Anhand von Leveraged-Buyout-Finanzierungen (LBO-Finanzierungen) ist es möglich, Unternehmensakquisitionen mit einem überwiegenden Anteil an Fremdkapital zu vollziehen. Insbesondere in den vergangenen Jahren hat diese Art der Akquisitionsfinanzierung zunehmend an Bedeutung gewonnen. Niedrige Zinsen und volatile Kapitalmärkte tragen zu der erhöhten Attraktivität von LBO-Finanzierungen bei. Für Finanzinvestoren stellen LBO-Finanzierungen eine interessante Möglichkeit dar, um eine Steigerung der Eigenkapitalrenditen zu erzielen. Daneben nutzt oftmals auch ein unternehmensinternes respektive unternehmensexternes Management einen Management-Buyout (MBO) oder Management-Buyin (MBI) als Form des LBO, um so die Mehrheit an einem Unternehmen zu erwerben.
Gemäß einer aktuellen Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft
PricewaterhouseCoopers gehen 93 % der befragten Beteiligungsmanager davon aus, dass die Verfügbarkeit von Kapital für LBO-Finanzierungen in 2018 konstant hoch bleiben oder sich gar erhöhen könnte. Darüber hinaus halten 47 % der befragten Beteiligungsmanager die finanzielle Hebelwirkung zur Steigerung der Gesamtkapitalrentabilität für besonders wichtig bzw. für relevant. Demnach ist davon auszugehen, dass sich Unternehmensakquisitionen mit dieser Art der Finanzierung in naher Zukunft auch weiterhin auf einem hohen Niveau bewegen werden.
Ziel der Master Thesis „Akquisitionsfinanzierungen mit Leveraged Buyouts – Strukturen und Potenziale“ ist es, eine detaillierte Analyse von LBO-Akquisitionsfinanzierungen aus finanzwirtschaftlicher sowie gesellschaftsrechtlicher Sicht vorzunehmen und insbesondere Strukturierungsmöglichkeiten und daraus entstehende Potenziale auszuwerten und zu beurteilen. Dabei liegt der Fokus der Arbeit auf der Betrachtung der finanzwirtschaftlichen und juristischen Aspekte von LBO. Hierfür erfolgt eine Auswertung sowie eine vergleichende Analyse der wesentlichen wissenschaftlichen Literatur und höchstrichterlichen Rechtsprechungen. Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt auf der Verknüpfung sowohl von relevanten finanzwirtschaftlichen und juristischen Aspekten als auch von Theorie und Praxis.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung der Arbeit
1.2 Aufbau und Vorgehensweise der Arbeit
2 Unternehmensakquisitionen in Zusammenhang mit LBO
2.1 Finanzierungsstrukturen
2.1.1 Leverage-Effekt
2.1.2 Verschuldungsgrad
2.2 Akteure und Investitionsstrategien
2.2.1 Transaktionsgestaltung
2.2.2 Motivation für LBO
3 LBO-Kapitalstrukturen
3.1 Eigenkapital
3.1.1 Innenfinanzierung
3.1.2 Außenfinanzierung
3.2 Fremdkapital
3.2.1 Senior Debt
3.2.2 Second Lien Debt
3.3 Mezzanine-Kapital
3.3.1 Debt Mezzanine
3.3.2 Equity Mezzanine
4 Besonderheiten von LBO-Transaktionen
4.1 Unternehmensbewertung und Financial Covenants
4.1.1 LBO-Unternehmensbewertungsmethode
4.1.2 Financial Covenants
4.2 Kapitalschutzvorschriften
4.2.1 Kapitalerhaltung in der GmbH
4.2.2 Kapitalerhaltung in der AG
5 Limitation Language
6 Reflexion der Arbeit
7 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Ziel der Arbeit ist die detaillierte Analyse von Leveraged-Buyout-Akquisitionsfinanzierungen aus finanzwirtschaftlicher sowie gesellschaftsrechtlicher Sicht, um Strukturierungsmöglichkeiten und deren Potenziale zu bewerten.
- Finanzwirtschaftliche Analyse des Leverage-Effekts und der Verschuldungsgrade
- Untersuchung der LBO-Kapitalstrukturen (Eigen-, Fremd- und Mezzanine-Kapital)
- Analyse der LBO-spezifischen Unternehmensbewertung und von Financial Covenants
- Rechtliche Betrachtung der Kapitalschutzvorschriften für GmbH und AG
- Einsatzmöglichkeiten der Limitation Language in LBO-Transaktionen
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Leverage-Effekt
Der Leverage-Effekt illustriert ein finanzwirtschaftliches Prinzip, wonach mithilfe einer überwiegenden Verwendung von Fremdkapital ein Hebel erzeugt wird, der eine Steigerung der Eigenkapitalrendite ermöglicht. Grundvoraussetzung ist hierfür, dass die Gesamtkapitalrendite, d. h. der Jahresüberschuss als Ergebnis der gewöhnlichen bzw. operativen Geschäftstätigkeit, höher ist als der für das Fremdkapital zu zahlende Zins. Demnach müssen die anteiligen Wertsteigerungen des Akquisitionsobjektes bzw. seine operativen Erträge höher sein als die Kosten, die durch die Aufnahme von Fremdkapital entstehen. Sofern dies gewährleistet werden kann, nimmt die Rendite des eingesetzten Eigenkapitals mit steigender Verschuldung zu.
