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Aspekte zur Genese der Minne bei Gottfried von Straßburgs "Tristan"

Titel: Aspekte zur Genese der Minne bei Gottfried von Straßburgs "Tristan"

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2018 , 29 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Christian Schmitt (Autor:in)

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die Auffassung, der Mensch sei jederzeit „übernatürlichen“ Kräften ausgesetzt, ist bezeichnend für das Mittelalter. Auch die Minneentstehung wird dabei in Texten der mittelalterlichen Literatur häufig durch übernatürliche Mächte und Faktoren erzeugt, die den Menschen zur Liebe drängen beziehungsweise zwingen. Nicht der Mensch selbst wirkt, sondern eine transzendente Macht . Diese Ursachen sind dabei entweder religiös, mythologisch, astrologisch oder magisch.

In Gottfried von Straßburgs ‚Tristan‘ wird die lebenslange Verbundenheit zwischen Tristan und Isolde durch ein magisches Mittel, den Minnetrank, herbeigeführt. Doch Beginnt mit diesem tatsächlich die Liebe und erschafft somit ein Liebesverhältnis aus dem Nichts, oder kann ein wachsendes Interesse beider schon zuvor an verschiedenen Stellen des Textes nachgewiesen werden?

Im Wesentlichen gibt es zwei Meinungen auf diesem Gebiet. I. es gibt eine Liebe vor dem Liebestrank und II. es gibt keine Liebe vor dem Liebestrank. Vertreter der I. Position ist unter anderem Herbert Herzmann, der einen psychologisierenden Ansatz in der Deutung verschiedener Szenen verfolgt und die Meinung vertritt, dass an vielen Stellen des Textes ein Liebesverhältnis zumindest bewusst oder unbewusst angedeutet wird. Allerdings muss hierbei beachtet werden, dass eine solche Forschung auf Spekulationen zum Innenleben der Charaktere basiert und im Zusammenhang mit mittelalterlicher Literatur nur mit Vorsicht zu treffen sind, da die handelnden Charaktere keineswegs Individuen darstellen, sondern Rollenvorbilder für einen bestimmten Typus. So in etwa handelt der höfische Mann, so die höfische Dame. Herzmann selbst geht jedoch auf dieses Problem ein und vertritt die Auffassung, dass ein persönliches und individuelles Eigenleben auch im Minnesang nicht ausgeschlossen werden kann , weshalb seine Betrachtung des Tristanstoffes einen interessanten Gegenpart zur II: Position darstellen, welche hauptsächlich von Hans Furstner vertreten wird. Dieser betont ausdrücklich, Gottfried habe alles unterlassen, um ein bereits vorher bestehendes Liebesverhältnis auch nur anzudeuten, was am Text klar nachweisbar sei.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Problem der Minneentstehung in Gottfried von Straßburgs Tristan

2.1 Die magische Wirkung des Minnetranks

2.2 Die Frage nach der Bedeutung des Minnetranks

3. Positionen zum Beginn der Liebe anhand verschiedener Szenen

3.1 Die erste Irlandfahrt

3.1.1 Der Spielmann Tantris und die erste Begegnung

3.1.2 Der Lehrer Tantris/Tristan

3.2 Zurück an Markes Hof

3.2.1 Tristans Lobrede auf Isolde

3.2.2 Der niuborne man

3.2.3 Die Bereitschaft zur Brautwerbung

3.3 Die zweite Irlandfahrt

3.3.1 Der Drachenkampf und die Wiedererkennung

3.3.2 Die Badszene

3.3.3 Die Gerichtsszene

3.3.4 Die Schifffahrt nach Cornwall

4. Fazit

5. Bibliographie

5.1 Primärliteratur

5.2 Sekundärliteratur

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die kontroverse Frage der Minneentstehung in Gottfried von Straßburgs „Tristan“. Im Zentrum steht die Analyse, ob der Minnetrank als auslösendes Moment einer Liebe aus dem Nichts zu verstehen ist oder ob sich im Text bereits vor dessen Einnahme Anzeichen eines wachsenden Interesses zwischen den Protagonisten nachweisen lassen.

  • Untersuchung von Gottfrieds Minnekonzeption im Kontext des Mythos.
  • Analyse der magischen Wirkung und Symbolik des Minnetranks.
  • Beurteilung verschiedener wissenschaftlicher Positionen zur Liebesentstehung.
  • Interpretation zentraler Schlüsselszenen wie Irlandfahrten und Badszene.
  • Gegenüberstellung von psychologisierenden Ansätzen und textnahen Lesarten.

Auszug aus dem Buch

3.3.2 Die Badszene

Tristan wird von Isolde und ihrer Mutter gepflegt, wodurch seine Erscheinung wieder lieht an dem lîbe und schône (V. 9991) wurde. Isolde mustert aufmerksam Tristans lîbe und gelâze (V. 9994), hende und d’ougen (V. 9995) sowie sîn arme und sîniu bein (V. 9997), bevor sie ihn als Mörder ihres Onkels enttarnt. Diese Neugier gilt, laut Herzmann, dem Mann Tristan und sei auf seine männliche Tat, den Drachenkampf, zurückzuführen. Diese stehe jedoch im Widerspruch zu seinem Stand als Kaufmann und zuvor Spielmann und begründet sich in Isoldes Auffassung über die Ungerechtigkeit, daz dirre hêrliche man (V. 10014) als Kaufmann umher ziehen muss.

