Eines der bedeutendsten Dokumente des Widerstandes von Seiten der BK ist die Denkschrift der zweiten Vorläufigen Leitung der Deutschen Evangelischen Kirche an den Reichskanzler Adolf Hitler. Mit dieser Stellungnahme vom 28. Mai 1936 wagte es die BK erstmals, über ihre eigenen Belange hinaus auch die gesellschaftlichen Entwicklungen im NS-Staat zu kritisieren. Vertraulich an Hitler gerichtet, geriet dir Denkschrift gegen den Willen der Verantwortlichen in die Hände verschiedener internationaler Pressestellen und fand so ihren Weg in die Öffentlichkeit.
Diese Arbeit zeigt die Vorgeschichte, den Entstehungsprozess, den Inhalt, die Übergabe und den Weg in die Öffentlichkeit der Denkschrift auch im Vergleich mit einer Stellungnahme der Katholischen Kirche auf. Vor allem aber soll geklärt werden, was die Denkschrift der zweiten VKL zu einem herausragenden Dokument des Widerstands gegen den Nationalsozialismus macht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Vorgeschichte und Hintergrund der Denkschrift
2.1 Der Protestantismus in Deutschland nach der „Machtergreifung“
2.2 Die Entstehung der Bekennenden Kirche
3. Die Denkschrift der Bekennenden Kirche an Hitler
3.1 Der Entstehungsprozess
3.1.1 Die Verfasser der Denkschrift
3.1.2 Entwürfe und Diskussionen
3.2 Der Inhalt der fertigen Denkschrift
3.2.1 Kritik innerhalb des kirchlichen Bereichs
3.2.2 Kritik an der gesellschaftlichen Entwicklung
3.2.3 Die Anlagen der Denkschrift
3.3 Die Übergabe der Schrift
4. Die Weg in die Öffentlichkeit und die darauffolgenden Reaktionen
4.1 Berichterstattung in internationalen Zeitungen
4.2 Hintergründe der „Veröffentlichung“
4.3 Die Kanzelabkündigung der Vorläufigen Kirchenleitung
4.4 Reaktionen der NSDAP
5. Die Bedeutung der Denkschrift
5.1 Besonderheiten im Vergleich mit anderen Schriften
5.2 Die Denkschrift als Dokument des Widerstandes
6. Vergleich mit der Denkschrift des deutschen Episkopats an Hitler
7. Fazit
Zielsetzung und Themen
Diese Seminararbeit untersucht die Denkschrift der Bekennenden Kirche an Adolf Hitler aus dem Jahr 1936 und analysiert, warum dieses Dokument als herausragender Beleg für den protestantischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus gilt.
- Historische Hintergründe der Bekennenden Kirche und ihre Entstehung.
- Detaillierte Untersuchung des Entstehungsprozesses und Inhalts der Denkschrift.
- Analyse der unfreiwilligen Veröffentlichung und der Reaktionen des NS-Regimes.
- Vergleich der Denkschrift mit Stellungnahmen der katholischen Kirche.
- Bewertung der Denkschrift als Dokument politischer Opposition.
Auszug aus dem Buch
3.2.2 Kritik an der gesellschaftlichen Entwicklung
Was in der Einleitung mit der Äußerung, dass allen irdischen Mächten Grenzen gesetzt sind, schon angeklungen ist, wird in den ausstehenden drei Punkten präzisiert. Die Kritik bezieht sich nun weniger auf das staatliche Handeln in Bezug auf die Kirche sondern vielmehr auf die gesellschaftlichen Missstände unter dem Nationalsozialismus und dem damit verbundenen Gewissenskonflikt für evangelische Christen.
„Wenn hier Blut, Volkstum, Rasse und Ehre den Rang von Ewigkeitswerten erhalten, wird der evangelische Christ durch das erste Gebot gezwungen, diese Bewertung abzulehnen. Wenn der arische Mensch verherrlicht wird, so bezeugt Gottes Wort die Sündhaftigkeit aller Menschen, wenn dem Christen im Rahmen der nationalsozialistischen Weltanschauung ein Antisemitismus aufgedrängt wird, der zum Judenhaß verpflichtet, so steht für ihn dagegen das christliche Gebot der Nächstenliebe.“
Mit diesen Worten distanziert sich die BK klar von nationalsozialistischen Idealen und kritisiert die Verherrlichung des „arischen Menschen“ auf der einen und die Erniedrigung eines Menschen jüdischer Abstammung auf der anderen Seite.
