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Bildungskritik bei Nietzsche und Adorno

Grundlagen und aktuelle Bezüge

Titel: Bildungskritik bei Nietzsche und Adorno

Examensarbeit , 2012 , 64 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Matthias Rottländer (Autor:in)

Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik
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Ausgehend von unterschiedlichen Missständen des aktuellen Bildungssystems knüpft der erste Teil dieser Arbeit an der fast schon vergessenen Bildungskritik des jungen Friedrich Wilhelm Nietzsche aus der Mitte des 19. Jahrhunderts an. Vor allem die Schriften „Über die Zukunft unserer Bildungsanstalten“ und die „Unzeitgemäßen Betrachtungen“ liefern hier aussagekräftige Erkenntnisse. Nietzsche beschreibt mit beeindruckendem rhetorischem Gestus die Missstände des Bildungssystems seiner Zeit. Bildung werde als reines Instrument verstanden. Ihr Ziel sei es, „courante Menschen“ hervorzubringen, d. h. einen wie eine Münze sich stetig im Umlauf befindenden, jederzeit austauschbaren Massenmenschen. Nationalökonomie und Staat haben auch hier ein großes Interesse an der Ökonomisierung der Bildung und an der Produktion von „Humankapital“. Dem Menschen wird so viel Bildung zugebilligt – und so viel wird auch von ihm gefordert – wie für die ökonomischen Staatszwecke nötig. Während Nietzsche die moderne Staatlichkeit verurteilt, sieht er in der antiken Kultur den Weg zur wahren Bildung: „Nicht Grenzwächter, Regulator, Aufseher war für seine Kultur der Staat, sondern der derbe muskulöse zum Kampf gerüstete Kamerad und Weggenosse, der dem bewunderten, edleren und gleichsam überirdischen Freund das Geleit durch rauhe Wirklichkeiten giebt und dafür dessen Dankbarkeit erntet.“

Im zweiten Teil der Arbeit wird das Bildungsverständnis Adornos und der Kritischen Theorie in den Blick genommen und dem Nietzsches gegenüber gestellt. Immanuel Kant definierte in seiner Schrift „Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?“ den Prozess der Aufklärung als Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Nach Adorno ist dieser Prozess selbst verantwortlich für die halbgebildete Gesellschaft. Das Bürgertum, dessen Emanzipation vom Adel sich spätestens seit der französischen Revolution vollzog, hat im Laufe der folgenden Zeit eine eigene abgeschottete gesellschaftliche Schicht gebildet. War die Aufklärung u.a. mit dem Postulat einer Bildung für alle angetreten, so muss Adorno ihren Fehlschlag konstatieren.

Eine der wichtigsten Voraussetzungen zur individuellen Bildung, Muße, wurde vor allem dem Proletariat nicht zugestanden bzw. nur für den eigenen Stand eingefordert.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Bildung oder was ist der Mensch?

2. Was ist Kritik?

2.1. Kritik und Aufklärung

2.2. Gouvernementalität und Neoliberalismus

3. Bildungskritik Teil 1: Friedrich Nietzsche

3.1. Die Basler Vorträge „Über die Zukunft unserer Bildungsanstalten“

3.2. Nietzsches Idee der Selbstbildung: „Werde, der du bist“

3.2.1. 1. Etappe: Selbstbildung am Beispiel Sprache

3.2.2. 2. Etappe: der Prozess der „großen Loslösung“

3.2.3. 3. Etappe: die Selbsttransformation

4. Bildungskritik Teil 2: Theodor W. Adorno

4.1. Halbbildung und Kulturindustrie als Antiaufklärung

4.2. Der Doppelcharakter der Kultur

4.3. Das Dilemma der Kritik und die Funktion der Kunst

5. Resümee: Bildung und Widerstand

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die aktuelle Relevanz der Bildungskritik von Friedrich Nietzsche und Theodor W. Adorno vor dem Hintergrund heutiger neoliberaler Bildungspolitik, um den Verlust humanistischer Bildungsideale aufzuzeigen und einen kritischen Gegenentwurf zu formulieren.

  • Kritische Analyse des Bildungsbegriffs bei Nietzsche und Adorno
  • Untersuchung der Auswirkungen neoliberaler Gouvernementalität auf Bildungsinstitutionen
  • Dekonstruktion von Halbbildung und Kulturindustrie
  • Bedeutung von Selbstbildung, Muße und Widerstand
  • Die Funktion der Kunst als Hort der Hoffnung und des Widerstands

Auszug aus dem Buch

3.1. Die Basler Vorträge „Über die Zukunft unserer Bildungsanstalten“

Anfang des Jahres 1869 wurde Friedrich Wilhelm Nietzsche – mit gerade 24 Jahren – zum außerordentlichen Professor für klassische Philologie an die Universität Basel berufen. Neben seiner Arbeit als Professor erteilte er auch Unterricht am Gymnasium der Stadt („Pädagogium“). Die Basler Vorträge sind als Vortragszyklus konzipiert und wurden im Frühjahr des Jahres 1872 vor der Akademischen Gesellschaft in Basel gehalten. Sie stehen damit zwischen Wilhelm von Humboldts Gymnasialprogramm aus dem Jahre 1810 und den reformpädagogischen Neuansätzen um 1900.

