Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der im Frühjahr 2014 von Russland annektierten Krim. Es wird hierbei zweierlei versucht zu beantworten: Zum einen werden die Wahrnehmungen der Krim-Bewohner untersucht und mit denen der Medien verglichen. Untersucht wird hierbei, ob es so etwas wie eine Diskrepanz zwischen der veröffentlichten Meinung der Medien und der Haltung der Krim-Bewohner gibt. Zum anderen wird eine Analyse der Magazine Der Spiegel und The Guardian durchgeführt. Untersucht wird, inwiefern die Magazine die Angliederung der Krim eingeordnet haben und ob es möglicherweise so etwas wie ein gemeinsames Narrativ der beiden Magazine gibt. Als wissenschaftliche Grundlage wurden hierfür eine Vielzahl von Artikeln aus der Zeit der „Krimkrise“ ausgewertet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Fragestellung
1.2. Struktur und Vorgehensweise
2. Theoretische Fundierung
2.1. Die menschliche Wahrnehmung bei Rudolf Steiner
2.2. Die menschliche Wahrnehmung bei Beau Lotto
2.3. Forschungsstand
2.3.1. Forschungsstand in der Primärliteratur
2.3.2. Forschungsstand in der Sekundärliteratur
3. Wahrnehmung politischer Prozesse am Beispiel der Annexion der Krim durch Russland
3.1. Historischer Kontext der Ukraine
3.1.1. Historie des Landes
3.1.2. Die Zeit nach der Auflösung der Sowjetunion
3.1.3. Die Ukraine-Krise 2014
3.2. Die Krim
3.2.1. Demografie
3.2.2. Die Angliederung an Russland 2014
3.3. Wahrnehmungen der Krim-Bewohner zu Zeiten der Angliederung
3.3.1. Forschungsstand und Herausforderungen
3.3.2. Auswertung der Umfragen
4. Russlandberichterstattung in den deutschen Medien
4.1. Das historische Russlandbild der Deutschen
4.2. Das Russlandbild in den deutschen Medien
4.3. Gegenwärtige Vorurteile und Stereotype gegenüber Russland
5. Das Narrativ des Spiegel im Vergleich mit dem Guardian
5.1. Begründung der Auswahl der beiden Zeitungen
5.1.1. Der Spiegel
5.1.2. The Guardian
5.2. Die Narrative
5.2.1. Definition des Begriffs „Narrativ“
5.2.2. Das Narrativ des Spiegel
5.2.3. Das Narrativ des Guardian
5.2.4. Analyse und Interpretation der Untersuchung
6. Fazit
7. Literaturverzeichnis
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht, inwieweit die Wahrnehmungen der Krim-Bewohner mit den Einschätzungen westlicher Medien übereinstimmen und wie die Angliederung der Krim durch Russland in den Magazinen Der Spiegel und The Guardian narrativ interpretiert wird. Hierbei steht die Diskrepanz zwischen medialer Darstellung und der Haltung der Bevölkerung vor Ort im Zentrum der Analyse.
- Wahrnehmungstheoretische Fundierung (Rudolf Steiner vs. Beau Lotto)
- Historischer und politischer Kontext der Ukraine und der Krim
- Analyse der Haltungen der Krim-Bewohner anhand von Umfragen
- Historisches und gegenwärtiges Russlandbild in den Medien
- Narrative Analyse des Spiegel und des Guardian zur Krim-Annexion
Auszug aus dem Buch
3.3.1. Forschungsstand und Herausforderungen
Im Zuge der Angliederung der Krim und den daraufhin verhängten Sanktionen, gewann das Thema auf politisch-gesellschaftlicher sowie medialer Ebene immer mehr an Aufmerksamkeit. Daher stieg auch das öffentliche Interesse an der zuvor politisch eher bedeutungslosen Krim. Einige Medien gaben zu der Zeit Umfragen bei den entsprechenden Meinungsforschungsinstituten in Auftrag, um ein Abbild des Meinungsbildes der Bewohner darstellen zu können. In Bezug auf die Angliederung der Krim gab es jedoch auch einige privat in Auftrag gegebenen Umfragen, die nur bedingt transparent sind. Eine davon wurde von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) im Frühjahr 2015 durchgeführt und ist auf eigene Nachfrage hin repräsentativ, weshalb ich mich auf sie beziehen werde. Des Weiteren verwende ich eine Umfrage des renommierten, nichtstaatlichen Pew Research Center (PRC) aus den USA, welche kurz nach der Angliederung eine Umfrage veröffentlichte, die womöglich ein Bild widerspiegeln, das den realen Bedingungen vor Ort am nächsten kommt. Eine weitere bemerkenswerte Studie veröffentlichte im November 2017 das unabhängige „Zentrum für Osteuropa – und internationale Studien“ (ZOiS), das auf Initiative des Deutschen Bundestages ins Leben gerufen worden ist und seit Oktober 2016 seine Arbeit aufgenommen hat(vgl. Rötzer 2017). Die Studie ist sehr ausführlich und ermöglicht interessante Einblicke in das aktuell vorherrschende Stimmungsbild auf der Krim. Zu guter Letzt möchte ich auch den russischen Blickwinkel mit einbeziehen, weshalb ich dank der Übersetzung der Bundeszentrale für politische Bildung aus einem Zusammenschluss kleiner russischer Forschungsinstitute zitiere, welches sich die „Offene Meinung“ nennt(im russischen Original: Otkrytoe Mnenie).