Ergänzend wird auf die negativen Folgen für das deutsche Volk, die aufgrund dieser Ideologie eintreten, aufmerksam gemacht. Darin inkludiert ist die vermehrte Verwendung von Eiden, die bereits von Kindern und Jugendlichen in der Hitler Jugend gefordert wird, und ein Verlust der von Gott gewollten Wahrhaftigkeit in der Gesellschaft. Die VKL prangert grundsätzlich die Existenz von Konzentrationslagern, die Willkür der Geheimen Staatspolizei, sowie die Tatsache, dass sich Deutschland trotz alledem als Rechtsstaat bezeichnet, an.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Verhältnis von Staat und Kirche zur Zeit des Nationalsozialismus und führt in die Bedeutung der Denkschrift als wichtiges Zeugnis des Widerstands ein.
2. Vorgeschichte und Hintergrund der Denkschrift: Dieses Kapitel beleuchtet die enttäuschten Hoffnungen des Protestantismus nach 1933 und die Formierung der Bekennenden Kirche als Gegenbewegung zu den „Deutschen Christen“.
3. Die Denkschrift der Bekennenden Kirche an Hitler: Hier wird der detaillierte Entstehungsprozess, der inhaltliche Aufbau des Memorandums sowie die vertrauliche Übergabe an die Reichskanzlei beschrieben.
4. Die Weg in die Öffentlichkeit und die darauffolgenden Reaktionen: Dieses Kapitel analysiert die Umstände der Indiskretion, die zur internationalen Veröffentlichung führte, sowie die brutalen Gegenmaßnahmen der Gestapo und NSDAP.
5. Die Bedeutung der Denkschrift: Der Autor ordnet die Denkschrift in den Kontext anderer kirchlicher Schriften ein und arbeitet ihre spezifische Rolle als politisches Widerstandsdokument heraus.
6. Vergleich mit der Denkschrift des deutschen Episkopats an Hitler: Es wird untersucht, inwieweit sich der evangelische Protest von den gleichzeitigen Stellungnahmen der katholischen Kirche unterschied.
7. Fazit: Die Arbeit schließt mit dem Resümee, dass die Denkschrift ein unverzichtbares Dokument des christlich verankerten Widerstands gegen die NS-Diktatur darstellt.
Schlüsselwörter
Bekennende Kirche, Nationalsozialismus, Denkschrift, Adolf Hitler, Widerstand, Kirchenkampf, Deutsche Christen, Vorläufige Kirchenleitung, Martin Niemöller, Gestapo, NS-Staat, Entchristlichung, Friedrich Weißler, Barmer Theologische Erklärung, Reichskirche.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die im Jahr 1936 verfasste Denkschrift der Bekennenden Kirche an Adolf Hitler, eine bedeutende Stellungnahme evangelischer Theologen gegen die NS-Politik.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die Kirchenpolitik des NS-Regimes, der innerkirchliche Kampf gegen die „Deutschen Christen“ und die Radikalisierung des Widerstands innerhalb der Bekennenden Kirche.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu klären, warum die Denkschrift von 1936 als ein herausragendes Dokument des christlich motivierten Widerstands gegen den Nationalsozialismus bezeichnet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Verfasser?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Analyse historischer Dokumente, Archivquellen und einschlägiger Fachliteratur, um den Entstehungsprozess und die historische Einordnung der Denkschrift nachzuvollziehen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorgeschichte, den Entstehungsprozess, den Inhalt der Denkschrift, die Hintergründe ihrer unerwarteten Veröffentlichung sowie deren Konsequenzen für die Beteiligten.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Begriffe wie „Bekennende Kirche“, „Widerstand“, „Denkschrift“, „Gleichschaltung“ und „NS-Staat“ prägen die inhaltliche Ausrichtung des Textes.
Wie reagierte das NS-Regime auf die Denkschrift?
Da die Bekennende Kirche eine vertrauliche Übergabe geplant hatte, traf die internationale Veröffentlichung das Regime unvorbereitet; die Antwort waren Repressionen, Verhaftungen und die Einlieferung der Verantwortlichen in Konzentrationslager.
Welche Rolle spielte das Schicksal von Friedrich Weißler?
Friedrich Weißler, einer der Hauptverfasser, wurde als Folge der Indiskretion von der Gestapo verhaftet und starb 1937 im KZ Sachsenhausen an den Folgen von Misshandlungen.
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- Daniel Wanner (Author), 2017, Der Widerstand der Bekennenden Kirche gegen den Nationalsozialismus. Die Denkschrift an Hitler von 1936, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/448516