Jeden einzelnen Aspekt der Basler Vorträge zu behandeln würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen. Darum sollen vielmehr ausgewählte Motive als Aufhänger dienen, um die Anthropologie und Bildungstheorie Nietzsches näher zu beleuchten.

Nietzsche hielt seine Vorträge vor dem gelehrten Bürgertum der Stadt Basel, das sich seinen Bildungseinrichtungen in besonderer Art verpflichtet fühlte. Er versteht seine Vorträge als schonungslose Zeitdiagnostik. Bereits in der Einleitung der Vorträge fordert Nietzsche die Zuhörer auf, zwischen den Zeilen zu hören. Nur durch Erinnerungsleistung und eigenes Mit- und Weiterdenken ist eine adäquate Rezeption des Vortrags möglich:

„Gerade nur solchen Zuhörern aber werde ich, bei der Widererzählung jenes Gesprächs, völlig verständlich werden können – solchen, die sofort errathen, was nur angedeutet werden konnte, ergänzen, was verschwiegen werden mußte, die überhaupt nur erinnert, nicht belehrt zu werden brauchen.“45

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Bildung oder was ist der Mensch?: Die Einleitung führt in die bildungstheoretische Problematik ein, indem sie das gegenwärtige, ökonomisierte Bildungsverständnis dem humanistischen Ideal gegenüberstellt.

2. Was ist Kritik?: Dieses Kapitel untersucht den etymologischen Kern von Kritik als Prüfung der Bedingungen von Erkenntnis anhand von Kant und Foucault.

3. Bildungskritik Teil 1: Friedrich Nietzsche: Nietzsche wird als Bildungskritiker eingeführt, wobei seine Basler Vorträge und sein Konzept der Selbstbildung analysiert werden.

4. Bildungskritik Teil 2: Theodor W. Adorno: Adornos Theorie der Halbbildung und der Kulturindustrie wird als fundamentale Kritik an der bürgerlichen Gesellschaft und der Verdinglichung von Bildung analysiert.

5. Resümee: Bildung und Widerstand: Das Resümee führt die Perspektiven Nietzsches und Adornos zusammen und plädiert für die Notwendigkeit von Widerstand und kritischer Selbstreflexion im heutigen Bildungssystem.

Schlüsselwörter

Bildung, Kritik, Aufklärung, Nietzsche, Adorno, Halbbildung, Kulturindustrie, Neoliberalismus, Gouvernementalität, Selbstbildung, Widerstand, Autonomie, Anthropologie, Philosophie, Kunst.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Bildungskritik von Nietzsche und Adorno und setzt diese in Bezug zu aktuellen Entwicklungen im Bildungssystem.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder umfassen den Begriff der Kritik, die Theorie der Halbbildung, neoliberale Steuerung von Bildung und die emanzipatorische Bedeutung von Philosophie und Kunst.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, die Aktualität der Bildungskritik beider Denker aufzuzeigen, um dem herrschenden neoliberalen Diskurs theoretischen und praktischen Widerstand entgegenzusetzen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt die Methode der Kritik als konsequente und gewissenhafte Prüfung der Bedingungen von Bildung und gesellschaftlichen Verhältnissen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung des Begriffs „Kritik“ sowie in zwei Abschnitte, die Nietzsches Idee der Selbstbildung und Adornos Analyse der Halbbildung detailliert gegenüberstellen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselwörter sind unter anderem Bildung, Kritik, Halbbildung, Widerstand, Autonomie und Neoliberalismus.

Wie definiert Nietzsche das Ziel der Bildung?

Für Nietzsche ist Bildung ein lebenslanger, prinzipiell unabschließbarer Prozess der individuellen Selbstwerdung und Distanznahme zur Masse.

Welche Rolle spielt die Kulturindustrie laut Adorno?

Adorno sieht in der Kulturindustrie eine „Anti-Aufklärung“, die das kritische Bewusstsein durch die Produktion von Waren und die Normung von Bedürfnissen verhindert.

Ende der Leseprobe aus 64 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Bildungskritik bei Nietzsche und Adorno
Untertitel
Grundlagen und aktuelle Bezüge
Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,7
Autor
Matthias Rottländer (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2012
Seiten
64
Katalognummer
V448545
ISBN (eBook)
9783668832015
ISBN (Buch)
9783668832022
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bildungskritik nietzsche adorno grundlagen bezüge
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Matthias Rottländer (Autor:in), 2012, Bildungskritik bei Nietzsche und Adorno, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/448545
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  64  Seiten
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