Durchaus problematisch in diesem Zusammenhang ist die politische Lage auf der Krim, die in erster Linie von Verunsicherung und ständigem Wandel gekennzeichnet ist. Von vielen deutschen Medien werden die Bürger der Krim als verängstigt beschrieben, da gegen die Medschlis, die politische Vertretung der Krimtataren, ein Verbotsverfahren läuft und eine Vielzahl der Krim-Bewohner die Halbinsel anscheinend bereits verlassen hat(vgl. Dornblüth 2016). In einer vom Lewada-Zentrum durchgeführten Umfrage auf der Krim, erklärte Ende 2015 rund ein Viertel, dass sie Angst hätten ihre Meinung zur aktuellen Lage zu äußern(vgl. Bundeszentrale für politische Bildung 2016). Aus diesem Grund werden viele Umfragen kritisiert und in Frage gestellt, die These ist hierbei: „Die korrekte Untersuchung eines sich permanent im Wandel befindenden Sozialobjektes ist unmöglich“(ebd.). Es ist daher nicht zu klären in wie weit die Befragten ehrlich antworteten und die Aussagen womöglich einfach nur dem erwünschten Narrativ entsprechen. Die nun vorliegende Untersuchung muss also in Anbetracht dieser sozialpolitischen Hintergründe gelesen werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Thema, die Fragestellung zur Diskrepanz zwischen medialer und öffentlicher Meinung sowie die Vorgehensweise der Arbeit.
2. Theoretische Fundierung: Gegenüberstellung der Wahrnehmungstheorien von Rudolf Steiner und Beau Lotto zur Erläuterung der Subjektivität menschlicher Urteilsbildung.
3. Wahrnehmung politischer Prozesse am Beispiel der Annexion der Krim durch Russland: Historische Kontextualisierung der Ukraine und der Krim sowie Analyse der Wahrnehmungen und Umfragen der Bewohner vor Ort.
4. Russlandberichterstattung in den deutschen Medien: Darstellung des historischen und aktuellen Russlandbildes in den Medien sowie der vorherrschenden Vorurteile.
5. Das Narrativ des Spiegel im Vergleich mit dem Guardian: Untersuchung und Vergleich der narrativen Strukturen beider Magazine in Bezug auf die Krim-Krise.
6. Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Fragestellungen und Reflexion der Ergebnisse.
7. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Quellen.
Schlüsselwörter
Krim, Russland, Ukraine, Annexion, Medienanalyse, Der Spiegel, The Guardian, Narrativ, Wahrnehmung, Geopolitik, öffentliche Meinung, Umfragen, Sanktionen, Völkerrecht, Russlandbild
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Bachelorarbeit untersucht, wie westliche Medien über die Annexion der Krim durch Russland im Jahr 2014 berichtet haben und ob diese Berichterstattung mit den tatsächlichen Wahrnehmungen der Bevölkerung auf der Krim übereinstimmt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Wahrnehmungstheorie, der historisch-politischen Analyse der Krim und der Ukraine-Krise sowie der medienkritischen Untersuchung der Berichterstattung in Der Spiegel und The Guardian.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Es soll geklärt werden, inwiefern eine Diskrepanz zwischen der von westlichen Medien verbreiteten Meinung und der Haltung der Krim-Bewohner besteht und welche gemeinsamen Narrativ-Strukturen sich in den beiden analysierten Magazinen identifizieren lassen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie einer komparativen Analyse von Medienartikeln und Umfrageergebnissen verschiedener Institute (GfK, ZOiS, etc.) aus dem Untersuchungszeitraum 2014.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst die theoretische Fundierung der Wahrnehmung, einen historischen Abriss der Region, eine detaillierte Auswertung von Meinungsumfragen der Krim-Bewohner sowie eine narrative Analyse der journalistischen Berichterstattung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Krim, Russland, Ukraine, Annexion, Medienanalyse, Narrativ, Wahrnehmung, Geopolitik und öffentliche Meinung.
Wie unterscheidet sich die mediale Darstellung der Krim-Bewohner von deren tatsächlicher Haltung?
Die Arbeit zeigt auf, dass deutsche Medien die Bevölkerung der Krim oft als verängstigt und unzufrieden mit der russischen Administration darstellen, während verschiedene Umfragen eine hohe Zustimmungsrate zur Angliederung und ein signifikantes Vertrauen in die russische Führung belegen.
Welche Unterschiede gibt es zwischen Der Spiegel und The Guardian bei der Berichterstattung?
Beide Magazine nutzen ähnliche Narrative bezüglich der Aggressivität Russlands, doch bei der Frage nach einer möglichen militärischen Intervention zeigt sich, dass The Guardian diese deutlicher in Betracht zieht, während Der Spiegel stärker auf diplomatische Lösungen fokussiert.
- Citar trabajo
- Flavio von Witzleben (Autor), 2018, Das Narrativ westlicher Medien anhand der Annexion der Krim durch Russland, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/448640