs aufgezeigt werden. Historisch betrachtet wurden ihm die folgenden Charakteristika zugeschrieben:

Nach dem französischen Ökonom Jean Baptiste Say sind Entrepreneurs Menschen, die Werte durch höhere Produktivität schaffen, indem sie die Unvollkommenheit des Marktes ausnutzen (vgl. Faltin 2008: 28 ff.). Auch haben sie, so der österreichische Wirtschaftswissenschaftler Joseph Schumpeter, die Aufgabe, durch Innovationen den Wirtschaftsprozess voranzubringen. Dabei könne auch in Kauf genommen werden, dass bereits bestehende wirtschaftliche Strukturen zerstört werden (vgl. ebd.). Maßgeblich bezeichnend für einen Entrepreneur sei aber auch die aktive Suche nach Gelegenheiten, um mithilfe dieser Werte zu schaffen, sowie sein innovatives Denken und Handeln (vgl. Drucker 1985: 24).

Des Weiteren würden heutzutage Eigenschaften wie Eigenständigkeit, Verantwortungsbewusstsein und Willensstärke genutzt, um den Entrepreneur zu beschreiben (vgl. Gründerszene, unter: www.gruenderszene.de/lexikon/begriffe/entrepreneur). Dabei wird häufig auf die besondere Geisteshaltung von Entrepreneurs verwiesen, mit Faktoren wie Unsicherheit und Risiken besonders gut umgehen zu können (vgl. Geißler, zitiert nach Blum & Leibbrand 2001, unter: www.harvardbusinessmanager.de/heft/artikel/a-638727.html).

„Das Gründen eines eigenen Unternehmens kann ein wichtiger Hinweis auf einen echten Entrepreneur sein, ist aber nicht Grundbedingung. Wichtiger sind die Macht und der Wille, für ein Unternehmen weitreichende Entscheidungen zu treffen“ (vgl. ebd.).

Auch wenn bis heute keine allgemeingültige Definition der Begrifflichkeit existiert, kann doch konstatiert werden, dass Entrepreneurs sich durch spezifische Einstellungen und Charakteristika von Unternehmern abgrenzen lassen.

Als Entrepreneurship lässt sich das gesamte Handlungsfeld eines Entrepreneurs bezeichnen, welches je nach Motivlage stark variieren kann. „Entrepreneurship als Handlungsfeld eines Entrepreneurs gilt inzwischen als erlernbares Denkprinzip, das auch von ‚normalen‘ Managern erlernt und umgesetzt werden kann“ (Gründerszene, unter: www.gruenderszene.de/lexikon/begriffe/entrepreneur).

Die verschiedenen Motive der Entrepreneurs können genutzt werden, um zwei grundlegend verschiedene Typen zu unterscheiden: Den Entrepreneur, der auf die Maximierung von Gewinn fokussiert ist (Business Entrepreneur), und den Social Entrepreneur.

Für Letzteren ist das Lösen gesellschaftlicher Probleme die Hauptintention seines Handelns, was den entscheidenden Unterschied im Vergleich zu einem Business Entrepreneur ausmacht: „Mission related impact becomes the central criterion, not wealth creation“ (Carter & Jones-Evans, zitiert nach Dees 1998, 2000: 234).

Folglich stünden die Ergebnisse, die der Social Entrepreneur mit seiner Mission erzielt, im Vordergrund, nicht die monetäre Belohnung. Überschüsse seien Mittel für einen Zweck, jedoch nicht das eigentliche Ziel (vgl. Faltin 2008: 30, unter: www.entrepreneurship.de/wp-content/uploads/2011/01/Social_Entrepreneurship_Rostock.pdf).

Ashoka, die nach eigenen Angaben älteste und größte Organisation zur Förderung von Social Entrepreneurs, definiert den Begriff Social Entrepreneurship auf ihrer Internetseite wie folgt:

„Social Entrepreneurs treten mit dem Ziel an, innovative unternehmerische Lösungen für drängende soziale Probleme zu finden und umzusetzen. Sie sind in einer "Everyone a changemaker"-Gesellschaft diejenigen, welche die Organisationen, Märkte und Mechanismen zur Überwindung gesellschaftlicher Probleme schaffen“ (Ashoka Germany, unter: www.germany.ashoka.org/h%C3%A4ufig-gestellte-fragen-zu-ashoka).

