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Die Theorie des falschen Selbst bei R. D. Laing

Title: Die Theorie des falschen Selbst bei R. D. Laing

Literature Review , 2005 , 7 Pages , Grade: sehr gut

Autor:in: Tobias Fiege (Author)

Ethnology / Cultural Anthropology
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Ich werde zunächst etwas zum Kontext sagen, aus dem heraus der Autor (R. D. Laing schreibt, denkt, forscht(e), werde kurz auf die erkenntnistheoretischen u. philosophischen Voraussetzungen eingehen und dann auf das falsche Selbst-System zu sprechen kommen:
A) Ronald David Laing lebte von 1927-1989. Er studierte Medizin u. Psychoanalyse, beschäftigte sich eingehend mit der Philosophie, Theologie, arbeitete die meiste Zeit als Psychiater; gründete in London einige Wohngemeinschaften, in denen er und andere Ärzte/Therapeuten mit Schizophrenen zusammenwohnten, sodass in seine Analysen ein reicher Erfahrungsschatz mit Patienten eingehen konnte.

B) Methodisch wandte Laing sich gegen den medizinischen Materialismus der Schulpsychiatrie, der alle seelischen Phänomene als Begleiterscheinungen von Körpervorgängen erklären wollte und demnach den Patienten mehr o. weniger verdinglicht, entsubjektiviert, ohne an einer wirklichen Beziehung zu ihm interessiert zu sein. Die teilweise wirren Mitteilungen der als schizophren diagnostizierten galten oft als sinnlos u. schwachsinnig.
Und gegen eine solche aus medizinischer Distanz heraus resultierende Auffassung vom Menschen bzw. Geisteskrankheiten wehrte sich Laing. Er wollte ein neues Verständnis in die Psychiatrie einführen und den naturwissenschaftlichen Ansatz überwinden, indem er auf einen geisteswissenschaftlichen Ansatz, nämlich die W. Dilteysche Hermeneutik, zurückgriff, die ja die Spaltung von Subjekt u. Objekt im Prozess des Verstehens aufheben wollte und zwar durch das Sich-Einfühlen in die Lebensbezüge des anderen. Also Empathie und nicht ausschließlich ein intellektueller Akt zum wesentlichen Erkenntnisprinzip wird. Und das Verstehen im Gegensatz zum Erklären zum Erkenntnisziel.
Möglich werden eine verstehende Lehre von Geisteskrankheiten und eine Entgrenzung zwischen Therapeut und Patient für Laing deshalb, weil es für ihn keine klare Demarkationslinie zwischen Normalität und Krankheit gibt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Methodischer Ansatz

3. Ontologische Unsicherheit

4. Existentielle Ängste und Abwehrmechanismen

4.1 Das wahre Selbst

4.2 Das falsche Selbst

5. Identitätsverlust und Realitätsverlust

Zielsetzung und Themen

Diese Arbeit analysiert das Konzept des „geteilten Selbst“ von R. D. Laing, um ein tieferes Verständnis für schizoide und schizophrene Erlebensweisen zu entwickeln, die über rein materialistische psychiatrische Ansätze hinausgehen.

  • Kritik am medizinischen Materialismus der Schulpsychiatrie.
  • Einsatz der Dilteyschen Hermeneutik zum Verständnis psychischer Krankheiten.
  • Analyse der „ontologischen Unsicherheit“ als anthropologische Grundbestimmung.
  • Die Dynamik zwischen dem „wahren“ und „falschen“ Selbst als Schutzmechanismus.
  • Implizite Kritik an Freuds Schizophrenietheorie und Narzissmuskonzept.

Auszug aus dem Buch

Ontologische Unsicherheit

C) Zentraler Begriff, ohne den man nach Laing den Menschen bzw. den Geisteskranken nicht begreift, ist die sog. ontologische Unsicherheit als Voraussetzung für das, was man Schizophrenie nennt.

Vor allem die Existenzphilosophie, von der Laing stark beeinflusst ist, sah Daseinsangst, Verzweiflung, Sorge, Gespaltenheit als anthropologische Grundbestimmung an und ontologische Unsicherheit meint etwas sehr ähnliches: Ontologisch unsicher ist das menschliche Dasein philosophisch gesehen seinem ganzen Wesen nach, aufgrund der radikalen Kontingenz (der Nicht-Notwendigkeit), der Geworfenheit ins Sein, der Todverfallenheit; ganz gleich inwieweit der Einzelne sich dessen reflex bewusst ist und das als solches erkennt.