Um einen positiven Leverage-Effekt zu erzielen, muss das Akquisitionsobjekt, aufgrund der i. d. R. geringen Eigenkapitalausstattung des Investors, einerseits mit den laufenden Erträgen die Zins- und Tilgungslast stemmen können sowie andererseits auch die Sicherheiten für das aufgenommene Fremdkapital übernehmen. Zur Deckung der Fremdkapitalkosten werden daher der erwirtschaftete operative Cash-Flow sowie das nicht betriebsnotwendige Vermögen des akquirierten Unternehmens verwendet. Um dies grundsätzlich zu ermöglichen, müssen Investoren auf eine Beteiligungsmehrheit abzielen, da die Einbringung des Cash-Flows in die Akquisitionsfinanzierung regelmäßig nicht den Interessen der übrigen Anteilseigner entspricht. Die Durchsetzung des unternehmerischen Willens ist demnach Grundvoraussetzung eines solchen Unternehmenskaufs. Mithilfe des Leverage-Effektes sind Investoren in der Lage, Unternehmen zu akquirieren, deren Kaufpreis das eigene zur Verfügung stehende Eigenkapital deutlich übersteigt.
Bei einer Finanzierung mit Eigenkapital entsprechen die durchschnittlichen Kapitalkosten den Renditeforderungen der Eigenkapitalgeber. Da Eigenkapitalgeber im Gegensatz zu Fremdkapitalgebern u. a. mit ihrer Einlage bei Verlusten haften, gehen Eigenkapitalgeber mit ihrer Investition ein höheres Risiko ein als Fremdkapitalgeber. Dieses höhere Risiko der Eigenkapitalgeber führt dementsprechend zu einer höheren Renditeforderung. Eine sukzessive Verringerung des Eigenkapitalanteils respektive Erhöhung des Fremdkapitalanteils senkt daher die durchschnittlichen Kapitalkosten. Darüber hinaus verstärkt die steuerliche Abzugsfähigkeit der Fremdkapitalzinsen die Hebelwirkung auf die Eigenkapitalrendite. Denn durch die Verwendung des Cash-Flows zur Verrechnung der Fremdkapitalkosten wird das Abzugsverbot gemäß § 8b KStG vermieden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Die Arbeit beleuchtet die steigende Bedeutung von LBO-Finanzierungen und definiert die Zielsetzung einer finanzwirtschaftlichen sowie juristischen Analyse.
2 Unternehmensakquisitionen in Zusammenhang mit LBO: Dieses Kapitel erläutert den Leverage-Effekt, verschiedene Transaktionsformen und die Beweggründe von Finanz- und strategischen Investoren.
3 LBO-Kapitalstrukturen: Hier werden die Komponenten Eigen-, Fremd- und Mezzanine-Kapital detailliert analysiert und ihre jeweilige Funktion im Finanzierungsmix dargestellt.
4 Besonderheiten von LBO-Transaktionen: Dieses Kapitel behandelt die Unternehmensbewertung, Financial Covenants sowie die gesellschaftsrechtlichen Kapitalschutzvorschriften.
5 Limitation Language: Analyse der vertraglichen Vereinbarungen zur Vermeidung von Haftungsrisiken bei der Kreditsicherung.
6 Reflexion der Arbeit: Kritische Auseinandersetzung mit der Methodik der Arbeit und den Herausforderungen bei der Datenbeschaffung.
7 Schlussbetrachtung: Zusammenfassung der zentralen Ergebnisse hinsichtlich der Erfolgsfaktoren und Risiken von LBO-Finanzierungen.
Schlüsselwörter
Leveraged Buyout, LBO, Akquisitionsfinanzierung, Leverage-Effekt, Eigenkapitalrendite, Fremdkapital, Mezzanine-Kapital, Unternehmensbewertung, Financial Covenants, Kapitalerhaltung, GmbHG, AktG, Limitation Language, Cash-Flow, Rendite.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Strukturen und Potenziale von Leveraged-Buyout-Akquisitionsfinanzierungen unter besonderer Berücksichtigung finanzwirtschaftlicher und gesellschaftsrechtlicher Aspekte.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die Arbeit fokussiert sich auf Finanzierungsstrukturen, Kapitalarten, die LBO-spezifische Unternehmensbewertung, Covenants und rechtliche Kapitalschutzvorschriften.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist eine detaillierte Analyse der Strukturierungsmöglichkeiten von LBOs, um deren Potenziale sowie die damit verbundenen juristischen und ökonomischen Risiken zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturarbeit, die wesentliche wissenschaftliche Publikationen sowie höchstrichterliche Rechtsprechung vergleichend analysiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse von Finanzierungsstrukturen (Leverage-Effekt), Kapitalstrukturen (Eigen-, Fremd- und Mezzanine-Kapital) sowie spezifische Besonderheiten wie Bewertungsmethoden, Covenants und Kapitalschutzvorschriften.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind LBO, Leverage-Effekt, Fremdkapital, Mezzanine-Kapital, Financial Covenants und Kapitalerhaltung.
Warum spielt die "Limitation Language" eine so wichtige Rolle?
Sie dient als schuldrechtliche Vereinbarung zur Vermeidung einer persönlichen Haftung der Geschäftsführung bei Verstößen gegen Kapitalerhaltungsvorschriften während der Kreditlaufzeit.
Welche Bedeutung hat das Mezzanine-Kapital im Kontext eines LBO?
Es fungiert als hybride Finanzierungsform, um Finanzierungslücken zwischen günstigem Fremdkapital und teurem Eigenkapital zu schließen.
- Arbeit zitieren
- Basem EL-Bouz (Autor:in), 2018, Akquisitionsfinanzierung mit Leveraged Buyouts. Strukturen und Potenziale, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/448553