Da Social Entrepreneurs systemisch denken, verankern sie ihre Ansätze dabei unabhängig von sich in der Gesellschaft und versuchen ihr Erfolgsrezept möglichst weitreichend zu verbreiten. Dabei inspirieren sie auch andere Menschen, sich aktiv als soziale Aktivisten, Manager oder Geschäftsleute einzubringen (vgl. ebd.). Es wird in der Konsequenz ein Bottom-up Ansatz verfolgt (vgl. Shaughnessy, unter: www.northeastern.edu/sei/2013/02/what-motivates-the-best-social-entrepreneurs/).

Eine weitere, heute weit verbreitete und häufig zitierte Definition, stammt von Greg Dees und basiert auf dem weiter oben angeführten Entrepreneurship Verständnis von Joseph Schumpeter, welches besagt, dass Entrepreneurs die Aufgabe haben, durch Innovationen den Wirtschaftsprozess voranzubringen (vgl. Bornstein & Davis 2010: 1).

„Nach dieser, wie Dees selbst einräumt, idealisierten Definition spielen Social Entrepreneurs die Rolle eines Motors des Wandels im sozialen Sektor, indem sie

-sich zum Ziel setzen, sozialen (nicht nur privaten) Wert zu schaffen und zu erhalten,
-neue Gelegenheiten erkennen und diese unermüdlich nutzen, um dieses Ziel zu erreichen,
-sich in einen Prozess kontinuierlicher Innovation, Adaption und des Lernens begeben,
-mutig handeln und sich nicht durch die Ressourcen einschränken lassen, die ihnen gegenwärtig zur Verfügung stehen, und
-gesteigerte Rechenschaftspflicht zeigen gegenüber den Anspruchsgruppen, denen sie helfen und bezüglich des Erfolgs ihrer Tätigkeit“ (Achleitner, zitiert nach Dees 2001, 2007: 5).

Nach Dees entsprechen Social Entrepreneurs dabei umso stärker dem Idealbild, je mehr der oben beschriebenen Eigenschaften sie aufweisen (vgl. Harbrecht 2010: 30).

Light hingegen kritisiert, dass Social Entrepreneurs in der akademischen Debatte, wie auch in der Definition von Dees, meist als individuelle, einzelne Gründer gesehen werden, weshalb er in seiner Begriffserklärung eine Erweiterung des Social Entrepreneurship Verständnisses auf der Akteursebene vornimmt:

„Ein Social Entrepreneur ist eine Person, eine Gruppe, ein Netzwerk, eine Organisation, eine Allianz von Organisationen, die nachhaltigen, großflächigen Wandel durch bahnbrechende Ideen hinsichtlich der Frage anstrebt, wie oder was Regierungen, Nonprofit-Organisationen oder Unternehmen tun können, um signifikante soziale Probleme zu lösen“ (Metelmann & Schwall, zitiert nach Light 2005, 2011: 60).

„Mair et al. stellen eine weitere Definition von Social Entrepreneurship auf. Diese basiert auf drei verschiedenen Konzepten (…): (1) gemeinnützige Initiativen, welche auf der Suche nach alternativen Finanzierungsstrategien einen sozialen Mehrwert erwirtschaften; (2) Unternehmen mit sozialem Verantwortungsbewusstsein, welche sich im „dritten Sektor“ engagieren und (3) Unternehmen mit dem Ziel, soziale Probleme zu lindern und soziale Veränderung zu beschleunigen“ (Vormoor, zitiert nach Mair 2006, 2011: 4).

Zusammenfassend ist Social Entrepreneurship nach Mair et al. folglich ein Prozess der innovativen Verwendung und Kombination von Ressourcen, mit dem Ziel Veränderung zu schaffen und soziale Bedürfnisse zu beschleunigen (vgl. ebd.).

Es ließen sich an dieser Stelle noch viele weitere Definitionen anführen, die die Vielfalt der Begriffsinterpretationen aufzeigen. Häufig einen diese aber bestimmte Bestandteile, wie:

- das innovative Denken und Handeln der Social Entrepreneurs
- das Ziel der Lösung eines spezifischen Problems durch Veränderung
- das daraus resultierende Schaffen eines sozialen Mehrwertes

Dabei wird auch oft auf die Missionsorientierung der Handlung eingegangen, wobei der Gewinn als Mittel zum Erreichen des Zieles gesehen wird.