In dieser Szene häufen sich deutliche Signale Gottfrieds. Es muss besonders auf den Einbezug der Augen geachtet werden, welche wie bereits genannt, nach mittelalterliche Auffassung sowohl das Einfallstor der Sünde, als auch der Minne darstellen. Sie schaut Tristan dicke tougen (V. 9995) an. Ihre Blicke mustern seinen kompletten Körper und alles, was ein Mädchen an einem Mann interessiert, gefällt ihr außerordentlich gut. Herzmann interpretiert diese Stelle dahingehend, dass etwas in Isolde vorzugehen scheint und eine deutliche Steigerung ihres Interesses hervorruft, was ihre spätere Leidenschaft nach der Einnahme des Minnetranks begründet. Würde man an dieser Stelle wieder auf die Konzeption des klassischen höfischen Romans eingehen, wäre dies die erste Annäherung und auf das Wahrnehmen folge das Denken an den Anderen. Diese Verse deuten also an, dass eine Minneentstehung kurz bevor stehen könnte, falls kein Hindernis dazwischen kommt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung umreißt die literaturwissenschaftliche Debatte um die Minneentstehung im „Tristan“ und stellt die Forschungsfrage nach der Rolle des Minnetranks versus einer möglichen psychologischen Liebesentwicklung.

2. Das Problem der Minneentstehung in Gottfried von Straßburgs Tristan: Dieses Kapitel erläutert Gottfrieds Minnekonzeption und untersucht die magische Wirkung sowie die Bedeutung des Liebestranks als mythisches Element.

3. Positionen zum Beginn der Liebe anhand verschiedener Szenen: Hier werden zentrale Szenen wie die Irlandfahrten, Tristans Lobrede auf Isolde und die Badszene im Hinblick auf Anzeichen einer frühen Zuneigung unter Berücksichtigung verschiedener Forschungspositionen analysiert.

4. Fazit: Das Fazit führt die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass sich die unterschiedlichen Deutungsansätze nicht ausschließen, wobei Gottfried ein spannendes Spiel mit dem Leser zwischen Präsenz und Bedeutung inszeniert.

5. Bibliographie: Dieses Verzeichnis enthält die für die Arbeit herangezogene Primär- und Sekundärliteratur.

Schlüsselwörter

Gottfried von Straßburg, Tristan, Isolde, Minne, Minnetrank, Literaturwissenschaft, Mittelalter, Liebesentstehung, Mythos, Forschungsdebatte, Höfische Literatur, Motivik, Symbolik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Entstehung der Liebe zwischen Tristan und Isolde und untersucht kritisch, ob diese ausschließlich durch den magischen Minnetrank induziert wird oder ob der Text subtile Andeutungen eines bereits vorher bestehenden Interesses zulässt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Themenfelder umfassen die mittelalterliche Minnekonzeption, die symbolische und mythische Bedeutung des Minnetranks sowie die literaturwissenschaftliche Kontroverse zwischen psychologisierenden Interpretationen und textnahen Analysen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, zu klären, ob es in Gottfrieds „Tristan“ bereits eine angedeutete Liebe vor dem Minnetrank gibt und wie wichtig dieses Motiv für Gottfrieds Verständnis von Minne und Mythos ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autor setzt eine textnahe Analyse ein, die durch den Vergleich und die kritische Würdigung verschiedener etablierter Forschungspositionen der Tristan-Philologie fundiert wird.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert schrittweise zentrale Schlüsselszenen des Werkes, wie die erste und zweite Irlandfahrt, die Lobrede auf Isolde, die Badszene und die Schifffahrt, um dort nach textlichen Belegen für eine Minneentstehung zu suchen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Minneentstehung, Tristan, Isolde, Minnetrank, mythisches Element, mittelalterliche Epik und die Präsenz- und Bedeutungskultur nach Hans Ulrich Gumbrecht.

Warum spielt die Badszene eine so wichtige Rolle für die Interpretation?

Die Badszene ist entscheidend, da hier die visuelle Wahrnehmung (das Betrachten Tristans) als potenzielles Einfallstor der Liebe fungiert, was in der Forschung kontrovers als erotische Aufladung oder als rein ritterliche Beobachtung diskutiert wird.

Wie steht die Arbeit zur These von Hans Furstner?

Die Arbeit setzt sich intensiv mit Furstner auseinander, der die Auffassung vertritt, dass Gottfried absichtlich jeden Hinweis auf eine Liebe vor dem Trank vermieden habe, und prüft, ob diese Position durch das Textmaterial nach wie vor haltbar ist.

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Details

Titel
Aspekte zur Genese der Minne bei Gottfried von Straßburgs "Tristan"
Hochschule
Universität Stuttgart
Note
1,3
Autor
Christian Schmitt (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2018
Seiten
29
Katalognummer
V448195
ISBN (eBook)
9783668828667
ISBN (Buch)
9783668828674
Sprache
Deutsch
Schlagworte
aspekte genese minne gottfried straßburgs tristan
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Christian Schmitt (Autor:in), 2018, Aspekte zur Genese der Minne bei Gottfried von Straßburgs "Tristan", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/448195
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Leseprobe aus  29  Seiten
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