Ein wirkliches Problem entsteht aus dieser Gegebenheit (die ja als solches schon ein Problem darstellt, dessen Bewusstwerdung im Existentialismus oft als regelrechter Schock beschrieben wird, aber davon mal abgesehen), wenn sich die Unsicherheit aus dem metaphysischen Rahmen des Seins-an-sich herauslöst und sich in der Lebenspraxis, in einzelnen Haltungen und Verhaltensweisen d. Alltäglichen totalisiert. Und das Gefühl der Nicht-Notwendigkeit von den Grundlagen der Existenz auswandert und alle Bereiche des Lebens zerfasert.

Ein solcher Mensch erlebt sich nicht wie es die meisten von sich behaupten würden real, lebendig, verschieden vom Rest der Welt, innerlich relativ konsistent, stabil gegenüber sich selbst und seiner Umwelt, sondern als eher irreal, inköhärent, ohne klare Ich-Grenzen, räumlich/zeitlich fragil, möglicherweise als tot o. körperlos.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Vorstellung des Kontextes und der philosophischen Grundlagen des Autors R. D. Laing.

2. Methodischer Ansatz: Erläuterung der Abkehr vom medizinischen Materialismus hin zu einem hermeneutischen, empathischen Verstehen psychotischer Zustände.

3. Ontologische Unsicherheit: Definition und philosophische Herleitung des Kernbegriffs, der dem schizophrenen Erleben zugrunde liegt.

4. Existentielle Ängste und Abwehrmechanismen: Untersuchung der Angstformen und der Spaltung der Persönlichkeit in wahres und falsches Selbst.

5. Identitätsverlust und Realitätsverlust: Analyse der Konsequenzen des falschen Selbst und der Kritik an klassischen psychoanalytischen Deutungen.

Schlüsselwörter

R. D. Laing, Schizophrenie, ontologische Unsicherheit, falsches Selbst, wahres Selbst, Existenzphilosophie, Hermeneutik, Identität, Abwehrmechanismus, Psychiatriekritik, Subjektivität, Entfremdung, Daseinsangst, Bewusstsein, Psychoanalyse.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Analyse von R. D. Laings Werk „Das geteilte Selbst“ und untersucht, wie schizophrene Erlebensweisen durch existenzielle Ängste und Entfremdungsprozesse entstehen.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die zentralen Themen sind das Verhältnis von Normalität und Krankheit, die philosophischen Wurzeln der Psychiatrie sowie die Spaltung der Identität durch gesellschaftliche und individuelle Schutzmechanismen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, ein Verständnis für das „wahre“ und „falsche“ Selbst zu schaffen und aufzuzeigen, wie Betroffene durch Persönlichkeitsspaltung versuchen, ihr eigenes Sein vor einer als feindselig empfundenen Welt zu schützen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt einen geisteswissenschaftlichen Ansatz, speziell die Dilteysche Hermeneutik, um durch Empathie und ein tieferes Verständnis statt bloßem „Erklären“ den Zugang zum psychotischen Patienten zu finden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil wird das Konzept der ontologischen Unsicherheit erläutert, die verschiedenen Angstformen (Verschlungenwerden, Implosion, Petrifikation) analysiert und die Dynamik zwischen der Maske (falsches Selbst) und dem inneren Kern (wahres Selbst) dargelegt.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselwörter sind unter anderem Ontologische Unsicherheit, Schizophrenie, Existenzphilosophie, Wahres und falsches Selbst sowie Hermeneutik.

Wie unterscheidet sich das „falsche Selbst“ beim Normalen vom Schizoiden?

Beim Normalen ist die Maske funktional und flexibel in das Ich integriert, während sie beim Schizoiden zunehmend autonom wird, sich verselbstständigt und als bedrohlicher „Doppelgänger“ erlebt wird.

Warum übt Laing Kritik an Freuds Schizophrenietheorie?

Laing kritisiert, dass Freuds Fokus auf Narzissmus die existenzielle Not, die Ohnmacht und das Gefühl der Leere des Psychotikers nicht ausreichend berücksichtigt, da der Patient nicht nur in einer Phantasiewelt lebt, sondern existenziell bedroht ist.

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Details

Title
Die Theorie des falschen Selbst bei R. D. Laing
College
Free University of Berlin  (Ethnologie)
Course
Das Selbst und seine Störungen in der transkulturellen Psychiatrie
Grade
sehr gut
Author
Tobias Fiege (Author)
Publication Year
2005
Pages
7
Catalog Number
V44814
ISBN (eBook)
9783638423380
Language
German
Tags
Theorie Selbst Laing Selbst Störungen Psychiatrie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Tobias Fiege (Author), 2005, Die Theorie des falschen Selbst bei R. D. Laing, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/44814
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