Diese Bestandteile dienen auch als Grundlage des SE Verständnisses dieser Arbeit, in der Social Entrepreneurship als

Handlungsfeld verstanden wird, in dem sich altruistisch motivierte Menschen eines unternehmerischen Ansatzes bedienen, um ein zuvor identifiziertes gesellschaftliches Problem, durch innovatives Denken und Handeln und damit einhergehender Veränderung bereits vorhandener Strukturen, zu lösen. Die Zielgruppe kann hierbei partizipieren und das Problem ist in das Nachhaltigkeitsdreieck einordbar, wodurch die Nachhaltige Entwicklung eine Zielfunktion im Problemlösungsprozess einnimmt.

Der Gewinn fungiert als Mittel zum Zweck, die hauptsächliche Handlungsintention basiert auf der Mission, die verfolgt wird. Bei erfolgreicher Problemlösung wird ein sozialer Mehrwert für die Gesellschaft geschaffen, der, durch Verbreitung des Konzeptes, möglichst versucht wird auszuweiten.

Armin Harbrecht hat die Prinzipien von Social Entrepreneurship in einer Abbildung veranschaulicht, welche auch mit der für diese Arbeit formulierten Definition der Begrifflichkeit harmoniert. Motivation, Handlung und das angestrebte Ergebnis von SE werden im Folgenden abschließend graphisch veranschaulicht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Die Prinzipien von Social Entrepreneurship

(vgl. Harbrecht 2010: 48)

2.2.1.2 Abgrenzung zu anderen Begriffen

Nachdem die verschiedenen Begriffsverständnisse aufgezeigt und eine für diese Analyse gültige Definition festgelegt wurde, soll im Folgenden genauer auf die Randbereiche des Social Entrepreneurship eingegangen werden, um eine ganzheitliche Begriffsgrundlage für den weiteren Verlauf dieser Arbeit zu schaffen. Hierzu wird eine Abgrenzung zu anderen Konzepten, wie Social Business und Social Enterprise, Corporate Social Responsibility, Venture Philantrophie und Gemeinnützigen Organisationen vorgenommen.

2.2.1.2.1 Social Business und Social Enterprise

Der aus Bangladesch stammende Muhammad Yunus gilt als Initiator des Social-Business-Gedankens:

Die von ihm gegründete Grameen-Bank vergibt seit 1983 Kleinstdarlehen -sogenannte Mikrokredite- an Menschen, größtenteils Frauen, ohne finanzielle Sicherheit, um ihnen zu ermöglichen, sich und ihren Familien aus eigener Kraft eine Lebensgrundlage zu schaffen (vgl. Sütterlin & Karsch, unter: www.berlin-institut.org/online-handbuchdemografie/entwicklungspolitik/mikrokredite.html). Dieses Konzept habe sich bis heute mit einer Rückzahlungsquote von 98% bewährt und global verbreitet (vgl. Grameen Banking For The Poor, unter: www.grameen.de/).

Die Mikrokreditvergabe an Vermögenslose werde demgemäß von vielen Experten als Erfolgsmodell der Armutsbekämpfung bezeichnet (vgl. Halász, unter www.tagesschau.de/wirtschaft/yunus-interview100.html). Muhammad Yunus wurde für seine Bemühungen um „die wirtschaftliche und soziale Entwicklung von unten" im Jahr 2006 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet (vgl. Reuters, unter: www.spiegel.de/politik/ausland/oslo-friedensnobelpreis-fuer-muhammad-yunus-a-442409.html).

Die alleinige Handlungsintention von Social Businesses ist nach Yunus die Lösung gesellschaftlicher Probleme. Dabei sei eine ökologisch nachhaltige Arbeitsweise und eine angemessene und marktgerechte Bezahlung der Mitarbeiter von essentieller Bedeutung (vgl. Yunus 2008: 24 ff.).

Social Business oder auch Social Enterprise wird als eine spezielle Form des Social Entrepreneurship verstanden. Die beiden Konzepte differieren primär im Umgang mit den erzielten Gewinnen: In einem Social Business wird keine Dividende ausgeschüttet. Überschüsse verbleiben im Unternehmen und werden dazu verwendet, die Expansion zu finanzieren, innovative Produkte oder Dienstleistungen zu entwickeln oder weiteren gesellschaftlichen Nutzen zu generieren (vgl. Yunus 2008: 24 ff.). Hieraus resultiert die Notwendigkeit eines transparenteren Vorgehens.

Der Umgang mit Gewinnen ist beim SE konträr nicht explizit geregelt, wodurch eine höhere Intransparenz in Bezug auf die Handlungsweise ermöglicht wird.

Die Begriffe Social Enterprise und Social Business können hierbei synonym verstanden werden. Während Social Enterprise häufiger im wissenschaftlichen Kontext Anwendung findet, werde Social Business hingegen vor allem in der Praxis verwendet (vgl. Mauksch et al., unter: www.diskutiere.de/diskutiere_wp/wp-content/uploads/ebs_zukunftsstudie_socialbusiness.pdf).

2.2.1.2.2 Corporate Social Responsibility

Die Europäische Union bezeichnet Corporate Social Responsibility (CSR) als ein „Konzept, das den Unternehmen als Grundlage dient, auf freiwilliger Basis soziale Belange und Umweltbelange in ihre Unternehmenstätigkeit und in die Wechselbeziehungen mit den Stakeholdern zu integrieren“ (Kommission der Europäischen Gemeinschaften 2001: 7, unter: www.csr-in-deutschland.de/fileadmin/user_upload/Downloads/ueber_csr/was_ist_csr/Gruenbuch_Europaeische_Rahmenbedingungen_fuer_die_soziale_Verantwortung_von_Unternehmen.pdf).

Es handelt sich bei CSR folglich um die freiwillige Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung von Unternehmen.

Der wesentliche Unterschied zwischen CSR und SE besteht in der jeweiligen Handlungsintention und der Mittelverwendung: „Für Social Entrepreneure definiert das Attribut ‚social‘ das Ziel der eigenen Attraktivität (…). Hier steht die direkte Lösung eines gesellschaftlichen Problems im Vordergrund. Die wirtschaftlich erfolgreiche Akquirierung von Mitteln (…) bezieht sich dann darauf, wie- mit welchen Mitteln- dieses primär gesellschaftliche Ziel erreicht wird. Für CSR lässt sich dieses Verhältnis von Zielen und Mitteln genau spiegelbildlich interpretieren. Für For-Profit Unternehmen, die im Wettbewerb stehen, stellt der eigene wirtschaftliche Erfolg- die Realisierung von Gewinnen- das primäre (Formal-) Ziel dar“ (Schneider & Schmidpeter 2012: 168).

Um dieses Ziel zu erreichen, nutzen Unternehmen CSR als Instrument, um beispielsweise die Arbeitsmotivation zu steigern, ihre Produkte und Dienstleistungen besser zu vermarkten oder das Unternehmensimage zu optimieren. Sie handeln in der Konsequenz egoistisch motiviert, während Social Entrepreneurs eine altruistische Motivation zugrunde liegt.

2.2.1.2.3 Venture Philantrophie

Venture Philantrophie beschreibt einen Ansatz, gemeinnützige Vorhaben durch finanzielle und nicht-finanzielle Mittel zu unterstützen:

“Venture philanthropy works to build stronger social organisations by providing them with both financial and non-financial support in order to increase their social impact. The organisations supported may be charities, social enterprises or socially driven commercial businesses, with the precise organisational form subject to country-specific legal and cultural norms” (European Venture Philanthropy Association, unter: webgate.ec.europa.eu/socialinnovationeurope/de/magazine/finance/articles-reports/venture-philanthropy-defined).

Dabei wird der jeweiligen Organisation oder Unternehmung Risikokapital zur Verfügung gestellt. Die Unterstützung sei aber nicht nur auf finanzielle Mittel begrenzt, sondern beinhalte auch Support in anderen Bereichen, wie beispielsweise im strategischen Management, im Fundraising, in der Buchführung oder bei der Bereitstellung von Kontakten und Netzwerken (vgl. John 2007: 8).

Ziel der Venture Philantropen sei es, dauerhafte Veränderungen im Bereich der Nachhaltigkeit zu fördern, aber auch Gewinne zu generieren (vgl. Hoelscher 2011: 1, zitiert nach Forschungsjournal soziale Bewegungen 2011, unter: www.b-b-e.de/fileadmin/inhalte/aktuelles/2011/08/enl8-11_hoelscher_venture-philanthropy.pdf).

Sie können eine unterstützende Funktion im SE einnehmen, werden jedoch nicht selbst unternehmerisch tätig, sondern stellen als Investoren Ressourcen, wie Kapital oder Know-how, zur Erfüllung sozialer Zwecke zur Verfügung.

2.2.1.2.4 Gemeinnützige Organisationen

Nach § 52 Absatz 1 Abgabenordnung des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz verfolgt „eine Körperschaft (…) gemeinnützige Zwecke, wenn ihre Tätigkeit darauf gerichtet ist, die Allgemeinheit auf materiellem, geistigem oder sittlichem Gebiet selbstlos zu fördern“ (Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, unter: www.gesetze-im-internet.de/ao_1977/__52.html).

Gemeinnützige Organisationen verfolgen somit ein ähnliches Ziel wie SE, sie sind zur Zielerreichung aber- und das ist der zentrale Unterschied- größtenteils auf Spenden angewiesen. Anders als Caritas im Sinne des mitleidigen Teilens, werden die Adressaten von SE in unterschiedlicher Ausprägung in die Hilfeleistung mit einbezogen (vgl. Habisch 2011: 56 ff.).

Gemeinnützige Organisationen können aber nichtsdestotrotz als eine spezielle Form des SE verstanden werden, wie auch die Abbildung auf der folgenden Seite zeigt.

2.2.1.2.5 Gesamtüberblick der Randbereiche des Social Entrepreneurship

Nachdem in den vorherigen Kapiteln eine Begriffsabgrenzung des Social Entrepreneurship vorgenommen wurde, soll die folgende Graphik SE und die genannten Randbereiche nach ihrer Zielsetzung und Organisationsform abschließend veranschaulichen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Gesamtüberblick der Randbereiche des Social Entrepreneurship

(vgl. Übersicht von Ashoka Germany 2009, Berg 2010: 33)

In dieser Graphik wird des Weiteren verdeutlicht, dass sowohl klassische gemeinnützige Organisationen, als auch Social Businesses als eine spezielle Form des SE bezeichnet werden können.

2.2.2 Entstehung und Entwicklung des SE

Im Folgenden wird kurz auf die Entstehung und Entwicklung von Social Entrepreneurship eingegangen, um im Anschluss die Betätigungsfelder von SE vorstellen zu können.

Auch wenn die Begrifflichkeit des Social Entrepreneurship heutzutage zunehmend an Popularität gewinnt, ist das Phänomen nicht neu. Vielmehr habe es schon immer Social Entrepreneurs in der Gesellschaft gegeben (vgl. Faltin 2008: 26, unter: www.entrepreneurship.de/wp-content/uploads/2011/01/Social_Entrepreneurship_Rostock.pdf).

„Bereits im 19.Jahrhundert engagierten sich sozial-gesellschaftlich motivierte Pioniere, wie zum Beispiel Florence Nightingale, die eklatante Mängel bei der Gesundheitsfürsorge für arme Bevölkerungsschichten erkannte und die bis dahin vernachlässigte Krankenpflege durch die Initiierung eines Ausbildungsmodells (bekannt als Nightingale System) revolutionierte“ (Grimm 2011: 442).

Auch der Gründer des Roten Kreuzes, Henri Dunant, der im Jahr 1901 den ersten Friedensnobelpreis für sein herausragendes soziales Engagement erhielt, könne als Social Entrepreneur bezeichnet werden (vgl. ebd.).

Der Beginn der öffentlichen Diskussion der Thematik unter dem heute verwendeten Begriff wird nach Gebauer und Schirmer zumeist in die 1980er Jahre und den angelsächsischen Raum verlegt (vgl. Gebauer & Schirmer, 2013: 19, unter:www.ioew.de/uploads/tx_ukioewdb/IOEW_SR_204_Unternehmerisch_und_verantwortlich_wirken.pdf).

„Geprägt wurde der Begriff Social Entrepreneur(-ship) durch Bill Drayton, dem Gründer der Organisation Ashoka. Drayton stellte fest, dass der wesentliche Erfolgsfaktor für nachhaltigen positiven gesellschaftlichen Wandel die Person hinter einem Projekt ist“ (Achleitner 2007: 4). Seine Organisation Ashoka identifiziert und fördert Social Entrepreneurs mit Stipendien, so dass sie sich mit ihrer gesamten Energie ihrer Idee widmen können (vgl. ebd.).

[...]

Ende der Leseprobe aus 91 Seiten

Details

Titel
Social Entrepreneurship. Nachhaltiger sozialer Wandel durch Gemeinwohlorientierung?
Untertitel
Eine Potenzialanalyse eines innovativen, unternehmerischen Ansatzes
Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg
Note
2,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
91
Katalognummer
V447351
ISBN (eBook)
9783668848047
ISBN (Buch)
9783668848054
Sprache
Deutsch
Schlagworte
social, entrepreneurship, nachhaltiger, wandel, gemeinwohlorientierung, eine, potenzialanalyse, ansatzes
Arbeit zitieren
Karin Meyer (Autor), 2015, Social Entrepreneurship. Nachhaltiger sozialer Wandel durch Gemeinwohlorientierung?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/447351

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